Bodensee - Radweg

Mit dem Rad um den Ober-, Gnaden-, Unter- und Überlingersee
Vom 20. bis 27.Juni 2005

Autor: Klaus Donndorf



Der Plan, mal eine gemeinsame Radtour zu unternehmen, entstand schon bei einem Treffen am 20. Juli 2004. Manfred, Siegfried und ich trafen uns im Landgasthof "GUT ALTONA" in Wildeshausen, um über gemeinsame Erlebnisse als Kollegen zu plaudern. Und da Manfred und ich schon Rentner waren, Siegfried diesen erstrebenswerten Zustand im April des nächsten Jahres - also 2005 - erreichen würde und das Hotel in einem Prospekt Radtouren anpries, kam spontan die Idee: "Sollen wir nicht auch mal eine gemeinsame Radtour machen" ?

Nun - drei Rentner terminmäßig und sei es auch nur für eine Woche, "unter einen Hut" zu bringen, ist schwieriger, als mancher sich das vorstellt. Und so sollte noch 1 Jahr ins Land gehen, bis es dann endlich soweit war und sich eine Realisierung abzeichnete. Manfred hatte dann aber doch eigene Pläne und Termine und so sind schließlich Siegfried und ich im Juni 2005 zu zweit gestartet.

Zunächst war eine Tour entlang der Donau - von Donaueschingen bis Passau - im Gespräch. Aber da wir mit dem Auto anreisen wollten, entschieden wir uns dann für eine Rundtour und da bot sich der Bodenseeradweg an, diese fast schon "klassische" Radtour mit theoretischen 254 km Länge (bikeline-Tourenbuch "Bodensee-Radweg"). Die Übersichtskarte (unten) zeigt das "Schwäbische Meer", diesen mit 536 qkm drittgrößten See Mitteleuropas.

Unser Reiseplan sah vor, daß Siegfried am Montag, dem 20. Juni um 8.00 Uhr früh in Elmshorn startet und gegen 11.00 Uhr in Kamen ist. Aber wie heißt es bei Goethe: "...doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten" - und so gab es auf der A 1 bei Osnabrück einen Unfall mit einem Gefahrgut - LKW und Siegfried stand über 4 Stunden im Stau! An sich schon eine Strapaze, aber bei den heutigen Temperaturen ganz besonders nervig, trotz Klimaanlage.

Er war dann gegen 14.30 Uhr in Kamen, mein Rad und Gepäck wurden eingeladen und ab ging's nach Lindau. Unser Hotel, das "Schachenschlössle" in Bad Schachen (rechts) erreichen wir, nach problemloser Fahrt, um 20.00 Uhr. Beziehen unsere schönen Zimmer, duschen und genießen einen lauschigen Abend im Hotel-eigenen Biergarten.

Bevor wir aber losfahren, hier wie üblich ein paar allgemeine Informationen über den Bodensee:

Sein Name leitet sich ab von einem der ältesten Orte am See, dem Dorf Bodman am westlichen Ende des Überlinger Sees. Früher hieß der See auch Bodman- und Bodansee; der Name taucht erstmals um 830 auf.

Der Höhenzug, der den Überlinger See vom Untersee trennt, heißt auch heute noch Bodanrück.

In der Römerzeit hieß der Bodensee nach dem Ort Bregenz Lacus Brigantia oder Lacus Brigantinus.

Etwa 62% seines Ufers sind bundesdeutsches Hoheitsgebiet, rund 27 % des Ufers sind schweizerisches und etwa 11 % sind österreichisches Hoheitsgebiet. Wegen der fehlenden Grenzziehung auf dem See lässt sich nicht sagen, wieviel Quadratmeter Wasserfläche jeweils zu den Anrainerstaaten gehören.

An seiner tiefsten Stelle (zwischen Friedrichshafen und Romanshorn) ist der Bodensee 254 m tief. Seine Fläche beträgt 536 km² und seine gesamte Uferlänge 273 km. Er ist 63 km lang und 14 km breit mit einer

Aufwölbung - aufgrund der Erdkrümmung - von cá 44 m


Dienstag, der 21. Juni

Unsere Fahrräder konnten wir, genau wie Siegfrieds BMW, in einer Garage sicher abstellen und morgens mit unseren Gepäcktaschen beladen. Tacho auf "Null" und los kann's gehen.

Vor lauter Biergarten gestern abend haben wir nicht mehr daran gedacht, uns schlau zu machen, wie wir heute morgen aus Schachen raus und auf den Bodenseeradweg Richtung Lindau kommen. War dann aber ganz einfach, einmal rechts, einmal links und wieder rechts und schon sahen wir die Insel vor uns liegen.

Ein herrlicher Blick über den morgendlichen See hin zu den Schweizer Alpengipfeln - die zum Teil noch mit Schnee bedeckt waren - zeigte uns zum erstenmal die Schönheit und Erhabenheit der Landschaft.

Doch wir müssen ja auf die Streckenführung achten und das verlangt gerade bei grösseren Orten volle Aufmerksamkeit. Wie schnell hat man eine Abzweigung übersehen und ist schwupps auf dem falschen Weg.

Wir finden den richtigen Weg - ganz klar - und fahren an der Brücke zur Insel und am Güterbahnhof vorbei, über Reutin und Lochau. Es geht asphaltiert über einen separaten Radweg, vom Autoverkehr geschützt, hinein nach Bregenz (links) und dort den "Strandweg" und weiter die "Seepromenade" entlang. Jetzt sind wir also in Österreich, neben Deutschland der zweite Anliegerstaat am Bodensee.

"Als Landeshauptstadt von Vorarlberg ist Bregenz mit Konstanz und Friedrichshafen eine der wichtigsten Städte am See. Von hier gehen kulturelle Akzente aus, die nicht nur die Festspiele auf der Seebühne umfassen" - so unser bikeline - Führer.

Erster Halt an der "Seebühne". Dafür müssen wir zwar kurz mal unsere Route verlassen, aber die Bühne wollen wir auf jeden Fall sehen. Das Bild unten zeigt das Bühnenbild für den "Troubadour". Es stellt eine Ölraffinerie dar - wie dieses ? - dazu die offizielle Erklärung aus "derStandard.at/Kultur":

Die Bregenzer Seebühne wird zur Raffinerie. Bühnenbildner Paul Steinberg und Regisseur Robert Carsen versetzen Verdis Troubadour aus dem Mittelalter in die Jetztzeit. Graf Luna und Rebell Manrico werden kämpfen.

Die Verdi-Oper handle nicht nur von romantischer Liebe und tödlicher Leidenschaft, begründen die Künstler das industrielle Umfeld. "Im Troubadour geht es um Macht, um Reichtum und um Rache", sagt Bühnenbildner Paul Steinberg, "und was versinnbildlicht das rücksichtslose Streben nach Macht in der heutigen Zeit besser als das Erdöl?

Die Raffinerie verkörpere "eine Festung der Industriegesellschaft und ihrer kostbarsten Ressource". So weit, so gut.


Dieses Bild zeigt Bühnenbild und Zuschauerraum in ihrer ganzen Ausdehnung und Wirkung!

Siegfried scheint ob der Erklärung mit der Raffinerie schnell auf sein Rad kommen zu wollen und "nix wie weg" (rechts). Aber wo ist der beschilderte Weg?

Nun - die allgemeine Richtung gen Westen finden wir, entlang der Mehrerauer-Strasse anstatt am See. Aber vor uns sehen wir die "Zisterzienserabtei Mehrerau". Diese wurde schon im 11. Jahrhundert von Benediktinern gegründet und war eine wichtige Basis für Besiedlung und Missionsarbeit im Bregenzer Wald. Nach der Säkularisation zogen 1854 hier die Zisterzienser ein.

Für uns ist klar, daß wir wieder auf der richtigen Route sind. Trotzdem ergeben sich bei einer Walddurchfahrt wegen mangelhafter oder gänzlich fehlender Beschilderung Zweifel. Als dann aber die "Bregenzer Ach" (links) vor uns auftaucht, ist die Welt wieder in Ordnung. An diesem Fluß geht es ein Stück entlang, dann darüber und in Gegenrichtung weiter über einen Damm nach Hard.

Die Sonne meint es schon sehr gut mit uns, aber noch verläuft der Weg eben. Denn wir fahren jetzt erst an der "Dornbirner Ach" (rechts) entlang, dann kurz auf der Bundesstraße über den - hier begradigten - "Rhein" weiter nach Fußach hinein. Wo Siegfried, schnell wie er ist, beinahe einen Abzweig übersehen hätte. Aber nochmal Glück gehabt, wir merken es und ein einzelner Radler - ohne bikeline, nur mit ungenauer Karte unterwegs - auch.

Wir fahren ganz entspannt durch das NSG "Rohrspitz", genießen die herrliche Landschaft und den Blick über Wiesen und kleine Wäldchen hin zu den Alpen, deren Kulisse den Horizont begrenzt. Der Weg ist hier wieder gut markiert, die Lerchen singen ihre Lieder in den Tag hinein - so gelangen wir schnell nach Gaißau. Und hier mußt Du schon genau aufpassen, um den Schweizer Grenzposten zu erkennen - aber: wir befinden uns ab sofort auf Schweizer Boden.

Das letzte Stück verläuft unsere Route am sog. "Alten Rhein" entlang, dann über diesen und wieder in nördlicher Richtung. Als "Alter Rhein" wird im St. Galler Rheintal das alte Flussbett des Rheins bezeichnet, das bei der Begradigung des Flusslaufs abgetrennt wurde. Diese Gewässer haben sich zu einem wertvollen Naherholungs- und Naturschutzgebiet entwickelt, dem "Rheinspitz".

Schließlich wendet sich der Weg aber nach Westen und bald schon taucht die Silhouette von Rorschach (rechts) vor uns auf. Der Ort bestand schon zur Römerzeit, war eine Station auf dem Weg von Brigantium (Bregenz) nach Arbon (unten rechts), wohin wir über Horn und Steinach schnell gelangen. Arbon leitet sich übrigens vom lateinischen "arbor felix" - "glücklicher Baum" ab. Unser Weg verläuft hier immer nah am See entlang.

Und so können wir auch auf einer Bank direkt am See im Schatten grüner Bäume eine Rast einlegen. Auf den Liegewiesen ringsherum liegen Sonnenhungrige in derselben. Und damit wird wieder deutlich, daß das Seeufer hier in der Schweiz den Menschen und nicht einigen wenigen betuchten Privatpersonen gehört!

Nach Arbon hinein fahren wir kurz die Hafenstraße hinauf und sehen uns den romantischen Ort und das Schloß an. Aber Konstanz ist noch weit, wir halten uns also nicht lange hier auf, sondern fahren weiter nach Romanshorn.

In Romanshorn gab es einen lustigen "Zwischenfall". Am Kaiufer entlang und durch öffentliche Anlagen sollten "Radfahrer absteigen" - was wir natürlich ignorierten. Wir fuhren zwar langsam, aber immerhin, geschoben haben wir nicht. Das wiederum fuchste einen nickeligen Schweizer Bürger - so ein richtig "strampuses Männeken", wie man in Westfalen sagen würde - und der beschimpfte Siegfried mit "Blöder Deutscher" oder so. Natürlich blieb der die Antwort nicht schuldig - und unser "Hilfssheriff" rannte hinter Siegfried her. Ich fürchtete schon eine handgreifliche Auseinandersetzung, rief Siegfried von hinten warnend zu - aber Kerlchen traute sich dann doch nicht und entschwandt.

In Uttwil machten wir dann eine längere Pause, es war Mittagszeit und die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel - woher auch sonst? Am Wege lud ein Gasthof mit schattigem Biergarten direkt am See zum Verweilen ein. Und genau das taten wir, bestellten einen "Schweizer Wurstsalat" und ein kaltes Getränk und liessen es uns schmecken.

Für unsere Unterhaltung sorgte eine Schwanenmutter mit fünf Kücken. Sobald sich ein noch so kleines anderes Tier wie etwa eine Ente in ihre und ihrer Kinder Nähe wagte, verscheuchte sie dieses mit Geschrei und wildem Flügelschlag. Dabei war besonders lustig, zu sehen, wie auch die Küken bei diesen Zornausbrüchen regelrecht "abtauchten" - wohl, weil selbst sie vor ihrer Mutter Angst hatten. Wir und die anderen Gäste amüsierten uns königlich.

Kaum wieder gestartet, verlief unsere Route im Ort etwas bergauf und gleich hinter einem Bahnübergang scharf rechts abknickend Richtung Kreuzlingen. Was schlecht zu erkennen war, weil das Routenschild auf der linken Straßenseite hing.

Geradeaus wurde die Steigung heftiger, was Siegfried aber nicht davon abhielt - ich glaube eher noch motivierte - genau da hinauf zu fahren. Bevor ich reagieren und ihn zurückrufen konnte, war er meinen Blicken hinter einer Biegung schon entschwunden. Und da hinterher fahren keinen Sinn machte, fuhr ich die richtige, eben verlaufende Route an der Bahn entlang. In der sicheren Annahme, daß er irgendwann seinen Irrtum bemerken würde - was dann auch eintrat. Und so waren wir schnell wiieder zusammen auf dem letzten Stück für heute nach Kreuzlingen / Konstanz.

Vorher kamen wir natürlich noch durch Scherzingen, wohin sich ja Jan Ullrich - der, der die "Tour" immer verbal gewinnt - hingezogen fühlte.

Und dann erreichen wir, müde und verschwitzt, Kreuzlingen, den letzten Schweizer Ort für heute. Im "Seeburg-Park" am Hafen machen wir nochmal eine kurze Kaffeepause. Jetzt kommen "die letzten hundert Meter" bis zum Hotel in Konstanz. Am Hafen mit der Statue der "Imperia" und dem "Konzilsgebäude" vorbei fahren wir links in die Stadt hinein - jetzt heißt es wieder, auf Ampeln zu achten. Und schon stehen wir vor dem "Barbarossa", unserer Bleibe für heute und morgen Nacht.

Wir haben im "Barbarossa" nur ein Doppelzimmer bekommen, das ist aber so riesig, wie eine mittlere Wohnung. Nur das Bad ist sehr eng, für zwei Personen gleichzeitig sicher ungeeignet. Aber wir richten uns ein.

Erstmal duschen, landfein machen und ab in die Stadt. Es ist noch sehr warm und in der Fußgängerzone laden mehrere Cafés zum Verweilen ein. Für uns gibt's zur Belohnung für unsere heutige Leistung (she. unten) einen Cappu und für Siegfried ein Tartuffo-Eis. Abends essen wir im Biergarten unseres Hotels und nachdem wir nochmal nach unseren Rädern, die sicher unter Dach und Fach stehen, gesehen haben, geht's ab ins Bett.

Unsere heutige Tagesbilanz

Gefahren 86 km Fahrzeit 5:01 Std. Durchschnitt 17,5 km/h Max 38 km/h



Mittwoch, der 22. Juni

Heute wollen wir um den "Untersee" fahren und dabei die Insel Reichenau (links) und das idyllische Stein am Rhein besuchen. Mit einer Reichenau-Umrundung müssten es rund 90 km werden - mal sehen, ob's stimmt.

Also erstmal in Konstanz am Münster "Unserer Lieben Frau" vorbei, über den Rhein und links halten auf der Reichenaustraße / B 33. Es gibt zum Glück einen Radweg entlang der Straße, denn der Autoverkehr ist recht lebhaft. Rechts grüssen die Gebäude der Konstanzer Universität herüber, es geht an einem Sportflugplatz und am "Wollmatinger Ried" vorbei. Es ist das größte NSG am See, 5 km lang und bis zu 1,5 km breit.

Schon bald erreichen wir den Abzweig zur Reichenau, diesen 1838 errichteten Damm mit einer Pappelallee. Eine des Weges unkundige Radlergruppe informiert sich an einer Schautafel und versperrt den gesamten Weg. Wir müssen höllisch aufpassen, unbeschadet an ihnen vorbei zu kommen.

Vorbei kommen wir auch an den Resten der im Jahr 1365 zerstörten "Burg Schopfeln", mit der einst die Äbte ihre Insel verteidigten. Und dann erreichen wir als erstes "St. Georg" in Oberzell (rechts). Die Kirche wurde nach 888 erbaut. Sie ist in Stil und Harmonie das ausgeglichenste der drei Gotteshäuser und in ihrem Aussehen bis zum heutigen Tag nahezu unverändert.

Zu Berühmtheit gelangt ist sie durch die ottonischen Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert. Zwei davon sehen Sie auf den beiden untenstehenden Bildern. Links ist "Die Heilung eines Wassersüchtigen" (Lukas 14,1-6) und rechts "Die Beruhigung des Sturmes auf dem See Genezareth" (Markus 4, 35-41) zu sehen.

Dann fahren wir vorbei an den Gemüsefeldern und Gewächshäusern, die heute das Bild der Insel bestimmen, zur Kirche "Peter und Paul" in Niederzell (links). Diese Kirche wurde im 11. und 12. Jahrhundert erbaut. Ihr Ursprung geht jedoch in das 8. Jahrhundert zurück, als Bischof Egino von Verona, der seinen Lebensabend in der alemannischen Heimat am Untersee verbringen wollte, am Westende der Insel eine Kirche erbaute.

Rechts unten ein Blick auf die Apsis, deren Wandmalerei im frühen 12. Jahrhundert entstand. Sie wurde 1900 wieder frei gelegt. Ein im 15. Jahrhundert eingefügtes Fenster hat 2 von den ehemals 12 Aposteln, die im mittleren Teil zu sehen sind, zerstört.

Das Münster "St. Maria und Markus" (unten) in Mittelzell, ehemalige Klosterkirche und die größte der drei Kirchen der "Reichenau", ist heute katholische Pfarrkirche. Ihr ältester Bauteil wurde 816 geweiht. Besonders markant in der dreischiffigen Basilika sind der gewaltige Dachstuhl, der einem umgekehrten Schiffsrumpf ähnelt (unten rechts) und die reiche Schatzkammer.

Die UNESCO hat übrigens am 30.11.2000 die (frühere) Klosterinsel Reichenau zum Weltkulturerbe erklärt.

Noch ist es angenehm kühl, als wir gegen 10.00 Uhr wieder über den Damm aufs "sichere Festland" zurück radeln. Kurz vor der Hauptstraße geht es dann links ab und bald schon taucht zur Rechten das "Schloss Hegne" auf, ein ehemaliger Sommersitz der Konstanzer Bischöfe. Hegne gehörte von 1591 bis zur Säkularisierung zum reichsunmittelbaren Territorium des Bischofs von Konstanz und unterstand dem Obervogteiamt Reichenau. Heute beherbergt dieser Renaissancebau das Provinzialmutterhaus der "Barmherzigen Schwestern von Heiligen Kreuz".

Dann erreichen wir Allensbach. Der Ort wurde durch das "Institut für Demoskopie" international bekannt. Mir fällt ein kleines Schild mit seiner Aufschrift an einem unscheinbaren Haus an der Strasse eher zufällig auf.

Einer Legende nach soll der Ort seinen Namen von dem "Alet", einem Fisch, ableiten. Der Bach, in dem dieser Fisch schwamm, floss jedenfalls nicht so bergauf, wie die Strasse, die wir zu fahren haben. Man glaubt nicht, welche Steigungen auch an einem an sich flachen Seeufer gegeben sein können.

Durch den kleinen Ort Markelfingen führt unser Weg direkt nach Radolfzell, wo der Turm des "Liebfrauenmünsters" (links) uns schon begrüßt. Und zu einer ersten Rast am Seeufer einlädt.

Ein mit seinem Bart martialisch aussehender "Berber" kommt mit seinem Hund vorbei und spricht uns freundlich an. In dem kurzen Gespräch erfahren wir, daß er auf dem Weg nach Konstanz ist, um sich seine "Stütze" abzuholen. Der Mann ist ob seiner deutlichen Zufriedenheit mit seinem Leben fast zu beneiden!

Zu Radolfzell lese ich im Internet:

"Weit reicht die Geschichte der anziehend am Bodensee gelegenen Stadt und des Liebfrauen-Münsters zurück. Bischof Radolt von Verona (gest. 847) hat anstelle des heutigen Münsters die erste Kirche gegründet. Radolfzell erhielt 1267 Stadtrecht, war im 15. Jahrhundert für einige Jahrzehnte reichsunmittelbar und stand danach bis zur Gründung des Großherzogtums Baden unter österreicherischer Herrschaft".

Und noch eine Information aus dem bikeline finde ich erwähnenswert:

"Hier bei Radolfzell mündet auch die Donau in den Bodensee! Das ist kein Witz! Bei Immendingen geht die Donau zuerst einmal in den Untergrund.
Nachdem sie fast unauffällig versickert ist, fließt sie nicht, wie man annehmen könnte, heimlich gen Osten, sondern nach Süden.
Nach 12 Kilometern unterirdischer Eskapaden auf verschlungenen Karstpfaden dringt der Fluss in der größten Quelle Deutschlands bei Aach wieder ans Tageslicht. Im "Aachtopf" (oben rechts) sprudeln gewaltige 10.000 Liter pro Sekunde aus dem Boden, um als "Radolfzeller Aach" in den Bodensee zu fließen. Von hier hat das Donauwasser nicht mehr weit in den Rhein..."

Für uns steht die Sonne inzwischen im Zenit und es hat bestimmt an die 30°. Uns ist mächtig warm und jeder Windhauch wird freudig begrüsst. Unser Weg führt jetzt nach Süden und die Sonne steht genau vor uns. Ich habe meinen Helm abgesetzt, weil ich zu sehr darunter schwitze. Siegfried bleibt - noch - eisern, später wird auch er "vernünftig".

Moos, Iznang und Grundholzen - kleine, saubere Orte am "Zellersee", wie dieser Teil des "Gnadensees" heißt. Hier gibt es viele Pensionen, scheint ein beliebtes Urlaubsgebiet zu sein. Aber dann zeigt diese Etappe, was sie uns zu bieten hat. In Hornstaad gibt es eine erste Steigung, die nach nichts aussieht, es aber in sich hat. Und gleich dahinter die nächste, rauf nach Gaienhofen. Aber da musst du durch, denke ich und Siegfried freut sich, endlich mal was zu tun zu bekommen. Aber er wartet oben immer auf mich!

Links liegt das Tagungshotel "Schloss Marbach" hinter dicken Mauern. Es wurde um 1200 von den Dienstmannen des Klosters Reichenau erbaut. Dann kommen wir nach Wangen am Bodensee, einem Ort, der schon 1155 erstmals urkundlich erwähnt wird. Erste Pfahlbausiedlungen sind in der Wangener Bucht sogar schon im 3. Jahrtausend vor Christus archäologisch nachgewiesen.

Hier in Wangen verlassen wir die Landstrasse, an der wir bisher - ohne Radweg - entlang fahren mussten. Erfreulich, dass nur wenig Autoverkehr herrschte. Und im Ort geht es herrlich steil bergab, du kannst "laufen lassen". Aber prompt kommt auch der "Pferdefuss" - mitten in der schönen Abfahrt müssen wir rechts abbiegen. Ich sehe das zum Glück, denn Siegfried war schon vorbei gefahren. Mal wieder Glück gehabt!

Aber wir sind noch nicht in Stein am Rhein. Gleich hinter Wangen erwartet uns die nächste Steigung und da muss ich absteigen und nach Kattenhorn hinauf schieben, Siegfried muss wieder warten. Es ist heiß und ich schwitze mächtig.

Aber genau um 13.00 fahren wir in Stein am Rhein ein und hier machen wir erstmal eine längere Pause. Essen und trinken und beobachten die Menschenmassen, die an unserem Tisch vorbei kommen. Mit einem Wort - der Ort ist überlaufen von Touristen aus aller Welt. Aber eben auch sehenswert mit seinen kunstvoll bemalten Hausfassaden. Und die "Touristenabspeise" unten am Rheinufer müssen wir uns ja nicht antun.

Allzu lange halten wir uns auch nicht auf, wir müssen ja heute noch nach Konstanz zurück. Und sind erleichtert, daß es nur noch 30 km sind, die vor uns liegen. 2/3-tel der Strecke hätten wir also schon geschafft.

Aus Stein am Rhein heraus geht es sofort über die Rheinbrücke, eine kurze Steigung hinauf - ächz - und hinter einem Bahnübergang wieder links auf einer asphaltierten Strasse mit wenig Verkehr Richtung Osten. Und wieder haben wir nicht bemerkt, daß wir eine Grenze überfahren haben und uns schon seit einiger Zeit wieder auf Schweizer Boden befinden.

In stetigem "Auf und Ab" fahren wir neben einer Bahnstrecke, kommen durch Mammern und hier steht wieder eins der verwirrenden, weil vollkommen überladenen Hinweisschilder (unten rechts). Die kannst du nur lesen, wenn du hältst und absteigst. Wer tut das schon gerne, besonders wenn es gerade gut läuft! Rechts grüßt vom Berge die "Ruine Neuburg", Reste einer mittelalterlichen Burganlage.

Ohne weiteren Aufenthalt erreichen wir Steckborn. Dieser Ort liegt auf einer Fläche von Sedimentablagerungen und wurde in der Jungsteinzeit (ab 4300 bis 2200 Jahre vor Chr.) erstmals nachweislich besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung von Steckborn ist in der Mitte des 9. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Insel Reichenau bekannt. Vermutlich wurde das Dorf damals der Abtei Reichenau geschenkt. Um das Jahr 1300 erlangt die Stadt beim Kaiser Heinrich VII. das Stadtrecht.

Jetzt trennen uns nur noch runde 15 km von Konstanz. Aber wenn einer glaubt, daß es sich auch nur etwas abgekühlt hat, so irrt sich der. Parole ist "Durchhalten" und um es kurz zu machen - über Mannenbach und Ermatingen, an Triboltingen vorbei erreichen wir die letzte Ortschaft vor der Grenze und das ist Gottlieben.

Die Gründung Gottliebens fällt ungefähr ins Jahr 1251. Welthistorische Bedeutung erlangte Gottlieben zur Zeit des Konstanzer Konzils 1414 -1418. Neben dem Reformator Johannes Hus wurde auf dem Schloß (unten rechts) auch Papst Johannes XXIII. hier gefangen gehalten.

Am Ortsschild von Konstanz fahren wir geradeaus und kommen zielsicher direkt an unserem "Hotel Barbarossa" (unten rechts) an. Und die Vorhersage stimmt - es sind 93 km geworden heute. Stramme Leistung, wie wir meinen!

Räder versorgen, duschen und umziehen und ab in die Stadt zum "Cappu", teilweise wieder mit einem "Tartuffo". Dann zum Italiener zum Abendessen. Anschließend lassen wir den Tag im Restaurant "Hafenhalle" ausklingen.

Unten links zeige ich mal eines der Konstanzer Wahrzeichen, die "Imperia", die der Berliner Peter Lenk geschaffen hat. Diese weibliche Gestalt stellt eine Prostituierte aus einem früheren Zeitalter dar. Die Arme der Figur breiten sich aus, und die Hände tragen zwei Gauklerfiguren, die den Kaiser und den Papst darstellen. Diese kleinen Figuren stehen symbolisch für die entsprechenden Zeichen der weltlichen und geistlichen Macht, die Kaiserkrone und die Papsttiara. Gleichfalls spreizt der Kaiser die Beine, wohingegen der Papst sie kreuzt.

Unsere heutige Tagesbilanz

Gefahren 93 km Fahrzeit 5:26 Std. Durchschnitt 17,3 km/h Max 43,2 km/h


Donnerstag, der 23. Juni

Heute soll es also um den "Überlingersee" gehen, mit der "Mainau" und dem "Bodanrück". Start (oben rechts) ist wieder früh um kurz nach 8.00 Uhr, herrlich frisch ist es noch. Aber es soll wieder ein sonniger Tag werden, Regen können wir aber auch nicht gebrauchen. Aus Konstanz heraus, über die Rheinbrücke kennen wir den Weg ja schon.

Dann geht es aber rechts weiter, erst direkt am Wasser, dann bergauf in ein Wohngebiet. Schließlich geht es durch einen kleinen Wald und hier streikt meine Gangschaltung zum ersten mal. Die Kette springt ab, also Handschuhe raus und sie wieder aufgezogen. Siegfried ist meinen Blicken längst entschwunden.

In Staad kurze Unsicherheit wegen der Wegführung. Aber als wir vor einem Fähranleger stehen, wissen wir, daß wir falsch sind. Also zurück - natürlich bergauf - und rechts ab, am See entlang nach Egg. Kurz darauf erreichen wir die "Mainau", die wir uns eigentlich ansehen wollten. Geht aber nur ohne Räder, also wohin mit dem Gepäck? Die vorhandenen Schließfächer sind dafür zu klein, drauf lassen geht auch nicht - also sparen wir die 11,-€ Eintritt und benutzen nur die Toilette.

Über Dingelsdorf und bis Wallhausen verläuft der Weg schön eben, teils durch Schatten-spendenden Wald, teils durch Wiesengelände - eine schöne Panoramastrecke. Aber dann kommt die erste Steigung hinauf in den "Bodanrück", schon in Wallhausen geht es los. Siegfried frohlockt, aber ich mit meiner kaputten Gangschaltung sehe gar nicht gut aus. Ich hätte aber auch mit einer intakten solchen, bei meinen Übersetzungen, echte Probleme bekommen.

So - ab jetzt sind also Waden gefragt, weil es die Berge des "Bodanrücks" zu erklimmen gilt. Zwischen Wallhausen und Liggeringen sind das auf cá. 10 km rund 130 Höhenmeter. Klingt nicht so schlimm, fordert aber bei der langen Strecke schon Ausdauer. Und durch die Anstrengung übersieht man leicht die Schönheiten der Natur am Wege. Das Mohnblumenfeld vor Langenrain (links) fiel mir aber doch auf.

Ich brauche eine kurze Verschnaufpause, denn es wird bis Liggeringen weitere 4 km stramm bergauf gehen. Siegfried dagegen fährt so locker vor sich hin, ihm machen diese Steigungen sichtlich Spass.

Ich wette aber, daß auch er froh ist, als es dann ab Liggeringen nicht zu steil, dafür herrlich entspannend bergab geht. Jetzt sind sogar gute Bremsen gefragt! Aber der Fahrtwind tut richtig gut! Denn die Sonne brennt auch heute wieder voll von einem wolkenlosen Himmel und meine Kleidung klebt am Körper.

An Bodmann vorbei, durch Ludwigshafen - gemeint ist das am Bodensee - haben wir jetzt mal wieder ein eben verlaufendes Stück, dazu noch asphaltiert, vor uns. Und in Ludwigshafen finden wir in einer Grünanlage eine freie Bank und rasten ausgiebig. Schauen dabei auf das gegenüberliegende Seeufer (links) und die Erhebung des "Bodanrück". Zwischen den Bäumen erkennt man die Ruinen des 1307 durch Blitzschlag vernichteten Klosters "Frauenberg" und der Burg "Altbodman". Wofür schleppe ich die ganze Zeit ein Fernglas mit mir herum?

Und dann, gegen 13.00 Uhr, erreichen wir Überlingen (wir sagen immer Uerdingen). Die letzten Kilometer waren richtig erholsam gegen die Berge des "Bodanrück". Trotzdem setzen wir uns in Überlingen gleich in die erste beste Eisdiele und genießen einen großen Eisbecher.

Ich bin gerade dabei, eine SMS an Christel zu senden, da bekomme ich eine solche von Dübbis. Habe ich mich gefreut! - und gleich geantwortet.

Auf der Strandpromenade in Überlingen müssen wir die Räder schieben. Es flanieren bei dem herrlichen Wetter aber auch so viele Menschen, daß man sowieso nicht fahren könnte. Ich erkläre Siegfried den etwas ausgefallenen Brunnen (rechts), den auch der Künstler Peter Lenk geschaffen hat, so gut ich kann. Martin Walser und Frau Noelle-Neumann, deren Tochter und die Herren der Banken, die kein Geld gegeben haben, sind hier verewigt. Und das nicht gerade schmeichelhaft. Eine ganz genaue Erklärung würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen - aber sie ist interessant.


Die Wallfahrtskirche St. Maria in Birnau ist eine Rokokokirche am Ufer des Bodensees in der Nähe von Uhldingen-Mühlhofen (Baden-Württemberg). Sie wurde 1746-1749 von dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb für die Reichsabtei Salem errichtet.

Die Kirche erhielt eine reiche barocke Ausstattung mit Fresken von Gottfried Bernhard Göz sowie Stukkaturen, Altären und Skulpturen von Joseph Anton Feuchtmayer, deren bekannteste der „Honigschlecker“ (rechts) ist, ein Putto mit Bienenkorb. Die Birnau liegt an der Westroute der Oberschwäbischen Barockstraße".

Gut beschildert führt unser Weg aus Überlingen/Uerdingen heraus und bald sehen wir am Hang die Klosterkirche "Birnau"(links), gleich daneben "Schloss Maurach". Die berühmte "Wallfahrtskirche St. Maria", kurz "Die Birnau" genannt, gilt als die schönste Barockkirche am Bodensee, erbaut von 1746-50 vom Vorarlberger Baumeister Peter Thumb. Im Kasten (oben) einige Informationen zur Kirche.

Schnell erreichen wir Unteruhldingen mit seinen berühmten Pfahlbauten (links), die anzusehen wir uns aber verkneifen. Zu groß ist die Menschenmenge, die sich vor der Kasse "knubbelt". Und fast ausschließlich Familien mit Kindern - also nee, das tun wir uns nicht an.

Ausserdem ist Meersburg, unser heutiges Ziel, nur noch 5 Kilometer entfernt. Um Punkt 15.00 Uhr erreichen wir es und finden auch sofort unser Hotel "Zum Bären" (unten rechts).

Unsere Räder stehen einzeln in einer Garage "unter Dach und Fach" und auch wir haben hier wieder jeder ein Einzelzimmer. Nach einer Ruhepause und dem obligatorischen Frischduschen und Umziehen laufen wir "runter" in den Ort. Unser Hotel liegt nämlich einige Meter über dem Wasserspiegel des Sees am "Marktplatz". Den erreicht man über die steil ansteigende "Steigstrasse". Bei unserer Ankunft haben wir unsere Räder da hinauf geschoben, was bei der Hitze heute weiteren Schweiß gekostet hatte.

Jetzt gehen wir aber, erholt von "nur" 63 Kilometern heute, zum See. Schlendern über die gut besuchte Seepromenade (unten links) und finden einen Schattenplatz - es ist wieder sehr heiß heute - in einem Café. Es macht richtig Spass, die vielen Menschen zu beobachten, die vorbei gehen. Viele kommen von einer Schiffstour über den See oder eilen zu ihrem Bus, der schon wartet. Auch viele Radtouristen kommen vorüber.

Meersburg ist untrennbar mit dem Namen der Annette von Droste-Hülshoff (rechts) verbunden. Drei Mal in ihrem Leben hat die Dichterin Meersburg zu ihrer Wohnstadt gemacht, bis sie 1848 hier auch starb. Die Räume der Burg, die Annette bewohnte, sind zum größten Teil noch original eingerichtet und das einstige "Fürstenhäusle", welches Annette kurz vor ihrem Tode noch erwarb, enthält heute ein "Droste - Museum".

Uns stellt sich die Frage, wohin wir heute abend essen gehen. Da hat Siegfried einen prima Vorschlag: Wie wär's mit der Terasse des "Staatsweingutes"? Ich erinnere mich, wo das liegt, es sind nur ein paar Schritte von unserem Hotel dorthin. Nur ist die herrliche Panoramaterasse - auf dem rechten Bild an der linken Seite - vollkommen besetzt. Aber eine freundliche Dame verschafft uns schnell 2 Plätze an einem Tisch und wir können ein Flammküchli und ein leckeres Steak geniessen. Dazu natürlich einen Wein bzw. eine Schorle.

Was wurde das für ein unterhaltsamer Abend, der erst gegen Mitternacht enden sollte! Erst sassen ein Ehepaar und ein damit befreundeter Herr mit am Tisch, alle über 70. Und dazu ziemlich unbedarft (aber nicht dumm), Siegfried konnte die beiden Männer mit seinem Wissen um Vorgänge in der bundesdeutschen Wirtschaft ein ums andere mal schocken. Während der einzelne Herr immer von "meiner Mutti" sprach (!), machte die Frau den Eindruck, als würde sie zuhause angebunden rumlaufen.

Und als die Drei gegangen waren, setzte sich ein jüngeres Paar zu uns. Sie verkauft in Lindau auf der Strandpromenade Steine, die sie selbst gesammelt und bemalt hat. Er sammelt Treibholz aus dem See, das dann auch "aufbereitet" verkauft wird. Also beide etwas künstlerisch angehaucht - ein interessantes Paar und ein kurzweiliges Gespräch - wie gesagt, bis Mitternacht. Wir haben uns bestens unterhalten heute abend!

Unsere heutige Tagesbilanz

Gefahren 64 km Fahrzeit 4:12 Std. Durchschnitt 15,3 km/h Max 46,0 km/h


Freitag, der 24. Juni

Siegfried sitzt schon am Frühstückstisch, als ich um 8.00 Uhr wie verabredet dazukomme. Wir nehmen uns Zeit, denn heute haben wir nur 43 Kilometer "vor der Brust". Fahren dann mit den Rädern nicht die steile Strasse durch die Stadt, sondern aussen herum über die Landstrasse. Die ist etwas weniger steil und wir kommen auch so richtig zur "Unterstadt".

Aus Meersburg raus fahren wir auf der Uferstrasse. Zwischen den fruchtbaren Weinbergen und der Weite des Sees geht es auf dem Uferweg eben und fast ohne Autos entlang.

Bald erreichen wir Hagnau. Das idyllische Winzer- und Fischerdorf ist umgeben von Obstgärten und Weinbergen, die sich von den sanften Hügeln bis hinunter zum Seeufer erstrecken. Der "Torkel" (rechts) aus dem Jahr 1747 ist ein Beleg für die lange Weinbautradition in Hagnau. Schade, daß wir den Wein nicht probieren können.

Unsere Route führt an "Schloss Kirchberg" vorbei, wo sich heute ein fast 80.000 qm großer Campingplatz befindet. Einst war das Schloss ein Kloster und diente den Salemer Äbten als Sommerresidenz - ein deutsches "Castelgandolfo" sozusagen.

Der Radweg führt jetzt an der B 31 entlang, eine kurze Steigung vorbei an "Schloss Hersberg" (unten rechts). Der Bau aus dem 16. Jahrhundert beherbergt heute ein geistliches Haus des "Pallotiner-Ordens für Bildung und Begegnung".

Dann durchfahren wir Immenstaad mit seinem gepflegten Ortskern. Sehenswert ist die katholische "Pfarrkirche St. Jodokus", die 1474 im spätgotischen Stil erbaut und im Jahr 1738 barockisiert wurde. Das "Rathaus" stammt aus dem Jahr 1716. Das "Schwörerhaus" ein alemannisches Fachwerkhaus wurde im Jahr 1578 erbaut.

Die Weinberge werden jetzt mehr und mehr von Obstplantagen abgelöst. Da der Radweg immer an der Hauptstrasse, der B 31, entlang führt, frage ich mich, ob eine Obstplantage so nah am Autoverkehr am richtigen Platz ist.

Wir durchfahren Seemoos und kommen dann nach Friedrichshafen. Hier gibt es einen "Cappu" in einem Café an der Strandpromenade, wo uns ein sehr lahmar...-ger Kellner lange warten lässt, bevor wir bezahlen können.

Friedrichshafen entstand 1811 aus der ehemaligen Freien Reichsstadt Buchhorn (von der sie das Wappen übernahm) durch Zusammenschluss mit dem Dorf und Kloster Hofen. Die Stadt wurde nach dem ersten württembergischen König Friedrich I. benannt. Im 19. Jahrhundert diente die Stadt den württembergischen Monarchen als Sommerresidenz.

Die jüngere Geschichte der Stadt wurde stark geprägt durch Ferdinand Graf Zeppelin. Die "Schlosskirche" (links) mit den beiden 55m hohen Kuppeltürmen aus "Rorschacher Sandstein" ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde von 1695 bis 1701 unter Leitung von "Christian Thumb" erbaut und zählt zu den berühmten oberschwäbischen Bauwerken des Barocks.

Aus der Stadt hinaus fahren wir am "Zeppelin - Museum" vorbei. Beim Abbiegen auf die "Eckenerstrasse" fädelt sich ein Rikschafahrer von einem Tankstellengelände so dämlich und rücksichtslos vor mir ein, daß ich "voll in die Eisen gehen muß". Seine Gäste meinen, mich auch noch beschimpfen zu müssen. Gut, daß ich so gelassen bin!

Ausgangs Friedrichhafen hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Routen. Eine verläuft in Seenähe am Ort Eriskirch vorbei; wir entscheiden uns für die Hauptroute und in Schwedi kommen auch beide wieder zusammen. Hinter Langenargen halten wir kurz zum Photostop an der "Hängebrücke" - GOLDEN GATE AM BODENSEE nennt es unser bikeline-Heft (links).

An Kressbronn vorbei geht es durch Wasserburg, wo ich ein schönes "Radwegeschild" mit Rosen sehe (rechts). Am Freibad herrscht reger Badebetrieb, morgen werden wir hier auch sein. Unser Weg hält noch ein paar Steigungen für uns bereit, die uns aber keine wirklichen Schwierigkeiten machen. Im Restaurant "bellini Garten" in Bad Schachen gibt's eine Erfrischung. Und ehe wir es uns versehen, erreichen wir um 13.15 Uhr unser heutiges Tagesziel, das "Schachenschlössle".

Heute werden wir ausgiebig ausruhen, dann unsere Räder säubern und zum Abendessen haben wir einen Tisch in eben diesem "bellini Garten" auf der Terasse reserviert. Das Essen war vorzüglich, aber sehr teuer. Dafür gab es nur 100 ml Wein für jeden von uns. Der - sehr aufmerksame, fast schon lästige - Kellner hatte sich wohl vertan.

Unsere heutige Tagesbilanz

Gefahren 45 km Fahrzeit 2:35 Std. Durchschnitt 17,8 km/h Max 44,2 km/h

So - nun ist der Hauptteil unserer Radtour vorbei, wir sind einmal rund um den ganzen Bodensee geradelt. Keine Abkürzungen oder Schiffspassagen waren dabei. Besonders auch der "Bodanrück" mit seinen schweißtreibenden Steigungen war im Programm. Und das macht uns ein ganz klein wenig stolz, auf jeden Fall aber zufrieden.

So zufrieden, daß wir am Samstag einen Ruhetag einlegen und nach Wasserburg ins Schwimmbad (oben rechts) fahren. Sonnen, lesen und im Bodensee bei 24° Wassertemperatur baden - so können wir es aushalten. Aber es ziehen Wolken auf und es fängt doch tatsächlich an, etwas zu regnen. Also packen wir unsere Sachen wieder ein und fahren nochmal nach Wasserburg hinein (oben links). Und ausser einem Brot mit geräuchertem Felchenfilet, das ich mir gönne, erleben wir noch eine Hochzeit mit Blasmusi.

Die Regenwolken, die uns eben noch aus dem Freibad vertrieben haben, haben sich ganz schnell wieder verzogen. So können wir diesen Tag im Biergarten des "Schachenschlössle" ruhig ausklingen lassen. Im Biergarten sind wieder alle Tische besetzt, das schöne Wetter lockt nicht nur Hausgäste hierher. Unsere Bedienung ist zwar ein Nervenbündel, hektisch und nervös und dadurch kommt es laufend zu "Falschlieferungen" an den Tischen.

Nicht so bei uns, unser Essen und der Wein bzw. die Schorle erhalten wir korrekt. Und bei unserer Unterhaltung lassen Siegfried und ich die letzten 4 Tage nochmal Revue passieren. Wir haben viel gesehen und erlebt, dieser Bericht kann nur Einiges davon widergeben. Wichtig war und ist, daß wir uns gut verstanden und ergänzt haben. Insofern fällt unsere Bilanz der letzten Tage durchaus positiv aus. Und am letzten Tag morgen, der uns ins Allgäu führen wird, wird das auch so bleiben.

Sonntag, der 26. Juni

Wenn man eine Tagestour mit dem Rad bei 30° plant, muß man morgens gut, aber nicht zu reichlich gefrühstückt haben. So haben wir es bisher gehalten und so halten wir es auch heute, am Sonntagmorgen. Denn heute wollen wir ins Allgäu und möglichst bis Wangen kommen.

Was wird uns erwarten? Jetzt haben wir nämlich keine Wegebeschreibung mehr, die uns über die Beschaffenheit der Strecke informiert. Lediglich das erste Stück des Weges, an Lindau vorbei Richtung Bregenz - wie am vorigen Dienstag - , dann aber in Zech links ab Richtung Hörbranz. Und zwar auf dem "Bodensee - Königsseeradweg".

Zunächst lässt sich der Weg auch ganz manierlich an. So sehr ohne Anforderungen, daß Siegfried bei einer Radlergruppe mit "anspringt", die uns mit ihren Rennrädern überholt. Das musste wohl sein (?!) - aber schon kurz darauf sind wir wieder zusammen.

Und dann kommen auch schon die ersten, für das Allgäu typischen, Hügel. Diese "Endmoränen", die uns eine Eiszeit vor Urzeiten zurückgelassen hat. Ich werde an meine Tour entlang der "Romantischen Strasse" erinnert. Da gab es diese Dinger auch, gleich hinter Füssen ging es los.

Es sollen noch einige weitere Hügel kommen, Siegfried ist in seinem Element. Aber ich habe ganz schön zu kämpfen, kann ich doch meinen kleinsten Zahnkranz vorne nicht einsetzen. Meine Schaltung hat auf "stur geschaltet". Ein Gutes hat diese Situation trotzdem für mich: ich weiß jetzt, das ich ein neues Rad, mindestens aber eine andere Gangschaltung brauche. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los (und wird ja dann zuhause auch schnell in die Tat umgesetzt!).

Wir fahren weiter über Sigmarszell und Hergensweiler, immer noch auf dem beschilderten "Bo-Kö-Radweg" und immer noch schön bergauf. Es ist wieder heiß geworden und der Schweiß fliesst - wo ?, nun - überall. Besonders in die Augen und die brennen allmählich.

Aber Wangen "im Allgäu" - Ordnung muss sein - kommt immer näher. Und gegen Mittag haben wir unser Ziel erreicht. Und uns eine Pause redlich verdient. Die nutzen wir zum Kartenstudium, denn wir müssen ja auch wieder zurück und wollen dafür eine andere Route wählen.

Wangen ist ein idyllisches, malerisches Städtchen mit einer langen Geschichte. In einer Urkunde des Klosters St. Gallen wird der Ort erstmals im Jahr 815 als Wangun erwähnt. Im 12. Jahrhundert gewann das klösterliche Verwaltungszentrum Wangen als Marktort an Bedeutung.

Kaiser Friedrich II. bestimmte in einer Urkunde 1217, dass die Schutzherrschaft von Wangen für immer in königlicher Hand bleiben sollte. Wangen hatte zu dieser Zeit offenbar bereits Stadtrechte. Nach der Hinrichtung des letzten Hohenstaufen Konradin, in der sogenannten "kaiserlosen Zeit" (Interregnum), gelang es der Stadt, gegenüber der St. Gallener Klosterherrschaft ihre Unabhängigkeit zu behaupten und systematisch auszubauen. König Rudolf I. von Habsburg besiegelte schließlich den Status als Freie Reichsstadt im Jahr 1286.

Nachdem wir uns erfrischt und ausgeruht haben, treten wir die Rückfahrt nach Lindau / Bad Schachen an. Diesmal auf dem "Donau - Bodenseeradweg", zumindest teilweise. Die Route führt durch das Tal der Argen (links), insofern meist bergab.

Aber zwischendurch kommt bei uns Unsicherheit bzgl. der Wegführung auf und so fahren wir unsinnigerweise einen Berg hinauf, den wir gleich darauf wieder hinunter fahren, weil es die falsche Richtung war. Doch irgendwann kommt ein Schild, das Lindau in 15 Kilometer Entfernung anzeigt. Und die Autobahn A 96 sehen wir auch vor uns. Also müssen wir auf dem richtigen Weg sein.

Und das sind wir auch, denn gegen 15.00 Uhr erreichen wir Bad Schachen und damit unser "Zuhause". Und nun ist unsere Radtour wirklich zu Ende.

Unsere heutige Tagesbilanz

Gefahren 78 km Fahrzeit 4:06 Std. Durchschnitt 17,4 km/h Max 50,2 km/h

Und am nächsten Morgen, Montag den 27. Juni, fahren wir wieder zurück nach Hause. Siegfried bleibt noch für eine Salatteller-Länge in Kamen und fährt dann weiter nach Elmshorn.

Was soll ich noch sagen? Es war eine interessante, oft anstrengende und schweißtreibende, aber insgesamt schöne

"Radtour um den Bodensee"