5 - Flüsse - Radweg

An Altmühl - Donau - Naab - Vils und Pegnitz entlang
Vom 21. bis 25. April 2005


Autor: Klaus Donndorf



Die Fünf Flüsse Pegnitz, Altmühl, Donau, Naab und Vils geben diesem Radweg seinen Namen. Ausserdem radelt man aber auch noch eine Zeit lang am Ludwig - Donau - Main - Kanal und am Main - Donau - Kanal entlang, insgesamt 310 Kilometer.(Tatsächlich wurden es dann aber 331 km !)

Der Routenverlauf im linken Bild zeigt, daß es ein Rundweg ist. Was für mich den Vorteil hatte, daß ich wieder am Standort meines Autos ankomme. Das rechte Bild zeigt das entsprechende Wegezeichen, welches aber von einigen anderen ergänzt wird.

So finden sich auch die Schilder des Donauradweges, der Tour de Baroque und des Altmühlradweges entlang der Tour - und dazu noch etliche andere! Man muss immer sehr konzentriert sein und aufpassen. Das bikeline-Tourenbuch ("Fünf-Flüsse") wird mich wieder begleiten und sicher führen.

Ich habe meine Tour in Kornburg, südlich von Nürnberg gelegen, begonnen. Im Gasthof Weißes Lamm", Flockenstraße 2, Tel. 09129 / 2816-34 hatte ich ein Zimmer bestellt und dort konnte auch mein Auto die 4 Tage auf mich warten - und das für 2,5o / € pro Tag in einer Garage.


Vorab ein paar allgemeine Informationen zu den 5 Flüssen:
  • Die Quelle der Pegnitz befindet sich bei Fürth und sie verbindet sich später mit der Rednitz zur Regnitz - ganz schön kompliziert.
  • DieAltmühl ist von der Quelle im Burgbernheimer Stadtwald bis zur Mündung in die Donau bei Kelheim 195 Kilometer lang. ( Übrigens auch eine sehr schöne Tour, die ich im Juni 2003 gefahren bin. )
    Das Wort Altmühl leitet sich von den alten keltischen Worten "alc Mona" ab, die "Stiller heiliger Fluß" bedeuten. Der Name weist schon auf die Schönheit, aber auch auf die langsame Fließgeschwindigkeit hin: Die Altmühl ist der langsamste Fluß Bayerns mit einem Gefälle von 0,7 Promille (70 cm je km).
  • Die Donau entspringt im Schwarzwald und durchfließt als Europa's zweitlängster Fluß 10 Länder, ehe sie nach mehr als 2.800 Kilometern ins Schwarze Meer mündet.
  • Die Naab entsteht aus dem Zusammenfluss von Wald-, Fichtel- und Haidennaab.
  • Die Vils schließlich entspringt in Kleinschönbrunn und mündet bei Kallmünz in die Naab.

Freitag, 22. April 2005

Gestern abend habe ich nach einer "Fränkischen Vesperplatte" noch einen kleinen Rundgang durch Kornburg gemacht und dabei das alte Schloß (rechts) entdeckt. Der Wetterbericht hatte nur für heute und morgen gutes Wetter - also wenigstens keinen Regen - vorher gesagt. Ab Sonntag musste ich mit Schauern rechnen - mal sehen, was kommt! Zunächst musste ich aber auf den richtigen Radweg finden, was durch gute Hinweise des Chefs vom "Weißen Lamm", dem Herrn Müller ("Ich würde gerne mit ihnen fahren, Herr Donndorf") problemlos gelang und ab ging es am ehemaligen"Ludwig-Donau-Main-Kanal" entlang.

Diese beiden Bilder (unten) zeigen den "Alten Kanal", der schon seit Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr benutzt wird und heute ein Paradies für Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und besonders für Angler ist. Erbaut wurde der 173 Kilometer lange Kanal in 10-jähriger Bauzeit unter König Ludwig I. von Bayern. Eröffnet wurde er 1846.

Alte Meilensteine, ehemalige Schleusen und Schleusenwärterhäuschen - zum Teil noch bewohnt - säumen den Weg. Es ist schattig und recht frisch. Ich stelle fest, daß mein Sturzhelm, den ich ja zum erstenmal trage, den Kopf angenehm warm hält.

Auf dem zwar nicht asphaltierten, aber festen Weg seitlich des Kanals - vielleicht war es der ehemalige Treidelweg - kann ich entspannt am Kanal entlang radeln. Ab und zu sitzt ein Angler am Ufer oder ein Jogger begegnet mir. Ansonsten bin ich mit mir und der Natur allein - herrlich!

Plötzlich sehe ich diese moderne Skulptur (unten links) am Wege. Ein Schild sagt mir: diese hat der Künstler "Kraftfeld" genannt. Na ja!

Gegen Mittag, nach etwa 30 km, erreiche ich Neumarkt in der Oberpfalz .


Ein paar Worte zu diesem Ort:

Durch die günstige Lage zwischen Nürnberg und Regensburg kamen Leben und Reichtum nach Neumarkt.

Aber diese zentrale Lage brachte der Stadt im Dreißigjährigen Krieg, im spanischen Erbfolgekrieg und in den französischen Revolutionskriegen erbitterte Kämpfe.

Am 19./20. April 1945 legten die Amerikaner die Stadt zu 90 % in Schutt und Asche.

Es ist richtig warm geworden. Ich raste bei einem "Cappu Italiano" in einer Eisdiele auf dem Marktplatz und mache dann einen kleinen Stadtrundgang. Die untenstehenden Bilder zeigen (im Uhrzeigersinn von links oben) den Marktplatz, ein Seitenportal der Kirche St. Johannes, eine moderne Reiterskulptur und das Pfalzgrafenschloß, in dem heute das Amtsgericht untergebracht ist.

Die Brunnenanlage "Drei Reiter" auf dem Residenzplatz am "Reitstadel", dem ehemaligen Zeughaus, wurde im Jahre 2002 von Lothar Fischer, einem international anerkannten Bildhauer, geschaffen.


Nach erneutem Studium meines "bikeline"-Begleitheftes - das mir wieder gute Dienste geleistet hat - und nach kurzer Überlegung entscheide ich mich dafür, eine etwas kürzere Alternativroute weiter am "Alten Kanal" entlang zu fahren. Sie verläuft ohne jede Steigung durch ein wundervolles, ruhiges Stück Natur.

Nur einmal ging es nicht weiter, der Weg war wegen eines Erdrutsches und damit verbundener "Lebensgefahr" hermetisch gesperrt. Nur - eine Umleitung ist natürlich nicht beschildert und ich habe Glück - na ja, etwas "überlegen" und orientieren war auch im Spiel - den Anschluß wieder zu finden.

Da diese Route rund 15 Kilometer kürzer ist, als die normale, bin ich schon um 15.00 Uhr in Berching (rechts), an sich mein heutiges Ziel. Aber mir ist es viel zu früh, um schon Schluß zu machen und so fahre ich weiter bis Beilngries. Vorher habe ich im Hotel "Fuchsbräu" in Beilngries ein Zimmer be- und in der "Blauen Traube" in Berching mein Zimmer telefonisch abbestellt. Alles kein Problem, kommt wohl öfter mal vor.

Berching stellt mit seinen 1.100 Jahren ( erstmals im Jahre 883 erwähnt, 1296 zur Stadt erhoben ) ein Zeugnis mittelalterlicher Stadtbaukunst dar. Die Endung "-ing" deutet übrigens auf bajuwarischen Ursprung. Im Gegensatz dazu deutet "-ingen" auf schwäbischen und "-hausen" auf fränkischen Ursprung hin.

Auf meinem Weg komme ich am Benediktinerkloster Plankstetten (rechts und unten) vorbei. Es wurde 1129 gegründet, seine Kirche wurde nach dem Vorbild von Cluny errichtet!

In den Bauernkriegen geplündert, im Dreißigjährigen Krieg zerstört, zogen erst 1903 wieder Benediktiner hier ein. Einige Besuchergruppen, von Mönchen geführt, zeugen vom großen Interesse der Bevölkerung an diesem Kloster.

Um 16.30 Uhr erreiche ich Beilngries und mein Hotel (unten rechts), das ich ja schon von meiner "Altmühltour" 2003 kenne. Ein kleines, aber sauberes Zimmer, eine leckere Jausenplatte und ½ Liter Schorle, danach noch ein Rundgang und ab ins Bett.

Etwas Information zu Beilngries:

Im Jahr 1007 wurde Beilngries als Bilingriez erstmals urkundlich erwähnt. Der Name "Griez" bezeichnet ein sandiges Geröllfeld am Flußufer, "Bilin" bezieht sich auf einen Eigennamen der Sippe des "Bilo".

Der Ort erhielt auf Veranlassung des Bischofs und späteren Papstes Viktor II. von Kaiser Heinrich III. 1053 Markt- und Zollrecht. Um 1300 wurde die Kirche St. Walburga vollendet, außerdem erhielt die Stadt im Spätmittelalter eine Befestigung mit Mauer und Graben, die im Bauernkrieg eine Zerstörung der Stadt verhinderten.

1633 ergab sich die Stadt kampflos den Truppen Bernhards von Weimar. 1802 dankte der letzte Eichstätter Fürstbischof ab und Beilngries wurde von bayerischen Truppen besetzt.

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal wurde 1846 eröffnet und diente Beilngries hauptsächlich zum Holz- und Viehhandel.



Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 77 km Fahrzeit 5:06 Std. Durchschnitt 15,4 km/h Max 33 km/h


Samstag, 23. April 2005

Wieder ist es recht kalt, als ich um 8.30 losfahre. Aber es soll und wird heute trocken bleiben und sogar sonnig und warm werden. Mein Ziel ist Regensburg, geplante 80 km.

Die Strecke über Dietfurt - Riedenburg bis Kelheim kenne ich von der Altmühl-Tour 2003. Weiß also, daß mich hinter Dietfurt eine fiese Steigung nach Mühlbach erwartet. Aber - wo eine Steigung ist, ist auch wieder eine Abfahrt und so gleicht sich alles wieder aus.

Dietfurt hat seit über 100 Jahren den seltsamen Ruf einer "Chinesenstadt". Ein Kämmerer des Eichstätter Bischofs, der erfolglos versucht hatte, die Steuern einzutreiben, soll gesagt haben: "Die Dietfurter kommen mir vor wie Chinesen, die sich hinter ihrer Mauer verschanzen". Soweit diese Geschichte. Den Chinesenbrunnen habe ich vergeblich gesucht, aber es gibt ihn.

Unten ein Beispiel dafür, daß oft mehrere Routenangaben "angeboten" wurden, was beim schnellen Vorbeifahren leicht "ins Auge gehen" konnte.

Von hohem Berge grüßt Schloß Eggersberg (rechts), ein Bau aus dem 17. Jahrhundert. Es beherbergt heute ein "Hofmarkmuseum".

Nach Umrundung einer Altmühl- bzw. Main-Donau-Kanal-Schleife, kommt die Schleuse von Riedenburg in Sicht.

Vorher treffe ich ein Paar mit Liegerädern, die von Deising aus Tagestouren unternehmen. Sie schwören auf diese Art Rad zu fahren, nur bei Steigungen ist sehr schnell "Schluß mit lustig".


Dieser seltsame Fund (links) aus der Urdonausohle war mir schon 2003 aufgefallen. Ich konnte nicht erkunden, was es damit für eine Bewandtnis hat - vielleicht diese:

Durch die Hebung der Alb schnitt sich die Urdonau immer tiefer in die Albtafel ein.

Da die Wasserführung der Urdonau in den Eiszeiten sehr unregelmäßig war, schaffte der Fluß den Abtransport der anfallenden Geröllmassen zeitweise nicht mehr und schotterte auf.

In den Zwischeneiszeiten bei stärkerer Wasserführung und geringerem Schuttanfall, schnitt sich der Fluß in den zuvor gebildeten Talboden ein. So entstanden die Talterrassen.



Riedenburg hat ein reizvolles historisches Stadtbild (oben links), dazu drei Burgen: Schloß Rosenburg aus dem frühen 13. Jahrhundert beherbergt heute eine Greifenschule. Die Ruine der Burg Rabenstein stammt aus dem 12. Jahrhundert, die Ruine der Burg Tachenstein aus dem 13. Jahrhundert (oben rechts).


Gleich hinter Riedenburg grüßt Schloß Prunn (links) vom steilen Felsen majestätisch herab.

Und schon kommt kurz vor Essing die mit 193 Metern längste und wohl auch schönste Holzbrücke Europas (rechts) in Sicht. Beim des Bau des Main-Donau-Kanals wurde der bisherige Übergang zur südlichen Talseite unterbrochen. Die Rhein-Main-Donau AG schuf einen Ersatzübergang. Entstanden ist die längste Holzbrücke Europas.

In dieser Landschaft eine Brücke mit fast 200 Meter Länge zu bauen, die den ganzen Talraum überspannt, war keine leichte Aufgabe. Bauherr, Behörden und die Gemeinde entschieden sich für die ungewöhnliche Brückenkonstruktion des Architekten J. Dietrich. Nach 7 jähriger Planungs- und Entwicklungsarbeit und mit Hilfe von Ingenieurwissenschaft und moderner Holzbautechnologie konnte das ungewöhnliche Brückenbauwerk realisiert werden - welches mich an das Rückgrat eines Riesendinosauriers erinnert.

Um 13.00 Uhr erreiche ich Kelheim, auf dem Marktplatz herrscht reges Treiben. Ein Stadtfest ist angesagt und bei einer Apfelsaftschorle - es ist richtig heiß - höre ich den lauten Rufen eines holländischen Blumenverkäufers zu - zwangsläufig.

Derweil grüßt von oben die Befreiungshalle (links). Dieses Bauwerk soll an die Napoleonischen Befreiungskriege erinnern. Eröffnet wurde die Halle am 18. Oktober 1863, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig.

Weiter geht es Richtung Regensburg, 35 km warten noch auf mich. Aber vorher auch noch eine leicht überschwemmte Durchfahrt durch eine Straßenunterführung (rechts). Das gut 20 cm hoch stehende Wasser war wohl vom letzten Regen übriggeblieben.

Was mir nach der Durchfahrt übrig blieb, waren klatschnasse Schuhe und Strümpfe. Meine sich bildenden "Eisbeine" tauten erst abends im Hotel unter der warmen Dusche wieder auf. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Nach 15 km erreichte ich mein nächstes Zwischenziel - Bad Abbach . Der Markt Bad Abbach, Geburtsort Kaiser Heinrich II. (973-1024), kann auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurückblicken und ist seit Jahrzehnten ein bekannter und gleichermaßen beliebter Kur- und Fremdenverkehrsort. Eingebettet in die herrliche Landschaft des Donautals ist Bad Abbach auch als Wohnort sehr geschätzt.

Das Thermal-Schwefel-Moorheilbad Bad Abbach ist stolz auf seine lange Badetradition. Bereits die badekundigen Kelten und Römer, aber auch Kaiser Karl V., nutzten die heilenden Kräfte der Bad Abbacher Schwefelquellen. Seit 1465 ist ein geordneter Badebetrieb nachweisbar.

Alles geht einmal zu Ende, so auch mein langer Weg nach Regensburg. Die letzten Kilometer ziehen sich und als ich genau um 16.30 zum erstenmal die Spitzen der Domtürme in der Ferne sehe, bin ich froh. Die kalten Füsse und etwas Sitzbeschwerden, dazu den ganzen Tag Gegenwind - ich bin ganz schön geschafft.

Werde aber sofort wieder munter, als ich gleich auf den ersten Metern in der Stadt diese als Baumaterial verwendete jüdische Grabplatte (links) an einer Hauswand entdecke. Bei Judenprogromen im Mittelalter wurden auch jüdische Friedhöfe geschändet und solche Grabplatten als Baumaterial verwendet.

Problemlos finde ich mein Hotel, den "Straubinger Hof" - etwas schmuddelig, wohl von Jugoslawen bewirtschaftet. Aber was soll's, heute Nacht muss ich hier bleiben. Duschen, umziehen, eine SMS von Duibjohanns muntert mich auf und wird sofort beantwortet.

Und dann geht's ab in die Stadt. Erst zur Steinernen Brücke (links). Diese ist neben dem gotischen Regensburger Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt Regensburg und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und Ausdruk des Reichtums und des Wagemuts der Regensburger Bürger. Sie wurde in 11 Jahren Bauzeit von 1135 bis 1146 erbaut und war für mehr als 800 Jahre die einzige Brücke in Regensburg. Sie diente als Vorbild für die Karlsbrücke in Prag.

Über den Bau der Steinernen Brücke existert eine bekannte Sage. Nach dieser soll der Brückenbaumeister mit dem Dombaumeister eine Wette abgeschlossen haben, wer zuerst sein Bauwerk fertig gestellt haben wird. Nachdem der Dombau wesentlich schneller vonstatten ging, schloss der Brückenbaumeister einen Pakt mit dem Teufel. Wenn der Teufel die ersten 3 Seelen bekäme, welche über die Brücke gingen, würde er ihm zur Seite stehen. Von nun an ging der Brückenbau sehr schnell voran, so dass die Brücke zuerst fertig gestellt werden konnte. Der Teufel forderte nun seinen Lohn, weshalb der Brückenbaumeister bei der Eröffnung erst 3 Tiere über die Brücke jagen ließ. Die Legende ist natürlich unwahr, da die Brücke schon lange fertig gestellt war, bevor mit dem Bau des Domes begonnen wurde.

Die Figuren (links) am südlichen Brückenturm (oben) der "Steinernen Brücke" stellen Kaiser Friedrich II. (1194 - 1250 / in der Mitte) und links davon die Königin Irene von Byzanz, die Gemahlin von König Philipp von Schwaben (1176/77 - 1208 / rechts) - einem Sohn Friedrich Barbarossa's - dar.

Der Brückenerbauer sitzt übrigens heute noch als sogenanntes Brückenmännchen (unten links) auf seinem Bauwerk und blickt in Richtung des Regensburger Doms, als Strafe, weil er sich mit dem Teufel verbündete, um seine Brücke schneller zu vollenden als der Dombaumeister den Dom.

Weiter ging's zum gotischen Dom (rechts). Nach mehreren Vorgängerbauten dürfte dieser bald nach 1260 begonnen worden sein. Ein vorläufiger Abschluß ist mit dem Jahr 1520 anzusetzen. Von 18591872 erfolgte erst der Ausbau der Turmhelme und der Querhausgiebel. Die letzte große Innenrenovierung fand von 19851988 statt.

Ich sehe mir gerade das Rathaus (2 Bilder unten) an und denke an die Reichstage, die dort stattgefunden haben und wo man manches "auf die lange Bank geschoben" hat, als Frank anruft. Wir verabreden uns für morgen Abend in Amberg zum Essen - ich freue mich darauf. Und "trainiere" schon mal mit einer "Haxenpfanne" und einer Schorle im Andechser am Dom, ein Restaurant, welches sehr zu empfehlen ist
Haxenpfanne im »Andechser am Dom«

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 88 km Fahrzeit 5:23 Std. Durchschnitt 16,5 km/h Max 42 km/h


Sonntag, 24. April 2005

Nachdem ich gestern und vorgestern herrlich sonniges, wenn auch morgens recht kühles Wetter hatte, soll es heute bedeckt sein, aber wenigstens nicht regnen. Tatsächlich wird bis in die Nachmittagsstunden die Sonne scheinen. Und der Wind kommt auch mal nicht direkt von vorne, da bin ich doch schon froh und dankbar.

Durch das Ostentor (rechts) gelange ich zur Donau und fahre über die Steinerne Brücke, um auf den Radweg nach Mariaort zu gelangen. Eine frühe Fussgängerin - es ist erst kurz nach 8.00 früh - fotographiert mich freundlicherweise am Brückenmännchen. So kann ich endlich beweisen, daß ich mit Helm gefahren bin - immer !

Ich bin schon auf dem Radweg nach Passau - also nach Osten - als mir bewußt wird, daß ich ja nach Westen aus der Stadt herausfahren muß. Ist aber schnell korrigiert und entlang der Frankenstrasse, einer breiten Ausfallstrasse (B 8), gehts gen Westen Richtung Mariaort.

Christel sendet eine Morgen-SMS und ich rufe zurück, weil wir uns gestern nicht mehr gesprochen haben.

In Mariaort sehe ich mir die kleine Wallfahrtskirche (rechts) an. Ab hier verlässt man die Donau und es geht von jetzt an auf dem Naabtalradweg an der Naab (unten links), dem dritten Fluß im Bunde, entlang. Die Naab ist hier an ihrer Mündung in die Donau ein richtig breiter Fluß, wie ich zu meinem Erstaunen sehe.

Der Weg verläuft hier ohne nenneswerte Steigungen am Fluß entlang, in Etterzhausen am ziemlich heruntergekommenen Schloß der Familie Thurn und Taxis vorbei nach Pielenhofen. Hier gibt es eine Barockkirche und ein Kloster (unten rechts), aber da Sonntag und damit Gottesdienst ist, kann ich nicht hinein. Die Klostergebäude werden übrigens als Vorschule für die Regensburger Domspatzen genutzt.

Das nächste Stück Weg habe ich nicht in guter Erinnerung. Das Begleitheft spricht davon, daß der Weg hier bis Pielenhofen durch ein Landschaftsschutzgebiet (unten links) verläuft. Verschweigt aber den schlechten Zustand der Strecke, diesmal sogar mit Schlaglöchern. Nachdem ich bei zügiger Bergabfahrt ein soches deutlich zu spüren bekommen habe, fürchte ich, meine Packtaschen zu verlieren. Drehe mich also nach hinten und komme prompt nach links ab.Gottseidank gibt es hier eine richtige Leitplanke, an der ich mir zwar mein linkes Bein blutig stoße, aber wenigstens bleibt mir der Sturz in den Fluß so erspart. Die Wunde wird mich noch einige Zeit an diese Situation erinnern.


Der nächste grössere Ort ist Kallmünz- die "Perle des Naabtales genannt" - und hier kommt der vierte Fluß ins Spiel, die Vils (oben rechts).

Von welcher Seite man sich Kallmünz nähert, immer ist es das graue Mauerwerk der Burgruine, das zuerst den Blick auf sich zieht. Kallmünz liegt zwischen Naab und Vils gebettet, am Ortsrande jener Kalkfelsenlandschaft, die weiter nordwärts in der Fränkischen Schweiz ihr meist besuchtes Gebiet besitzt. Die Gegend wird auch als "Fränkische Toscana" bezeichnet.

Nachdem ich auf meiner Tour schon an etlichen Kreuzen vorbei gekommen bin, gefiel mir dieses (links) mit dem umrankenden, knospenden Rosenstrauch so gut, daß ich es fotographiert habe. Dabei stellte ich mir vor, wie schön es aussehen muß, wenn die Rose erblüht!

Aber Zeit für romantische Gefühle bleibt wenig, es sind immerhin noch runde 35 km bis Amberg. Das Tal der Vils erinnert mich sehr stark an das der Altmühl, wie der Fluß durch die Wiesen "mäandert" und dabei von Bäumen und Sträuchern gesäumt wird.

In Schmidmühlen überquere ich die Lauterach. 990 Jahre alt wird der idyllisch am Zusammenfluss der Vils und der Lauterach gelegene Marktflecken. Urkundlich erstmals erwähnt wird Schmidmühlen um das Jahr 1010. Das Land war um das Jahr 1000 im Besitz der Markgrafschaft Hohenburg. Die Landgrafenswitwe Philifrieda vermachte, wie es damals weit verbreitete Sitte war, die Besitztümer zum Seelenheil ihres Mannes dem Kloster St. Emmeram.

Der Name des Ortes findet sich auch im Wappen (oben rechts) wieder: links der Schmiedehammer, rechts das Mühlrad.

Im Ort gibt es ein altes Schloß, das "Obere Schloß" - auch Hammerschloß genannt - welches um 1600 erbaut wurde und als ein wichtiges Symbol der Deutschen Renaissance in Bayern gilt. An meinem Weg entdecke ich die "Hammerkapelle (unten rechts), eine von den vielen Kapellen in und um Schmidmühlen.

Mein Weg führt weiter über Vilshofen und ab hier auf einer alten Bahntrasse praktisch bis nach Amberg. Die Bahnlinie von Schmidmühlen nach Amberg wurde nach vielen Bürgerprotesten - so etwas gab es also schon früher - am 18.12.1910 in Betrieb genommen. Am 28.5.1988 wurde sie stillgelegt und zur Wander- und Radfahrertrasse gemacht.

Vorbei an dem Ort Rieden fahre ich weiter über Ensdorf und Theuern. Unterwegs komme ich mit einem Radfahrer aus Amberg ins Gespräch, der eine Tour rund um den Truppenübungsplatz Hohenfels - der zu unserer linken Hand liegt - plant. Er will die Tour am nächsten Wochenende mit einem Kollegen machen und erkundet sie schon mal, um sich später nicht durch Unkenntnis des Weges zu blamieren. Fand ich nett - ausserdem bestätigte er mir, auf dem richtigen Weg nach Amberg zu sein. Was beruhigend war.

Gegen 15.00 Uhr erreiche ich Amberg. Schon von weitem sehe ich den Turm der Kirche St. Martin (links), die Christel und ich uns voriges Jahr nach unserer Pragreise ausführlich angesehen haben. Durch Parkanlagen, entlang der alten Stadtmauer und unter dem Torbogen der "Stadtbrille" - sie ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung und Verbindungsbau zwischen "Neuem Schloß" und "Zeughaus" - geht es in die Stadt.

Ich muß meine Klingel oft benutzen, denn es sind viele Spaziergänger unterwegs. Der Grund wird mir schnell klar - es ist nicht nur Sonntag, sondern auch ein Stadtfest in der Fußgängerzone und auf dem Marktplatz (unten rechts). Also heißt es, den Rest des Weges zum Hotel das Fahrrad schieben. Einige Informationen zur Stadt: Amberg wird 1034 als "Ammenberg" zum ersten Mal urkundlich in einem Schreiben Konrad II. erwähnt.
Im Mittelalter war es ein bedeutender Umschlagplatz für Eisen und Eisenerz. Die Oberpfalz gilt als das Ruhrgebiet des Mittelalters. Im Amberger Land wurde Eisen abgebaut und über die Vils nach Regensburg verschifft.
Relikte des Salzhandels sind heutige Straßennamen wie Salzstadelplatz.

Ab 1269 kam es unter die Herrschaft der Wittelsbacher und wurde später Hauptstadt der oberen Pfalz, die von einer Nebenlinie der Wittelsbacher regiert wurde. Nach Einführung der Reformation fiel Amberg während des Dreißigjährigen Krieges an Bayern und wurde mit der Oberpfalz wieder katholisch, nachdem der pfälzische Kurfürst und böhmische König Friedrich V. von der Pfalz, der "Winterkönig", 1620 in der Schlacht am Weißen Berge dem mit dem bayerischen Herzog und späteren Kurfürsten Maximilian verbündeten Habsburgern unterlegen war.

Im Hotel Brunner, das ich auch schon vom vorigen Jahr kenne, beziehe ich mein riesiges Einzelzimmer und nach der üblichen erfrischenden Dusche gehe ich in die Stadt und mische mich - im wahrsten Sinne des Wortes - "unter das Volk". Man kann nur langsam durch die Fußgängerzone und über den Marktplatz schlendern, weil Hunderte unterwegs sind. Es ist warm und die Straßencafes und Eisdielen sind total besetzt.

Ich gönne mir eine "Fränkische mit Brötchen" und einen "Cappu italiano" und um 18.00 Uhr kommen Conny und Frank pünktlich "zum Abendessen". In der Gaststätte "Schlodererbräu", einer Gaststätte mit eigener Hausbrauerei (rechts), habe ich einen Tisch reserviert und wie das obige Bild zeigt, haben wir dort sehr gut und reichlich gegessen, mässig getrunken und uns angeregt unterhalten. Die Zeit verging sehr schnell und um 21.00 Uhr verabschieden sich die Beiden.

Danke für Euern Besuch !

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 76 km Fahrzeit 4:41 Std. Durchschnitt 16,5 km/h Max 42 km/h


Montag, 25. April 2005

Heute Nacht hat es geregnet, ich höre das typische Rauschen des Niederschlags und überlege schon, evtl. mit der Bahn nach Nürnberg zu fahren. Ich fahre einfach nicht gerne im Regen.

Aber der Wettergott hat ein Einsehen und gibt mir noch eine Chance. Obwohl es sich nochmal sehr abgekühlt hat durch den nächtlichen Regen. Ich verstaue schon mal das Regenequipment in der Lenkertasche und schütze die Gepäcktaschen mit dem gelben Regenschutz.

Also los in Richtung Sulzbach-Rosenberg. Ab Poppenricht fahre ich eine Abkürzung - aber nur, weil ich eine Abzweigung bei der Normalroute übersehe. Im Ort treffen die beiden Strecken wieder zusammen, also kein Problem. Ich sehe so wenigstens die alten Hochöfen der ehemaligen "Maxhütte" (rechts).

Sulzbach-Rosenberg liegt in der Oberpfalz, etwa fünfzig Kilometer östlich von Nürnberg. Die Stadt mit rund 21.000 Einwohnern ist geprägt von einer jahrhundertelangen Tradition des Bergbaus und der Eisenverhüttung, eben jener Maxhütte und von Kultur im Umfeld des früheren Sulzbacher Fürstenhofes. Das stolze Rathaus (oben links) zeugt davon.

Von jetzt an geht's fast stetig bergauf, liegt doch die europäische Hauptwasserscheide bei dem kleinen Ort Schönlind vor mir. Das Bild rechts zeigt die dort aufgestellte Tafel. Ich erinnere mich, schon einmal mit dem Rad eine solche Wasserscheide "bezwungen" zu haben. Das war 1957, als ich mit meinem alten Schulfreund Dietmar vom Gardasee zurückkam und von München aus quer durch Deutschland geradelt bin. 48 Jahre ist das jetzt her !

Ich halte mich aber nicht lange mit solchen nostalgischen Gedanken auf, denn der Himmel sieht gar nicht gut aus. Ich rechne jeden Augenblick mit Regen. Und bis Nürnberg ist es noch so weit! Ich trete also kräftig in die Pedale und überhole alles, was sich mir in den Weg stellt - she. das linke Bild!

Orte wie Etzelwang, Pommelsbrunn, Happurg oder Hersbruck - nie davon gehört. Jetzt bilden sie Zwischenziele auf meiner letzten Tagesetappe. Erfreulich ist, daß die Route meist bergab oder wenigstens eben verläuft.

Und dann ist Lauf an der Pegnitz erreicht. Im Bild rechts ist das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Ich dagegen gönne mir "3 Nürnberger im Brötchen" von heute und kläre die junge Wurstverkäuferin darüber auf, warum diese Würstchen so dünn sind. Wusste sie noch nicht, wollte es aber ihrer Chefin berichten. (Sie können es beim Autor erfragen!)

Ich sehe mir noch die alte Kaiserburg (links) an, die unter Karl IV. in der Zeit von 1356 - 60 teils im romanischen und teils im gotischen Stil errichtet wurde. Leider bleibt keine Zeit, die sehr interessante Inneneinrichtung zu besichtigen. Das müssen wir mal mit Conny und Frank nachholen.

Weiter geht die Fahrt über Rückersdorf nach Behringersdorf. Jetzt wird es gleich anfangen, zu regnen. Ich mobilisiere meine (fast) letzten Kräfte, um wenigstens eine Unterstellmöglichkeit zu haben. Und es gelingt, mit den ersten Tropfen finde ich eine solche und gleich auch noch einen älteren Radfahrer - mit dem gleichen Peugeot-Rad wie ich - und gleich kommt ein Gespräch auf.

Es ist zum Glück nur ein kurzer Schauer und nach 10 - 15 Minuten kann ich weiter fahren. Jetzt bemerke ich auch den 5. Fluß, die Pegnitz (oben) zum erstenmal, obwohl sie mich schon seit Hersbruck begleitet hat.

Ab Behringersdorf wird die Bebauung dichter, Parkanlagen wechseln sich mit Wohngebieten ab. Der Weg führt durch ein altes Hammerwerk (oben links) und dann erreiche ich den Wöhrder See (oben rechts) und damit das Stadtgebiet von Nürnberg. Gut beschildert werde ich durch Nürnberg geleitet, die großen und gut sichtbaren Hinweisschilder führen mich Richtung Langwasser und Kornburg.

Aber "nomen est omen" - Wasser muss nochmal sein und so fängt es auf den letzten Kilometern tatsächlich noch so an zu regnen, daß ich wieder das Regeneqipment anlegen muss, um weiterfahren zu können.

So - nun kommen die endgültig letzten Kilometer bis Kornburg. Aber in Worzeldorf auch nochmal etwas Unklarheit wegen der Streckenführung. Nach 3 Anläufen finde ich den richtigen Weg und an diesem die beiden "Schwedenkreuze" (links und unten).

Solche Steinkreuze zählen zu den ältesten Flurdenkmälern. Oft sind diese grob behauenen Kreuze schon in einem stark verwitterten Zustand. An manchen ist eine Zeichnung eingeritzt, nur selten haben sie aber eine Inschrift. Dieses schmucklose Aussehen mag wohl auch ein Grund dafür sein, dass sie die Phantasie der Menschen schon immer beflügelten.

Im Volksmund haben die Steinkreuze mehrere Bezeichnungen. Entlang des Böhmerwaldes nennt man sie "Hussitenkreuze" und in der nördlichen Oberpfalz sind es die "Schwedenkreuze". In mehreren Sagen ist die Rede davon, dass unter diesen Denkmälern Schweden begraben liegen. Die meisten dieser Kreuze entstanden jedoch schon lange vor dem Dreißgjährigen Krieg. Andere Bezeichnungen heißen "Sühnekreuz", "Pestkreuz" und "Franzosenkreuz".

Ja - und dann kam das erlösende Ortsschild von Kornburg, es ist jetzt 15.00 Uhr und damit deutlich später, als vorgesehen. Aber was soll's - das Ziel ist nach genau 331 Kilometern erreicht und nachdem ich mein Rad im Auto verstaut habe, genehmige ich mir eine kleine Jause im Gasthof "Weißes Lamm".

Vorher habe ich natürlich Christel und Frank angerufen und dann fahre ich, mal wieder "ratzkaputt" aber sehr mit mir zufrieden, nach Hause. Und bin froh, nicht in das Unwetter gekommen zu sein, daß um Nürnberg und Erlangen tobt.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 92 km Fahrzeit 5:50 Std. Durchschnitt 16,0 km/h Max 43 km/h