Donau - Bodensee - Radweg

Von Ulm durch Oberschwaben - das Allgäu - zum Bodensee und zurück
Vom 5. bis 11. September 2006

Autor: Klaus Donndorf



Ich kenne jetzt ja schon den Bodensee - Radweg und den Donau - Radweg. Und so wollte ich nun noch den

Donau - Bodensee - Radweg

kennenlernen, der diese beiden Klassiker verbindet.

Von der Donau aus durchstreift man die sanft hügelige Landschaft Oberschwabens - was ganz schön untertrieben ist, wie ich im nachhinein weiss - die geprägt ist von Mooren wie dem Federsee bei Bad Buchau oder dem Wurzacher Ried. Und geschmückt mit kleinen Städten voll barocker Baukunst, wie die Klöster in Bad Schussenried und Ochsenhausen oder der »schönsten Dorfkirche der Welt« in Steinhausen. Und »St. Martinus« in Oberstadion nicht zu vergessen.

Dann, nach einem kurzen Abstecher durchs »Württembergische Allgäu« über Isny und Wangen, liegt einem der Bodensee mit herrlichem Alpenpanorama zu Füßen. Zurück nach Ulm geht es dann über Bad Schussenried und Laupheim.

Da es eine West- und eine variable Ostroute - dazu noch eine Querroute - gibt, konnte ich meine Tour sogar als Rundreise planen ( das ist für mich deshalb so gut, weil ich immer mit dem Auto anreise ). Und etwa 400 Kilometer waren auch für die dritte Tour in diesem Jahr genug; zumal einige heftige Steigungen zu bewältigen sind.

Ich entschloss mich, von Ulm - Gögglingen aus zu starten und zunächst die Ostroute über Wangen bis Immenstaad am Bodensee fahren, um dann über die Westroute zurück nach Ulm zu gelangen (oben rechts). Links zeige ich das Wegezeichen, welches aber auch wieder durch einige andere ergänzt wurde.
Fast unnötig zu erwähnen, dass auch diesmal wieder ein bikeline - Radtourenbuch aus dem Verlag Esterbauer Grundlage für meine Planung war :
Donau - Bodensee - Radweg
Von Ulm durch Oberschwaben nach Friedrichshafen
ISBN 3-85000-091-5 / 10.90 €
Zu beziehen bei www.amazon.de

Seitdem an meinem BMW eine Anhängerkupplung montiert ist, kann ich mein Fahrrad sehr bequem und sicher mit einem THULE - Fahrradträger transportieren (links).

Die Wettervorhersage avisierte für die nächsten Tage überwiegend Sonne und keinen Regen und da ich die Tour gut vorbereitet hatte, konnte ich am Dienstag, dem 5. September spontan losfahren. Mein Ziel war Gögglingen und dort hatte ich im Gasthof »Zum Ritter« , Bertholdstr. 8, Tel. 07305 / 956 540 (unten rechts) reserviert - für mich und mein Auto, das ich wieder kostenlos parken konnte.

Die Übernach-
tung für 34,- € incl. Frühstück war i.O. und beim schmackhaften und doch preiswerten Abendessen fühlte ich mich im Biergarten unter alten Kastanien sehr wohl.

Gleich bei meiner Ankunft kam ich mit einem Radlerpaar aus Essen ins Gespräch, die am Vortag in Donaueschingen gestartet waren und die Donau bis Wien erradeln wollten - also lockere 1.000 Kilometer vor sich hatten - Respekt! Zumal sie die 50 sicher überschritten hatten.

Ich fuhr zur Einstimmung auf meine Tour mal kurz die 10 Kilometer nach Ulm und sah mir nochmal die Stadt mit dem Fischer- und Gerberviertel und besonders das Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt an (unten links).

Im Fischer- und Gerberviertel fiel mir die Gaststätte Zur Forelle in der Fischergasse 25 (rechts) auf , die mit vielen farbigen Kürbissen geschmückt war und »zappelfrische Forellen« anbot.

Und an der Blau machte der »Ulmer Spatz« auf sich aufmerksam (unten links).

Die Geschichte des »Ulmer Spatz«, die ja für die Ulmer Bürger nicht ganz rühmlich ausging, geht so:

"Vor vielen hundert Jahren war Ulm von einer dicken Mauer umgeben, um die Stadt vor unliebsamen Eindringlingen zu schützen. Zum Bau ihres Münsters wollten die Ulmer Holz in die Stadt fahren. Das hatten sie quer auf das Fuhrwerk geladen, weshalb das schmale Stadttor zum Problem geriet.

Die Ulmer waren bereits zum Schluss gekommen, das Tor abzureißen, um die Fuhre die Durchfahrt zu ermöglichen. Da sahen sie einen Spatz herbeiflattern, der in seinem Schnabel einen langen Strohhalm zum Nestbau trug. Als es diesen der Länge nach in eine Nische des Torturmes schob, überkam den Ulmern die Erleuchtung. Sie legten die Balken der Länge nach auf den Wagen und ersparten sich damit den Abriss des Tores.

Zum Dank, so heißt es, hätten sie dem Spatzen ein Denkmal aufs Dach des Münsters gesetzt." Aber das ist schon mehrere Jahrhunderte her und wohl eher eine Legende als eine Geschichte.


Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 21 km Fahrzeit 1 : 23 Std. Durchschnitt 15,9 km/h Max 32,6 km/h Gesamt 21 km

Mittwoch, 6. September

Warum kann man in den meisten südlichen Regionen Deutschlands keine knackigen Brötchen backen? Für die Brötchen, die heute morgen angeboten wurden, benötigte man sehr gutes Zahnmaterial, so zäh wie die waren!

Dafür ist das Wetter gut und die Sonne scheint, wenn es bei meinem Start um 7.45 Uhr auch noch etwas kühl ist. In Donaustetten treffe ich auch auf meine Route und erreiche nach wenigen Kilometern die Stelle, wo sich kurz vor Dellmensingen der »Donauradweg« und mein »Donau-Bodensee-Radweg« trennen (rechts).

Schön eben verläuft der asphaltierte Weg entlang dem Flüsschen Rot, und über Achstetten erreiche ich Laupheim gegen 9.00 Uhr. Bei einem Rundgang durch die Stadt sehe ich den Marktbrunnen mit seinen interessanten Figuren (rechts).

Hier in Laupheim trennen sich die Haupt- und die Westroute, also heisst es aufpassen. Aber die Beschilderung ist gut und es bleibt auch weiterhin eben, also gibt es keine Probleme. Weitere Schilder weisen auf das Radwegenetz des Alb - Donau - Kreises hin und die Rottum plätschert neben mir lustig über Kiesel dahin (unten links). Aber die Idylle hört bald auf, in Simmisweiler stellt sich mir die erste Steigung in den Weg, der bald weitere folgen werden. In Ochsenhausen muss ich eine erste Rast bei einer Tasse Kaffee und einem Brötchen einlegen. Auch einen Gruß an Christel per SMS setze ich ab.

Und gleich geht es weiter stramm bergauf zum ehem. Ochsenhauser Kloster; hier musst du nach Gefühl oder der Beschreibung im Heft fahren, denn eine Beschilderung fehlt. Aber oft fehlen auch ganz einfach Strassennamen und dann nützt die Beschreibung auch nicht viel!

Hoch über der Stadt thront die gewaltige Anlage der ehemaligen Benediktiner-Reichsabtei, die im Jahr 1093 erstmals urkundlich erwähnt ist. Über 700 Jahre lang haben hier Mönche im Geiste des Heiligen Benedikt gewirkt: Ora et labora - bete und arbeite. Heute beherbergen die weitläufigen Konventgebäude die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg.

Die Fassade der Klosterkirche (rechts) wurde 1725 von Christian Wiedemann (1680-1739) im barocken Stil ausgeführt; vor dem ursprünglich spätgotischen Langhaus (1489-95). Der vorgewölbte Mittelteil wirkt durch schlanke Pilaster und einen kräftigen Horizontalsims unter dem geschwungenen Giebel. Die Stirnwände der Seitenschiffe sind zurückhaltender und von der Gliederung her selbständig. Höhepunkte sind die Deckenfresken im Mittelschiff der Kirche (links), von Johann Georg Bergmüller (1688-1762) in den Jahren 1727 - 1729 gemalt.

Unmittelbar nach diesem Kulturgenuss holt dich die Realität wieder ein, indem es nach Ziegelstadel heftig bergauf geht. Dabei gibt es hier keinen Schatten und die Sonne brennt ziemlich unbarmherzig vom Himmel.

Dann heisst es hinter Hattenburg zweimal aufpassen, denn Hauptroute und Querroute trennen sich und zwischen Rottum und Bellamont (ob das wohl »Schöner Berg« heissen soll !?) beginnen weitere Steigungen - gut, es gibt auch Abfahrten dazwischen - die fast bis Bad Wurzach anhalten werden. Und so heisst es zwischen Adelshofen und Unterschwarzach schieben.

Lediglich die letzten etwa 5 Kilometer bis Bad Wurzach verlaufen eben; hier nutze ich aber auch eine Abkürzung entlang der B 465. Mit einem erst asphaltierten, dann mit Schotter belegten Radweg durch das NSG »Wurzacher Ried« (links).

1989 wurde das »Wurzacher Ried« als eines der größten noch intakten Hochmoorgebiete Mitteleuropas mit dem »Europadiplom« ausgezeichnet. Seine Entstehungsgeschichte reicht bis in das Eiszeitalter zurück.

Vor rund 20.000 Jahren stauten sich abfließende Schmelzwässer eines abtauenden Gletschers auf. Dieses Gebiet begann vor mehr als 10.000 Jahren zu verlanden. Ein einzigartiges Mosaik aus Hoch- und Niedermoor, Streuwiesen und Moorwäldern entstand als eiszeitliches Reservat für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Gegen 15.00 Uhr erreiche ich den Gasthof »Adler«, Schlossstr. 8, Tel. 07564 / 93030, wo ein Zimmer für 47,- € vorbestellt war. Das Zimmer war auch o.K., aber dass mir zum Abendessen doch tatsächlich 1 1/2 Forellenfilets zu den Salzkartoffeln serviert wurden, machte den guten Eindruck des Hotels zunichte.

Vorher sah ich mir die Stadt an und da vor allem die Stadtpfarrkirche »St. Verena« (1775-77) mit ihrem bemerkenswerten Deckenfres-
ko, das Andreas Brugger aus Langenargen schuf (links).

Und natürlich das Treppenhaus des Schlosses. Dessen elegant geschwunge-
ne Treppe und das schöne Deckenfresko sind zwischen 1723 und 1728 im Auftrag des Hauses Waldburg-Zeil-Wurzach entstanden und gelten als eines der Juwele der »Oberschwäbischen Barockstrasse«.

Diese Bilder geben einen kleinen Eindruck davon:

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 67 km Fahrzeit 4 : 33 Std. Durchschnitt 15,1 km/h Max 56,8 km/h Gesamt 88 km


Donnerstag, 7. September

Es soll heute wieder schön und damit heiss werden und so sitze ich schon 7.30 Uhr im Sattel. Und sofort wird mir klar, was mich heute erwartet, denn es geht stramm bergauf über den Gottesbergweg - also Richtung Friedhof - zum Heiligkreuzberg (rechts).

Und damit keine Irrtümer aufkommen, dass es das gewesen ist, gleich weiter bergauf über Gospoldshofen zum »Schloss Zeil«, der Residenz der Fürsten von Waldburg-Zeil nahe der Stadt Leutkirch im Allgäu. Das Schloss ist zwar nicht öffentlich zugänglich, die Parkanlagen und die Aussichtsterrasse konnte ich mir aber ansehen (2 Bilder unten).

Vorher möchte ich aber einmal zeigen, warum diese Radtour trotz des »anspruchsvollen Geländeprofils« - nette Umschreibung für die schweisstreibenden Steigungen - traumhaft schön ist. Es bieten sich hier immer wieder überwältigende Panoramablicke über die Allgäuer Berge bis hin zur Alpenkette, die im Dunst der Ferne zu sehen ist.

Bilder vom Schloss Zeil


Schloss Zeil - Brunnenanlage

Die Brunnenanlage im Ehrenhof des Schlosses (links), die 1983-1988 vom Bildhauer Maximilian Rueß aus Bolsterlang geschaffen wurde, stellt die tausendjährige Geschichte der Familie Waldburg-Zeil durch herausragende Persönlichkeiten des Hauses dar.

Ich will weiter, bis Wangen ist es noch weit. Zunächst geht es eine wirklich rasante Abfahrt hinunter nach Leutkirch und ich stelle fest, dass ich jetzt im Allgäu bin.

In Leutkirch halte ich mich nicht lange auf, denn für die vor mir liegende Strecke über Herlazhofen und Beuren nach Isny avisiert mir mein bikeline- Buch wieder reichlich Steigungen. Zwischen Beuren und Isny liegt der höchste Punkt dieser Etappe!

In Isny , heute ein heilklimatischer Luftkurort im württembergischen Allgäu, gönne ich mir eine längere Pause, Zeit für ein Rührei mit Brötchen und eine Tasse Kaffee. Es ist heute Markttag und auf der Hauptstrasse herrscht lebhaftes Treiben. Ein älteres Paar am Nebentisch raucht mit zittrigen Händen eine Zigarette nach der anderen - wer's braucht !

Auf dem Weg hierher geniesse ich einerseits den Duft von frischem Heu, dass auf den Wiesen trocknet, andererseits muss ich auch schon mal einem Güllewagen ausweichen, der seinen weniger gut riechenden Inhalt zum Teil auf die Strasse versprüht. Langweilig ist es jedenfalls nicht. Und wenn - wie mir passiert - ein Hinweisschild um 180° gedreht ist und in genau die Gegenrichtung zeigt, ist das auch nicht so prickelnd. Bedeutet auf jeden Fall zusätzliche Kilometer.

So - jetzt sind es noch 25 Kilometer bis Wangen, die Steigungen halten sich in Grenzen und um 14.20 Uhr bin ich an meinem Hotel »Mohren Post«, Herrenstrasse 27, Tel. 07522 / 21076.

Um es vorweg zu sagen: nicht empfehlenswert, altes Haus, etwas ungepflegt, kein Zimmertelefon und mit 42,- € zu teuer. Bezahlen kann man nur in bar - schon verloren !

Um so schöner ist die - ehemalige freie Reichs - Stadt mit ihrem Rathaus (links), dem Frauen- oder dem Martinstor und der Herrengasse. Und sowieso:

In Wangen bleibt man hangen.

Neben dem Rathaus wurde 1997 den »verdruckten Allgäuern« ein Denkmal wider die Humorlosigkeit gegeben (rechts). Den Spruch, wonach von sechs Allgäuern, aufeinander gebeigt, der unterste so verdruckt sei wie der oberste, hat der Künstler hervorragend umgesetzt. Da Männer schon ein wenig mehr verdruckt seien, ist die Plastik »reinrassig« gehalten.

Eine Figur mit der vorgehaltenen Maske spuckt zumindest während der warmen Jahreszeit in Intervallen auf ahnungslose Passanten. Wer so unversehens naß gemacht wurde, hat den Schaden und braucht für den Spott oder die Schadenfreude der Umstehenden nicht zu sorgen!

Radfahren und Stadt ansehen macht hungrig und so gönnte ich mir im Gasthof »Lamm« , Bindstrasse 60, eine »Wangener Legende« zu meiner Weinschorle. Was sich dahinter verbirgt, müssen sie schon selbst erkunden. War auf jeden Fall sehr lecker - denn:

Der Weg ins Lamm sich immer lohnt,
auch wenn man ganz wo anderst wohnt !

Also - das war heute schon eine anspruchsvolle Etappe, die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit zeigt es auch. Und so bin ich zu müde, um mich darüber aufzuregen, dass es doch tatsächlich anfängt zu regnen.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 69 km Fahrzeit 4 : 53 Std. Durchschnitt 14,3 km/h Max 55,2 km/h Gesamt157 km


Freitag, 8. September

Der Regen gestern abend war nur von kurzer Dauer, heute morgen ist der Himmel zwar sehr bewölkt, aber es ist trocken, wenn auch sehr frisch. Beim - ziemlich mässigen - Frühstück komme ich mit einem Herrn aus Hamm ins Gespräch, der mich wohl wegen meiner Fahrradkluft anspricht. Er erzählt von seinen früheren Radtouren, viele davon in Italien und im Elsass. Ich schaue auf die Uhr, weil ich los will, aber auch nicht unhöflich sein möchte. Es wird aber trotzdem 9.00 Uhr, ehe ich losfahren kann.

Heute stehen nur 58 Kilometer auf meinem Plan, wobei es zum Bodensee hin - so hoffe ich - mehr bergab als bergauf gehen dürfte. Dazu habe ich Rückenwind. Erst führt die Route über die Argen (oben), dann gibt es doch einige heftige Steigungen bei Schomburg und hinauf nach Haslach. Dafür kann ich hinter Neukirch »laufen lassen« und bin schnell in Busenhaus (links). Und dann der ersehnte Anblick - vor mir liegen der Bodensee und der Ort Kressbronn (unten links).

Hier befindest du dich im Obstanbaugebiet, während weiter nördlich, ab Hagnau der Weinanbau dominiert. Und da es heuer wohl ein gutes Obstjahr wird, hängen die Bäume voller rotbackiger Äpfel (unten rechts).

Hier ab Kressbronn bin ich nun auf dem »Bodensee-Radweg», den ich ja vom vorigen Jahr kenne, als Siegfried und ich ihn gefahren sind - wenn auch in umgekehrter Richtung. Und auf dem Weg über Langenargen und Eriskirch nach Friedrichshafen fallen mir die vielen Radfahrer auf. Und das liegt sicher nicht nur am bevorstehenden Wochenende - dieser Radweg ist einfach sehr beliebt. Und erst jetzt realisiere ich, dass mir auf meiner bisherigen Tour kaum mal ein Radfahrer begegnet ist. Liegt bestimmt an dem anspruchsvollen Gelände.

Von Kressbronn bis Friedrichshafen sind es 16 ebene Kilometer und ich erreiche die Stadt um die Mittagszeit. Auch hier herrscht Hochbetrieb in der Fussgängerzone, also heisst es schieben.

Aber so entdecke ich diesen ausgefallenen Brunnen etwas abseits vom Hauptweg - den »Buchhorn-Brunnen« (links), eines der jüngeren Wahrzeichen im Herzen der Altstadt Friedrichshafens. Buchhorn war der ursprüngliche Namen der Stadt Friedrichshafen.

Da es wieder sehr warm ist, mache ich eine Kaffee - Rast im Schatten an der Seepromenade. Mir gegenüber sehe ich die Doppeltürme der Schlosskirche (unten links), dem bedeutendsten Bauwerk und Wahrzeichen der Stadt. Die ehemalige Klosterkirche des Klosters Hofen wurde 1695 bis 1702 von Christian Thumb aus dem Bregenzerwald neu erbaut. Die wunderschönen Stuckaturen (unten rechts) schuf Johann Schmuzer aus Wessobrunn mit seinen Söhnen.

Jetzt sind es nur noch 10 Kilometer bis Immenstaad, hier führt der Radweg an der B 31 entlang und ist gesäumt von vielen Obstplantagen. Und kaum habe ich das Ortsschild von Immenstaad passiert, erreicht mich ein Anruf von Siegfried, der sich nach meinem Befinden erkundigt. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass es mir gut geht und ich z.B. keinerlei Sitzbeschwerden habe.

Mein Hotel, den Gasthof »Hirschen«, Bachstrasse 1, Tel. 07545 / 6238 (unten links) erreiche ich zwar um 14.30 Uhr, in mein Zimmer kann ich aber erst um 16.00 Uhr - man macht Mittagspause !

Ich vertreibe mir die Zeit damit, mir den Ort anzusehen. Zuerst das »Torkelhaus«, 1778 für zwei große Torkel (Weinpressen) erbaut, mit seiner über 18 m freitragenden Holzdecke. Es war ehemals im Besitz des Klosters Ottobeuren (1565). Danach die Kirche »St. Jodokus«; der im 7. Jahrhundert lebende Einsiedler Jodok wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Das Wappen von Immenstaad (unten Mitte) vereint mit Jakobsmuschel, Pilgerstäben und Krone die Attribute dieses Heiligen.

An der »Alten Vogtei« - einem prächtigen Fachwerkhaus von 1730 (rechts) vorbei - das einstige Schwall-Haus beherbergte die Bürgermeister des Ortes - komme ich zu einer Marina mit vielen Segelyachten und »Optimisten« und gehe weiter hinunter zum Strand (unten rechts). Das »Schwörerhaus« in Immenstaad Partie am Seeufer

Schliesslich gelange ich zum »Schwörerhaus«, einem 1578 erbauten alemannischen Fachwerkhaus (oben links), das heute ein Sportgeschäft beherbergt. Ich finde den Spruch erwähnenswert, der in einen Querbalken eingeschnitzt ist:

»Wer da bauet an den Strassen
Muss die Leute reden lassen
Wenn's nach allen Leuten Wunsch würd' geh'n
Würd' dieses Haus hier nicht mehr steh'n !«

Und heute abend gibt es zur Abwechlung mal eine Platte mit Aufschnitt und Käse zur Schorle. Obwohl ich ja eigentlich noch die 10 Kilometer bis Meersburg fahren wollte, um dort den Abend auf der Terasse des Staatsweingutes und den herrlichen Blick über den Bodensee zu geniessen. Warm genug wäre es gewesen. Nur macht das keinen Spass, wenn du alleine dort sitzt und deshalb bin ich so unvernünftig, mal wieder vernünftig zu sein, fahre nicht dorthin und stelle mir nur vor, wie schön das hätte sein können.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 64 km Fahrzeit 4 : 15 Std. Durchschnitt 15,2 km/h Max 50,8 km/h Gesamt 221 km


Samstag, 9. September

Heute ist Samstag und da gibt es zum Frühstück ein 5-Minuten-Ei. Am Nebentisch sitzen 4 jüngere Radler, die heute um den See fahren wollen. Als ich etwas skeptisch frage, ob man denn wirklich 280 Kilometer an einem Tag fahren wolle, zeigte sich, dass nicht der ganze See gemeint war. Wenn also jemand erzählt, er sei um den Bodensee gefahren - immer nachfragen !

Ich will heute nach Bad Schussenried , muss also vom Seeniveau mit 400 m ü.NN wieder hinauf auf 700 m. Und das geht gleich hinter Immenstaad los. Noch bevor ich in Markdorf (rechts) ankomme, habe ich mich auch schon das erstemal verfahren. Ab Markdorf wird es dann Ernst, drei dicke schwarze Pfeile auf der Karte im bikeline-Buch zeigen die Steigungen an. Und in Markdorf verpasse ich auch noch einen Abzweig - was ich aber zum Glück korrigieren kann. Diese Steigung möchte ich nun wirklich nicht zweimal fahren !

Und es geht weiter bergauf - Gehrenberg heisst diese nette kleine Erhebung. Hinter jeder Kuppe meinst du, jetzt müsste es doch eigentlich mal wieder bergab gehen - aber weit gefehlt. Erst hinter dem Ort Wendlingen - nach 6 Kilometer Steigungen - geht es bergab Richtung Roggenbeuren. Da kannst du dann so entspannt radeln, wie die beiden lustigen Figuren auf diesem Wegeschild vom »Grünen Radwanderweg« (links).

Zwischen Urmau und Wilhelmsdorf gab es dann eine flache Waldetappe (rechts) entlang der Rotach, einem Flüsschen, welches das »Pfrunger Ried« nördlich von Wilhelmsdorf entwässert und bei Friedrichshafen in den Bodensee mündet.

Obwohl ich lange und einsam durch diesen Wald fahre, begegnen mir doch auch Fusswanderer; einmal sogar eine Ordensfrau, die mit einem freundlichen »Grüß Gott« vorbeigeht.

Wenn man so einsam wohnt (links), mag das im Sommer ja ganz schön sein - aber was ist, wenn Schnee liegt und der nächste Ort kilomterweit entfernt ist ? Ich bin jedenfalls froh, dass es ab Wilhelmsdorf , wo ich eine Pause mit Brötchen und Käse vom Bodensee einlege, wieder etwas lebhafter wird. Allerdings gibt es hier wieder Orientierungsprobleme, ich fahre erst in die falsche Richtung und muss umkehren. Dafür geht es dann ab Esenhausen wieder stramm bergauf und das bleibt auch so bis Altshausen - genauso, wie der heftige Gegenwind.

In Altshausen, im Herzen Oberschwabens findet man die einzige barocke Schlossanlage des »Deutschen Ordens« (unten links) von dem berühmten Baumeister Johann Caspar Bagnato. Die vom Deutschorden erbaute, im 18. Jh. barockisierte Schlossanlage ist heute Wohnsitz der herzoglichen Familie von Württemberg. Der Schlossgarten mit Skulpturen (unten rechts) der Herzogin Diane von Württemberg ist für die Öffentlichkeit zugänglich, ebenso die »Heiliggrab-Kapelle«, in der das vollständig erhaltene barocke »Heilige Grab« (rechts) aufgestellt ist.

Hier in Altshausen bin ich - geographisch betrachtet - auf der gleichen Höhe, wie der Ort Zollenreute. Leider klappte es mit einem Treffen mit Vroni und Christian, die ja hier wohnen, heute abend aber nicht.

Ich bin um 16.00 Uhr an meinem Ziel in Bad Schussenried dann auch sehr geschafft und im Grunde froh, mich nach dem Abendessen ausruhen zu können. Für einen kleinen Stadtbummel reicht die Energie aber doch noch. Ich fand, dass der Ort aber nichts Sehenswertes bietet - was vielleicht daran lag, dass es Samstagabend war - ausser der alten Klosteranlage (unten rechts), die heute eine Klinik beherbergt.

Bad Schussenried ist ein staatlich anerkanntes Moorheilbad und das Gesundheitszentrum bietet Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei Rheuma, Bandscheiben- oder Wirbelsäulenschäden oder bei Osteoporose. Anschlussheilbehandlungen (AHB) nach Gelenk- und Wirbelsäulenoperationen, sowie bei Zustand nach rheuma-chirurgischen Eingriffen werden ebenfalls durchgeführt.

Mein Hotel Amerika, Zeppelinstraße, Tel. 07583 / 9425-0, war die 51,- € absolut wert, sauber und grosszügig das Zimmer, reichlich das Frühstück und sehr zuvorkommend die Damen vom Service - honi soit qui mal y pense! Also - hier kann man sich wohlfühlen.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 76 km Fahrzeit 6 : 05 Std. Durchschnitt 12,7 km/h Max 52,1 km/h Gesamt 297 km

Sonntag, 10. September

Eigentlich wollte ich heute erst nach Steinhausen fahren, um »Die schönste Dorfkirche der Welt« zu besuchen. Zwei Dinge haben mich davon abgehalten - zum einen hatten wir sie uns vor einigen Wochen schon einmal angesehen und dann war ja heute Sonntag und ich konnte sowieso nicht hinein, um zu fotografieren. Also startete ich gleich um 8.00 Uhr Richtung Bad Saulgau.

In Hopferbach machte ich an der »Wendelinuskapelle« einen kurzen Fotostopp und weiter ging es ziemlich eben nach Bad Saulgau (rechts). Ich denke, die schlimmsten Berge habe ich jetzt hinter mir und so kann ich die schöne Landschaft geniessen. Und so beim radeln fällt mir auf, dass auf keinem der Häuser ein Blitzableiter zu sehen ist. Gibt es hier keine Gewitter oder was mag sonst der Grund dafür sein ?

Hier wimmelt es nur so von Bädern und so heisst mein nächstes Ziel Bad Buchau und das »Federseeried«. Richtig heiss meint es die Sonne heute wieder gut und auf dem klappernden Holzsteg durch das Ried (links) sind viele Radler und Wanderer unterwegs. Bad Buchau ist ein sauberes Städtchen und ich nehme mir Zeit für eine Rast und beobachte die Sonntagsausflügler, darunter viele Familien.

Später ärgere ich mich aber über einen jungen Vater, der mit Frau und zwei kleinen Kindern nach einem Stopp auf schmalem Weg losfährt, obwohl ich nur noch etwa 20 Meter entfernt bin und doch recht zügig angefahren komme. Ergebnis - ich muss stoppen und absteigen. Trottel !!

Ich umrunde also den Federsee, fahre über Oggelshausen - nein, nicht Oggersheim - und komme doch tatsächlich nach Ahlen ! Ich habe mich aber nicht verfahren, es gibt wohl mehrere Orte mit diesem Namen in Deutschland. Aber sicher nur einen, der Oberstadion heisst und den ich um genau 14.00 Uhr erreiche. Hier wollte ich eigentlich übernachten, aber was soll ich in diesem Dorf schon um diese Zeit? Also schnelle Programmänderung, Anruf in Laupheim wg. Hotel und da erfolgreich, bestelle ich mein Zimmer im Gasthof »Zum Adler« ebenso ab - war kein Problem.

In Oberstadion gibt es aber mit »St. Martinus« eine sehenswerte Kirche mit einem auffallenden Kirchturm aus dem Jahre 1482 und im Innern elf Altäre, von denen sieben gotische Flügelaltäre der sog. »Ulmer Schule« sind. Und eine wunderschöne Kanzel (unten links) !

Schnell sind die 18 Kilometer bis Laupheim abgespult. Obwohl mich nochmal ein Sonntagsfahrer, der seinen Kopf auf seinem Voderrad hatte, um nach einem Fehler zu suchen - beim Weiterfahren, versteht sich - zum Anhalten zwingt. Sonst hätte es gekracht - noch so ein Trottel !!

Ja - und dann mein Zimmer für - schon reduzierte - 58,- € im Hotel Laupheimer Hof, Rabenstraße 13, Tel. 07392 / 975-0 ! Ich schätze mal, es war 8 qm klein und somit völlig überbezahlt. Und das in einem »Akzent - Hotel« - keine gute Werbung !

Der Gipfel war dann aber, dass ich im Gasthof »Zum Hasen« über eine Stunde auf mein Essen warten musste, obwohl es sich um einen lächerlichen Pfannekuchen handelte. Ich habe Laupheim nicht in guter Erinnerung behalten !

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 74 km Fahrzeit 5 : 00 Std. Durchschnitt 15,0 km/h Max 45,2 km/h Gesamt 371 km


Montag, 11. September

Da ich gestern schon bis Laupheim gekommen bin, habe ich heute nur noch knapp 20 Kilometer bis Gögglingen zu fahren. Vorher kann ich mir zum Frühstück selber ein 5 - Minuten - Ei kochen und bei weiterhin gutem Wetter starte ich um 8.30 Uhr. Die Strecke kenne ich ja schon von der Hinfahrt; weiss also, dass sie eben und ohne Steigungen verläuft.

Auch hier gibt es viele dieser Streuobstwiesen (links), auf denen die Äpfel - leider - wie gesät auf dem Boden liegen. Einige nehme ich mir mal als Wegzehrung mit - allerdings stellen sie sich als zu sauer zum roh-essen heraus; sie sind eher für Apfelmus geeignet.

Die an der Strasse vor Achstetten zum Verkauf liegenden Kürbisse zeigen, dass es Herbst wird. Man vertraut darauf, dass nur ehrliche Leute des Weges kommen und das Geld für einen mitgenommenen Kürbis auch wirklich in den dafür vorgesehenen Kasten legen. Ich bin nicht interessiert, sondern fahre entlang der B 30 nach Achstetten hinein. Mir fällt die Kirche »St. Oswald« (unten links) auf und natürlich sehe ich sie mir von innen an.

Und erfahre so nebenbei, das im nahegelegenen und heute eingemeindeten Oberholzheim der berühmteste Sohn der Gemeinde, Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) geboren ist. Er gilt als einer der großen Sprachschöpfer Deutschlands und als der bedeutendste Dichter, den Oberschwaben überhaupt hervorgebracht hat. Sein glänzender Stil hat viel dazu beigetragen, die Vorherrschaft der französischen Sprache bei unseren Gebildeten zurückzudrängen.

Wieland hatte sich schon in seiner Jugend während seiner juristischen Studien durch seine Dichtungen einen Namen gemacht, war zunächst Kanzleidirektor in Biberach geworden, dann Professor an der Universität Erfurt und schließlich Prinzenerzieher am Hof zu Weimar, wo er am 20. Januar 1813 verstarb. Für mich sind solche »Informationen am Rande« wesentlicher Bestandteil meiner Touren.

Ich fahre weiter durch Stetten und Dellmensingen, begleitet von dem Flüsschen Rot und treffe kurz darauf wieder auf den »Donau- Radweg«. Es ist ja noch ziemlich früh am Morgen und im absolut ruhigen Wasser der Donau spiegeln sich die Uferbäume - ein Anblick, der Ruhe ausstrahlt (unten links).

Und buchstäblich »auf den letzten Metern« erlebe ich noch ein »Verkehrshindernis der besonderen Art«. Ein Schäfer, der mit seiner Herde das Gras auf dem Donaudeich kurz hält. Wir wechseln ein paar freundliche Worte und wünschen uns einen guten Tag - eigentlich ein schöner Abschluss dieser Tour.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 18 km Fahrzeit 1 : 05 Std. Durchschnitt 15,0 km/h Max 31,6 km/h Gesamt 389 km

Das war die letzte (und auch anstrengendste) längere Radtour für dieses Jahr - zusammen waren es 1.332 Kilometer - und damit habe ich die Touren im Süden Deutschlands, die zu »erfahren« ich mir vorgenommen habe, erlebt. Im nächsten Jahr möchte ich den »Elberadweg« und den »Weserradweg« kennenlernen. Hoffentlich klappt alles so, wie ich mir das vorstelle.

Zum Schluss noch eine Information: Da ich in meine Berichte nur eine begrenzte Auswahl meiner Bilder einfügen kann, stelle ich die Bilder einiger Touren unter dem Link »Bildergalerien« zur Ansicht.

»ENDE«