Boxenstopp - Route

Eine Radtour durch das Oldenburger Münsterland
im Juni 2010

Autor: Klaus Donndorf



Die Boxenstopp - Tour hatte ich mir zusätzlich zu zwei anderen für dieses Jahr geplanten Radtouren kurzfristig »ausgeguckt«. Ich wollte mich mit dieser etwa 310 Kilometer - Tour schon im April oder Mai für die Saison fit machen. Aber durch den "milden Winter in diesem Frühjahr" und unsere Baltikum - Reise musste ich den Termin immer wieder verschieben.

In der 22. KW. besserte sich dann das Wetter, der Regen machte mal Pause und die Sonne setzte sich durch. Da war der Entschluss, endlich zu fahren, ganz schnell gefasst und am 3. Juni ging es los.

Die nebenstehende Karte zeigt den Rundkurs der Boxenstopp - Route, die im Jahr 2004 konzipiert wurde und im sog. Oldenburger Münsterland durch die Landkreise Cloppenburg und Vechta führt - sie liegt somit in Niedersachsen. Die Route verläuft durch ebenes Gelände auf fast ausschließlich verkehrsarmen Landstraßen, welche überwiegend asphaltiert sind. Hört sich schon mal gut an - aber da ist noch mehr zu lesen:


»Die Boxenstopp-Route verdankt ihren Namen den zahlreichen Raststationen, die frische landwirtschaftliche und regionale Produkte anbieten sowie zur Übernachtung oder zur Einkehr einladen. Möglichkeiten des aktiven Landerlebens und kulturelle Sehenswürdigkeiten leisten ihren Beitrag zu einer facettenreichen Rundreise durch das Oldenburger Münsterland.

Boxenstopps sind hier also, ähnlich wie auch beim Motorsport, Stationen zum Anhalten, Auftanken und - in unserem Falle - zum Wohlfühlen.«


bikeline-Tourenbuch Auch für diese Tour habe ich wieder ein bikeline - Heft aus dem Verlag Esterbauer als Grundlage für meine Planung und während der Fahrt benutzt und zwar das von der

Boxenstopp - Route

ISBN 978-3-85000-198-4 / Preis: 9,90 €
Zu beziehen im Buchhandel oder bei www.amazon.de

Ich begann meine Tour in Cloppenburg, wo ich im Hotel Schlömer , Bahnhofstr. 17, Tel. 04471 / 652 ein Zimmer - mit 52,- € nicht ganz billig, aber o.k. - bestellt hatte und wo mein Auto die paar Tage auf dem Hotelparkplatz stehen konnte. Und sofort bekam ich eine Lektion in aktueller Heimatkunde: das Hotel hat eine Gaststube mit dem schönen Namen "Pingel Anton" - da wollte ich doch gleich wissen, was es damit auf sich hat.

Nun - so nennt man u.a. im Münsterland, in Ostwestfalen, im Emsland, aber auch im Sauerland die dampflokbetriebenen Eisenbahnen. Diese Bahnen mussten nach den Betriebsvorschriften wegen der unzähligen unbeschrankten Bahnübergängen immer wieder zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer läuten - also pengeln bzw. pingeln.

Nachdem ich die im nebenstehenden Bild gemachte Aussage vor dem Gebäude der Handwerkskammer mit großem Erstaunen gelesen hatte, wollte ich das bekannte Museumsdorf kennenlernen. Das Museumsdorf Cloppenburg ist das älteste Dorf - Museum Deutschlands und zeigt über 50 Bauwerke des ländlichen Raumes aus den letzten 500 Jahren. Es gab nur ein Problem für mich und das war die Hitze heute, wobei das Thermometer weit über 30° stieg. Der Besuch fiel deshalb nur kurz aus - links die Fachwerkkirche.

Ich bummelte durch die Fussgängerzone, erkundete noch den Pater - Bley -Weg (unten Mitte), auf dem ich morgen früh die Stadt verlassen würde und liess mir eine leckere Schnitzelpfanne mit Bratkartoffeln zur Schorle schmecken.

Nach einer nicht so guten Nacht bei geschlossenem Fenster wg. Hauptstrassenlärm und Nasenproblemen wg. Federkissen starte ich um 8.30 Uhr bei blauem Himmel. Zunächst durch die noch menschenleere Fußgängerzone, an der Soeste entlang hinaus aus Cloppenburg. Und gleich bin ich in der freien Natur, fahre durch Kornfelder - rechts der hellgrüne Hafer, links die blaugrüne Gerste.

Erstes Zwischenziel soll heute bei leichtem Gegenwind die Thülsfelder Talsperre sein. Vorher führt mein Weg mal durch Felder, mal durch ein Wäldchen (links). Zur Linken grüsst ein kleiner See (rechts), hier ist die Soeste etwas aufgestaut.

Typisch für das Oldenburger Münsterland sind die vielen einzeln stehenden Gehöfte, die sich hinter uralten Eichenbäumen ducken, um sich vor dem Wind zu schützen. Daneben sieht man Häuser, für die mir angesichts ihrer Größe nur die Bezeichnung "Anwesen" einfällt.

Hier stinkt es nicht nur nach Geld, auch der Stallgeruch beizt dir deine Atemwege frei!

Über Amtbüren und Stalförden erreiche ich die Talsperre (links) und nachdem ich mich wg. unklarer Beschilderung ein erstes mal verfahren habe, erreiche ich über Thülsfeld und Mittelsten- bzw. Vordersten Thüle gegen 11.30 Friesoythe.

Vorher komme ich durch einen Ort Pehmertange und werde an Stoffelhansenschweige auf meiner Donautour erinnert - hier ist es so einsam und doch steht hier eine Villa im toskanischen Landhausstil - unglaublich!

Friesoythes Geschichte beginnt um 1227, als ein Graf Otto von Tecklenburg die kurz zuvor erbaute Burg von Friesoythe zu seiner Residenz machte. 1308 wurde Friesoythe erstmals urkundlich als Stadt erwähnt, im 15. Jahrhundert wurde es Mitglied der Hanse.


Friesoythe ist Mitglied im »Ring der Europäischen Schmiedestädte«, der sich zum Ziel gesetzt hat, die regionale Vielfalt des Schmiedehandwerks in Europa zu fördern. Eine kleine Skulptur, die einen Schmied bei der Arbeit zeigt, kann ich am Anfang der Füßgängerzone knipsen (oben links).

Nur schwer finde ich aus Friesoythe hinaus, muss mehrfach umkehren und suchen - die Beschilderung ist sehr mangelhaft. Dann riskiere ich einfach einen Weg in der Hoffnung, richtig zu fahren (rechts) und tatsächlich sehe ich nach 6 Kilometern wieder ein Wegeschild (unten links).

Über Schwaneburgermoor- hier quere ich nicht ganz ungefährlich, weil ohne Ampel, die viel befahrene B 401 und den "Küstenkanal" - und entlang "Am alten Friesoyther Kanal" über Kamperfehn komme ich nach Harkebrügge. Zwischen diesen beiden Orten führt der Radweg am Elisabethfehnkanal entlang - schnurgerade nach Nordwesten (rechts).

Einmal wartet eine neue Erfahrung auf mich - nämlich ein Wegeschild, dass gleich in drei Richtungen zeigt. Hier hast du die absolut freie Qual der Wahl.

Gegen 14.00 Uhr erreiche ich Barßel und hier ist eine Rast vorgesehen. Ich stärke mich mit einem Käsebrötchen und einer Apfelschorle, bevor ich langsam weiter durch den Ort fahre.

Hier wie auch schon in Friesoythe kommen bei mir Erinnerungen an die Zeit in den 70er/80er Jahren, als ich die hiesigen Krankenhäuser besucht habe. Etwas Wehmut ist schon dabei, zeigt mir diese Situation doch, wie die Zeit vergangen ist!

In Barßel ist mir die Kirche St. Cosmas und Damian (links) ein Foto wert, viel gibt es hier ansonsten nicht zu fotographieren.

Aber wie ich aus dem Ort hinausfahre, staune ich über einen richtigen kleinen Hafen (rechts). Wie dieses?

Im 16. Jahrhundert raubten die Oldenburger den Barßlern ihre Schafe und damit ihre Existenzgrundlage. Daher begann die Bevölkerung von nun an, ihren Lebensunterhalt mit Torfhandel zu bestreiten. Der Torf wurde vor allem mit Schiffen auf Kanälen transportiert - und dazu brauchte man einen Hafen!

Wer glaubt, nur in Berlin gäbe es einen Kurfürstendamm, der irrt gewaltig. Auch hier hat ein Bauer die Zufahrt zu seinem Hof (rechts) so genannt - wohl ein "Kurfürsten - Treuer"!?!

Von Barßel aus kann man in südwestlicher Richtung über Elisabethfehn quer durch ein Moorgebiet nach Strücklingen fahren, was sogar einige Kilometer sparen würde. Ich entscheide mich für die Normalroute, die in einem großen Bogen über Barßelermoor und Bibelte führt. Dabei quert man den Elisabethfehnkanal erneut und zwar über so eine typische Zugbrücke (links).

Was verbirgt sich hinter dem Wort FEHN?

Das Wort Fehn stammt aus dem Niederländischen (Veen) und bedeutet Moor. Die Feen aus dem Märchen haben also nichts damit zu tun.

Die Fehnkultur stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und hatte zwei Ziele - die Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche auf Moorböden und damit verbunden die Gewinnung von Torf als Brennmaterial. Für den Abtransport des Torfes und zur Entwässerung wurden eigens schiffbare Kanäle angelegt, an denen sich die Häuser wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihen.

Der Torfabbau ist heute stark zurückgegangen, geblieben sind die typischen Fehnsiedlungen entlang der Kanäle. Torf wir heute aber auch noch abgebaut und in großen Betrieben - an einigen bin ich vorbeigefahren - verarbeitet.

Immer in südlicher Richtung mit etwas Rückemwind geniesse ich mal wieder die Natur rechts und links vom Weg. Es scheint Moorgebiet zu sein, immer wieder sehe ich kleine Entwässerungsgräben (rechts). Dann von links den Bollinger Kanal, der bei Strücklingen in die Sagter Ems mündet. Plötzlich sehe ich auf einer Wiese diesen seltenen Vogel mit seinem langen Schnabel - es ist ein "Großer Brachvogel" (unten links).

Vor Strücklingen habe ich mal wieder Glück, denn mein bikeline sagt, ich solle "an einer Kreuzung rechts in die Vorfahrtsstrasse" einbiegen. Das geht aber nicht, weil dieses eine reine Autostrasse ist. Zum Glück hält genau mit mir ein einheimischer Radler, der mir sagt, ich müsse links abbiegen und nach etwa 200 Metern an einem - neuen - Kreisel rechts abfahren nach Strücklingen. Hier müsste das bikeline geändert werden.

Ich bin aber jetzt im Saterland - was ist denn das nun wieder?


Das Saterland (saterfriesisch: Seelterlound) ist eine Gemeinde im Landkreis Cloppenburg. Hier lebt die kleinste anerkannte Sprachminderheit Deutschlands, die Saterfriesen. In 5 Meter ü. NN leben diese etwa 13.000 Menschen auf 124 qkm, womit ganze 104 auf den qkm kommen.

Das Saterland war lange Zeit sehr isoliert und bis ins 19. Jahrhundert hinein nur per Schiff über die Sagter Ems zu erreichen. Zwischen 1100 und 1400 wurde die Grafschaft Sögel von Friesen aus dem heutigen Ostfriesland besiedelt. Von der Grafschaft Sögel (Comitia Sygeltra) hat das Saterland ("Sagelter Land") auch seinen Namen.

Aufgrund der Isolation hat sich die eigene Sprache des Saterlandes entwickelt bzw. erhalten. Die Saterfriesische Sprache ist ein Dialekt der Friesischen Sprache. Das Saterland verfügte im Mittelalter sogar über eine eigene Verfassung und eine eigene Gerichtsbarkeit.

Da das Saterland bis zum Jahre 1803 politisch zum Niederstift Münster gehörte, ist es katholisch geprägt.


Um 16.00 Uhr erreiche ich dann mein heutiges Tagesziel Ramsloh, auf saterländisch Roomelse und finde mein vorgebuchtes Hotel, den Saterländer Hof, Hauptstrasse 466, Tel. 04498 / 1441 (Zimmer mit 38,- € preiswert) verschlossen. Aber wozu gibt es Klingeln - ich kann natürlich gleich in mein - ungemütlich grosses - Zimmer.

Vor dem leckeren Pannfisch, den ich mir zum Abendessen gönne, schlendere ich noch etwas durch den Ort. Bunkere Wasser und erkunde den Weg für morgen.

Es ist auch am Abend noch sehr warm, so kann ich im Biergarten essen - etwas einsam, weil ich wohl der einzige Gast hier und heute bin.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 78 km Fahrzeit 5:08 Std. Durchschnitt 16 km/h Max 30 km/h Gesamt 78 km

Samstag, 05.Juni

Als ich heute morgen erst um 9.00 Uhr starte, staune ich, wie groß dieses Ramsloh ist. Rechts und links der Strasse steht Haus an Haus und alle nicht gerade klein und dabei sehr gepflegt. Die Sonne scheint, ich fahre jetzt ja bis Löningen nach Süden und so habe ich etwas Rückenwind. Die Route ist gut beschildert. In Scharrel gibt es nicht nur eine Windmühle, an einer Schule lese ich die Bezeichnung "Litje Skoule Skäddel", was ganz einfach "Kleine Schule Scharrel" heißt - auf Saterländisch.

Hinter Scharrel fährt man über die Westermoorstrasse (rechts) und die ist sooo unendlich und eintönig lang und dabei schnurgerade - echt deprimierend.

Aber so wenig befahren, dass Lisa und Arne auf ihr ohne Sorge spielen können (links).

Zwische Hüllen und Neuscharrel muss ich wieder ohne Ampel über die B 401 spurten und gleich danach über den Küstenkanal (rechts). Der bildet die südliche Begrenzung des Saterlandes, welches ich in diesem Moment also wieder verlassen habe.

Nachdem ich die wieder endlos lange Fleerstrasse über Markhausen geschafft habe, komme ich gegen Mittag nach Lindern und sehe hier diesen imposanten "Hinkelstein" (unten). Was hat es damit auf sich?

In dieser Gegend lebten schon vor 5000 Jahren Menschen, davon zeugen heute noch mehrere Großsteingräber. Lindern selbst wird erstmals im Jahr 891 als Lindduri in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Corvey erwähnt. In 1288 wurde der Ort selbständiges Kirchspiel.

Der Name Lindduri und der spätere Name Lindern entstammen aus den altdeutschen Begriffen linne und dere, was zusammen Lindenbaum heißt. Dies zeigt sich auch im Wappen der Gemeinde (rechts).

Diese Panoramabild bei Markhausen gibt einen Eindruck von der Weite der Landschaft!
Landschaft bei Markhausen

Ab Lindern führt ein Radweg an der L 837 entlang und dort komme ich an einem Hinweisschild auf ein Steingrab vorbei. Aber wie weit ist es bis dahin - 2 Jogger informieren mich, dass es nur etwa 400 Meter seien und so sehe ich mir dieses Grab natürlich an (links).

Es handelt sich hier um eine Grabanlage der sog. (jüngeren) Trichterbecherkultur, cà 3400 - 2800 Jahre v. Chr. Diese Gräber waren Bestattungsplätze für mehrere Generationen einer Siedlungsgemeinschaft.

Zwischen 3400 und 2800 v. Chr. wurden etwa 10.000 solcher Megalithanlagen als Steinkammern fast generell aus Findlingsblöcken - zumeist mit Überhügelungen und Einfassungen - erbaut. In Deutschland sind nur noch etwa 900 davon erhalten.

Zwischen Holthaus und Liener erfreut diese herrlich gelb blühende Ginsterhecke, in der sonst manchmal etwas eintönigen Landschaft ein echter "Hingucker". Eher jedenfalls, als ein komplett mit Folie abgedecktes Spargelfeld, an dem ich anschliessend vorbei gefahren bin.

Kaum bin ich in die Strasse "Ozean" abgebogen, folgt ein Wegestück, wo ich doch tatsächlich schieben muss. Erst ein Stück mit Fahrspuren, das meinem Gesäß "die letzte Ölung" verpasst hat. Dann folgen etwa 2 Kilometer Sandweg, was sicher gut für den Spargel, aber wo weiterfahren unmöglich war (rechts unten).

Der Weg wurde wieder besser, er führt einmal an einem verlassenen Bundeswehr Gelände namens Künnen vorbei. Und hier treffe ich tatsächlich auf ein ebenfalls radwanderndes Paar, das mit Gepäck unterwegs war. Ansonsten sah ich nur einheimische Tagesausflügler. Die Boxenstopp-Route scheint noch nicht so bekannt zu sein.

Löningen erreiche ich um 15.00 Uhr und auch hier erinnere ich wieder an die Zeit, als ich hier das St. Anna - Stift als Kunde besucht habe. Und staune, dass das Haus heute noch mit 4 Hauptabteilungen - einschl. Anästhesie - und einer Gynäkologie als Belegabteilung existiert.

Von Löningen nach Angelbeck, wo mein Quartier auf mich wartet, fahre ich nicht die Schleife über Evenkamp und Ehren, sonder direkt über die Angelbecker Strasse. Das spart einige Kilometer. In Angelbeck warten das Landhaus Burs, Zum Ehrener Wald 2, Tel. o5432 / 694 und mein Zimmer für 32,- € auf mich (unten links).

Da das Landhaus Burs ein "garni" ist, müssen wir - das sind in diesem Fall zwei ältere Radler aus Hamburg und ich - rund 1 Kilometer laufen, um im Heimat - und Backhaus an der Schutenmühle im Ortsteil Huckelrieden essen zu können (unten links).

Auf einer Koppel neben der Mühle weideten diese beiden "Oldenburger" (unten rechts), eine im oldenburger Münsterland gezüchtete Rasse. Diese kräftigen und wendigen Pferde werden bereits seit dem 17. Jahrhundert hier gezüchtet. Heute ist diese Mischung aus Vollblüter, Hannoveraner und Holsteiner ein beliebtes Sportpferd.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 70 km Fahrzeit 4:36 Std. Durchschnitt 16 km/h Max 28 km/h Gesamt 148 km


Sonntag, 06.Juni

Beim Frühstück ergibt sich ein lebhaftes Gespräch über Radfahr - Erfahrungen mit den beiden Hamburgern und einem Ehepaar aus Koblenz. So komme ich erst gegen 9.00 Uhr los und starte prompt in die falsche Richtung. Was ich aber schnell merke, umdrehe und jetzt richtig in Richtung Essen - das in Oldenburg - fahre. Über Schelmkappe und Farwick fahre ich bei bedecktem Himmel, aber ohne Weste, weil es schon recht warm ist.


Der ungewöhnliche Name Schelmkappe hat eine kleine Historie:

Die Bauernschaft Schelmkappe gehört zur Stadtgemeinde Löningen. Die Gründung fällt zurück auf das Jahr 1909.

Der Ort hat die Form eines Dreieckes, dessen Grenzen der Postdamm, die Menslager Strasse und die hannoversche Grenze bilden. Die Landvermesser aus Oldenburg sollen - so wird berichtet - damals über das unwirtliche Gelände, dieser alten „Schelmenkappe“ geschimpft haben.

Heute gehören zur Dorfgemeinschaft Schelmkappe 55 Häuser und ca. 230 Bewohner.



In Essen sehe ich mir das ehemalige Krankenhaus St. Leo Stift an, das heute ein Altersheim beherbergt. Das Gebäude leuchtet noch genauso gelb, wie ich es in meiner Erinnerung habe. Und eine Mail von Duibbis erreicht und erfreut mich.

Nachdem ich mehrmals die Große Hase und den Essener Kanal überquert habe, komme ich an solch einem Fangkorb vorbei (oben links). Hier kannst du deinen Müll praktisch "im Vorbeifahren" entsorgen, wenn du denn gut zielen kannst. Pfiffige Idee, wenn man auf den Korb vorbereitet ist.

In Höhe Quakenbrück, das ich aber rechts liegen lasse, teilt sich der Essener Kanal und ich fahre jetzt ein Stück am Bünne - Wehdeler - Grenzkanal entlang (oben rechts und links).

Es ist inzwischen nicht nur sehr warm, sondern auch schwül geworden. Und so mache ich in Dinklage eine längere Rast und gönne mir einen Salatteller und eine Apfelschorle bei einem Italiener.

Dinklage / Stadtwappen

Bei Dinklage sehe ich mir die Reste des Klosters und der Burg - erste Erwähnung schon 980 - an (links), fahre schattig durch den Park über eine Allee, vorbei an wunderschönen Villen hinaus aus der Stadt Richting Schwege. Der Ortsteil Schwege wurde 1160 erstmals urkundlich als Svege erwähnt und verweist auf Weide- und Hofplätze für Rinder.

Unspektakulär geht es weiter durch flaches Gelände, ich muss aber nach der Beschreibung fahren, es gibt viele rechts/links Abzweigungen. Vor Holdorf, meinem heutigen Ziel, komme ich noch durch Langwege und kurz vor Holdorf über die A 1. Und hier fotographiere ich den Stau, der sich nach Süden aufgebaut hat. Heute, am Sonntag, sicher der "Normalzustand".

Kurz nach 15.00 Uhr erreiche ich Holdorf und mein Hotel zur Post, Große Straße 11, Tel. 05494/9171-0. Hier ist vielleicht was los1 Heute ist in Holdorf "Tag des offenen Gartens" und der Ort scheint geschlossen auf den Beinen bzw. Fahrrädern zu sein.

Hunderte, meist schon Bierselige Menschen bevölkern den Biergarten. Entsprechend laut geht es zu und die Bedienungen eilen geschäftig hin und her, volle Tabletts schleppend.

Aber ich habe Glück und der freundliche Chef des Hauses gibt mir den Schlüssel für mein Mansardenzimmer im 2. Stock. In dem ich dann in der schwülen Nacht und bei offenem Fenster ab 2.00 Uhr alle 15 Minuten die benachbarte Kirchenglocke höre - an Durchschlafen ist dabei nicht zu denken.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 58 km Fahrzeit 3:52 Std. Durchschnitt 15 km/h Max 28 km/h Gesamt 206 km


Montag, 07.Juni

Als ich heute morgen aus Holdorf hinausfahre, klingelt mein Handy - wer mag das sein? Es war ein Angestellter der Stadt Holdorf, dessen Nummer ich wohl gestern versehentlich gewählt hatte und der nun seinerseits meine Handynummer im Display hatte.

Es ergab sich ein längeres Gespräch und als er erwähnte, auch für Fragen des Tourismus in Holdorf zuständig zu sein, habe ich ihm meine schlechten Erfahrungen mit den Kirchenglocken erzählt. Verwundert, weil so etwas noch nie gehört - wie auch - bedankte er sich und "will sich darum kümmern". Wenns zukünftigen Gästen hilft, soll es mich freuen.

Der Weg entlang der Hauptstrasse wird dann zu einem Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse Holdorf - Damme. Und da kann man zügig bis Damme fahren. Um in die Stadt hinein zu gelangen, muss man den Radweg verlassen. Hier war wohl gestern auch ein Stadtfest, denn es wurde vor den Geschäften eifrig gefegt.

Ich schiebe mein Rad durch die Fußgängerzone zur neugotischen St. Viktor Kirche, die aufgrund ihrer Größe und ihrer Bedeutung für die Region im Volksmund auch Dammer Dom genannt wird. Sehenswert ist auch der davor stehende Brunnen St. Victor.

Lange halte ich mich in Damme nicht auf, sehe beim Hinausfahren noch rechts das St. Elisabet Krankenhaus und peile jetzt die Richtung Dümmer See an. Über Borringhausen und weiter nach Kemphausen führt ein links-seitiger Radweg entlang der
K 273.

Bei Dümmerlohhausen gibt es mal wieder eine Unklarheit bei der Streckenbeschilderung, die ich aber korrigieren kann.

Nicht korrigieren kann ich dagegen den heftigen Wind, der den sandigen Boden wie bei einem Sandsturm vor sich her und mir brennend in die Augen treibt (unten links).

Jetzt heißt es also, die Zähne zusammenbeißen und gegen diesen Wind anfahren - Richtung Norden, denn dahin wendet sich der Weg jetzt. So erreiche ich um 11.30 Uhr Steinfeld, die Anzeige an der Volksbank zeigt 17°, weshalb ich auch meine Weste immer noch anhabe. Es ist gegen gestern vernehmlich kühler geworden.

In Steinfeld gibt es das Franziskus Hospital auch noch, es ist jetzt aber eine Psychiatrie. Und am Ortsausgang steht dieser Stein, der die Form eines Stieres hat, in einer kleinen Grünanlage.

Nach 4,5 Kilometern ist der Ort Mühlen erreicht und hier fällt einem schon der Name Schockemöhle ein. Den Hof des sehr gepflegten, großen Gestüts darf man nicht betreten! Einen Shop für Reitartikel gibt es auch und etwas weiter komme ich am Gelände der Paul Schockemöhle Spedition vorbei. Da heißt es aufpassen, denn die Route knickt um 90° nach rechts in eine kleinere Strasse, den Mühler Weg, ab. Und der ist sandig und schwierig zu fahren!

Jetzt komme ich wieder an einigen Torf-verarbeitenden Betrieben vorbei und die kleine Lok, die vor mir laut pfeifen die Straße quert, gehört zu solch einem Betrieb (rechts).
Lohne / Stadtwappen

In Lohne mache ich eine längere Pause und wärme mich in einer Bäckerei bei einer Tasse Kaffee und einem Brötchen ein wenig auf. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lohne im Jahr 980, damals noch unter der Bezeichnung „Laon“. Die Stadtrechte erhielt Lohne erst im Jahr 1907! Vechta / Stadtwappen

Die letzten Kilometer bis Vechta ziehen sich mal wieder, der starke Gegenwind heute fordert seinen Tribut. Und da die Beschilderung auch nicht besonders deutlich ist, muss ich mich zu meinem Hotel durchfragen. Das Zimmer hatt ich heute früh telefonisch im Hotel Tannenhof, Am Schützenplatz 1-3, Tel. 04441/8717-0 bestellt (links). Und da die Küche heute Abend kalt bleibt, muss ich mir in einem Supermarkt etwas zu essen kaufen. So richtig amused bin ich nicht, zumal das Zimmer ziemlich ungepflegt und das Bad extrem klein und eng ist.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 66 km Fahrzeit 4:43 Std. Durchschnitt 14 km/h Max 37 km/h Gesamt 272 km


Dienstag, 08.Juni

Auch diese letzte Nacht war irgendwann vorbei, der Frühstücksraum war ungemütlich, weil ein großer und lauter Fernseher lief und der Preis von ...€ für das Zimmer ärgerte mich auch. Also auf zur letzten Runde, an einem Golfplatz vorbei, durch ein Waldgelände zum Gutshof Füchtel.

Es ist kühl, der Himmelsieht nach Regen aus, es wird aber bis Mittag trocken bleiben. Zu meiner Rechten liegen nich nur das Oyther und das Goldenstedter Moor, sondern auch die Kühe und lassen es sich mit Wiederkäuen gut gehen.

Schon um 9.00 Uhr kann ich meine Ärmel ablegen, die Sonne traut sich langsam durch die Wolken. Es gibt hier bis Goldenstedt wieder diese endlos langen und geraden Strassen. Aber das Ende der Tour naht und schon um 9.30 Uhr erreiche ich Visbeck, wo ich auch die Weste ausziehen kann. Hogenbögen City

Aber dann wird es wieder schwierig wg. schlechter Beschilderung und ich verfahre mich total. Fahre jetzt nur nach grober Orientierung nach, ja - nach der Sonne. Die muss links von mir stehen, damit ich in westliche Richtung fahre. Und tatsächlich erreiche ich Emstek auch. Vorher komme ich noch durch Hogenbögen City (rechts).

Von Emstek aus fahre ich ganz bequem auf einem schönen Radweg entlang der L 836 und bin um 12.40 am Hotel und damit an meinem Auto. Kurz umziehen, Bescheid sagen, zuhause anrufen und dann schön gemächlich heimfahren.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 54 km Fahrzeit 3:24 Std. Durchschnitt 16 km/h Max 32 km/h Gesamt 326 km