Elbe - Radweg / Teil 2

Von Bad Schandau nach Tangermünde
Vom 27. August bis 3. September 2009

Autor: Klaus Donndorf




Auch für diesen Bericht habe ich wieder einen schönen Spruch über die Elbe gefunden:

Warum ist die Elbe bei Dresden so gelbe ?
Sie grämt sich zu Schande, sie muss aus`m Lande -
denn schon ab Meissen, da isse in Preissen
!

Dieses Jahr wollte ich nun mein Vorhaben, dass ich in meinem ersten Elbe - Bericht angekündigt hatte, wahrmachen und die restlichen Kilometer des

Elbe - Radweges

fahren - diesmal flussabwärts von Bad Schandau nach Tangermünde. Nach den 330 Kilometern der ersten Etappe, sollten es diesmal rund 400 Kilometer sein und mit tatsächlichen 442 Kilometern passte das auch ganz gut. Die beiden bikeline - Bücher besass ich ja schon und so habe ich die Tour auf 6 reine Radltage, mit Hin- und Rückfahrt also 8 Tage, geplant.

bikeline - Tourenbuch
Elbe - Radweg Teil 1
ISBN 3-85000-086-9 / 9.90 €

bikeline - Tourenbuch
Elbe - Radweg Teil 2
ISBN 3-85000-035-4 / 10.90 €
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Donnerstag, 27. September

Die Abfahrtszeit des Zuges von Hamm nach Bad Schandau war mit 8.30 Uhr diesmal etwas angenehmer, Christel und Christiane brachten mich zum und in den Zug - etwas Hilfe bei Fahrrad plus Gepäck ist schon sehr angenehm - und bei strahlendem Sonnenschein erwartete mich eine angenehme Fahrt bis Leipzig. Schon von weitem grüssten der »Weißheitszahn« - das ehemalige Universitätsgebäude - und der hässliche Klotz des Völkerschlachtdenkmals am Horizont.

Beim Warten auf dem Bahnsteig gab es dann einige Aufregung, als unser Anschlußzug erst von Gleis 22 auf Gleis 20, dann aber doch wieder auf Gleis 22 abfahren sollte -nur, dass zwei Radlerehepaare und auch ich diese zweite Durchsage überhört hatten. So hiess es, rauf aufs Rad und wieder zum anderen Bahnsteig fahren, denn jetzt musste es schnell gehen, um den Zug nicht zu verpassen. Jetzt hoffe ich nur, dass die netten Radlerpaare aus München mal auf meine HP schauen - es war schön, von Ihnen zu hören - Danke dafür!

Der Zugschaffner gab mir dann den Rat, nicht erst in Dresden, sondern schon in Radebeul umzusteigen, weil beide Züge am gleichen Bahnsteig ankommen bzw. abfahren würden - was das Umsteigen wesentlich vereinfachte. Überhaupt ist das Einsteigen in Regionalzüge wesentlich einfacher, als in IC - Züge. Erstere haben den Eintritt in Höhe des Bahnsteiges, man kann sein Rad also mit Gepäck leicht in den Wagen schieben. Bei den IC - Zügen gibt es zwei Stufen und eine sehr enge Tür, hier muss man sein Rad heben und das geht nur, indem man das Gepäck ablädt.

Im Gespräch mit einem Radlerpaar aus Schwaben verging die Fahrt bis Bad Schandau sehr schnell. Und nachdem ich die 3 Kilometer vom Bahnhof bis zum Ortsteil Krippen gefahren war, konnte ich gegen 18.00 Uhr in meinem vorgebuchten Hotel Grundmühle , Friedrich-Gottlob-Keller-Straße 69, Tel. 035028 / 8619-0 (links / Zimmer mit 55,- nicht ganz billig, aber o.k.) einchecken, duschen und nach einem üppigen und sehr leckeren Salatteller im Biergarten den Tag beschliessen. Ein Anruf bei Christel war nicht möglich, denn in diesem Tal hatte ich keine Feldstärke für mein Handy.
Freitag, 28. September

Ein herbstlich frischer Morgen und ein strahlend blauer Himmel erwarten mich, als ich um 8.30 Uhr nach einer guten Nacht und einem ebensolchen Frühstück, begleitet von einem rauschenden Bächlein starte. Mein Ziel heute ist das etwa 70 Kilometer nördlich gelegene Meissen. Der Weg führt zunächst hinunter zur Elbe und dort mit einer Fähre ein paar hundert Meter flussabwärts zum gegenüberliegenden Bad Schandau (rechts).

Ich erkundige mich per Handy nochmal bei Siegfried, auf welchem Ufer ich bis Dresden fahren soll - er kennt die Strecke bestens - und nachdem das geklärt ist, sehe ich mir Bad Schandau kurz an und fahre dann wieder über eine Brücke auf das linke Elbufer Richtung Königstein.

Die 6 Kilomter im fliessenden Verkehr, also ohne Randstreifen, sind schnell abgespult und schon grüsst mich rechts der »Lilienstein« - ein typisches Elbsandsteinmassiv - und gleich darauf die markante Silhouette der Festung Königstein vom Berg (unten).

240 Meter über der Elbe erhebt sich das Felsplateau, auf dem die Festung steht. Die wohl älteste schriftliche Erwähnung der Festung findet sich in einer Urkunde von König Wenzel I. von Böhmen aus dem Jahr 1233. Die Festung ist von einem 1.800 Meter langen Wallgang umgeben, der bis zu 42 Meter hohe Mauern und Steilwände aufweist und hat ausserdem den mit 152,5 Metern tiefsten Brunnen Sachsens. Der gleichzeitig der zweittiefste in Europa ist!

Die Bedeutung der Festung lag weniger auf militärischem Gebiet, sie wurde von den sächsischen Herzögen und Kurfürsten vor allem als sicherer Hort in Kriegszeiten, sowie als Jagd- und Lustschloss genutzt. War aber bis 1922 auch ein gefürchtetes Staatsgefängnis und wurde während der beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts als Gefangenenlager benutzt.

Mein Weg führt in leichtem Auf und Ab, aber asphaltiert und sehr angenehm zu fahren, neben einer Bahnlinie an Rathen vorbei.

Vom rechten Elbufer grüsst erst das Felsmassiv der Bastei (rechts), dann die Stadt Wehlen und an Obervogelgesang vorbei - ab hier führt der Weg schattig durch einen Wald - erreiche ich um 11.00 Uhr Pirna.

Im Schutz einer erstmals 1269 urkundlich erwähnten, aber schon im 11. Jahrhundert bestehenden Burg, entsteht hier ein fester Handelsplatz. Dem Heinrich der Erlauchte, Markgraf von Meissen, um 1230 das Stadtrecht verlieh. Bereits zu dieser Zeit war die Elbe ein wichtiger Handelsweg, so dass Pirna auch sehr schnell das Stapelrecht erhielt.

Natürlich fahre ich in die Stadt hinein, schon um das Canaletto - Haus zu sehen und den von diesem Maler - der eigentlich Bernardo Michiel Bellotto hiess (1721-1780), aber Canaletto genannt wurde - gemalten Marktplatz (unten).

Ehe ich mein Foto »schiessen« konnte, musste aber erst eine Rentnerreisegruppe den Marktplatz verlassen - und das dauerte! Die weiblichen Mitglieder der Gruppe lachten und gackerten dabei so sehr, dass ich an eine Schar Hühner denken musste. Man möge mir verzeihen.

Nachdenklich wurde ich dann aber, als ich an einer Hauswand den Elbe - Wasserstand am 17. August 2002 sah, als Pirna und das gesamte Elbetal eine ungeheure Flutkatastrophe erleben mussten.

Ab Pirna führt der Radweg unmittelbar am Flussufer entlang (unten links), ist asphaltiert, somit angenehm zu fahren. Der Fluss beschreibt hier einen Bogen von westlicher in nördliche Richtung - was du sofort am Wind merkst - ehe Heidenau erreicht ist. Bald sehe ich dann auch schon Schloss Pillnitz am anderen Ufer (unten rechts) und fahre mit der Fähre ab Kleinzschachwitz mal schnell rüber, denn Pillnitz will ich mir auf jeden Fall ansehen.

Die Geschichte des Schlosses reicht zurück bis in die Zeit um 1400. Das damalige Rittergut wurde zu einer Wohnburg ausgebaut. Zwischen 1540 und 1720 erlebte die Anlage mehrere Besitzerwechsel, bis August der Starke das Schloss zwischen 1720 und 1730 im baroken Stil um- und ausbauen liess ( Erste Bauperiode). Die Dächer und Gesimse des Wasserpalais vermitteln einen chinesischen Eindruck. Die Verwendung solcher ostasiatischer und orientalischer Elemente, sog. Chinoiserien, erfreute sich in der Barockzeit einer hohen Beliebtheit.

Seit 1765 wurde das Schloss dann von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen als Sommerresidenz genutzt. Dies erforderte neue Bauten, so dass beiderseits von Berg- und Wasserpalais Flügelbauten entstanden. 1776 entstand der Englische Pavillon und 1804 der Chinesische Pavillon (Zweite Bauperiode). Zwischen 1819 und 1826 entstand dann das Neue Palais.

Mit der Fähre fahre ich wieder zurück ans linke Ufer und immer in Flussnähe, aber jetzt bei einem aufkommenden Nordwestwind - die vorherrschende Windrichtung schlägt mal wieder voll zu - vorbei an der Brücke mit der schönen Bezeichnung Blaues Wunder (rechts) nach Dresden. Nach rechts schweift mein Blick hinauf zu dem Ortsteil Weisser Hirsch, wo Christel und ich den herrlichen Ausblick von der Terasse des Luisenhofes vor einigen Jahren genossen haben. Von vorne grüsst die Silhouette der Stadt mit der Frauenkirche, der Hofkirche, der Semperoper und am rechten Ufer das Regierungsgebäude der Landesregierung.

Um 13.30 bin ich unten an den Schiffanlegern, schiebe mein Rad durch die belebte Münzgasse Richtung Frauenkirche und lasse erstmal diesen schönen Bau auf mich wirken, bevor ich mir die Kirche auch von innen ansehe.


Etwas Geschichte der Frauenkirche in Kurzfassung.

Der Ratszimmermeister George Bähr begann 1722 mit den Plänen für eine "neue" Frauenkirche, nachdem der Vorgängerbau wegen der rasch wachsenden Stadt zu klein geworden war. Grundsteinlegung war 1726, die Weihe der - noch nicht ganz fertiggestellten - Kirche erfolgte 1734, ganz fertig war sie dann 1743. August der Starke, der Auftraggeber, starb schon 1733. George Bähr starb 1738 - beide sollten also die Vollendung der Kirche nicht erleben.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurde die Kirche schwer beschädigt, als über Dresden ein regelrechter Feuersturm nach einem Flächenbombardement der englischen Luftwaffe wütete. Am Morgen des 15. Februar stürzte sie ausgebrannt in sich zusammen. In der DDR blieb ihre Ruine als Mahnmal erhalten. Nach der Wende begann 1994 der durch Fördervereine und Spenden ermöglichte Wiederaufbau. Am 30. Oktober 2005 fand dann der Weihegottesdienst statt.

Aus dem Mahnmal gegen den Krieg soll nun ein Symbol der Versöhnung werden.

Natürlich habe ich mir Dresden auch noch ein wenig angeschaut - vorbei am Fürstenzug und am Residenzschloss hin zur Semperoper und zum Zwinger. In der Stadt waren reichlich Besuchergruppen mit Regenschirm schwingenden Führern unterwegs, was mich zu einer regelrechten Slalomfahrt zwang.

Mein Elberadweg führte dann über die Augustusbrücke zum rechten Ufer und hier muss man Rad und Gepäck über mehrere Treppen hinunter auf Flussniveau bringen - was nicht ganz einfach war. Warum man hier nicht wenigstens seitlich an den Treppen Rinnen zum Schieben der Räder anbringt, verstehe wer will - ich nicht! Denn hier sind bestimmt hunderte von Radfahrern ständig unterwegs - auf diesem beliebtesten deutschen Radwanderweg.

Das Bild mit meinem »Canaletto - Blick« (links) zeigt, dass sich der Himmel verfinstert hatte.

Vor mir lagen zwar »nur noch« etwa 20 Kilometer bis Meissen, aber die hatten es in sich! Der Nordwestwind hatte aufgefrischt und absolut etwas dagegen, dass ich heute noch in Meissen ankam, so stark blies er mir entgegen. Ich hatte kaum einen Blick für das interessante Bauwerk der YENIDZE, dieser ehemaligen Zigarettenfabrik. Die war zu ihrer Zeit so interessant, dass der Besitzer auf Werbung verzichten konnte - sein Bau warb für ihn!

Der folgende Abschnitt des Radweges ist asphaltiert und gut ausgeschildert; was aber auch nötig ist, denn es geht durch Stadtgebiet, an einer Hauptstrasse entlang und mal rechts, mal links ab - es heisst also: AUFPASSEN ! Um 15.00 Uhr bin ich in Radebeul. Vorbei an Altkötzschenbroda führt der Radweg jetzt wieder direkt am Ufer entlang, Kötitz und Sörnewitz werden passiert und um 16.00 Uhr sehe ich die Türme des Meissner Domes zum ersten mal in der Ferne. Um 16.30 Uhr kann ich dann in meinem Hotel Markt Residenz, An der Frauenkirche 1, Tel. 03521 / 41510 einchecken. Ein sehr gepflegtes Stadthotel der Welcome-Gruppe, bei dem der Zimmerpreis (mit Minibar) von 49,- € absolut o.k. ist (links).

Ein kleiner Stadtrundgang und ein Salatteller im Ratskeller beenden den heutigen Tag.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 80 km Fahrzeit 5:27 Std. Durchschnitt 15 km/h Max 43 km/h Gesamt 80 km

Samstag, 29. August

Nach einer nur mittelmässigen Nacht - die Glocken der Frauenkirche nebenan erinnern alle 15 Minuten an die Vergänglichkeit des Lebens - und noch bedecktem Himmel fahre ich los. Es ist kühl, ich kann aber ohne Jacke fahren. Zunächst über die Elbe und am rechten Ufer asphaltiert und eben auf einem neuen Radweg lässt es sich angenehm und entspannt radeln. Mein Blick geht nach links zu dem Ausblick auf das Ensemble der Albrechtsburg, dem Dom und dem ehemaligen Bischofsschloss (links).

Das Schloss Seußlitz, das ich in dem Ort Diesbar - Seußlitz sehe, ist renoviert. Und kurz darauf sehe ich gegenüber noch ein Schloss in leuchtendem Gelb, dem man die kürzliche Renovierung ansieht. Es ist Schloss Neuhirschstein und so weiss man doch wenigstens, wo unsere Soli - Unterstützung bleibt! Interessant fand ich das Schild eines Weingutes mit dem Namen Jan Ulrich in Diesbar - Seußlitz. Ich befinde mich jetzt ja auch an der »Sächsischen Weinstrasse«.

War der Weg bisher neu und asphaltiert, erinnern solche Wegestücke an die DDR - Vergangenheit. »Natursteinpflaster« nennt es mein bikeline, ich nenne es »Feldsteinpflaster« (rechts). Aber wie auch immer man es nennt, es ist anstrengend und nicht sehr angenehm zu fahren.

In Merschwitz muss man sowohl am Ortseingang wie auch am Ortsausgang jeweils eine kurze Treppe überwinden. Und hier hat man seitlich Schienen angebracht, auf denen man sein Rad problemlos rauf bzw. runterschieben kann. Auch mit Gepäck! Am Flussufer sehe ich ein Schild, auf dem auf eine mittelalterliche Handelsstrasse, die HOHE STRASSE, hingewiesen wird. Denn hier gab es eine Furt und die Strasse verband vom Niederrhein aus ostwärts verschiedene Teile Europas.

Plötzlich taucht eine riesige Baustelle mit vielen Hochkränen rechts von mir auf. Ein Schild klärt auf - es handelt sich um den Neubau eines Werkes der WACKER - Chemie, in dem »Polysilicium zur Nutzung von Sonnenenergie« hergestellt werden soll.

Von Merschwitz bis Nünchritz führt der Radweg an einer Strasse entlang, biegt dann aber scharf nach links ab - das Schild kann man leicht übersehen, weil es etwas bergab geht und man in der Regel hier schnell ist - und bleibt danach in Sichtweite des Flusses.

Über den Ort Moritz und einen Pflasterweg (links) kommt Riesa in Sicht und hier ist vielleicht was los! Am linken Ufer ist eine grosse Zeltstadt aufgebaut, Musik und Lausprecherdurchsagen schallen herüber. Was ist los ? - ein Drachenbootwettbewerb findet hier heute am Samstag statt und so erklärt sich die Volksfeststimmung.

Ich setze mit einer Fähre über den Fluss und fahre hinauf in die Stadt, wo ich bei einer Apfelschorle eine Pause einlege. Die Fährpreise finde ich erwähnenswert:
Erwachsene 1,- €, Kinderwagen, Fahrräder, Handwagen und Hunde -,60 Cent !

Mein Tagebuch gibt dem heutigen Tag die Überschrift: »Mein Kampf gegen den Wind«, denn der bläst mir heute mit solcher Wucht entgegen, dass ich zwischendurch ans Abbrechen der Fahrt denke. Und die mir entgegenkommenden Radler regelrecht beneide. Dazu immer wieder diese Feldsteinabschnitte; so z.B. bei Zschepa, wo ich absteige und schiebe. Meine Liebe zum Elberadweg hält sich u.a. dadurch in Grenzen. Positiv fällt mir dagegen auf, dass fast alle Radler grüssen, von den verbissen fahrenden Rennradfahrern heute am Wochenende mal abgesehen.

Habe ich in Riesa noch ein wenig Sonne genossen, verfinstert sich der Himmel jetzt mehr und mehr und ich hoffe, dass es nicht regnet. Die Feldsteinabschnitte des Weges und der Gegenwind reichen mir total. Zurück mit der Fähre setze ich wieder aufs rechte Ufer über und weiter geht der Kampf gegen den Wind.

Über Gohlis (bei Riesa) und vorbei an Strehla erreiche ich Kreinitz. Hier gibt es einen Gedenkstein (links) an der Stelle, wo sich angeblich am 25. April 1945 amerikanische und russische Soldaten die Hände reichten und schworen :

Nie wieder Krieg !

Die Gedenktafel steht so unscheinbar rechts am Wegesrand im Vorgarten eines Hauses, dass ich zunächst daran vorbeigefahren bin. Ein netter junger Vater, den ich beim Heckeschneiden ansprach, erklärte mir dann den Weg. Dieses Zeitzeugnis wollte ich doch auf keinen Fall verpassen. Der tatsächliche Treffpunkt der beiden Patrouillen war aber garnicht hier, sondern 3 Kilometer weiter südlich am Fähranleger bei dem Ort Lorenzkirch und auch dort gibt es inzwischen einen einfachen Gedenkstein (unten im Kasten) dazu.

Auf einer Tafel in Kreinitz lese ich:

Am 24. April 1945 trafen zwei Patrouillen der US - ARMY im Raum Strehla - Lorenzkirch - Kreinitz auf Soldaten der ROTEN ARMEE.

An dieser Stelle überquerten die Kotzebue- und die Craig - Patrouille der amerikanischen 1. Armee mit einer Ziehfähre die Elbe und trafen auf die Rotarmisten der 5. Gardearmee, unter ihnen der Kommandeur Oberleutnant Grigorij Goloborodko und aus der 175. Gardeabteilung Oberstleutnant Alexander Gordejev.

Und als ich um 13.00 Uhr das Ortsschild von Mühlberg (unten links das Rathaus) passiere, suche ich sofort den nächsten Gedenkstein (unten rechts). Hier bei Mühlberg fand nämlich am 24. April 1547 die Schlacht zwischen Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Kaiser Karl V. statt (auch als Schlacht auf der Lochauer Heide bekannt). Das Heer Kaiser Karls V. besiegte die Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen geriet in Gefangenschaft; damit war der Schmalkaldische Krieg für den Kaiser gewonnen.

Mein Krieg mit dem und gegen den Wind war noch nicht gewonnen. Zunächst musste ich nach Belgern, denn hier gibt es eine Roland - Figur am Rathaus auf dem Markt. Vorher überquerte ich zwischen Köttlitz und Staritz die Elbe auf der längsten Brücke Brandenburgs - ein imposanter Neubau (unten rechts).

Nach dieser Elbequerung überlege ich - soll ich dem Brautweg folgen und einen grossen Bogen über Dröschkau und Ammelgoßwitz oder an der Landstrasse auf einem seitlichen Radweg wesentlich kürzer bis Belgern fahren.

Ich entscheide mich für den Brautweg und sehe so ein Schild an einem etwas ungepflegten Grundstück in Drösckau ! ZU VERSCHENKEN ! Wie verlassen muss eine Gegend sein, dass jemand ein Grundstück verschenken will ?

In Belgern kommt man unten am Fluss an und muss, will man in die Stadt, eine kleine Steigung in Kauf nehmen. So besteht jedenfalls heute zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass ich friere. Im Gegenteil ! Aber die kleine Anstrengung lohnt sich ( abgesehen davon, dass man ja hinterher wieder hinunter fahren kann ), denn Belgern hat einen schönen Marktplatz und vor allem einen imposanten Roland vor dem Rathaus (rechts). Diese sechs Meter hohe Statue aus Elbsandstein ist das Wahrzeichen der Stadt und schon 1610 vom Rat der Stadt hier errichtet worden. 1736, 1756 und 1937 (!) musste er repariert bzw. erneuert werden - so steht es auf dem Sockel in Stein gemeisselt. Auffallend ist seine vergoldete Schamkapsel.

Jetzt also die letzten 16 Kilometer bis Torgau in Angriff genommen. Berg runter und durch ein Waldstück, eine kleine Steigung vor Döbelitz und über Kranichau, Weßnig, Bennewitz und Loßwig erreiche ich mein heutiges Ziel das Hotel Goldener Anker, Torgau, Markt 6, Tel. 03421 / 73213 um 16.30 Uhr.

Ich bin zwar froh, nach dem heutigen Wind - Kampftag am Ziel zu sein, aber die Ernüchterung folgt prompt - ich darf mein Gepäck - natürlich ohne Fahrstuhl - in den dritten Stock schleppen. Wenigstens war die Käseplatte zum Abenbrot gut, reichlich und sehr preiswert. Denn eine Apfelschorle und eine Vorsuppe mit Knabbergebäck spendierte das Hotel. So billig habe ich auf meinen Radtouren noch nie gegessen!

Und von meinem Zimmer im dritten Stock aus habe ich einen schönen Blick über den Marktplatz zum Rathaus und dem Springbrunnen. Der wurde im Jahr 2000 eingeweiht und soll an das rege Treiben des alten Handelsmarktes mit den Gauklern, den Tänzern und den Fastnachtsspielen erinnern ( 2 Bilder unten).

Torgau ist - was sicher nicht jeder weiss - eine der wichtigsten Stationen im Leben und Wirken Martin Luthers und so die bedeutsamste Reformationsstätte in Sachsen. Luthers resolute Ehefrau, die ehemalige Nonne Katharina von Bora, hat die Reformation mitgeprägt. Wegen Ihrer tatkräftigen Art nannte Luther sie seine Herr Käthe; ihr Vorbild hat die neue Rolle der evangelischen Pfarrersfrau entscheidend geprägt. In Torgau gibt es eine Kneipe und Café mit dem Namen Herr Käthe (links).

Entsetzlich finde ich dagegen die Meldungen über einen Jugendwerkhof, der zu DDR - Zeiten in Torgau angesiedelt war und in dem Jugendliche von den Aufsehern auch sexuell missbraucht worden sind. Als wenn Stasi und Co. nicht schon genug Unheil angerichtet hätten.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 83 km Fahrzeit 6:25 Std. Durchschnitt 13,2 km/h Max 33 km/h Gesamt 163 km

Sonntag, 30. August (Wahltag in Sachsen)

Nachdem es gestern Abend noch einige sehr heftige Schauer gegeben hat, ist der Himmel heute morgen wieder strahlend blau. Meine Nacht hier in Torgau war nicht gut, verschiedene Gruppen grölender Menschen hatten etwas dagegegen. Diesmal also keine Kirchenglocken! Ich bin deshalb schon um 6.30 Uhr aufgestanden, habe im Ballsaal (!) gefrühstückt - sehr reichliche Auswahl - und bin um 8.00 Uhr losgefahren. Der Wetterbericht verspricht für heute West- / Südwestwind, was mir nach den vergangenen beiden Tagen sehr passen würde.

Bevor ich richtig auf die Piste gehe, statte ich dem Schloss Hartenfels noch einen kurzen Besuch ab (rechts). Diese bedeutendste Schlossanlage der deutschen Frührenaissance geht in ihren Ursprüngen auf das Jahr 1470 zurück und war früher Sitz der ernestinischen Wettiner.

Zunächst verläuft mein Weg in Sichtweite des Flusses, aber schon nach 2 Kilometen, ab Repitz biegt er nach links ab und weg von der Elbe.

Am Ortsausgang von Döbern sehe ich dann ein Ortsschild (links), auf das ein Witzbold geschrieben, wo der Weg hinführt - nämlich nach NIRGENDWO ! Das stimmt natürlich nicht, denn über Mockritz und Elsnig kommt man nach Dommitzsch.

Der Ort liegt im Dreiländereck Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt auf einer kleinen Anhöhe. Schon von Weitem ist so die Stadtkirche St. Marien (unten) zu sehen deren Grundsteinlegung vermutlich schon im Jahre 1443 erfolgte. Es ist eine dreischiffige, spätgotische Hallenkirche. 1637, im schlimmsten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, brannte sie völlig aus, nachdem sie schon 1588 bei einem Brand schwer beschädigt worden war.

Jetzt erreicht mich eine SMS von Christel, die mir eine GUTE FAHRT wünscht und ich hoffe auch, dass sich Rasmus heute etwas gnädiger zeigt, als an den beiden vergangenen Tagen.

Hier in Dommitzsch sehe ich auch die ersten Menschen auf der Strasse und nehme an, dass die zum Wählen gehen. Die Orte, durch die ich bisher gekommen bin, waren nämlich wie ausgestorben.

Es ist so warm geworden, dass ich schon mal die Ärmel abnehmen kann (finde ich an meiner Regenjacke einfach optimal) und sehr einsam, an einer stillgelegten Bahnstrecke entlang führt der Weg vorbei an Wörblitz und Greudnitz. Auf den abgeernteten Feldern liegen diese grossen Strohballen. Ich muss ein kurzes Stück entlang einer Landstrasse im fliessenden Verkehr fahren. Hier bin ich übrigens in Sachsen, gleich in Sachau schon in Sachsen - Anhalt.

Vor Priesitz nehme ich eine kleine Abkürzung über Sachau, aber hier muss ich fragen, wie es weitergeht. Es gibt keine Hinweisschilder ! Nach einer kleinen Steigung fährt man gleich hinter der Kirche rechts ab, der Weg ist zunächst asphaltiert, später geschottert. Aber gut zu fahren.


Dann kommt man nach Priesitz und hier sollte man an der alten Schifferkirche (oben links) Halt machen. Diese alte Feldsteinkirche lag früher an der hier vorbei fließenden Elbe und bot den Schiffern aus allen Nationen einen Hort der Stille und Andacht. Einem jungen Radlerpaar wollte ich die Adresse meines Hotels in Wittenberg geben, aber als sie den Zimmerpreis hörten, winkten sie gleich ab - zu teuer für ihre Urlaubskasse! Ich meine, etwas Annehmlichkeit muss nach einem anstrengenden Tag auf dem Rad drin sein.

Zwischen Pretzsch und Mauken heisst es, mal wieder die Uferseite zu wechseln. Und zwar mit einer Gierseilfähre - was ist denn das nun wieder ? Eine solche Fähre (oben rechts) nutzt zur Fortbewegung die Strömung des Flusses aus, benötigt als keinen eigenen Antrieb. Ausgedacht hat sich diese Technik ein Holländer namens Hendrik Heuk und das schon im Jahr 1657 ! Ich bin immer wieder erstaunt über die niedrigen Fährpreise, meist bezahlt man 1,- € und manchmal -,50 Cent fürs Rad. Also ein billiges Vergnügen, bei dem ich mich gleichzeitig etwas erholen kann. Als ich um 12.00 Uhr in Klöden bin, habe ich noch 30 Kilometer bis Wittenberg vor der Brust. Burg und romanische Kirche sehe ich nicht, der Weg führt an Klöden vorbei.

Aber einige Kilometer weiter mache ich ein Bild von der Kirche in Schützberg. Vor der steht eine mächtige alte Eiche, ein richtiges Naturdenkmal. Ich blättere um 12.15 Uhr die letzte Seite im bikeline für heute um und die letzten 20 Kilometer werden in Angriff genommen. Vorbei an Gorsdorf - Hemsendorf (absolut tote Hose) und Elster führt ein asphaltierter Radweg.

Das Wetter hat sich den ganzen Tag gut gehalten (unten links), der mässige Wind kommt je nach meiner Fahrtrichtung mal von vorne (ganz heftig zwischen Iserbegka und Gallin), mal seitlich und meist von achtern - also alles sehr angenehm. In Elster findet ein Hafenfest statt, eine Blaskapelle spielt böhmische Lieder und ein Gesangsduo singt dazu. Ich lasse Christel per Handy daran teilhaben. Die Storchennester, die ich am Wege sehe, sind leider alle unbewohnt. Aber um 14.20 Uhr Wittenberg kommt in Sicht ! (unten rechts)

Gegen 15.00 Uhr kann ich in meinem Hotel Brauhaus Wittenberg , Markt 6, Tel. 3491 / 433130 einchecken. Das Zimmer im 2. Stock hat kein Telefon und ist sehr umständlich - natürlich ohne Fahrstuhl - zu erreichen. Den winzig kleinen Fernseher kann ich wegen einer Stütze mitten im Zimmer kaum sehen - also die 50,- € ist das Zimmer nicht wert! Das Essen war dagegen ausgezeichnet (she. Bild unten).

Wittenberg hat ein einige Bilder verdient:




Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 74 km Fahrzeit 5:07 Std. Durchschnitt 15 km/h Max 35 km/h Gesamt 237 km

Montag, 31. August

Das Frühstück heute morgen hat den schlechten Eindruck des Hotels eher verstärkt - die Kaffeemilch war sauer und bezahlen mit Mastercard - keine Chance. Und mein Päckchen mit der Schmutzwäsche konnte ich auch nicht aufgeben - die Post öffnet hier erst um 9.00 Uhr. Da war ich schon in Coswig. Bis dahin bin ich an der stark befahrenen B 187 entlang gefahren. Auf einem sehr holperigen Radweg, an dem ich keinerlei Hinweisschilder erkennen konnte und einfach nur hoffte, auf dem richtigen Weg zu sein.

Auch hier bei Coswig gibt es wieder so eine Gierfähre, die uns übersetzt. Wie ich noch so das Fährschild (unten) lese, kommen 2 Frauen im mittleren Alter und in Badezeug, gehn runter zum Fluss und kurz darauf sehe und höre (!) ich sie flussabwärts schwimmen. Denn sie unterhalten sich laut dabei.

Fährmann - Ruf

Fährmann hol´ bitte über
mein Weg ist noch weit
Ich habe keine Zeit..

Und das Ganze in Anhaltinischer Mundart

Feehrmann hol´ mich rewwor
Dor Wäk is noch weet
Ick hev keene Zeet...

Schnurgerade führt der Weg jetzt an der B 107 entlang. 5 Kilometer sind es bis Wörlitz (rechts) und dort ergibt sich ein kurzes Gespräch mit einem Radlerpaar aus Calw. Dabei empfiehlt er mir den Calw - Nagold - Radweg, dessen 100 Kilomter zwar etwas anspruchsvoll seien, aber landschaftlich schön und gut zu fahren. Wenn ich mal gar nicht mehr weiss, wo ich fahren soll!

In Wörlitz halte ich mich nicht auf, der Weg führt schön schattig und eben durch einen Wald (unten links), da läuft es gut und anhalten ist nicht angesagt. In den Park - Verzeihung, in das Gartenreich will ich sowieso nicht - , aber ein Bild von einem sog. Wallwachhaus (unten rechts) wird gemacht. Diese Wallwachhäuser wurden nach der Ernte als Lagerstätte für das Wallobst genutzt. »Hier zeigt sich wie an vielen anderen Standorten im Gartenreich, dass es Fürst Franz gelang, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden.« - so kann man auf einer Stele neben dem Haus lesen.

Dessau ist jetzt zwar greifbar nah, aber bis dahin erwartet mich noch ein sehr schlechtes Wegestück. An Vockerode vorbei ist der Weg noch gut. Aber nachdem man die A 9 unterquert hat, fängt ein ganz schlechter Weg an. Schmal geht ja noch, aber der Asphalt ist über eine lange Strecke so aufgerissen, dass es einen kräftig durchschüttelt. Da kannst du auch nicht mehr um die Schlaglöcher herumfahren, weil der Weg fast nur aus solchen besteht.


Irgendwann geht aber auch diese Marterstrecke zu Ende und ich kann mich an einem schönen Muldeblick, von der Jagdbrücke aus fotographiert, erfreuen (oben links). Vorher passiere ich die Statuen von Diana (links) und Apollo (rechts) und halte kurz an der Stelle, wo im bikeline der Sieglitzer Berg (unten links) genannt wird.

Unter dem Link »anhaltweb« erfährt man zum Sieglitzer Berg Folgendes:

Der Sieglitzer Berg gehört zum Gartenreich Dessau-Wörlitz und liegt nordöstlich von Park und Schloss Luisium auf einer hochwasserfreien Anhöhe.

Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt - Dessau ließ abseits alter Wegverbindungen zwischen Dessau und Vockerode diesen Waldpark anlegen.

Zentrum der Anlage, deren bedeutendster Bau ein Walltor ist, war die Solitude. Der 1777 begonnene dorische Tempelbau gehört zu Erdmannsdorffs edelsten Schöpfungen der Kleinarchitektur.

Heute sind nur noch die Fundamente (links) erhalten.

Das jetzt folgende Wegestück heisst Fürst - Franz - Weg (rechts). Ich fahre gerade durch das Biosphärenreservat Mittlere Elbe. Es erstreckt sich entlang der Elbe im Land Sachsen-Anhalt zwischen Wittenberg über Dessau-Roßlau und Magdeburg bis nach Seehausen im Norden.

Mein Tagebuch sagt, dass das Wetter heute radlerfreundlich ist, sonnig und dabei fast windstill. So erreiche ich um 12.30 Uhr Dessau und hier gönne ich mir bei einer Rast im Kartoffelhaus einen sehr leckeren Salatteller (weiter unten links). Und mache ein paar Bilder in der Stadt, vom Markt mit modernem Brunnen (unten links) und der Stadt- und Schlosskirche St. Marien mit dem Standbild von Leopold Fürst zu Anhalt (unten rechts).

Um nach Dessau hinein zu gelangen, muss man etwa 3 Kilometer vom Radweg abweichen. Aber dieser Ausflug ist sehr gut ausgeschildert und man findet so auch sicher wieder zurück. Der Weg führt weiter durch den Landschaftspark Großkühnau und das Gartenreich Dessau - Wörlitz. Ist aber durch viele Bodenwellen nicht sehr angenehm zu fahren. Kurz hinter Großkühnau an der L 63 entlang, durch den Heideburg Forst schnurgerade direkt nach Aken hinein.

Um 14.40 Uhr bin ich am Ziel, rufe in meiner Pension Heenemann, Köthener Chaussee 83, 06385 Aken, Tel. 034909 / 86233 an und die Chefin erklärt mir den Weg. Als ich um die letzte Ecke biege, steht sie schon vor der Tür und winkt mir von Weitem zu - fand ich besonders nett!

Überhaupt habe ich mich hier ausgesprochen wohl gefühlt, Frau Heenemann ist um das Wohl Ihrer Gäste sehr bemüht; mir hat sie sogar meine Schmutzwäsche postgerecht verpackt (nachdem sie mir angeboten hatte, diese zu waschen!).

Und das Frühstück am nächsten Morgen war so liebevoll präsentiert, der Tisch schön gedeckt - also ich kann eigentlich nur 4 Sterne vergeben. Danke Frau Heenemann ! Und vielleicht melden Sie sich mal über mein Gästebuch.

Zum Abendessen bin ich in den Ort gegangen, der Ratskeller hat eine ausgefallene Speisekarte und da es noch warm genug war, konnte ich mein Schweinerückensteak mit pommes im Freien geniessen. Mein Päckchen habe ich dann am nächsten Morgen endlich zur Post bringen können und hatte auf einmal richtig Platz in meinen Packtaschen.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 58 km Fahrzeit 3:54 Std. Durchschnitt 15 km/h Max 27 km/h Gesamt 295 km

Dienstag, 1. September

Nach einem reichlichen Frühstück und nachdem mir meine Wirtsleute mit einem Stadtplan noch geholfen haben, den Weg zu meinem Hotel heute abend in Magdeburg zu finden, fuhr ich gegen 8.30 Uhr bei gutem Wetter los. Durch den Ort und hinunter zur Fähre, denn mein Radweg kreuzt den Fluss ein Weiteres mal. Nach der Überquerung der Elbe führt der Weg an einer Landstrasse mit nur wenig Verkehr, aber auch ohne Radweg durch einen Wald.

Dann erreicht man den Ort Steutz und hier soll man vor dem Ort schon links abbiegen. Ich fahre die als Nebenstrecke gezeichnete Route, erst in den Ort hinein, dort dann über die Schulstrasse zur Friedensstrasse Richtung Steckby. Im Ort komme ich mit einem Einwohner kurz ins Gespräch, der die offizielle Streckenführung als Blödsinn bezeichnet, zumal sie bei Hochwasser nicht passierbar ist. Und sein Ort Steutz meist garnicht wahrgenommen wir. Das nenne ich Lokalpatriotismus!

In Steckby mache ich ein Bild von dieser schönen Dorfkirche (links). Ab hier führt der Weg 8 Kilometer geschottert, aber gut zu fahren, durch den Steckby - Lödderitzer - Forst. Bis man plötzlich an den Resten eines Portals steht und ich frage mich, was es damit auf sich hat. Mein bikeline weist auf die Ruine Friederikenburg hin, auch als »verschwundenes Schloss« bezeichnet. Eine Zeittafel von einem Ernst Wieland gibt ein wenig Auskunft.

Am 3. September 1704 beginnt Erbprinz Johann August von Anhalt - Zerbst für seine junge Frau, Erbprinzessin Friederike von Sachsen - Gotha eine Schlossanlage zu bauen, die den Namen Friederikenburg erhält. Da die Erbprinzessin schon im Mai 1709 stirbt, ist der Zweck der Anlage als Wohnsitz hinfällig geworden. Zwischen 1709 und 1833 sind verschieden Daten und Besitzer genannt, aber jetzt müsste die Regierung 15.000 Taler zuschiessen, um sie zu erhalten. Das wir abgelehnt und der Friederikenberg verfällt langsam - bis auf diese Toranlage.

Von Tochheim - wo mich eine SMS von Duibis mit der Nachricht, dass sie morgen zu Ihrer Frankreichreise aufbrechen, erreicht - geht es nach Walternienburg. Hier muss man sich an einer Kreuzung über die Weiterfahrt entscheiden. Geradeaus über Gödnitz (Hauptroute) oder links ab über Ronney am Fluss entlang (Nebenroute). Beide Wege führen nach Dornburg und ich entscheide mich für die Hauptroute. 10 Kilometer sind es bis Dornburg, ein freundlicher Mountainbiker fährt mit mir und so finde ich an einem Abzweig den richtigen Weg, denn dort steht - mal wieder - kein Hinweisschild.

Dornburg besitzt ein Schloss, das aber wohl sehr renovierungsbdürftig ist. Jedenfalls ist es nicht geöffnet und so mache ich nur ein Bild von der Anlage (unten).

Wenn man die Strasse von Dornburg nach Pretzien fährt, muss man an einer Rechtskurve entscheiden: geradeaus oder der Strasse folgen. Was etwas mehr Kilometer bedeutet, entlang einer Feriensiedlung mit Datschen und Verbotsschildern ohne Ende. Alles in Privatbesitz!

Ich schwitze ziemlich und bei mir machen sich Sitzbeschwerden bemerkbar, etwas, was ich seit langem nicht mehr kenne.

Am Pretziener Wehr (rechts) vorbei und ab Ranies fahre ich oben auf einem Deich - mit Gegenwind. In Ranies gibt es einen Planetenlehrpfad. Dieser führt von Ranies in Richtung Schönebeck und hier wird auf dem Deich in einer Länge von 6 km die Dimension unseres Sonnensystems in Größe und Entfernung erlebbar. Nach 7 Kilometern ist dann Grünewalde erreicht, direkt gegenüber von Schönebeck.

Bei Randau - Calenberge gibt es einen Hinweis auf ein Steinzeithaus, das ist aber - wie man sich denken kann - ein Nachbau. Also weiter Richtung Prester, langsam macht sich die Großstadt Magdeburg bei der Bebauung bemerkbar. Und auch die Türme des Domes tauchen in der Ferne auf. Nach einer Querung der Alten Elbe bin ich auf dem Werder des Stadtparks ROTEHORN. Ein Werder ist eine Insel, das weiss ich seit meiner Wesertour. Da es heute wieder heiss ist, fährt es sich hier unter alten Bäumen angenehm kühl.

Und dann bin ich an der Anna - Ebert - Brücke, quere die Elbe und fahre gleich rechts ab in die Jakobstrasse. Die heisst im weiteren Verlauf erst Graf - Adolf-, dann Pfälzer- und schliesslich Ernst - Lehmann Strasse. Die Gebäude der Universität stehen rechts und links der Strasse, man befindet sich in der ALTEN NEUSTADT.

Mein Hotel sleep & go, Rogätzer Strasse 5a, Tel. 0391 7537791 erreiche ich 14.30 Uhr, bin von dem Fahrradkeller begeistert, aber total ernüchtert, als ich mein Zimmer betrete. Das ist sowas von ungemütlich gross, hat kein Telefon und kostet stolze 54,- €, incl. 6,- € für das Frühstück. Für eine Nacht mag das ja gehen, aber sonst...!

Mit der Tram bin ich später in wenigen Minuten am Bahnhof, wo ich mir für übermorgen meine Fahrkarte kaufe. Ein sparsamer Imbiss in der NORDSEE und ich fahre wieder ins Hotel. In der Stadt ist es unerträglich heiss, so beschliesse ich den heutigen Tag mit Fernsehen und früh schlafen. Eine willkommene Abwechslung brachten die beiden Anrufe von Siegfried und von Christel.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 73 km Fahrzeit 4:34 Std. Durchschnitt 16 km/h Max 32 km/h Gesamt 368 km

Mittwoch, 2. September

War das Hotelzimmer schon mies, so galt das für den Frühstücksraum und das Frühstück in noch grösserem Masse. Ich erspare mir hier Einzelheiten, aber selbst für ein Stadthotel war das unterstes Niveau! Trotzdem hatten sich Menschen im ausliegenden Gästebuch für den freundlichen Service bedankt - ich fasse es nicht! Und war froh, schon um 8.00 Uhr losfahren zu können, um nach etwas suchen, 1 mal fragen und etwas überlegen den Elberadweg wiederzufinden. Für diese letzte Etappe bis Tangermünde ist jetzt das bikeline Teil 2 zuständig. Wetter und Stimmung sind gut!

Zunächst fahre ich durch den Herrenkrugpark, an einem in die Jahre gekommenen Ausflugslokal gleichen Namens vorbei, bis der gut zu fahrende Weg sich wieder dem Fluss nähert. Dann wird das Gelände offen und durch eine etwas eintönige Landschaft fahre ich an Lostau vorbei, unterquere die A 2 und bin kurz darauf am

Europäischen Wasserstrassenkreuz
(2 Bilder oben)

Hier bei Hohenwarte überquert der Mittellandkanal in einer grosen Trogbrücke die Elbe. Das Kreuz wurde im Oktober 2003 nach 5-jähriger Bauzeit dem Verkehr übergeben. 24.000 Tonnen Stahl und 68.000 cbm Stahlbeton wurden verbaut. Die Stahlbrücke mit einer maximalen Stützweite von 106 Metern ist die grösste Wasserbrücke überhaupt - beeindruckend, finde ich!

Ich fahre jetzt am Elbe - Havel - Kanal, quere diesen bei der Doppelschleuse Hohenwarte und nochmal bei der Schleuse Niegripp, erreiche mit Rückenwind Schartau und nach weiteren 3 Kilometern die Fähre bei Rogätz (unten links). Mein Tagebuch bezeichnet den weiteren Wegeverlauf als gut zu fahren, hinter Sandkrug folgt eine Walddurchfahrt durch den Zibbericker Wald und ich hoffe, dass es hier keine Wildschweine gibt. Wo wir doch heuer so ein gutes Eicheljahr haben! Als ich um 11.30 Uhr in Kehnert ankomme - die Orte sind weiterhin wie ausgestorben - sind es bis Tangermünde noch 31 Kilometer.

Erst Sandfurth, dann Ringfurth, ab Bittkau auf einem Radweg an der Strasse entlang komme ich bei Rückenwind über Schelldorf nach Buch. Hier gibt es nicht nur eine schlimme Pflastersteinstrasse - ich müsste eigentlich schieben -, sondern auch einen Roland. Diese Sandsteinfigur wurde schon 1580 aufgestellt, stand erst vor dem Rathaus und wurde später zu seinem heutigen Platz vor dem Lehnschulzenhof gebracht.

Und dann kommt der hohe Turm der Tangermünder Kirche in Sicht (rechts), was mir auf den definitiv letzten 8 Kilometern Flügel verleiht. Meine Sitzbeschwerden sind heftig und ich gebe unumwunden zu, froh zu sein, dass diese Tour zu Ende geht. Mein Hotel Alte Brauerei, Lange Str. 34, Tel.039322 / 4 41 45 ist Spitze. Ein schönes und gepflegtes Zimmer mit Minibar, ein grosses Bad - hier ist der Preis von 52,- € incl. Frühstück absolut angemessen.

Da ich schon früh in Tangermünde war, habe ich mir Stadt und Burg nochmal ausgiebig angesehen und einige Fotos gemacht (she. unten). Abends dann im kleinen Biergarten mundeten mir die Soljanka und der Salatteller vorzüglich.

Und hier noch eine kleine Tangermünder Bildergalerie



Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 74 km Fahrzeit 4:40 Std. Durchschnitt 16 km/h Max 37 km/h Gesamt 442 km

Donnerstag, 3. September

Man sollte es nicht glauben, aber heute morgen regnet es. Nicht heftig, aber am Bahnhof muss ich mich unterstellen. In Stendal habe ich 1 Stunde Aufenthalt und als der Zug dann kommt, ist die Waggonfolge genau umgekehrt, wie im Wagenstandsanzeiger angegeben. Sogar der 1. Zugbegleiter hatte damit Schwierigkeiten, er schickte mich erst weiter ans Zugende, der dort zuständige schickte mich wieder nach vorne - ich war schweißgebadet, als ich endlich mit Rad und Gepäck im Zug sass. In Minden gab es dann wieder Probleme, weil der Anschlusszug wegen Problemen an der Strecke ausfiel. Hiess also WARTEN. Als dann aber auch der zweite Anschlusszug ausfiel, habe ich kurz entschlossen einen IC genommen und war dann mit »nur« einer Stunde Verspätung in Hamm. Wo mich Christel und zuhause dann ein leckeres Mittagessen erwarteten.

Eine wegen des meist sehr heftigen Gegenwindes und der teilweise schlechten Wegeverhältnisse nicht immer optimale, aber dennoch schöne und erlebnisreiche Tour war damit zuende.