Aller - Radweg

Von Bremen nach Helmstedt
Vom 14. bis 19. Mai 2012

Autor: Klaus Donndorf



Mit einer Länge von insgesamt 260 km ist die Aller einer der bedeutendsten Flüsse in Niedersachsen und durch die aus dem Harz anfallenden Wassermengen auch der wassereichste. Die Quellen - vier an der Zahl - befinden sich in der Nähe von Seehausen bei Magdeburg, nördlich von Oschersleben in Sachsen-Anhalt. Bei Verden mündet sie schließlich in die Weser.

Die Fließrichtung verläuft zum größten Teil durch das nach ihr benannte Elbe-Aller-Urstromtal, das durch die Schmelzwassermengen der letzten und vorletzten Eiszeit entstanden ist. Ungewöhnlich ist, dass bikeline die Tour von der Mündung in die Weser bei Verden Richtung Osten beschreibt - wahrscheinlich wegen der "vorherrschenden Windrichtung" - soll heissen Westwind. Stimmte dann aber doch nicht immer!

Ob der Aller - Radweg wirklich "die schönste und reizvollste Verbindung zwischen Elbe und Weser" ist, wie man auf der offiziellen Seite im Internet lesen kann, ist sicher Geschmacksache. Mich reizte diese Tour - deren Gesamtlänge mit Start in Bremen und Ende in Magdeburg etwa 350 Kilometer beträgt - jedenfalls, nachdem mich Manfred, mein "UNI-Kommilitone", auf sie aufmerksam gemacht hatte. Geleitet wird man durch das oben rechts abgebildete Wegezeichen.



Auch für diese Tour habe ich wieder ein bikeline - Heft aus dem Verlag Esterbauer als Grundlage für meine Planung und während der Fahrt benutzt und zwar das vom

Aller - Radweg
Von Bremen nach Magdeburg

ISBN 978-3-85000-236-3 / Preis: 11,90 €
Zu beziehen im Buchhandel oder bei www.amazon.de

Montag, 14. Mai

Mitte Mai zeichneten sich endlich ein paar regenfreie Tage ab und so besorgte ich mir die Fahrkarte und bestellte am Wochenende wieder alle Hotels vor. Gestartet bin ich diesmal von unserer Haustür aus, fuhr mit dem Zug von Kamen nach Dortmund, hatte dort 1 Stunde Verspätung, in Osnabrück nochmal 30 Minuten und war gegen Mittag in Bremen. Hier gibt es - anders als in Dortmund - Aufzüge, was mit Fahrrad und Gepäck sehr hilfreich ist.

Vom Bahnhof (rechts) fährt man geradeaus über den Bahnhofsplatz in die Bahnhofstrasse, gleich rechts ab auf einem Radweg entlang der Hochstrasse, dann links über die Bürgermeister-Smidt-Strasse Richtung Innenstadt. Vorbei am Gewerbehaus (unten links), im 19. Jahrhundert im Stil der Weserrennaissance erbaut und heute Sitz der Handwerkskammer, zum Markt mit den Stadtmusikannten (unten Mitte), dem Rathaus und dem ROLAND (unten rechts).




Der Markt - Bremens "Gute Stube" - mit dem Rathaus von 1405 und den "Giebelhäusern".

Ich will heute bis Verden fahren und so halte ich mich nicht lange in Bremen auf. Gut beschildert und im bikeline beschrieben, finde ich die Wilhelm-Kaisen-Brücke über die "Große- und die Kleine Weser" und erreiche den St. Pauli Deich, der Richtung Süden am Werdersee entlang führt. Asphaltiert radle ich mit erfrischendem Gegenwind an den Orten Dreye und Ahausen vorbei Richtung Thedinghausen. Hinter dem Deich stehen gepflegte Villen, von deren oberen Geschossen man über den Deich schauen kann. Links grüssen die Flutlichtstrahler des Weserstadions.


Einige wenige Radlergruppen kommen mir entgegen und wir grüßen uns mit "Hallo" oder "Moin". Auch Skater sind unterwegs und an einem Bauernhof grüßt mich diese nette Dame mit "Kuh-ten Morgen"! Bald kommt in der Ferne der Verdener Dom in Sicht, aber ich werde es nicht bis 17.00 Uhr schaffen, denn dann schließt er.


Mein Hotel Grüner Jäger Parkhotel, Bremer Str. 48, Tel. 04231/7650 (links) erreiche um 18.00 Uhr, zahle die 58,- € für mein Zimmer gegen Vorkasse (!) und darf dann 20 Minuten laufen, um eine Möglichkeit zum Abendessen zu finden. Mein Hotel bietet nämlich kein Abendessen an.

Das Schnitzel mit den geliebten Bratkartoffeln und ein Glas Silvaner, die man mir im Hotel Verdener Hof serviert, stimmen mich wieder versöhnlich. Und um 20.15 Uhr liege ich "in der Querlage"!



Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 59 km Fahrzeit 4:24 Std. Durchschnitt 14 km/h Max 26 km/h Gesamt 59 km


Dienstag, 15. Mai

Nach dem 8.00-Uhr-Frühstück will ich zuerst und endlich in den Dom. Aber Petrus meint, er müsse mir heute Regen schicken und ich muss noch vor dem Dom das komplette Regeneqipment anziehen. Und es auch den ganzen Tag anbehalten, denn der Regen ist heute "ergiebig"!

Aber dann kann ich endlich in den Dom und zeige hier ein paar Bilder von meinem Rundgang:



Sarkophag des Fürstbischofs Philipp-Sigismund
Bronzegrabplatte des Verdener Bischofs Berthold von Landsberg
Der Dom zu Verden - Geschichte des Doms.
  • Anfang des 11. Jahrhunderts wurde die erste Kirche aus Stein errichtet. Ebenso wie ihr Ende des 12. Jahrhunderts erbauter Nachfolger wurde auch diese Kirche ein Raub der Flammen.
  • Der heutige Dom, Mariae et Ceciliae, wurde in zwei Bauabschnitten gebaut. Der erste erstreckt sich über den Zeitraum von 1290 bis 1323. Erst nach 150jähriger Pause wurde in den Jahren 1473 bis 1490 der Bau schließlich fertiggestellt.
  • Der Haupteingang im Westen (in der Domstrasse) ist in der Regel geschlossen. Von der Marktseite her kann die Kirche durch ein Vorgebäude mit barockem Portal und dem anschließenden östlichen Kreuzgang betreten werden.
  • In diesem vorgelagerten Fachwerkgebäude, das seit 1765 den südlichen Kreuzgang ersetzt, und in dem roten Backsteingebäude (mit dem Renaissance-Giebel) links vom Eingang befanden sich früher Unterrichtsräume und Wohnungen der Lehrer der Domschule. Diese Lateinschule wurde von dem Verdener Bischof Eberhard von Holle 1578 gegründet, nachdem die Räume vom Klerus nach der Reformation nicht mehr benötigt wurden. Schon vor 1002 wurden hier allerdings Scholaren von den Geistlichen unterrichtet.
  • Beim Verdener Dom handelt es sich um den ersten gotischen Dom Niedersachsens. Außerdem ist es die einzige gotische Bischofskirche des Landes. Der Dom ist eine Hallenkirche mit dem vermutlich ältesten Hallenumgangschor Deutschlands.

  • (Entnommen der HP der Domgemeinde Verden.)

Jetzt habe ich einige Bilder vom Verdener Dom gezeigt, ihn selber aber noch nicht. Als ich über die Aller aus Verden heraus radle, sehe ich ihn dann in seiner ganzen Größe vor mir!

Aber auch die Pferde, die dem Regen ihre Hinterteile zeigen - kluge Tierchen!

Ich verlasse Verden über die Südbrücke und den Klusdamm, biege an der nächsten grösseren Ampelkreuzung links ab in die Nienburger Strasse durch den Ort Hönisch, gut auf einem Radweg zu fahren. Es dauert etwas, bis endlich der Wegweiser nach Rethem auftaucht und ich links abbiegen kann. Mit etwas Rückenwind, aber weiterhin Regen, geht es auf einem Radweg entlang der Landstrasse über Ahnebergen und Barnstedt zum nächsten Ziel - den Ort Westen. Hier interessiert mich die romanische St. Annenkirche.


Ich bin jetzt an diesem trüben Regentag im "Aller-Leine-Tal" (oben links), die sonst so herrlich gelben Rapsfelder (rechts) sehe ich bei dem heutigen Dauerregen kaum. Ab und zu stelle ich mich in einem Bus-Wartehäuschen unter, um zu verschnaufen. Das Wasser läuft oben rein und unten raus.



In Westen sehe ich mir dann die kleine "St. Annen Kirche" (oben) an, was leider nur von aussen möglich ist. Mit ihrem runden Wehrturm und den hisitorischen Grabsteinen (rechts) versteckt sie sich hinter einer alten Linde. Sie ist das geistliche Zentrum der südlichsten Gemeinden des Kirchenkreises Verden.



In Wohlendorf erwähnt mein bikeline "Dorpschün- und Schafstall" und die sehe ich mir kurz an. Diese alte Fachwerkscheune (links) aus dem Jahre 1716 stand vormals in Groß Eilstorf, wurde dort ab- und in Wohlendorf wieder aufgebaut. Neben dieser Dörpschün steht ein Schafstall, der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Er dient als öffentlicher Treffpunkt für Wanderer und Radfahrer. Und der Regen hat inzwischen aufgehört!


Gleich darauf erreiche ich Rethem (Aller) mit seinem Rathaus (rechts), dem Burghof - einem Kulturzentrum - und dem Skulpturen-park am Allerufer. Die Skulptur "Raubkatze", 2005 von einem Norbert Thoss erschaffen, steht direkt vor der alten Bockwindmühle (unten) aus dem Jahr 1594, die eine der ältesten Mühlen in Niedersachsen ist. Auf dem Querbalken der Mühle ist der folgende Spruch zu lesen:

„Gib, Vater, nur den Wind und Deinen Willen,
so will der Menschen Mäuler ich wohl stillen!“


Der Gedenkstein (unten) erinnert an die im April 1945 gefallenen Soldaten der "2. Marine Infanterie Division, an die zivilen Opfer und an die der britischen "53rd (Welsh) Division". So wird immer wieder der Wahnsinn solcher Kriege deutlich!


Hier bei Rethem kann ich mal zwei Wege-Varianten zeigen. Die hier unten links gezeigte ist nicht ganz einfach zu fahren, aber reizvoll. Bei der rechten "Schotterpiste" habe ich regelrecht gebetet, dass meine Reifen diese spitzen Steine aushalten.



Frankenfeld ist nur ein kleines Dorf, hat aber schöne alte Bauernhöfe, meist mit den Schießscheiben am Giebel, die die Erfolge der Besitzer bei den Schützenfesten dokumentieren und die stolz gezeigt werden. Die Hofnamen stehen auf großen Findlingssteinen.



Nach der "Schotterpiste" folgt bei Neu Bosse ein schönes Wegestück. Hier verläuft der Radweg 5 Kilometer auf einer früheren Bahntrasse. Entsprechend eben und mit viel Wald drumherum. Ich treffe auf ein Radlerpaar aus Hessen, mit einem Tandem unterwegs und auch "not amused" wg. des Wetters. Gelächter auf meine Frage, wer von den Beiden in die Pedale tritt! Da sie noch keine Bleibe in Verden - ihrem heutigen Ziel - haben, empfehle ich ihnen den Verdener Hof.

Dann komme ich am ehemaligen Bahnhof von Eilte vorbei - hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein! Kurz darauf erreiche ich Ahlden (Aller) mit seinem Schloß (unten / in Privatbesitz und nicht zu besichtigen).

Mein Tagebuch bezeichnet die jetzt folgende Landschaft bis Bothmer als "eher eintönig", ein paar Rapsfelder sehe ich, aber nicht die Aller, die verläuft weiter östlich bei Hademstorf. Ein "Highlight" ist dann die Bothmer Mühle (unten links), eine Galerie-Holländer-Windmühle von 1822. An dieser Stelle besaßen die Herren von Bothmer einst eine Wassermühle. Weil durch diese die Aller-Schiffahrt behindert wurde, riss man sie im Jahre 1822 ab und baute die neue Windmühle.



Bothmer hat aber noch mehr zu bieten - einen Anruf von Christel, ein Schloß und eine Alte Dorfschule (rechts). Die in den Jahren 1908/09 erbaut, bis 1972 genutzt und dann zu einem Schulmuseum umfunktioniert wurde. Leider war sie verschlossen.

Jetzt geht es an das letzte Stück für heute, hinter Buchholz unterquere ich die A 7, komme in Wietze an einem Erdölmuseum (links) vorbei und in Hornbostel, kurz vor Winsen / Aller - meinem heutigen Ziel - fängt es nochmal heftig an zu regnen.

Dazu kommt eine schlechte Ausschilderung, sodass ich mich sogar verfahre und erst um 17.45 Uhr klatschnass in meinem Hotel Allerblick Bahnhofstr. 27 / Tel. 05143/8508 ankomme, wo mein Zimmer für moderate 45,- € (mit Frühstück) und ein leckeres Abendessen auf mich warten. Vorher musste ich aber noch meine nassen Klamotten gut im Zimmer und im Bad zum Trocknen Verteilen!





Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 90 km Fahrzeit 6:23 Std. Durchschnitt 13 km/h Max 26 km/h Gesamt 149 km


Mittwoch, 16. Mai

Die 90 Kilometer gestern haben ganz schön geschlaucht, entsprechend gut habe ich geschlafen. Und als ich um 8.00 Uhr nach einem reichlichen Frühstück losradle, sieht es nach gutem Wetter für heute aus. Bis auf einen Schauer blieb es auch trocken - aber ein sehr kalter und heftiger Wind kam auf.

Meine Wirtin hatte mir den Weg hinaus aus Südwinsen nach Oldau sehr genau beschrieben und so fand ich gut aus dem Ort heraus. An diesem Weg gibt es eine kleine Sehenswürdigkeit, die sog.Prinzensteine (rechts), die zur Erinnerung an eine Schlacht bei Winsen am 28. Mai 1388 aufgestellt worden sind.

In diesem Bruderkampf, in dem Niedersachsen gegen Niedersachsen standen, sollte entschieden werden, ob unsere Heimat dem Welfengeschlecht oder den sächsischen Herzögen gehören sollte. Es siegte der Celler Herzog Heinrich und seine Verbündeten.

Vorbei an Hambühren führt mein Weg durch einen Wald, hier habe ich mal ein Wegestück fotographiert, wie es auch vorkommen kann. War aber nur einmalig und sehr kurz. Dafür kann ich die letzten Meter nach Celle hinein auf einem Radweg an der B 214 gut radeln. Ich erreiche Celle um 10.00 Uhr und halte mich hier 1 Stunde auf. Es lohnt sich, sich die Stadt mit dem Herzogsschloß und der "pittoresken Altstadt" mit den über 400 Fachwerkhäusern etwas ausführlicher anzusehen.


Ich radle also geradeaus in die Stadt hinein und komme an einen Platz, den mein bikeline als Theaterplatz benennt. Eine freundliche Cellerin sagt mir aber, das hier sei der Thaerplatz und Herr Thaer, dessen Denkmal hier auch steht (rechts), sei "der Erfinder der Dreifelderwirtschaft"!

Da muss etwas falsch verstanden worden sein. Albrecht Daniel Thaer lebte von 1752 bis 1828, die Dreifelderwirtschaft - ich erinnerte an eine Vorlesung in Münster - gab es schon um etwa 1100 n. Chr. Richtig ist, dass Thaer als einer der Begründer der Agrarwissenschaft gilt.
So passt es!



Ein Teil des Rathauses stammt aus der Zeit der Stadtgründung im Jahr 1292. Der Nordgiebel im Stil der Weserrenaissance entstand 1579. Aus derselben Zeit stammen die Wappen Herzogs Wilhelm der Jüngere und seiner Frau Dorothea von Dänemark über dem Eingangsportal am Markt.

Die Elle am Eingangsportal hat eine Länge von 62,5 cm, wobei die alte Elle von 1692 nur 58,4 cm lang war. An der Elle befindet sich der Spruch:

„Ein ehrlich Bürger hier er misst,
was eine Celler Elle wirklich ist.“


Der Eingang der Touristinformation am Südgiebel wird geschmückt von zwei Prangersäulen mit Halseisen und der Jahreszahl 1786.

Etwas Celler Stadtgeschichte
  • Als Kellu (Siedlung am Fluss) wurde Celle 985 erstmals urkundlich erwähnt. Im 11. Jahrhundert verfügte die Stadt über das Münzrecht. Einige Münzen sind im Münzfund von Sandur auf den Färöern enthalten. 1301 erhielt Celle das Stadtrecht
  • Im Jahre 1378 wurde Celle Residenz der Herzöge von Sachsen-Wittenberg. Ab 1433 residierten die Fürsten von Lüneburg im Schloss. 1452 gründete Herzog Friedrich der Fromme ein Franziskaner-Kloster. Im Jahre 1464 ermöglichte das Kornschifffahrts-monopol einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.
  • 1524 wurde die Reformation in Celle eingeführt.
  • Im Jahre 1705 verstarb der letzte Celler Herzog und vererbte das Fürstentum Lüneburg an die hannoverschen Welfen. Celle gehörte nun zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg.
  • Celle bewarb sich nach dem Zweiten Weltkrieg neben Bonn und Frankfurt am Main sowie einigen anderen Städten als Sitz für den Parlamentarischen Rat. Allerdings fiel die Wahl am Ende auf Bonn und nicht auf Celle.

  • (Aus Wikipedia)

Mein Weg aus Celle heraus führt über die Aller, am Klinikum vorbei und dann auf einem Schotterweg (rechts) - der aber gut zu fahren ist - direkt an der Aller entlang über Altencelle und Bockelskamp nach Wienhausen. Jetzt soll aber mal gezeigt werden, dass ich tatsächlich an der Aller entlang gefahren bin - das Schild am Brückengeländer beweist es!



In Wienhausen sehe ich mir das Kloster von aussen an. Es ist ein ehemals zisterziensisches, heute evangelisches Frauenkloster aus dem 13. Jahrhundert. Es ist bekannt für seine Sammlung wertvoller gotischer Bildteppiche aus dem 14. und 15. Jahrhundert.



Ein leichter Schauer verkürzt meinen Aufenthalt am Kloster. Beim Weiterfahren noch ein Blick zur Wassermühle und dann entdecke ich diese Worte, die in einen Baumstamm geschnitten sind:



Kaiser Heinrich III. schenkt
dem Bischof von Hildesheim Huginghusen

Weiter geht es und bei herrlichem Sonnenschein lässt es sich entspannt radeln. Aber dann schauert es doch noch mal heftig, ich erreiche eine Unterstellmöglichkeit unter Bäumen und werde nur mässig nass. Ganz ohne Regen scheint es auf dieser Tour nicht zu gehen.

Bei Langlingen komme ich an zwei Häusern vorbei, die fotographiert werden müssen (eins zeige ich unten links) und der Clou ist dann hinter Nienhof das NABU-Tierhotel in einem alten Strommastturm (unten).



Hinter Oppershausen entdecke ich noch einen Fehler im bikeline - angeblich stehe an einem Rechtsknick ein 16t-Begrenzungsschild. Steht zwar nicht da, der Wegweiser zeigt aber die richtige Richtung an.

An einem Wehr, das ich quere, sehe ich auf dem Fluß ein Gruppe in einem Kanu und möchte doch zu gerne sehen, wie die das Wehr "packen". Nun - indem sie ans Ufer steuern, aussteigen und das Kanu um das Wehr herumtragen. Das kann jeder !


Entspannt, weil eben und meist asphaltiert, radle ich weiter und erreiche Müden an der Aller. Hier mündet die Oker in die Aller. Der kleine Ort mit nur knapp 6.000 Einwohnern hat eine lange Geschichte, die älteste urkundliche Erwähnung führt auf das Jahr 1022 zurück.


Mein erster Weg führt mich zur St. Petri Kirche (rechts), eine der ältesten Kirchen im Umkreis. Sie war im Mittelalter Archidiakonatskirche, dem Apostel Petrus geweiht und mit Datum vom 8. Juli 1295 bereits urkundlich erwähnt.


Hinter Müden führt mein Weg 6 Kilometer durch einen Wald bis nach Wilsche. Mein Tagebuch vermerkt, dass dieser Weg "gut zu fahren war". Ein Waldweg hat auf jeden Fall immer den Vorteil, dass du keinen Wind spürst. Und von dem werde ich abends in Gifhorn und auch am nächsten Tag reichlich zu spüren bekommen!


Um 16.00 Uhr erreiche ich Gifhorn und checke im Hotel Deutsches Haus, Torstr. 11, Tel. 05371/8180 ein. Mein Zimmer zu 75,- € mit Frühstück ist überbezahlt, aber das Hotel liegt zentral und doch ruhig. Mein Gepäck muss ich in den zweiten Stock schleppen, einen Fahrstuhl gibt es in dieser ehemaligen Poststation mit ihren 200 Jahren nicht. Auch keine Minibar - aber der Spargel mit Kräuterrührei am Abend schmeckte vorzüglich.



Ich schlendere durch die Fußgängerzone, vorbei an der Nicolai Kirche (rechts) und erkunde schon mal den Weg zum Schloß. Es weht ein heftiger und sehr kalter Wind und langsam reift in mir der Entschluß, morgen mit dem Zug bis Wolfsburg zu fahren. Dabei kann ich von den geplanten 70 Kilometern schon mal 26 sparen.




Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 66 km Fahrzeit 5:02 Std. Durchschnitt 13 km/h Max 24 km/h Gesamt 215 km


Donnerstag, 17. Mai (Himmelfahrt)

Gifhorn ist mit seinen 40.000 Einwohnern nicht gerade klein, aber einen zentralen Bahnhof gibt es nicht. Um nach Wolfburg zu fahren, muss ich etwa 3 Kilometer nach Gifhorn-Süd fahren, um an einem Automaten eine Fahrkarte zu lösen. Danach die gleiche Strecke zurück in die Stadt, ich will mir doch wenigstens das im Stil der Weserrenaissance erbaute Schloß ansehen. Und auch heute, an Christi Himmelsfahrt weht dieser eisige Wind und das im Mai!

Durch die Zugfahrt nach Wolfsburg verpasse ich zwar den Ort Fallersleben und will wenigstens erwähnen, dass der Verfasser der deutschen Nationalhymne, August Heinrich Hoffmann (1798–1874), genannt Hoffmann von Fallersleben, von hier stammt.

Vor dem Wolfsburger Bahnhof stehen Wegweiser, u.a. nach Oebisfelde und genau da will ich hin. So gibt es schon mal eine Orientierung. Aber vorher lasse ich das PHAENO - Gebäude (links) auf mich wirken, diese riesige, futuristische Masse Beton. Nach wenigen Metern knickt mein Weg nach links, führt über den Mittellandkanal und da sehe ich zur Linken die AUTOSTADT von VW.

Mit dem Kanal davor, den charakteristischen 4 Schornsteinen (unten links) und den zwei runden Autotürmen (unten rechts). In jedem warten bis zu 800 Neuwagen auf ihre Besitzer. Auch wir werden in einigen Wochen Christels neuen POLO hier abholen und werden von dieser Autostadt begeistert sein!





Weiter geht es, über eine große Ampelkreuzung und schon stehe ich vor dem Wolfsburger Schloß. (rechts) Diese "Wolfsburg" ist eine 1302 erstmals urkundlich erwähnte, mittelalterliche Niederungs- und Wasserburg, die sich später in ein Renaissance-Schloss wandelte

.

Mein Tagebuch erwähnt heute immer wieder diesen eisigen Wind, ich habe zusätzlich einen Pullover angezogen. Aber Himmelfahrt wäre nicht VATERTAG ohne jugendliche Gruppen, die ihr Bier auf einem Bollerwagen transportieren. Ich sehe heute jedenfalls mehrere. Aber auch radelnde Familien.

Aus Wolfsburg heraus führt der Weg durch eine Wohnsiedlung, alle Häuser sind im gleichen Stil gebaut und ich tippe mal auf eine VW - Werkssiedlung. Die parkenden Autos haben jedenfalls alle die gleiche Marke!


Wenn ich mir das linke Bild im Nachhinein ansehe, kann ich gar nicht glauben, wie kalt es an diesem sonnigen Tag tatsächlich war. Meine Hände sind steif vor Kälte und bei den nächsten Bildern kann ich kaum den Fotoapparat halten und den Auslöser drücken. Zur Erinnerung - es ist Mitte Mai. "Milder Winter diesen Sommer"!



Erst fotographiere ich die Kirche in Grafhorst (oben), dann dieses Schild, das auf die Grenzöffnung am 23. Dezember 1989 um 6.00 Uhr hinweist. Nur wenige Kilometer weiter steht auf einem gleichen Schild das Datum 11. Februar 1990 um 18.00 Uhr. Das machte mich stutzig und wieder muss mir Wikipedia helfen - die unterschiedlichen Daten hängen mit dem Prozess der Wiedervereinigung zusammen, der sich über mehrere Monate von 1989 bis 1990 hinzog.

Nach einer kleinen Rast in Breitenrode - man muss von Grafhorst aus über die Landstrasse nach Breitenrode fahren - erreiche ich Oebisfelde. Die Route lt. bikeline direkt nach Oebisfelde war gesperrt. Der Roland hier wurde natürlich fotographiert.

In Gehrendorf findet ein Event mit alten Militärfahrzeugen und Grillwurst statt. Neben der Landstrasse nach Lockstedt donnern Panzer durchs Gelände - Vatertag mal auf eine andere Art.

Weiter nach Weferlingen fahre ich wieder durch einen Wald (links). Die Aller erinnert mich hier an die Altmühl, so zugewachsen, wie sie sich hier darbietet (unten rechts).


Ich möchte jetzt eigentlich nur noch nach Walbeck zu meinem Hotel, aber die letzten Kilometer verunsichern mich total, weil die Wegezeichen entweder fehlen oder ungenau sind, d.h. ohne Ortsangaben. So bin ich froh, dass ich eine Radlergruppe treffe und fragen kann. Ja - ich bin auf dem Weg nach Walbeck. Und ehe ich mich versehe, taucht rechts von mir mein Hotel Barriere Rehm, Tel. 039061/2502, (Zimmer für 40,- € sehr preiswert) auch schon auf.



Das Hotel ist einfach, aber sauber und mit Wlan-Angebot modern. Abends bestelle ich mir eine Rehkeule mit Rotkohl und Klössen und die war einfach Spitze. Das Restaurant war auch von Einheimischen gut besucht, hatte also wohl einen guten Namen.




Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 50 km Fahrzeit 4:30 Std. Durchschnitt 13 km/h Max 26 km/h Gesamt 265 km


Freitag, 18. Mai

Nach dem gestrigen kalten Wetter reift bei mir der Entschluss, die Tour nur noch bis Helmstedt und von dort mit dem Zug nach Hause zu fahren. Diese letzten 19 Kilometer sollen es aber "in sich haben". Erst ein Schotterweg von Walbeck hinauf nach Schwanefeld - hier steht zwar diese romanische Kirche (rechts), ansonsten ist hier aber "der Hund begraben" - dann nochmal ein solcher nach Beendorf. Eine alte Seilscheibe an der Strasse nach Bad Helmstedt erinnert an den Kalibergbau, der hier einmal betrieben wurde (unten).


Jetzt berichte ich noch von dem schweßtreibenden Anstieg nach Bad Helmstaedt, dem aber eine herrlich erfrischende Abfahrt nach Helmstedt folgte. Eine freundliche Mitarbeiterin der BAHN suchte mir eine passende Zugverbindung über Minden und Hamm nach Kamen raus und im Gespräch mit einem ebenfalls radelnden Lehrer aus Osnabrück verging die Fahrt schnell.

Was nun aber gar nicht nötig war, war die Tatsache, dass es auf den letzten Metern von Kamen nach Heeren nochmal kräftig schauerte. Aber um 16.00 Uhr konnten Christel und ich unseren Nachmittagskaffee geniessen. Durch die Bahnfahrt zwischendurch und den Abbruch waren es diesmal nur 284 Kilometer.




Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 19 km Fahrzeit 1:15 Std. Durchschnitt 13 km/h Max 34 km/h Gesamt 284 km