Donau - Radweg

Teil 1: Die deutsche Donau
Von Donaueschingen bis Passau

Vom 25. Juni bis 5. Juli 2006

Autor: Klaus Donndorf



Da habe ich mir ja was Schönes vorgenommen - ich will die 600 Kilometer des »Donau - Radweges« von Donaueschingen bis Passau bewältigen. War eigentlich schon im vorigen Jahr zusammen mit meinem Freund Siegfried angedacht - she. den Bericht zur »Bodenseetour«. Jetzt sollte es also gelingen, trotz der schlechten Erfahrungen mit dem unbeständigen Wetter, die ich auf der "Maintour" im April gemacht habe. Die ich abbrechen musste, weil der Himmel alle Schleusen öffnete. Jetzt also ein neuer Versuch!
Für meine Tourenplanung vertraute ich wieder auf ein bikeline - Heft aus dem Verlag Esterbauer und zwar das vom

Donau - Radweg / Teil1
Von Donaueschingen nach Passau

ISBN 3-85000-025-7 / 11.90 €
Zu beziehen im Buchhandel oder bei www.amazon.de

Nun bin ich ein sog. »Gutwetter - Fahrer«, der nicht so gerne bei Regen mit dem Rad unterwegs ist. Aber selbst für die acht reinen Radltage auf gutes Wetter zu hoffen, war fast schon verwegen. Trotzdem vertraute ich auf die Vorhersagen von »wetter.com«, die für den - kurzfristig - geplanten Zeitraum gutes Wetter vorhersagten.

Und um es vorweg zu sagen - im Wesentlichen stimmten diese Vorhersagen. Und die Regen- oder Hagelschauer und Gewitter erwischten mich, wenn ich schon in meinem Tageshotel war oder in der Nacht. In dieser Hinsicht war alles perfetto .

Am Sonntag, dem 25. Juni fuhr ich also nach Donaueschingen in mein vorbestelltes Hotel »Grüner Baum«, Friedr.-Ebert-Str. 59 / Tel. 0771 / 80910 www.flairhotel.com/gruenerbaum, wo auch mein Auto die Woche über sicher stehen konnte - kostenlos ! Es ist ein »Flair Hotel«, von der Familie Preis geführt und mit 48,- € für die Nacht nicht zu teuer. Bietet dazu eine ausgezeichnete Küche und sehr freundlichen, aufmerksamen Service. Würde ich also wieder hinfahren.

Es ist heute sehr heiss und so führt mich mein Weg in die Stadt nur kurz zur »Donauquelle« im Schloßpark und dann sofort in eine Eisdiele. Mit der genauen Lokalisierung der Donauquelle hat man so seine Schwierigkeiten. Diese, in Stein gefasste Anlage (links) im Schlosspark des »Fürstlich Fürstenbergischen Schlosses« (unten) gilt auch als Quelle ( she. auch Kasten weiter unten ). Die Mutter »Baar« - wie die Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb bezeichnet wird - weist ihrer jungen Tochter »Donau« den Weg gen Osten.

Die auf dem Boden des Bassins liegenden Münzen erinnern mich an die »Fontana di Trevi« in Rom. Vermutlich erhofften sich die Münzwerfer auch hier eine Rückkehr an diesen Ort - wer weiss ?

Nach meinem Eis und der üblichen Wegeerkundung für morgen ging's schnell wieder ins Hotel, unter die Dusche und zum Abendessen. Und in der Nacht gab es ein Unwetter mit Sturm und Regen, Blitz und Donner, dessen Spuren mir in den nächsten Tagen überall noch begegneten.



Soviel nur über Donaueschingen:
  • Das Wappen von Donaueschingen (rechts) zeigt in einem von Silber und Blau geteilten Schild ein sechsspeichiges Rad in verwechselten Farben.

  • Der Ort wurde 889 als »Esginga« erstmals urkundlich erwähnt. Von 1101 bis ins 15. Jahrhundert gehörte er zu einer örtlichen Adelsfamilie, die vermutlich Dienstleute der Reichenau waren. Im 13. Jahrhundert waren es die Herren von Blumberg, die über den Ort herrschten. Ihnen folgten bis 1465 die Ritter von Stein.

  • Schon im Jahr 1283 belehnte Rudolf von Habsburg den Grafen Heinrich von Fürstenberg mit der Grafschaft Baar und Donaueschingen. Damit war auch das Recht verbunden, Bier zu brauen. Hier hat die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei ihren Ursprung.

  • Im Jahre 1488 ging der Ort Donaueschingen durch Kauf in den Besitz der Grafen von Fürstenberg über. 1653 wählte Ferdinand Friedrich von Fürstenberg Donaueschingen als Residenz. Seit 1716 ist der Ort Hauptsitz der Fürsten von Fürstenberg.

  • Donaueschingen erhielt 1810 das Stadtrecht

  • Die Stadt gehörte zunächst zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat »vor der Wald« zugeordnet. Da die Landesherren, die Fürsten von Fürstenberg die Reformation nicht einführten, blieben Donaueschingen und sein Umland bis ins 19. Jahrhundert überwiegend katholisch.


Montag, 26.Juni

Nach dem Unwetter der Nacht zeigte sich der Himmel am nächsten Morgen in makellosem Blau und es versprach ein schöner, sonniger und damit heisser Tag zu werden. Und ich habe fast 100 Kilometer bis Sigmaringen vor der Brust. Einige Steigungen avisiert mir meine Wegekarte auch und so werde ich gleich zu Beginn der Tour richtig eingestimmt.

Aber auch nachdenklich, denn am Beginn des Radweges am Eingang zum Schlosspark wird die Entfernung bis Passau nur mit 531 Kilometern angegeben. Das wären über 60 Kilometer weniger, als das bikeline-Buch angibt. Mal sehen, wer Recht behält.

Was ich über die Donau noch nicht wusste:
  • Dass die Donau ins Schwarze Meer mündet, dürften die meisten wissen. Wo aber entspringt der mit 2888 Kilometern Länge zweitlängste Fluss Europas? Jedenfalls im Schwarzwald - über eine präzisere Lokalisierung wird aber gestritten.

  • "Brigach und Breg bringen die Donau zuweg" - heißt's in einem alten Spruch. Die Donau hat eigentlich sogar drei Mütter: die beiden Quellflüsse Brigach und Breg und die Donauquelle in Donaueschingen, die in die Brigach fließt. Erst ab dem Zusammenfluss von Brigach und Breg, wenige Kilometer unterhalb von Donaueschingen, heißt sie Donau - und bis dort erfolgt die Kilometerzählung.

  • Die Breg ist der längste Quellfluss der Donau. Sie entspringt in 1078 m Höhe im Schwarzwald bei Furtwangen, gilt als geologische Quelle der Donau und ist ein Naturdenkmal. Nach 49 km fließt sie in Donaueschingen mit der Brigach zusammen und bildet dort den Ursprung der Donau.
  • Die Brigach ist der zweite Quellfluss der Donau. Sie entspringt in 925 m Höhe im Schwarzwald in St. Georgen im Ortsteil Brigach. Die Quelle ist im Keller eines Bauernhofes gefasst und kann dort auch besichtigt werden. Nach 43 km fließt sie nahe Donaueschingen mit der Breg zusammen und bildet dort den Ursprung der Donau.
  • Die Donau ist der einzige große europäische Fluss, der von Westen nach Osten fließt. Im Gegensatz zu anderen Flüssen werden die Kilometer von der Mündung bis zur Quelle hochgezählt. Offizieller Nullpunkt ist der Leuchtturm von Sulina am Schwarzen Meer.

  • Der gesamte Donau-Radweg von Donaueschingen bis Budapest besteht aus drei Etappen:
    - von Donaueschingen nach Passau - cá 600 km / Die »Deutsche Donau«
    - von Passau nach Wien - cá 320 km / Die »klassische Tour«
    - von Wien nach Budapest - cá 390 km / »Ungarische Rhapsodie«

Zunächst fahre ich also durch den Schlosspark, begleitet von den kleinen gelben Täfelchen mit der Aufschrift »Donau-Radwanderweg«. Später wird es auch wieder andere Wegeschilder geben, aber insgesamt ist der Radweg sehr gut ausgeschildert; auch in den Städten. Und schon bin ich am sog. »Donauzusammenfluss«. Also dort, wo sich Brigach und Breg zur Donau vereinen. Bis hierher wird die Stromlänge gemessen (links).

Vorbei an den Orten Pfohren, Geisingen und Immendingen fahrend, bin ich auf die Donauversinkung gespannt. Wenn die Donau hier auch noch eher ein Flüsschen ist - dass sie plötzlich weg sein soll, finde ich schon interessant. Aber es stimmt, wie die beiden Bilder (unten) beweisen - nur Geröll und kein Wasser ! Der Grund für dieses einmalige Naturschauspiel liegt in der Wasserdurchlässigkeit der Kalksteinschicht, die nach Süden hin schräg abfällt. Im sog. »Aachtopf« (she. Bodensee-Radtour) sprudeln dann gewaltige 10.000 Liter pro Sekunde aus dem Boden. Trotzdem bleibt genügend Wasser für den weiteren Verlauf der Donau. Was ich beruhigend finde.

In Möhringen geht es nach einem beschrankten Bahnübergang scharf rechts ab und schon steht man vor dem Rathaus mit den schön bemalten »Schlagläden«. Und dem Hinweis, das der Ort bereits im Jahr 882 erstmals urkundlich erwähnt, ihm 1308 das Stadtrecht und 1470 von Kaiser Friedrich II. das Mohrenwappen (rechts) verliehen wurde. Der Stadtname leitet sich von »Moringas« ab, was »die Stadt des Herrschers Moring« bedeutet. Heute ist Möhringen ein staatlich anerkannter Luftkurort und seit 1973 ein Stadtteil von Tuttlingen.

Tuttlingen erreiche ich um 12.00 Uhr nach weiteren flachen 7 Kilometern und werde durch eine Grünanlage am Donauufer - dem neuen »Donaupark« - an der Stadt vorbei geführt. Was mich aber nicht daran hindern soll, etwas Information zu Tuttlingen zu geben, befinden sich dort doch die Aesculap-Werke, ein Tochterunternehmen meines langjährigen Arbeitgebers, der Firma B. Braun Melsungen A.G.


Zur Tuttlinger Stadtgeschichte informiert Wikipedia:
  • Tuttlingen ist eine Stadt im Süden Baden-Württembergs. Sie ist die Kreisstadt, die größte Stadt des Landkreises Tuttlingen und ein Mittelzentrum innerhalb der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Heute hat Tuttlingen cá. 35.000 Einwohner.

  • In die Stadt Tuttlingen wurden folgende Gemeinden eingegliedert:
    1. Juli 1972: Eßlingen
    1. Januar 1973: Möhringen und Nendingen

  • Tuttlingen fand 797 erstmals Erwähnung und gehörte kurze Zeit später zum Kloster Reichenau. Der Ort erhielt um 1250 das Stadtrecht und gehörte seit dem 14. Jahrhundert zu Württemberg.

  • Als befestigter südlicher Außenposten Württembergs war es im dreißigjährigen Krieg stets umkämpft. Hauptereignis war am 24. November 1643 die Schlacht bei Tuttlingen, bei der die gesamte französische Armee durch die vereinigten kaiserlich-bayerischen Truppen aufgerieben wurde.

  • Tuttlingen war schon früh Sitz eines Obervogteiamtes und wurde 1755 Sitz eines württembergischen Oberamtes, das im Laufe seiner Geschichte mehrmals verändert wurde.
    Am 1. November 1803 brannte Tuttlingen innerhalb der Stadtmauern völlig ab und wurde ab 1804 mit klassizistisch rechtwinkligen Straßen und quadratisch angelegten Häuserquartieren neu erbaut.

  • In Tuttlingen haben über 1.900 Unternehmen ihren Sitz - vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Global Player (Aesculap-Werke). Durch die Vielzahl an führenden Chirurgiebetrieben in und um Tuttlingen versteht sich die Stadt als "Weltzentrum der Medizintechnik" (rund 400 Betriebe sind unmittelbar mit der Herstellung von chirurgischen und medizintechnischen Erzeugnissen beschäftigt).


Im 9 Kilometer entfernten Mühlheim sehe ich mir die »Galluskirche«, die Mühlheimer Friedhofskirche (links) an. Sie ist dem »Heiligen Gallus« geweiht. Teile der Bausubstanz des im romanischen Stil errichteten Gebäudes stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Im Inneren sind Fresken aus dem 14. bis 15. Jahrhundert zu sehen - leider war die Tür verschlossen.

Die »Veitskapelle« als Beinhaus mit hölzerner Außenkanzel (rechts) wurde 1458 erstmals erwähnt.

Weiter geht es durch ein schönes NSG über Fridingen in Richtung der »Erzabtei Beuron«. Und jetzt muss ich mal die Spuren des Unwetters der letzten Nacht erwähnen. Der Weg ist über und über mit abgeknickten Zweigen und Ästen bedeckt. Du musst immer wieder darum herumfahren und bist schon froh, dass die richtigen Bäume - die es auch erwischt hat - schon von den Gemeindearbeitern beseitigt wurden. Drüberheben wäre nicht so gut - mit dem Gepäck hinten drauf!

Hier links ist so ein vom Blitz gefällter Baum zu sehen - der aber über dem Fluss hing und nicht über meinem Weg. Auch zu sehen ist meine kleine Deutschland-Fahne, die ich aber schon im Januar 2006 gekauft habe. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass fast ganz Deutschland - auch die Radfahrer - mir diese Sache nachmachen würden !

Und dann kam das Kloster Beuron in Sicht !

Die Strecke von Fridingen nach Beuron gehört wohl zu den landschaftlich schönsten Abschnitten der »Deutschen Donau«. Das Tal wird hier von den Felsen so eingeengt, dass nur die Eisenbahn und ein Wirtschaftsweg am Talboden Platz haben. Die weißleuchtenden Kalkfelsen steigen bis zu 300 Meter senkrecht an den Seiten empor. Die Donau muss sehr hartnäckig gewesen sein, sich hierdurch ihren Weg zu bahnen.

Aus der Geschichte Beurons.

Die Erzabtei Beuron liegt etwa in der Mitte des Durchbruchs der jungen Donau durch den südwestlichen Ausläufer des Schwäbischen Jura, im Herzen des Naturparks Obere Donau, in einem von schroff aufragenden Kalkfelsen umrandeten Talkessel.
Diese Landschaft mit ihren Höhlen und bewaldeten Höhen war bereits in vorgeschichtlichen Zeiten von Menschen bewohnt; davon zeugen Funde aus der Steinzeit und der Bronzezeit. Die Reste eines keltischen Ringwalles sind heute noch in der Nähe des Altstattfelsens zu erkennen.
Der Name Beuron kommt von dem alten Wort "bur" = Häuser und läßt auf eine frühe geschichtliche Siedlung schließen. In einem Besitzverzeichnis der Abtei St. Gallen aus dem Jahre 861 findet man die Ortsbestimmung »Purron«, mit der wohl Beuron gemeint ist.
Die erste erhaltene Urkunde über das alte Kloster Beuron stammt aus dem Jahre 1097. In ihr bestätigt Papst Urban die Gründung und nimmt sie in päpstlichen Schutz. Beuron gehörte zur lateranensischen Augustinerkongregation. Kloster und Kirche standen von Anfang an unter dem Schutz des heiligen Martinus von Tours und der Gottesmutter.


Zurück zur Tour:

Die Namen einiger Felsen deuten auf die klösterlich-kirchliche Geschichte hin: Prälatfelsen, Probstfelsen oder Bettelmannsfels. Der Weg ab Beuron verläuft am Hang des Petersfelsen, daneben sieht man den Paulsfelsen. Und unten im Tal fließt die Donau in Schleifen dahin. Dazu mal ein paar Bilder:

Nach einer kurzen Steigung und nachdem der Weg über eine hölzerne Hängebrücke wieder auf nördliche Flußseite wechselt, stehe ich an der »Mauruskapelle« (oben rechts), die zu Ehren von Pater Maurus 1868/69 entstand und die erste Arbeit der Beuroner Kunstschule ist.

Nachdem der Weg wieder auf die südliche Flußseite gewechselt ist, sehe ich rechts oben die Burg Wildenstein ( den Weg dort hinauf ziehe ich gar nicht erst in Betracht ) und wenig später ist der »Rabenfelsen« (rechts) linker Hand nicht zu übersehen. Ich muss in diesem Moment meinen Accu wechseln und stelle mich dabei so ungeschickt an, dass er mir in die Brennnesseln fällt. So konnte ich noch 2 Tage an diese Situation denken !

Eine Tafel informiert den interessierten Betrachter wie folgt:

Vor 140 Millionen Jahren wuchsen Kalk- und Kieselschwämme im flachen, warmen Jurameer zu Schwammriffen auf, ähnlich den Korallenriffen in der Südsee. In die Hohlräume der abgestorbenen Schwämme lagerte sich Kalk ein und verfestigte sich zu hartem Massenkalk.

Die Riffe waren ursprünglich von anderen Schichten überdeckt. Die Ur - Donau hat sie vor 2 - 10 Millionen Jahren ausgeschwemmt und freigelegt.

So entstanden die vielfältigen Felsformationen im Donautal.


Der männliche Teil eines ebenfalls radfahrenden Paares - wohl aus Schwaben - meinte dazu unwiderlegbar: "Damals gab es hier noch keine Schwaben" !

Rund 10 Kilometer sind es jetzt noch bis Sigmaringen, meinem heutigen Ziel. Aber die sollten es in sich haben. Denn ab Inzigkofen ging es heftig und sehr lange bergauf, sodass ich teilweise schieben musste. Wie auch eine Gruppe etwa gleich alter Schwaben, alle in papageienbunten GONSO - Shirts.

Sigmaringen erreiche ich um 15.20 Uhr, finde mein vorbestelltes Hotel, den Gasthof »Traube«, Fürst-Wilhelm-Str. 19 / Tel. 0751 / 64510 (unten links / www.hotel-traube-sigmaringen.de ) gut, aber das mir zugedachte Zimmer absolut schlecht; bekomme ein anderes Zimmer für 35,- € (mehr war es auch nicht wert) und der restliche Tag kann beginnen. Erst ein Eis, dann ein kleiner Stadtrundgang (u.a. zum Schloss / unten rechts), abends eine Hausplatte und dann nichts wie ins Bett. Ich bin ratzkaputt!!
Zur Sigmaringer Stadtgeschichte informiert Wikipedia:
  • Sigmaringen ist eine baden-württembergische Kreisstadt an der oberen Donau

  • Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1077, als König Rudolf von Schwaben die Sigmaringer Burg belagerte. Die offizielle Stadtgründung war 1250.

  • 1325 wurde die Stadt an Graf Ulrich III. von Württemberg verkauft.

  • 1806 wird Sigmaringen Hauptstadt des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen.

  • 1850 wird die Stadt Sitz des preußischen Regierungsbezirks Hohenzollernsche Lande, von 1873-1972 Sitz des hohenzollerischen Landeskommunalverbandes.

  • Von Oktober 1944 bis April 1945 war Sigmaringen Sitz der französischen Vichy-Regierung unter Marschall Pétain und Ministerpräsident Laval.


Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 98 km Fahrzeit 6:10 Std. Durchschnitt 16,2 km/h Max 49,2 km/h


Dienstag, 27. Juni

Nach recht guter Nacht frühstücke ich um 7.00 Uhr und bin um 7.30 Uhr »on the road«. Es ist sonnig, aber angenehm kühl und ein blauer Himmel lässt für heute wieder gutes Wetter erwarten. Dazu habe ich etwas Rückenwind und komme so auf zunächst ebener Strecke über Sigmaringerdorf nach Scheer gut voran. Hier grüsst das Grafenschloss von hohem Berge und über Enetach - weit ab von der Donau, aber asphaltiert - gelange ich nach Mengen mit seinen vielen schönen Fachwerkhäusern.

Und das auch schon eine lange Geschichte hat, die bis in die Zeit der römischen Besatzung dieser Gegend zurückreicht. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde das Gebiet, als Kaiser Ludwig der Fromme 819 Gebiete an der Ablach an das Kloster Buchau vermachte. 1170 hält sich Friedrich I. Barbarossa in der Stadt auf und hält einen Hoftag ab.

Am 04. März 1276 erlangt Mengen das Stadtrecht, ausgestellt in Augsburg durch König Rudolf von Habsburg.

Für mich ist die Gegenwart aktuell und die bietet heute ideales Radlwetter, die Lerchen schlagen, Frösche quaken und ich geniesse auf ebener Strecke die Landschaft des Donau-Rieds. Das nördliche Gebiet begrenzen die sanften Hügel der Schwäbischen Alb, südlich erstreckt sich eine ausgedehnte Ackerebene. Wann habe ich zum letzten mal ein blühendes Kartoffelfeld (unten links) gesehen ?

Bald sehe ich die Gebäude des Freilichtmuseums Heuneburg (unten rechts) links von mir. Die Heuneburg - wohl ein ehemaliger keltischer Herrschersitz - ist das älteste massive Lehmbauwerk nördlich der Alpen. Über 2500 Jahre haben sich hier an der oberen Donau bei Hundersingen Reste einer keltischen Höhensiedlung erhalten.

Bei Neufra weist ein Schild auf dortige
»Hängende Gärten«
hin. Ich riskiere einen kleinen Umweg, werde aber enttäuscht. Als Attraktion des Schlosses Neufra (unten links) angekündigt, entpup-
pen sie sich als eine eher ungepflegte Anlage, die kaum ihren Eintrittspreis von 1,- € wert ist.

An der Schwarzach (unten links) entlang fahrend erreiche ich Riedlingen (unten rechts), eine ehemals alemannische Gründung.

Weitere 7 Kilometer geht es flach und asphaltiert weiter, bis dann ab Zell und weiter hinter Zwiefaltendorf ausser einem kräftigen Regenschauer - war aber gerade eine Unterstellmöglichkeit da - einige heftige Steigungen kommen, bei denen ich richtig ins Schwitzen gerate. Dafür geht es dann nach Obermarchtal wieder entspannend bergab und ich habe Lust, mir hier Kloster - ein ehemaliges Prämonstrtenser-Chorherrenstift und älteste Barockkirche Oberschwabens - sowie Münster anzusehen.

Informationen zu Riedlingen:

Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 835. Die Erhebung zur Stadt erfolgte durch die Grafen von Veringen um 1250. Bereits um das Jahr 1300 kam Riedlingen in den Besitz der Habsburger, die die Stadt aber bald an die Familie der Truchsessen von Waldburg verpfändeten.

Erst 1680 fiel die Stadt Riedlingen gegen die Bezahlung der Pfandschuld an Österreich zurück. Bis zum Pressburger Frieden 1805 gehörte Riedlingen zu Vorderösterreich. 1806 kam Riedlingen zum Königreich Württemberg.

Das Riedlinger Stadtwappen (1303) zeigt auf einem in der Mitte senkrecht geteilten Schild links vom Beschauer auf rot-weiß-rotem Grund zwei schräg gekreuzte gelbe Ruder. Die rechte Seite zeigt einen auf gelbem Grund nach links aufgerichteten roten Löwen. Der rot-weiß-rote Grund wird als österreichische Binde bezeichnet und stellt die Farben Österreichs dar. Der rote Löwe ist das Wappen der Habsburger.



Im Kloster ist heute eine Internatsschule untergebracht. Da gerade Schulschluss war, liefen einige hundert Schülerinnen und Schüler über Hof und Wege - also das Fahrrad nur schieben! Links ein Blick in den Chorraum mit dem Hochaltaren.

An Munderkingen vorbei führt der Radweg mal wieder in Sichtweite an der Donau entlang und um 14.30 Uhr bin ich am Ziel in Ehingen. Man fährt erst neben einer Umgehungsstrasse um die Stadt etwas herum, bis es dann an einer Fußgängerampel in die Stadt hinauf geht. Über die Spitalstrasse gleich in die Lindenstrasse und dort ist mein Zimmer im Hotel Linde Lindenstrasse 51 Tel. 07391 / 58050 mit Minibar und grossem Bad seine 51,- € wert.

Es ist heute nachmittag fast unerträglich heiß und so muss erst wieder ein grosses, gemischtes Eis zu meiner Erfrischung beitragen. Bis ich dann am Abend im Biergarten des »Gasthof zum Ochsen« komplett schwäbisch esse: erst eine Schwäbische Hochzeitssuppe und danach Maultaschen mit Fleischfüllung und mit Käse überbacken - köstlich!!

Vor dem Abendessen und nachdem es etwas kühler geworden ist, mache ich noch einen Rundgang durch die Stadt. Dabei fällt mir ein Paar auf, das mit Mountainbikes und dicken Rucksäcken auf den Rücken unterwegs ist - viel Vergnügen, denke ich. Da sehe ich mir lieber ein paar Minuten ein Fussballspiel anl. der Weltmeisterschaft auf einer Großleinwand auf dem Marktplatz an (links).

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 78 km Fahrzeit 5:08 Std. Durchschnitt 15,5 km/h Max 54,5 km/h

Mittwoch, 28. Juni

In der Nacht hat es geregnet und gewittert und somit etwas Abkühlung gebracht. Nach der Hitze gestern war das sehr angenehm. Allerdings ist der Himmel heute morgen sehr mit dunklen Wolken bedeckt (links) und ich spanne vorsichtshalber den gelben Regenschutz über mein Gepäck. Und ziehe meine Weste an, denn es ist sehr frisch. Obwohl es sofort am Hotel bergauf geht (2. Kategorie) und ich auf diese Weise schnell warm werde.

Bis Ulm bleibt es dann aber eben und asphaltiert und ich komme gut voran. So sind die 15 Kilometer bis Erbach - an der Oberschwäbischen Barockstraße sowie am
Jakobusweg gelegen - schnell abgespult.

Erbach wurde als Pfarrei im Jahr 1275 als »Irlebach« im »Konstanzer Zehntbuch« urkundlich erwähnt, Funde aus der Jungsteinzeit weisen aber darauf hin, dass das Gebiet um Erbach schon früher besiedelt war. Am 1. August 2002 erhielt Erbach das Stadtrecht.

Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt ist das Renaissanceschloss Erbach aus dem frühen 16. Jahrhundert. Gleich neben dem Schloss liegt die barocke Kirche St. Martin aus dem Jahr 1767 (Bild rechts).

Nochmal 10 ebene Kilometer weiter und Ulm ist um genau 11.00 Uhr erreicht. Schon von weitem grüsst der mit 161.6 m »höchste Kirchturm der Welt« des Ulmer Münsters. Ich fahre durch den »Metzgerturm« in die Stadt hinauf und hinein. Und stehe schon vor dem Rathaus von 1520 mit seiner astronomischen Uhr.

Nach der obligaten Zwischenmeldung per SMS gönne ich mir einen Cappu und eine Laugenbrezel. Danach zum »Kornhaus« und ins »Fischer- und Gerberviertel«. Dort steht u.a. das »Schiefe Haus«, heute ein kleines Hotel (unten rechts).

Dazu diese Bilder...





...und etwas Information über Ulm:


In Ulm, um Ulm und um Ulm herum:
  • Das Wappen der Stadt Ulm zeigt einen von Schwarz und Silber (Weiß) geteilten Schild und ist seit 1351 in den Stadtsiegeln belegt. Die genaue Bedeutung dieses recht einfachen Wappens ist nicht bekannt.

  • Im frühen Mittelalter, wohl um 850, wurde Ulm zur Königspfalz. Die erste urkundliche Erwähnung datiert vom 22. Juli 854. König Ludwig der Deutsche besiegelte eine Urkunde in Hulma, was wahrscheinlich mit sumpfiger Stelle (von hulmig - sumpfig) zu übersetzen ist.

  • Unter den Staufern wurde die Siedlung weiter ausgebaut. Kaiser Friedrich I. Barbarossa verlieh Ulm 1181 die Stadtwürde und stellte es wenige Jahre später (1184) unter seine direkte Hoheit, indem er es zur Reichsstadt erhob.

  • Unter Ulmer Führung wurde 1376 der Schwäbische Städtebund als Bündnis von 14 schwäbischen Reichsstädten gegründet. Am 30. Juni 1377 begann der Bau des Ulmer Münsters, da die alte Kirche vor den Stadtmauern lag und die Einwohner während einer Belagerung nicht zur Kirche gehen konnten.

  • Ihren Höhepunkt erreichte die Stadt um 1500: Ulm war die zweitgrößte Reichsstadt nach Nürnberg. Drei Städte (Geislingen, Albeck und Leipheim) sowie 55 Dörfer gehörten zum Gebiet. Die Stadt war wichtiger Umschlagplatz für Eisen, Holz und Wein

  • Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurde der Reichtum der Stadt durch weitere Kriege, besonders während des Dreißigjährigen Kriegs, durch Seuchen, Reparationszahlungen und Erpressungen verschiedener Besatzer derart verringert, dass die Stadt um 1770 bankrott war und weiteren Grund veräußern musste.

  • 1529 trat Ulm auf dem Reichstag in Speyer den protestantischen Reichsständen bei. 1531 wurde die Reformation zwinglischer Richtung eingeführt, doch näherte man sich bald Martin Luther an, als 1533 die Stadt eine lutherische Kirchenordnung erhielt. Somit war Ulm über Jahrhunderte eine protestantische Stadt.

  • Das gotische Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt (161,5 Meter) beherrscht das Stadtbild. Es ist Hauptsehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt.

  • Auffällig im Stadtbild sind zudem zwei Türme aus Ulms Vergangenheit:
    - der 1360 als Teil der Stadtbefestigung erbaute Gänsturm und
    - der Metzgerturm, 1345 als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Der „Schiefe Turm von Ulm“ mit einer Höhe von 36,1 m neigt sich 2,05 m nach NW (um 3,3° geneigt; zum Vergleich: Schiefer Turm von Pisa 5,1°).

  • Ein bedeutender und bekannter Sohn der Stadt ist Albert Einstein, 1879 in Ulm geboren (gest. 1955), ein Physiker und Nobelpreisträger.



In Oberelchingen, das nach weiterhin flachen 15 Kilometern erreicht ist, erhebt sich auf dem »Heiligen Berg« über dem Donautal die Kloster- und Wallfahrtskirche »St. Petrus und Paulus« (links). Die Klostergründung erfolgte im 12. Jahrhundert, 1802 wurde der Konvent aufgehoben.

Die Kirche wurde in den Jahren 1782 - 1784 im Stil des Frühklassizismus vollendet. Die Deckenfresken und das Altarbild schuf der Trierer Hofmaler Januarius Zick (1783), den Hochaltar und die Skulpturen schuf Johann Michael Fischer.

Jetzt geht es nach Überquerung der A 7 über eine wenig befahrene Landstrasse und dann 5 Kilometer durch den »Donauwald« (unten links). Natürlich Schotterweg, aber ganz gut zu fahren.

Die Fahrt nach Leipheim hinein und vor allem hinauf kann man sich sparen; wohingegen Günzburg, das man nach weiteren 5 Kilometern Wald erreicht, absolut sehenswert ist. Mit seinem wunderschönen, langgestreckten Marktplatz (oben rechts) und den für diese Region typischen spitzgiebeligen Dächern. Hier gönne ich mir eine längere Pause und eine Apfelschorle.

Und ein Besuch der »Liebfrauenkirche«, von Dominikus Zimmermann in den Jahren 1736-41 erbaut, darf nicht fehlen. Sie ist eine Vorgängerin der »Wieskirche« (she. mein Bericht von der Radtour »Romantische Strasse«).

Ich fahre zunächst von Günzburg aus zurück, über die Donau und dann weiter durch den Wald Richtung Offingen. Dabei komme ich (u.a.) am Flusskilometer 2559.0 vorbei - der Beweis, dass die Länge der Donau von der Mündung aus gemessen wird ! Denn soweit bin ich ja auf keinen Fall bisher gefahren (unten links).

Ab Offingen wendet sich der Weg gen Norden und das bedeutete für mich heute starken Gegenwind. Wenigstens war es weiterhin flach, aber die 8 Kilometer bis Gundelfingen schlauchten trotzdem ganz schön. Rechts sehe ich die Kühltürme das AKW Grundremmingen.

Im Gasthof »Zur Sonne« bei Familie Delle, Hauptstrasse 56 Tel. 09073 / 7334 hatte ich für 43,- € vorgebucht. Konnte also nach einem herzlichen Empfang gleich unter die Dusche, denn es war heute wieder sehr warm - trotz des Windes.

Das Motto des Hauses auf der Homepage ( www.sonne-gundelfingen.de ) stammt von Goethe:

»Wo wir uns der SONNE freuen, sind wir jeder Sorge los«
.

Na dann...

Gundelfingen ist eine romantische Kleinstadt, die auch »Gärtnerstadt« genannt wird. Von drei Flussarmen durchzogen liegt das Städtchen zwischen Wiesen und Auwäldern des Donautales. Einem römischen Strassenlager entsprungen, hat es seinen Namen wohl von seinem, im dritten Jahrhundert herrschenden Ahnherren Gundolf

Auf dem Dach des Rathauses brütet jedes Jahr ein Storchenpaar (links).

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 84 km Fahrzeit 5 : 09 Std. Durchschnitt 16.6 km/h Max 41.1 km/h Gesamt 260 km


Donnerstag, 29. Juni

Heute morgen sitze ich schon um 7.30 Uhr im Sattel. Es wird wieder ein strammer Tag werden, nicht nur wegen der geplanten Streckenlänge. Abwarten...

Zunächst fahre ich nach Lauingen hinein, wo Albertus Magnus (1193-1280), der bedeutende aristotelische Gelehrte geboren wurde. Er verband zum ersten Mal Theologie und Naturwissenschaft miteinander. Sein Denkmal steht vor dem klassizistischen Rathaus von 1782 (unten).

Schräg gegenüber dem Rathaus steht der »Schimmelturm« (rechts), ein 54 Meter hoher Wachtturm mit Fresken, die Lauinger Sagen darstellen. Seine Grundsteinlegung war 1457.

Aus Lauingen heraus musste ich nach Gefühl fahren, weil an entscheidender Stelle kein Wegeschild zu sehen war. Im Bogen an der Donau entlang auf nicht asphaltiertem Weg nach Dillingen. Dessen architek-
tonisches Stadtbild haben der hohe Klerus und Gelehrte bestimmt. So regierten von hier aus die Fürstbischöfe von Augsburg.

Sebastian Kneipp trat 1844 ins Gymnasium in Dillingen an der Donau ein und stieg wegen einer Lungenentzündung regelmässig in das Wasser der kalten Donau. Damit konnte er sich mit Erfolg kurieren und bewies so die Heilwirkung von kaltem Wasser.

A propos Wasser - mir machen die dunklen Regenwolken am Himmel Sorge, ich hole in Gremheim an einem Bus-Wartehäuschen wieder den Regenschutz für's Gepäck hervor. Warte aber auch noch einige Minuten, was sich da oben wohl tut. Der Weg führt die nächsten 20 Kilometer bis Donauwörth nämlich nur durch Gottes freie Natur, was normalerweise sehr willkommen ist. Aber wenn der Himmel voller dunkler Wolken hängt, ist das gar nicht so schön. Hoffen wir das Beste, lieber Leser !

Auf so einer Radtour kommst Du ja in viele Orte, von denen Du vorher noch nie gehört hast. Und da ergibt sich jetzt mal eine Quizfrage: Wo liegt der Ort

Stoffelhansenschwaige?

Wer's wusste, darf drei Felder vorrücken !


Über Steinheim geht es bis Höchstädt auf einem Radweg an der B 16 entlang. Hier gabelt sich der Donauradweg wieder, also heisst es aufpassen. Ich entscheide mich für die schönere und verkehrsärmere Route durch die Donauauen über Sonderheim und Blindheim nach Donauwörth. Und hier empfiehlt bykeline doch tatsächlich, sich noch mit Proviant einzudecken, weil es bis Donauwörth (she. oben) keine Einkaufmöglichkeiten mehr gibt. Ja, wo sind wir denn ?

Nach Blindheim wieder mal über die Donau und dann kommt die nächsten 20 Kilometer wirklich nur Natur. Unterwegs überholt mich - es weht wieder ein starker Gegenwind und ich fahre nicht besonders schnell - zwischen Rettingen und Zusum eine grössere Gruppe kerniger Radler. Aber nur, um kurz danach zu pausieren und so komme ich doch noch vor ihnen in Donauwörth an.

Donauwörth erreiche um die Mittagszeit und mache im Gasthof Goldener Hirsch bei einer Apfelschorle eine Pause. Hier habe ich auf meiner Tour entlang der »Romantischen Strasse« 2004 übernachtet.

Am Nebentisch sitzt eine Gruppe etwa gleichaltriger (?) Radler, die in die Gegenrichtung unterwegs sind. Von Kelheim kommend ist Höchstädt ihr heutiges Ziel. Beim Abfahren kommen wir in ein kurzes Gespräch, ich verteile einige meiner Visitenkarten und Herr Elsässer meldet sich kurz darauf per mail. Danke dafür und selbstverständlich wird Ihr Gruppenbild hier veröffentlicht, Herr Elsässer!

Ich sage noch: »Bange machen gilt nicht«, als sie mich vor starken Steigungen warnen, die mich bis Neuburg a.d. Donau erwarten. Aber leider haben sie Recht behalten, die Strecke ging sehr in die Oberschenkel und bescherte mir für die nächsten Tage etwas Muskelkater. Los ging es schon vor Altisheim rauf zum »Schloss Leitheim« (oben links) und weitere Steigungen folgen bei Marxheim und zwischen Stepperg und Riedensheim. Das rechte Bild gibt eine solche lange Steigung nur unzureichend wider. Ich muss jedenfalls zwischendurch immer wieder schieben.

Das im bykeline-Heft angekündigte Barockschloss der ehemaligen Grafen von Bertoldsheim in Bertoldsheim ist in mäßigen Zustand und der Öffentlichkeit nicht zugängig. Angesichts der Strecke heute nachmittag und des immer dunkler werdenden Himmels, wollte ich eigentlich auch nur so schnell wie möglich nach Neuburg kommen. Das letzte Wegestück führte teils über Asphalt, teils über Schotter, aber wenigstens flach an der Donau (links) entlang. Und ich erreiche Neuburg trocken, wenn auch verschwitzt gegen 15.30 Uhr.

Kaum habe ich mich in meinem Hotel »Bergbauer«, Fünfzehnerstr. 11 Tel. 08431 / 61 68 90 (rechts / Zimmer für 45,- € etwas zu teuer ! / www.hotel-gasthof-bergbauer.de ) eingerichtet, als es einen Hagelschauer gibt, der mit solcher Macht und solchen Hagel- und Wassermengen vom Himmel kommt, dass die Kanäle der Stadt im Nu überlastet sind. Das Wasser sprudelt wie bei einem Springbrunnen hoch und ich bin froh, dass mich dieses Naturereigniss nicht vorher erwischt hat. Und so hat dieser Tag nach den Anstrengungen des Nachmittags doch noch einen guten Abschluss gefunden. Zu dem auch ein frugales Abendessen (Rinderbraten mit Pfifferlingen und Semmelknödeln) mit beigetragen hat.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 90 km Fahrzeit 5 : 59 Std. Durchschnitt 15.3 km/h Max 54.7 km/h Gesamt 350 km


Freitag, 30. Juni

Nachdem es sich heute Nacht wieder einmal ausgeregnet hat, ist der Himmel am Morgen blau mit nur einigen Wolken am Himmel. Ich kann schon um 7.00 Uhr frühstücken - und da war ich bei weitem nicht der erste Gast - und die sehr nette Bedienung gibt mir eine Plastiktüte für mein »Pausenbrot«. Ich fahre gerne früh los und so sitze ich auch heute wieder um 7.45 Uhr im Sattel. Ein Blick zurück zum schönen Neuburger Residenzschloss (rechts), einer Anlage aus der Frührenaissance des 16. Jahrhunderts.

Auf meinem Weg aus der Stadt hinaus muss ich sehr intensiv auf die vielen Schulkinder achten, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Dann verschwinden diese aber in ihren Schulen und es geht bei lebhaftem Verkehr auf einem Radweg an der schnurgeraden Strasse 6 Kilometer Richtung »Jagdschloss Grünau«.


Wissenswertes zu Neuburg an der Donau
  • Neuburg a.d.Donau ist Große Kreisstadt im oberbayerischen Landkreises Neuburg-Schrobenhausen

  • Das heutige Stadtwappen erhielt Neuburg nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1506. Neben dem ursprünglichen Tortum wurden zwei Steckreiterkinder - die beiden Prinzen und späteren Fürsten Ottheinrich und Philipp - und ein Löwe dargestellt. Dominierende Farben sind weiß, rot und grün.

  • Neuburg war unter Bischof Simpert von Augsburg (778 bis 809) kurze Zeit Bischofssitz, dann Hauptort einer Pfalzgrafschaft, deren Inhabern die Vogtei über das Reichslehen Neuburg zustand. Sie kam im 10. Jahrhundert an die Grafen von Scheyern und somit an Bayern.

  • 1505 entstand das Herzogtum Pfalz-Neuburg mit Neuburg als Residenzstadt.

  • 1777 fiel das wittelsbachische Herzogtum Pfalz-Sulzbach an Bayern und wurde 1808 aufgehoben.

  • In den folgenden Jahren und Jahrzehnten musste sich Neuburg mit einer etwas geminderten Bedeutung abfinden; die Stadt war ländliches Zentrum im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, dazu aber ein relativ bedeutender Behördensitz und Schulstandort. Vor allem das Neuburger Gymnasium mit Studienseminar war weithin bekannt.

  • Das markanteste Bauwerk des Ortes ist das Residenzschloss, das schönste Renaissanceschloss an der Donau. Es verfügt über einen bezaubernden Innenhof mit zweigeschossigen Laubengängen.

  • Das Neuburger Schlossfest wird alle zwei Jahre jeweils am letzten Juni- und am ersten Juliwochenende gefeiert und erinnert an die Zeit der Renaissance: Die Bürger schlüpfen in historische Kostüme und lassen in der malerischen Altstadt die Zeit des 15./16. Jahrhunderts wiederaufleben – mit historischem Markttreiben, Sängern, Barden und Gauklern, Fanfarenbläsern und Turnierreitern, Landsknechten und hinterhöfischem Gefolge.

Erst erreiche ich das »Jagdschloß Grünau« (links), umrunde es und fahre weiter an »Gut Rohrenfeld« vorbei, durch Felder (unten links), die vom gestrigen Hagel niedergedrückt sind. Durch einen Wald (unten rechts), bis ich an einen beschrankten Bahnübergang (Mitte) komme. Der wird nur auf Anforderung geöffnet.

Der Himmel verdunkelt sich zusehends und ich frage mich, was das wohl für ein Wetterbericht sein soll, der für heute sonniges Wetter mit nur wenigen Wolken vorhergesagt hat ? Jetzt gibt es auch wieder neue Wegeschilder, z.B. die »Tour de Baroque« (rechts unten - warum man das wohl französisch schreibt?). Darüber mache ich mir auf den 20 Kilometern bis Ingolstadt aber nur bedingt meine Gedanken.

Wichtiger ist mir, dass ich mit meinen beiden neuen Radfahrhosen so gute Erfahrungen mache; was bedeutet, dass ich überhaupt keine Sitzbeschwerden bekomme (das wird auch bis Passau so bleiben!). Sowohl die GONSO als auch die Nalini - Hose sind Spitze, zumal ich auch vom ersten Tag an ohne zusätzliche Shorts fahre. Eine echt neue Erfahrung!!

Wahrscheinlich auch deshalb, weil es mir nicht so pressiert, wie dem Metzger, auf dessen Viehanhänger ich diesen Aufkleber sah (links).

Schön gemütlich fahre ich auf flacher Strecke Ingolstadt entgegen, dass ich gegen Mittag erreiche. Da wir uns die Stadt vor wenigen Wochen zusammen mit Edda und Gerhard - schade, dass es heuer mit einem Treffen nicht geklappt hat - ausgiebig angeschaut haben, halte ich mich heute hier nicht auf. Sondern fahre durch den Klenzepark (benannt nach dem königlichen Hofbaumeiseter Leo von Klenze (1784-1864), der maßgeblich am Bau der bayerischen Landesfestung Ingolstadt beteiligt war), am südlichen Donauufer entlang Richtung Großmehring.


Ein paar Ingolstadt - Informationen:
  • Das Wappen der Stadt Ingolstadt zeigt in Silber einen feuerspeienden blauen Panther.

  • Ingolstadt (lateinisch: Auripolis) ist als kreisfreie Stadt an der Donau im Bundesland Bayern mit einer Einwohnerzahl von 121.801 (zum 31. Dezember 2005) nach München die zweitgrößte Stadt Oberbayerns

  • Die erste schriftliche Erwähnung Ingolstadts findet sich am 6. Februar 806 in der Reichsteilungsurkunde Karls des Großen als Ingoldestat, der »Stätte des Ingold«.

  • Um 1250 bekommt Ingolstadt Stadtrechte, später auch das Münzrecht.

  • 1472 wird, nachdem durch den Tod Herzog Ludwigs Ingolstadt an die Landshuter Wittelsbacher gefallen ist, die erste Bayerische Landesuniversität gegründet, die 1800 zuerst nach Landshut und 1826 nach München verlegt wird.

  • Am 23. April 1516 wird in Ingolstadt das Bayerische Reinheitsgebot von Herzog Wilhelm IV. deklariert, das die erlaubten Inhaltsstoffe des Bieres auf Gerste, Hopfen und Wasser festlegt. Es ist das älteste bekannte, heute noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt!

  • 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, belagert Gustav II. Adolf von Schweden die Stadt. Sein Pferd wurde ihm dabei förmlich „unter dem Hintern weggeschossen“ und ist heute im Stadtmuseum zu sehen. Der „Schweden-Schimmel“ gilt als ältestes erhaltenes Tierpräparat Europas. Am 30. April stirbt in den Mauern der Stadt der Heerführer der katholischen Liga, Johann Tserclaes Graf von Tilly, an einer Verwundung aus dem Kampf bei Rain am Lech.

  • Um 1700 lässt Mary Shelley ihren Victor Frankenstein in Ingolstadt studieren und forschen, hier soll er auch seine legendäre Kreatur erschaffen haben. (1818 erschien der Roman, noch heute erinnert eine nächtliche Gruselstadtführung an den berühmten Studenten)

Auch Kurioses gibt es zu berichten: Kurz vor Großmehring, gleich nach einem Kraftwerk, wirst Du durch einen Hinweis vom Weg auf dem Donaudamm nach links heruntergeführt. Um dann nach etwa 500 m an dieser schmalen Brücke (links) zu lesen, dass, sollte die Brücke zu schmal sein, du auch weiter auf dem Damm fahren kannst. Schilda lässt grüssen!!

Der Weg ab Ingolstadt ist mit grobem Schotter belegt, es herrscht ziemlicher Gegenwind - also sehr anstrengend zu fahren. Und dann noch dieser unsinnige Umweg !

Kurz vor Vohburg bei Irsching steht dieses Kraftwerk mit seinen drei Schornsteinen.

In Vohburg gönne ich mir eine längere Rast, es ist fast Mittag und Zeit, an die Zimmerreservierung für heute zu denken. Ab heute habe ich nämlich nicht mehr vorgebucht. Also Anruf in Kelheim, wohin ich heute fahren werde. Und beim 2. Anruf klappt es; so kann ich beruhigt weiter fahren.

Neustadt lasse ich rechts liegen, in Bad Gögging - nichts Besonderes zu berichten - mache ich eine kurze Pause mit SMS an Conny und Frank und Telefonat mit Christel. Dazu gibt's das Pausenbrot und zu trinken. Ich trinke jetzt auf meinen Touren überhaupt sehr viel - Siegfried wird es freuen!

Hinter Sittling entschliesse ich mich für die Route am Fluss entlang. Was sich als ein Fehler herausstellen sollte - der Weg war miserabel. Uneben, enge Fahrspuren, unterbrochen von oft richtigen Wasserlöchern vom letzten Hochwasser. Da vermerkte ich nur am Rande, dass ich im Moment durch das grösste zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt fahre (links).

Aber ich habe mich nun mal dazu entschlossen und so werde ich bis Weltenburg kräftig durchgeschüttelt. Gut, dass mein Gepäck sicher auf dem Gepäckträger befestigt ist.

Von Weltenburg - das Kloster schenke ich mir, da wird immer noch mit Krach gebuddelt und gebaut - nach Kehlheim sind es nur 6 Kilometer. Aber dafür brauche ich eine ganze Stunde !! Erst geht es an einer Strasse stark ansteigend bergauf. Dann ebenso weiter, aber auf einem unbefestigten Forstweg durch einen Wald.

Hört das denn überhaupt nicht auf - denke ich. Und schwitze und fluche vor mich hin. Denn es ist gnadenlos heiss heute nachmittag, auch im Wald keine richtige Abkühlung. bykeline empfiehlt, für dieses Wegestück per Schiff nach Kelheim zu fahren. Hätte ich besser machen sollen!

Gegen 15.00 Uhr bin ich an meinem tel. vorgebuchten Hotel »Klosterbrauerei«, Familie Seitz, Klosterstrasse 5, Tel 09441 / 50150, wo mein Zimmer für 42,- € auf mich wartet ( www.hotel-seitz.de ). Vorher habe ich noch Wasser bei EDEKA eingekauft und nach der heute besonders erfrischenden Dusche gönne ich mir einen schönen Schoko-Nuss-Eisbecher.

Bei einem Bummel durch den Ort halte ich nach einem Lokal für mein Abendessen Ausschau, entscheide mich dann aber dafür, in meinem Hotel zu essen und dabei auf der Terasse zu sitzen.

Ausserdem spielen wir heute gegen Argentinien, da möchte ich schon zuschauen. Und der 11-Meter-Krimi, der Dank Lehmann für unsere Mannschaft positiv ausging, liess auch bei den Zuschauern im Hotel die Wogen der Begeisterung hoch schlagen. Als Deutschland im Turnier dadurch weitergekommen ist, war die Erleichterung mit Händen zu greifen!

Und - in Kelheim kann man kaum ein Bild machen, ohne immer die «Befreiungshalle« mit drauf zu bekommen.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 84 km Fahrzeit 5 : 39 Std. Durchschnitt 15.1 km/h Max 47.6 km/h Gesamt 434 km

Samstag, 1. Juli

So - bis Regensburg kenne ich meine heutige Strecke schon von der »Fünf - Flüsse - Radtour«. Und da ich heute nur rund 70 Kilometer geplant habe, nehme ich mir beim Frühstück viel Zeit. Komme ins Gespräch mit einem Ehepaar, das heute im Rahmen einer organisierten Tour mit Gepäcktransfer auch nach Regensburg will.

Bei Kelheimwinzer lässt Dich die Beschilderung mal wieder im Stich und so bleibe ich - trotz eines Durchfahrt-Verbotsschildes - auf dem nördlichen Uferweg. Bis Herrensaal geht es unbefestigt auf einem Damm, dann an einer Landstrasse entlang über Kapfelberg nach Poikam. Und dort dann wieder auf das südliche Ufer und nach Bad Abbach.

Beim blättern im bykeline-Heft fragt ein älterer, sehr netter Radler, ob er helfen kann und erklärt mir den Weg nach Bad Abbach. Fand ich nett; ähnliches ist mir auf dieser Tour öfter passiert.

Hinter Bad Abbach beschreibt die Donau einen grossen Bogen, an dem es teils an der Strasse - ohne Radweg - teils auf einem Damm unbefestigt Richtung Regensburg geht. An der futuristischen Fussgänger-
brücke (links) bei Bad Abbach raste ich kurz, um dann die letzten 20 Kilometer bis Regensburg anzugehen. Bald fahre ich unter der A 3 und dann unter einer Eisenbahnbrücke durch und schon tauchen die Türme des Regensburger Doms vor mir auf.

Das Wappen der Stadt Regensburg zeigt in Rot zwei schräg gekreuzte silberne Schlüssel. Die Schlüssel sind das Attribut des Heiligen Petrus, dem Patron des Regensburger Domes und der Stadt.

Informationen über diese Stadt, die wegen der Vielzahl ihrer erhaltenen Geschlechtertürme als Nördlichste Stadt Italiens bezeichnet wir, würde den Umfang dieses Berichtes sprengen oder zu unvollständig bleiben. Deshalb nur ein Bild (rechts), wie es sich mir bei der Ankunft bot. Und da gerade Mittag war - aber auch sowieso - gönne ich mir 6 Regensburger mit Kraut bei der altesten Wurstbraterei unten an der Donau, in Sichtweite der »Steinernen Brücke«.

Mit gefülltem Magen, aber nicht träge fahre ich über die »Eiserne Brücke« und durch Vorortstrassen aus der Stadt hinaus Richtung Donaustauf. Bald sehe ich die »Walhalla« (links), die linker Hand vom hohen Berge grüsst.

Wieder führt der Weg auf einem Damm direkt an der Donau entlang (rechts). In Bach werde ich auf das kleinste Weinanbaugebiet Deutschlands aufmerksam gemacht und zu einer Weinprobe eingeladen. Muss ich aber drauf verzichten.

Und ab Kiefenholz gibt es eine kleine Abkürzung nach Wörth an der Donau, dessen Schloss (links) von weitem schon zu sehen ist. Um genau 14.45 Uhr erreiche ich mein Ziel. Kaum frage ich einen Passanten nach meinem Hotel, stehe ich auch schon davor - der Weg war also schnell erklärt. Der Gasthof Geier, Josef-Feller-Strasse 1 Tel. Tel. 09482/2250 bot ein sauberes Einzelzimmer für 20,- €, mit neuem Bad, aber ohne Telefon und Fernseher.

Ausruhen, duschen und Wasser einkaufen - der übliche Rythmus. Aber es bleibt die Frage unbeantwortet, wie morgen das Wetter wird - so ganz ohne Fernseher. Wenigstens finde ich einen kleinen Biergarten und bekomme endlich meinen »Gebräunten Leberkäs mit Spiegeleiern, Bratkartoffeln und Salat« zu meiner Weinschorle serviert. Da kann ich doch aufs Fernsehen glatt verzichten.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 70 km Fahrzeit 4 : 49 Std. Durchschnitt 15.0 km/h Max 31.0 km/h Gesamt 504 km

Sonntag, 2. Juli

Also - geschlafen habe ich schlecht letzte Nacht. In diesen einfachen Gasthöfen bekommst Du im heissesten Sommer wie im Winter das gleiche Bettzeug - schwitzen also vorprogrammiert. Dazu gab es heute morgen kein warmes Wasser zum duschen und rasieren. Dafür 2,- € Nachlass für das Zimmer. Ist alles manchmal schon etwas abenteuerlich.

Aber die Sonne scheint und es soll wieder ein regenloser Tag werden. Also los, über die Wiesent (rechts) und die A 3, dann neben dieser her, einmal hinüber und einmal herüber, durch Pondorf, Kößnach und Sossau nach Straubing (unten links). Durch weites, ebenes Land mit Wiesen und Feldern (unten rechts). An einem Weiher ein Schild: »Angeln und Eisstockschiessen verboten« - sowas findest Du nur in Bayern.

In Straubing schläft noch alles, als ich gegen 10.00 Uhr auf den Marktplatz fahre. Auch die Gaststätten und Eisdielen haben noch nicht geöffnet. Also nix mit Pause, sondern gleich weiter. Über eine Donaubrücke, scharf rechts ab und Richtung Reibersdorf. Links sieht man am Horizont die Ausläufer des »Bayerischen Waldes« (unten links). Ich rufe in Deggendorf im Hotel »Donauhof« an und bekomme auch gleich ein Zimmer. Das wäre also schon mal geklärt.

Linker Hand sehe ich die Kirche »St. Peter und Paul« (unten rechts) in Oberalteich. Das Kloster Oberalteich ist ein ehemaliges Kloster der Benediktiner bei Bogen in der Diözese Regensburg. Die »St. Peter und Paul« geweihte Klosterkirche wurde 1622 bis 1630 neu erbaut und hat eine reiche Innenausstattung. Der barocke Hochaltar stammt aus dem Jahr 1693. Die ehemalige Klosterkirche wurde 1803 Pfarrkirche.

Leider ist der Wind heute wieder absolut gegen mich und ich muss es langsam angehen lassen. Die Sonne brennt, einige Nordic-Walkerinnen überhole ich aber trotzdem. Skater- und Radlergruppen treffe oder überhole ich auch. Allmählich merke ich die Anstrengungen der letzten Tage in den Beinen. Deshalb habe ich die letzten Etappen ja auch bewusst kürzer geplant.

Ab dem Ort Bogen fahre ich wieder auf einem Damm und sehe somit die Donau. In Mariaposching sehe ich mir die schöne Dorfkirche (links) an. Leider ist sie verschlossen. Und bevor ich nach Deggendorf hineinfahre, mache ich noch einen Abstecher in den Ort Metten. Dort gibt es eine sehenswerte Barockkirche (rechts und unten links), die zu einer Benediktiner-Abtei gehört.

Die Abtei wurde im Jahre 766 durch Gamelbert gegründet. Metten war lange Jahrhunderte ein landständisches »Prälatenkloster« unter der Herrschaft der bayrischen Herzöge und Kurfürsten. Die Mönche widmeten sich auch den Aufgaben der Erziehung und des Unterrichts; Klostermitglieder waren nicht nur als Lehrer an Schulen tätig, sondern auch Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und Professoren in Philosophie und Theologie in Freising und Salzburg.

Nach der Säkularisation 1803 wurde der Klosterbesitz eingezogen, der Konventstock 1815 versteigert. Ein Johann von Pronath erreichte, dass das Kloster durch König Ludwig I. von Bayern 1830 als erstes Benediktinerkloster nach der Säkularisation wieder errichtet wurde.

So, die letzten 6 Kilometer bis Deggendorf schaffe ich doch auch noch, Ehrensache. Und auf einem Stadtplan am Ortseingang suche und finde ich sogar die Hafenstrasse. Dort liegt gleich am Anfang mein Hotel »Donauhof«, Hafenstrasse 1 Tel 0991 / 38 99 0 (rechts) und darin mein Zimmer zu 39,- € für die Nacht. www.hotel-donauhof.de

14.00 Uhr ist es, als ich ankomme, mein Rad in einer Garage sicher unterstellen kann und wenig später erkunde ich, erfrischt durch eine ausgiebige Dusche und einen Eisbecher, die Stadt. In der heute Bürgermeisterwahl ist - die bisherige Bürgermeisterin wurde wiedergewählt (Ihr Bild auf den Wahlplakaten erinnerte mich an die jüngere Marianne Koch).

Mein Abendessen habe ich mal wieder fotographisch dokumentiert:
Etwas über Deggendorf
  • Deggendorf ist Große Kreisstadt (kreisfrei) des niederbayerischen Landkreises Deggendorf. Die Stadt wird auch als »Tor zum Bayerischen Wald« bezeichnet und liegt an der Donau, in der Nähe der Mündung der Isar (lateinisch: Auripolis). Deggendorf ist nach München die zweitgrößte Stadt Oberbayerns.

  • In einer am 20. November 1002 ausgestellten Urkunde König Heinrichs II. für das Kloster Niedermünster in Regensburg, wird Deggendorf erstmals erwähnt.

  • Deggendorf ist an einem geografisch wichtigen Ort errichtet worden. Hier war ein natürlicher Donauübergang vorhanden, der die Straße entlang der Isar nach Norden fortsetzte.

  • Mit dem Aussterben der Babenberger und der Grafen von Bogen (1242), setzten sich die Wittelsbacher in den Besitz der ehemaligen Grafschaft Deggendorf. Die Stadt wurde neu geordnet und geplant angelegt.

  • Mit Privilegien und Vergünstigungen wurde Deggendorf gefördert, bis es 1316 und 1320 mit dem Stadtrecht ausgestattet, und damit der Prozess der Stadtwerdung auch verfassungsmäßig abgeschlossen wurde.

  • Schwere Bevölkerungsverluste waren im 30-jährigen Krieg zu beklagen. Zwei Drittel der Einwohner starben 1633/34 an der Pest. Während des Spanischen und des Österreichischen Erbfolgekriegs wurden Teile der Stadt in Brand gelegt und zerstört.



Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 70 km Fahrzeit 4 : 38 Std. Durchschnitt 15.3 km/h Max 34.7 km/h Gesamt 574 km

Montag, 3. Juli

Nicht nur, weil ich wunderbar erholsam geschlafen habe - obwohl mein Zimmer zur vielbefahrenen Hauptstrasse hin lag - muss ich dem »Donauhof« 4 Sterne geben. Das Zimmer war sehr geschmackvoll mit Kirschbaummöbeln eingerichtet, sauber und mit grossem Bad (und warmem Wasser). Aber absolute Spitze war das Frühstück, das beste bisher auf meiner Tour was das Angebot bis hin zu frischem Obst und Spiegeleiern betraf. Habe ich der Dame an der Rezeption beim Auschecken auch gesagt. Hierher komme ich gerne wieder!!

Der Himmel ist heute morgen makellos blau und es ist schon um 7.30 Uhr beim Start so warm, dass sowohl Weste wie auch Helm sofort hinten auf's Gepäck aufgeschnallt werden. Erst an der erwähnten, vielbefahrenen Hengersberger Strasse auf einem Radweg entlang, dann asphaltiert zwischen Donau und der A 3 weiter über den Ort Halbmeile nach Niederalteich.

Niederalteich mit "ei" geschrie-
ben bezeichnet die Gemeinde und Niederaltaich mit "ai" geschrieben bezeichnet das Kloster! Der Ort entstand im Laufe der Zeit aus dem Benediktiner-Kloster Niederaltaich, das im Jahre 731 oder 741 von Herzog Odilo von Bayern gegründet wurde. Die Mönche kamen aus dem Inselkloster Reichenau im Bodensee.

In Niederalteich wäre ich gerne mit der Fähre (reim dich oder ich fress dich) auf das andere Ufer übergesetzt; ging aber erst ab 10.00 Uhr, ich war also zu früh. So blieb ich auf der linken Donauseite, was weniger Kilometer bedeutete, weil der Fluss hier eine ziemlich große Schleife beschreibt.

Und so bin ich schon gegen 10.30 Uhr in Vilshofen (oben rechts), wo ich in einem Strassenafé eine längere Pause bei einem Cappu einlege. Mit Blick auf den »Stadtturm« (links), ein Wahrzeichen der Stadt. Hier in Vilshofen präsentieren sich ja bekanntlich bayerische Politiker beim »Politischen Aschermittwoch« im Wolferstetterkeller in - für mich - meist zweifelhafter Form. Aber sowas kommt hier an.

Nach 8 Kilometern Landstrasse mit schönem auf und ab komme ich nach Sandbach und hier wird mich eine Fähre ans andere Ufer bringen. Gelegenheit, mich mal von einem netten Radlfahrer fotographieren zu lassen (rechts).

Ganze 16 Kilometer trennen mich jetzt nur noch vom Ziel meiner Tour - Passau. Die Route verläuft hier wieder direkt am Donauufer entlang und dann kommt die Autobahnbrücke der A 3 bei Schalding in Sicht.

Bevor ich die Stadt erreiche, muss ich an einer Schleuse am Kachletwerk nochmal die Flußseite wechseln und erlebe dabei das Ein- und Ausschleusen eines Ausflugsschiffes. Die Zeit nehme ich mir:

Nun noch etwa einen Kilometer an der Regensburger Strasse entlang und schon zweigt nach rechts die Bahnhofstrasse ab Richtung Innenstadt. Mein wieder vorbestelltes Hotel »Herdegen«, Bahnhofstr. 5 Tel. 0851/95 51 60 (Einzelzimmer zu 36,- €)www.hotel-herdegen erreiche ich genau um 13.20 Uhr nach ebenso genau 631 geradelten Kilometern.

Bin ich froh ! - und auch ein wenig stolz und zufrieden, dass ich das geschafft habe. Sofort setze ich mehrere SMS ab, um alle mir wichtig erscheinenden Menschen zu informieren.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 57 km Fahrzeit 3 : 49 Std. Durchschnitt 15.2 km/h Max 38.8 km/h Gesamt 631 km



Etwas Passau - Informationen::
  • Das Wappen stellt einen roten Wolf auf weißem Schild dar. Die Herkunft des Wappentieres ist nicht sicher geklärt.

  • Die auf dem Altstadthügel gelegene keltische Siedlung Boiodurum wurde im 1. nachchristlichen Jahrhundert von den Römern zerstört. Dafür errichteten die Römer auf beiden Seiten des Inns je ein Lager. Auf der Halbinsel zwischen Donau und Inn selbst wurde das Kastell Batavis errichtet. Der Name stammt von den dort stationierten germanischen Söldnern vom Stamm der Bataver. Aus Batavis entwickelte sich allmählich der heutige Name Passau.

  • In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts war das Passauer Schmiedehandwerk bedeutsam. Die Stadt konnte sich rühmen, neben Solingen die härtesten Schwerter und Rüstungen herzustellen.

  • 1217 wurde Passau zum Fürstbistum. Das Kloster Niedernburg, das dem Bischof 1161 von Friedrich I. Barbarossa geschenkt wurde, wurde zum Sitz des Fürstbistums.

  • Passau erhielt 1225 Stadtrechte verliehen.

  • Es gab mehrere Aufstände der Bürger gegen die Herrschaft der Fürstbischöfe, zuletzt 1367/68, die aber allesamt scheiterten.

  • 1552 wurde in der Stadt der »Passauer Vertrag« geschlossen, der ein Wegbereiter für die Tolerierung der Konfessionen im »Augsburger Religionsfrieden« von 1555 war.

  • Die Stadt wurde mehrmals von Überschwemmungen und Bränden heimgesucht. 1662 legte ein Brand die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Die italienischen Baumeister Carlone und Lurago bauten die Stadt danach wieder auf und gaben der Stadt ihr heutiges südländisch anmutendes barockes Aussehen.

  • Passaus Zeit als selbständiges Fürstentum endete mit der Säkularisation 1803, wodurch es zu Bayern kam


Hier in Passau bleibe ich zwei Nächte, denn morgen fahre ich per Zug nach Donaueschingen, hole dort mein Auto, fahre nach Passau zurück und dann am Mittwoch, den 5.7. nach Hause. Also einchecken, frisch machen und dann als erstes die Fahrkarte kaufen; mit Platzreservierung, wie mir die freundliche Bahnmitarbeiterin empfiehlt.

In der FuZo (Fussgängerzone) herrscht lebhaftes Treiben, viele Touristen mache ich aus. Aber auch eine Eisdiele und da raste ich bei grosser Hitze und einem grossen gemischten Eis. Dann bummele ich durch die Stadt und gehe als erstes zum »Stephansdom« (links), dem Sitz des Passauer Bischofs und größtem Barockdom nördlich der Alpen!

Im Inneren sind die Stukkaturen von Giovanni Battista Carlone und die Gemälde von Johann Michael Rottmayr in den Seitenaltären besonders zu erwähnen (rechts).

Die Domorgel, gebaut in den Jahren 1924 bis 1928 von der Firma Georg Friedrich Steinmeyer aus Öttingen und dann von 1978 bis 1981 von der Passauer Orgelbaufirma Ludwig und Wolfgang Eisenbarth neu gestaltet, ist mit 17.774 Pfeifen und 233 Registern die größte Domorgel der Welt (links).

Vom Dom hinunter zur Innpromenade mit dem Blick zur »Veste Oberhaus« (oben links) und weiter zum »Dreiflüsseeck« (oben rechts), wo die Donau (von Westen), der Inn (von Süden) und die Ilz (von Norden) sich vereinen und gemeinsam als Donau weiter gen Osten fliessen. So sind hier alle vier Himmelsrichtungen vereint!

Das Bild veranschaulicht die Situation sehr schön:

Die Abende verbringe ich in einem lauschigen Biergarten gleich neben dem Hotel; am Dienstag schaue ich mir dort den Fussballkrimi Deutschlang gegen Italien an, der uns bekanntlich um die Teilnahme am Endspiel gebracht hat - und das in den letzten Minuten der Verlängerung. War schon schade !!

Die Bahnfahrt nach Donaueschingen verläuft fahrplanmässig, sodass ich alle meine Anschlusszüge erreiche. Ebenso problemlos verläuft die Autofahrt nach Passau und am Mittwoch, dem 5. Juli fahre ich dann nach Kamen.


»ENDE«