Main - Radweg

Von Bayreuth nach Würzburg
Vom 21. bis 26. April 2006

Autor: Klaus Donndorf





Was lese ich da:

»Die Landschaften entlang des Mains, sowie die an ihm liegenden kulturhistorischen Stätten und nicht zuletzt die typisch fränkische Küche lassen diese Flusstour zu einer Genießertour werden.«

Solchermassen animiert, wollte ich die Main-Radtour in diesem Jahr fahren - und zwar gleich als erste! Wenn nur das Wetter mitspielt, so kalt, wie es in diesem Jahr im April noch ist. Meine Planung basierte auch diesmal wieder auf einem bikeline-Tourenbuch (»Main-Radweg« / ISBN 3-85000-023-0 / 12.40 €, erschienen im Verlag Esterbauer)

Vorab wie gewohnt etwas allgemeine Information:

  • Der Name Main ist keltischen Ursprungs. Die Kelten nannten den Fluss Moin oder Mogin. Im Mittelalter wurde der Fluss zumeist als Moyn oder Moyne überliefert. Der Name Meyn erschien erstmals im 14. Jahrhundert.

  • Der Main hat zwei kurze Quellflüsse, den Weißen und den Roten Main.

  • Der 41 km lange Weiße Main ist der rechte (nördliche) Quellfluss des Mains. Er entspringt im Fichtelgebirge südöstlich von Bischofsgrün. Seine in Granit gefasste Quelle (unten rechts) liegt auf 887 m ü. NN am Osthang des 1024 m hohen Ochsenkopfs.
    Der Weiße Main verdankt seinen Namen dem hellen Granitgestein seines Quellgebiets, das das Wasser weißlich erscheinen lässt.

  • Der 50 km lange Rote Main ist der linke (südliche) Quellfluss des Mains. Er entspringt in der Fränkischen Alb südlich von Bayreuth, bei dem Ort Creußen. Seine ungefasste Quelle - ein hölzernes Rohr - liegt im Lindenhardter Forst.
    Das aus dem lehmigen Grund des Quellgebiets stammende Sediment, das der junge Fluss mitführt, gibt ihm eine rötliche Farbe und damit auch den Namen.
  • In großen Schleifen windet sich der Main 524 Kilometer lang durch die abwechslungsreichen Landschaften Frankens und Hessens, bis er bei Mainz in den Rhein mündet
  • Der Main verläuft durch den fränkischen Teil Bayerns und durch Süd-Hessen. Im Bereich der Stadt Wertheim bildet er auf rund 25 Kilometer Länge die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg,


Wer dem Main folgt, fährt mal nach Süden, mal nach Norden und in der Tendenz nach Westen, wenn er - wie ich - von einer der Quellen Richtung Rhein fährt.

Doch nicht nur die Richtung änderte sich häufig, immer wieder veränderte sich auch das Landschaftsbild im Verlauf der Tour. Aber es sind nicht nur die Landschaften und die Natur, die dich in Atem halten oder zum Relaxen auffordern. Der Main-Radweg ist gleichzeitig eine spannende Tour durch die fränkische Geschichte. Überall begegneten mir imposante Stadtbilder mit steinernen Zeugen aus früheren Epochen.

Und damit ging es auch gleich in Bayreuth los, wohin ich am Freitag, dem 21. April fuhr. Im Hotel "Fränkischer Hof" in der Rathenaustrasse 28 ( Tel. 0921 - 757640 ) hatte ich ein Zimmer reserviert. Hier konnte ich auch mein Auto einige Tage im Hof stehen lassen - und das kostenlos.

Etwas Bayreuther Stadtgeschichte:

  • Bayreuth wurde 1194 als »Baierrute« in einer Urkunde des Bischofs Otto II. von Bamberg erstmals erwähnt. Die Silbe "rute" ist vermutlich als "Rodung" zu deuten, während "Baier" auf Zuwanderer aus dem bairischen Siedlungsraum verweist.

  • Stadtherren waren bis 1248 die Grafen von Andechs. Nach deren Aussterben übernahmen 1260 die Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlecht der Hohenzollern das Erbe. Zunächst war jedoch die Plassenburg in Kulmbach Residenz und Zentrum des Landes.

  • 1430 zerstörten die Hussiten Bayreuth, 1620 wütete die Pest. Im Jahr 1605 vernichtete ein großer Stadtbrand 137 von 251 Häusern, 1621 folgte ein weiterer großer Stadtbrand. Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden.

  • Einen Höhepunkt der Stadtgeschichte erlebte Bayreuth in der Regierungszeit (1735-1763) des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine, der Lieblingsschwester Friedrichs des Großen.

  • Im Jahre 1872 ließ sich Richard Wagner in Bayreuth nieder und er und sein Werk verliehen der Stadt neuen Glanz. Die "Bayreuther Festspiele" sind weltbekannt.

  • 1975 wurde die neue Universität eröffnet - die erste wurde 1741 gegründet, aber schon 2 Jahre später nach Erlangen verlegt - an der heute fast 8000 Studierende eingeschrieben sind.

Während der Fahrt auf der Autobahn gab es einmal eine brenzlige Situation, als sich die obere Halterung des Fahrradträgers löste und mein Rad nur noch schräg in und an den Radbefestigungen hing. Ich hatte zu abrupt Gas gegeben - auch das Fahren mit solch einem Fahradträger will gelernt sein!

Es war ein fast lauer Frühlingsnachmittag, als ich gegen 15.00 Uhr mit dem Zug nach Creußen fuhr. Von dort dann zur "Rotmainquelle", immer schön bergauf und teilweise über unbefestigte Schotter- oder Waldwege. Zum ersten mal floss der Schweiß, aber schließlich habe ich die Quelle dann doch erreicht. Und von der sollte man nun wirklich nicht zu viel erwarten; ein dünnes Holzrohr, aus dem etwas Wasser läuft, eher "tröpfelt" (unten) - und das soll mal ein so großer Fluss werden? Lassen wir uns überraschen, lieber Leser!

Da es nicht viel zu sehen gab, hielt ich mich hier nur kurz auf, machte ein paar Fotos und dann ging es fast 20 Kilometer rasant bergab Richtung Bayreuth. Der Fahrtwind war kühl und ich musste die Weste anziehen, die ich vorsorglich mitgenommen hatte.

Gute Beschilderung gab es da, wo der Weg sowieso klar war, schlechte dann im Stadtgebiet und ich musste suchen, um den Weg zum Hotel zu finden. Eine junge Skaterin half mir dabei. Dann aber, nach dem obligaten "frisch machen", genoss ich den immer noch lauen Frühlingsabend - und mit mir hunderte von Bayreuthern - bei 9 (!) "Nürnbergern" mit Bratkartoffeln und einer kalten Schorle auf der »Maximilianstrasse«.

Mit der Fahrt zur Rotmainquelle wollte ich mich auf die große Tour einstimmen und so ist sie zu sehen....

...meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 29 km Fahrzeit 2:06 Std. Durchschnitt 14,2 km/h Max 39,7 km/h


Samstag, 22. April

Nach einer nur bedingt "Guten Nacht" und einem ebensolchen Frühstück, fuhr ich um 8.15 Uhr los. Der Himmel ist bedeckt, es ist kühl und erste Regentropfen lassen nichts Gutes für heute ahnen. Die Beschilderung aus der Stadt heraus auf den »Rotmainradweg«, wie er hier noch heisst, war schlecht. Ich brauchte etwas Glück und viel Überlegung, um dann doch das richtige "Loch" zu finden. Hilfreich war dabei die markante Silhouette der "Christuskirche" am Wilhelmsplatz mit ihren 3 pagodenartigen Türmen (rechts).

Sofort ging es richtig stramm bergauf, nach "Wendelhöfen" - im Begleitbuch war diese Steigung nicht vermerkt. Bis "Neudrossenfeld" blieb es dann aber ziemlich eben und ich bestaunte die malerischen "Osterbrunnen" (links), die in fast jedem Ort zu sehen waren. Dann folgt ein längeres Stück auf einer Landstrasse ohne Radweg und solche Strassen folgen dem Gelände. Was heisst, es geht munter rauf und runter und mächtig in die Waden.

Zumal ich mei-
ne Gangschaltung nur zu 2/3 nutzen kann. Der vordere kleinste Zahnkranz fällt aus, ich muss die Schaltung nachstellen lassen. Und dabei war das Rad doch im Oktober zur vorgeschriebenen Inspektion und stand seitdem nur in der Garage. Geht auch alles erst übermorgen, am Montag.

Bevor ich mich entscheide, nicht nach Kulmbach hineinzufahren - es wären zusätzliche 7 Kilometer hin und zurück - verfahre ich mich erst einmal an einer Stelle, wo nach einer Abfahrt die Route um 180° praktisch in die Gegenrichtung abbiegt. Bringt auch wieder gut 3 Kilometer zusätzlich. Obwohl ich heute viel nach der Beschreibung und weniger nach der Karte fahre.

Den Zusammenfluss von Rotem und Weissem Main beim »Schloss Steinenhausen« sehe ich mir aber an. Das bedeutet zwar auch einige Kilomter mehr und die auch noch zuletzt über eine Wiese, aber alles kann und will ich ja auch nicht auslassen. Und ab jetzt bin ich auf dem "richtigen" Main - Radweg, nachdem sich der Weissmain- und der Rotmainradweg ebenfalls vereinigt haben.

Zwischendurch erfrischen mich einige Schauer und ich hole das bereits mehrfach erwähnte Regenequipment hervor. Dann wieder warme Sonne - ein richtiges "Wetter - Wechselbad" ist das heute. Und die Schauer überraschen dich natürlich immer auf freiem Feld, wenn weit und breit keine Unterstellmöglichkeit zu sehen ist. Nur einmal, in dem kleinen Ort "Mainklein" (nomen est omen), kann ich mich in einem Bus - Wartehäuschen unterstellen.

In "Strössendorf" bei "Burgkunstadt" fotographiere ich die zum "Schloss Strössendorf" gehörende Kirche (links). Vorher überholen mich drei Mountainbiker, von denen einer aber bald aufgibt. Hatte sich wohl etwas zuviel zugetraut. Das folgende Stück des Weges war dann auch nicht besonders angenehm zu fahren - reiner Waldweg (unten).

Dann ist "Lichtenfels", mein heutiges Tagesziel, erreicht. Und wie ich gerade in einem Supermarkt das Wasser für die Nacht und für morgen kaufe, geht nochmal ein Schauer runter, der mich in 2 Minuten geschafft hätte. Fies Glück gehabt. Und ein älterer Herr beschreibt mir einen besseren Weg nach Reundorf, als den im Buch angegebenen. Der ist nämlich durch eine Strassen-Großbaustelle unpassierbar.

In "Lichtenfels", das die "Deutsche Korbstadt" genannt wird, treffe ich vor dem "grössten Blumenkorb der Welt" (links) das nette Ehepaar Gröner aus Erding. Wir kommen ins Gespräch und stellen fest, dass die Beiden auch im "Gasthof Müller" in "Reundorf" übernachten. Beim gemeinsamen Abendessen entwickelt sich eine sehr angeregte und auch etwas Bier- und Wein-feuchte Unterhaltung. Da er auch Radfahrer mit 5 (!) Rädern in der Garage ist, war ein Thema schon mal klar. Es wurde ein sehr kurzweiliger Abend.

Für mich war der "Gasthof Müller" (rechts) eine Empfehlung von Volker Reydis, einem BuWe-Kameraden aus grauer Vorzeit und diese Empfehlung war "Spitze". Das Essen gut und preiswert, der Service sehr freundlich und in meinem Zimmer fühlte ich mich auch sofort wohl.

Aus der Ferne grüsste die Basilika "Vierzehnheiligen" (unten) vom hohen Berge herüber. Die bereits erwähnte Großbaustelle hat leider verhindert, sie zu besuchen, was ich eigentlich fest vor hatte.

Der Gnadenaltar
  • Der Rokoko-Altar mit den vierzehn Nothelfern steht über dem Ort der Erscheinungen des Schäfers Hermann Leicht. Er steht frei im Raum und wird umgeben von einem Kommuniongitter in Herzform.

  • Auf der Seite ist der Blick frei zur Stelle der Erscheinungen.

  • Der mit Stuckmarmor geschmückte Unterteil des Altars wird überwölbt von einem Baldachin, der einen Durchblick zum Hochaltar frei lässt.

  • 12 Nothelfer sind in drei Etagen zu je vier angebracht; Barbara und Katharina stehen an den beiden seitlichen Altären.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 78 km Fahrzeit 5:26 Std. Durchschnitt 14,4 km/h Max 35,2 km/h


Sonntag, 23. April

Das Bild rechts macht mehr als Worte deutlich, wie es heute morgen aussah. Es war neblig, nass und kalt. Meine neue Radfahrjacke macht sich ein weiteres mal bezahlt, denn sie hält ohne Pullover und mit kurzärmeligem Radfahrtrikot darunter angenehm warm. Trotzdem schwitze ich nicht zu stark. Und der Helm wärmt den Kopf sowieso.

Erste Station war "Bad Staffelstein", wo im Jahr 1492 der oft zitierte Rechenmeister Adam Riese - der eigentlich nur Ries hieß - geboren wurde. Riese resultiert aus der alten deutschen Grammatik, in dem im Dativ ein "e" angehängt wurde. Der Ausspruch "nach Adam Riese" ist also trotzdem richtig. Eine Tafel (rechts) am imposanten Rathaus (links) in fränkischen Fachwerk erinnert an ihn. Und gegenüber steht der Gasthof "Adam Riese" (2. unten links).

Der Nebel heute morgen hat aber auch etwas Gutes - es herrscht absolute Windstille! So radle ich munter drauflos, über "Ebensfeld", an "Zapfendorf" vorbei nach "Breitengüßbach".

Der Weg verläuft fast immer eben, aber den Main (unten) sehe ich eher selten. Und mit der sich langsam durchsetzenden Sonne kommt Wind auf. Erst nur mässig, später bläst es kräftig aus West, was natürlich schlaucht. Aber gegen 12.30 Uhr erreiche ich mein erstes Etappenziel - "Bamberg".

Eine erste Rast mache ich gleich unten am Fluss am "Alten Kranen" (unten). Ein junges Paar mit Kleinkind "aus der Gegend um Kassel" setzt sich zu mir und es entwickelt sich eine Unterhaltung, bei der ich den Beiden etwas über Bamberg erklären kann. Schließlich bin ich nicht zum ersten mal hier. Später wird er mich fotographieren. Und ich werde einen "Cappu" in Sichtweite des berühmten Bamberger Rathauses trinken und mir die heisse Sonne auf den - leicht entblösten - Leib scheinen lassen.



Das hier ab Bamberg der "Main - Donau - Kanal" beginnt, weiss ich seit heute, nachdem ich an Kanalkilometer 0 vorbei gefahren bin. Was Flusskilomter 384 entspricht. Darüber habe ich mir bisher nie Gedanken gemacht, dabei bin ich schon so manchen Kilometer an diesem Kanal entlang geradelt. Zuerst bei meiner "Altmühltour" und später bei der "Fünf - Flüsse - Tour".

Nach einer Pause von 1 Stunde fahre ich gut ausgeruht weiter über "Viereth", "Trunstadt", "Dippach am Main" - alles saubere, gepflegte kleine Ortschaften, bis ich kurz vor "Eltmann" wieder solch ein "Wegekreuz" (unten) eher zufällig am Strassenrand entdecke. Und natürlich fotographiere.

Und dann kommt die wirklich sehenswerte, spätbarocke Wallfahrtskirche "Maria Limbach" (unten) in Sicht. Sie ist - wie "Vierzehnheiligen" - ein Werk des Baumeisters Balthasar Neumann und seines Sohnes und stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Ortsname Limbach dürfte sich übrigens vom althochdeutschen „linta" = Linde ableiten: Linpach = Limpach = Limbach ist demnach der "Ort am Lindenbach".

Nun sind es nur noch 10 Kilomter bis nach "Zeil am Main", wo mein Zimmer auf mich wartet und ich mich heute abend mit Conny und Frank zum Essen verabredet habe.


Jetzt muss ich auch mal eines von den unzähligen "Marterln" (links) knipsen, an denen ich bisher schon vorbei gefahren bin. Diese "Bildstöcke" oder auch "Betsäulen" zeugen von der tiefen Religiosität der Landbevölkerung, fordern sie doch zum Beten auf. Oft liest man die Worte "Schütze unsere Fluren" darauf.

Um zu meinem "Hotel Kolb" zu gelangen (Ankunft gegen 16.00 Uhr), muss ich im Ort noch mal kräftig in die Pedalen treten, denn es liegt so ziemlich am höchsten Punkt der Stadt. Auch hier in "Zeil am Main" gibt es viele Fachwerkhäuser mit diesem typisch fränkischen Fachwerk, das ich besonders wuchtig und ausdrucksstark finde (oben rechts). An einem Haus entdecke ich sog. "Schreckmasken" (unten); die sollten böse Geister "abschrecken".

Pünktlich sind sie ja, die beiden und so konnte ich meine Uhr wieder auf 19.00 Uhr stellen, als ihr BMW die Strasse herauf kommt. Nach einer herzlichen Begrüssung geht es gleich an den reservierten Tisch und bald schon stehen ein leckeres Fischgericht bei Conny und je eine Leberknödelsuppe und ein Schäufele bei Frank und mir auf dem Tisch. Die Fahrt von Dechsendorf hier herauf muss sich ja wenigstens lohnen! Und es wurde wieder ein kurzweiliger und auch informativer, kurz ein sehr schöner Abend, der erst um 22.00 endete.

Grazie per la Vostra visita !!

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 79 km Fahrzeit 5:13 Std. Durchschnitt 15,4 km/h Max 39,7 km/h


Montag, 24. April

Frank hat gestern übrigens die defekte Speicherkarte mitgenommen. Es wäre schön, wenn er die Bilder von der "Rotmainquelle" retten könnte - schliesslich habe ich dafür ganz schön geschwitzt!

Aber nun zu heute - aufstehen um 7.00 Uhr, Frühstück um 7.40 Uhr und Abfahrt Richtung "Haßfurt" um 8.30 Uhr. Vorher möchte ich aber noch diesen schönen "Osterbrunnen" zeigen, den ich in Zeil entdeckt habe (rechts).

Das nur 8 Kilometer entfernte "Haßfurt" ist schnell erreicht und hier will ich endlich meine Gangschaltung einstellen lassen. Bei der Firma Hans Schnaus & Sohn geht man sofort ans Werk, 1/2 Stunde soll es dauern. Aber dann kommt die Überraschung - der grosse Zahnkranz läuft nicht rund und muss ersetzt werden. Kostet lockere 169,- €, weil nur der komplette 3-er Satz gewechselt werden kann und nicht ein einzelner Zahnkranz. Diesen alten Satz sende ich am Nachmittag von Volkach aus per Päckchen nach Hause; vielleicht kann ich ja reklamieren.

Haßfurt
Stadtwappen von Haßfurt

Im Jahr 1230 wurde die Stadt Haßfurt erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen den Haßbergen und dem Steigerwald an der Grenze der geistlichen Territorien der Hochstifte zu Würzburg und Bamberg gelegen, wurde der Stadt 1235 von dem Würzburger Bischof das Stadtrecht verliehen.

Mit der Stadtpfarrkirche mit interessanten Figuren von Tillman Riemenschneider (unten links) und der Ritterkapelle (unten rechts), einer spätgotischen Kirchenanlage aus dem 15. Jahrhundert, besitzt die Stadt zwei besonders schöne Bauwerke. Die Grundsteinlegung des Chores der Kapelle erfolgte 1390, die des Langhauses 1431. Am Dachgesims des Chores befinden sich 248 in Sandstein gehauene Wappen. Ein noch nie gesehenes Wappenbuch des deutschen Adels. Im Tympanon über dem Westportal ist der Ausritt der "Heiligen Drei Könige", in Stein gemeißelt, erzählt.

Aber auch das spätgotische Rathaus (2. unten rechts) ist sehenswert.


Die Reparatur hat mich natürlich über 1 Stunde aufgehalten. Dabei habe ich Zeit für einen Kaffee und kann mir auch noch die Stadt ansehen. Erst schaue ich mir die Stadtpfarrkirche »St.Kilian und Totnan« an (oben links). Sie wir als »gotische Pseudobasilika« bezeichnet und birgt in ihrem Inneren zwei Skulpturen Tilman Riemenschneiders und einige Werke seiner Werkstatt. Auf dem Marktplatz sehe ich diesen Brunnen mit allerlei Tierfiguren (rechts).

Pseudobasilika

Pseudobasilika - auch Staffelhalle oder Stufenhalle - nennt man eine vor allem in der Spätgotik verbreitete architektonische Mischform zwischen der Basilika und der Hallenkirche. Das Mittelschiff ist dabei gegenüber den Seitenschiffen erhöht, jedoch meist weniger als bei der echten Basilika.

Der niedrige Obergaden hat in der Regel keine Fensteröffnungen.

Dann sehe ich mir die »Ritterkapelle« (oben rechts) an. Sie gilt als eines der wichtigsten spätgotischen Bauwerke Unterfrankens und lag früher außerhalb der alten Stadtmauern. Schliesslich ist noch das spätgotische Rathaus (links) erwähnenswert.

Die Wartezeit hat sich gelohnt, denn jetzt läuft mein Rad aber wieder rund und da die Strecke fast immer am Fluss entlang und damit eben verläuft, erreiche ich gegen Mittag schon "Schweinfurt". Hier beginnt das "Maindreieck". Es ist warm, fast heiß und ich fahre zum erstenmal ganz ohne Jacke. Und mache eine längere Rast in Schweinfurt, unten am Fluss. Zeit für eine SMS an Christel.

Schweinfurt
  • Über die Entstehungsgeschichte des Namens Schweinfurt rankt sich eine Vielzahl von Geschichten. Eine Version geht zurück auf eine Furt am "swin", einem Sumpf. Der Ort wurde Mitte des 8. Jahrhunderts deshalb "suinuurde" genannt und so hat sich im Lauf der Zeit der Name Schweinfurt entwickelt.

  • Nachdem die Ansiedlung im 11. Jahrhundert von den Markgrafen zu Schweinfurt an das Hochstift Eichstätt überging, erlebte die Stadt den Katholizismus in reinster Form. Entzog sich diesem Einfluss im 13. Jahrhundert aber wieder.

  • Eine Urkunde von 1254 bestätigt, dass die Stadt schon vorher eine "Stadt des Reiches" war.

  • Schweinfurt bekommt die "Reichsfreiheit" der Habsburger verliehen. Im 15. Jahrhundert erhalten die Bürger durch Verleihung des "Blutbanns" auch die rechtliche Unabhängigkeit.

  • 1542 tritt die Stadt zum Protestantismus über.

  • Kurz darauf wird die Stadt wieder zerstört, erneut aufgebaut und gelangt dann im Jahr 1802 an Bayern.



30 Kilomter liegen jetzt bis "Volkach" noch vor mir. Zwischen den Orten "Bergrheinfeld" / "Grafenrheinfeld" und "Stammheim" - nicht das mit dem berüchtigten Zuchthaus - kann ich zwischen zwei gleich langen Routen wählen. Ich entscheide mich für die reizvollere "Ostroute" über "Heidenfeld".

In "Grafenrheinfeld" ist die Kirche "Kreuzauffindung" (2 Bilder unten) sehenswert, später komme ich am Kloster "St. Ludwig" (rechts) und schließlich vor "Stammheim" am "Museum für Militär- und Zeitgeschichte" - kaum sehenswert - vorbei.

Bei "Wipfeld", "Obereisen-
heim" und "Fahr" (links) gibt es jeweils eine Fähre über den Main.

Und nach einer Flussschleife taucht die kleine, aber berühmte Kirche "St. Maria im Weingarten" (rechts) vor mir auf....

...mit der "Madonna im Rosenkranz", einem Werk von Tilman Riemenschneider (unten).

In "Volkach" angekom -
men, hätte mich um ein Haar ein Auto, dessen Fahrer es wohl sehr eilig hatte oder der unaufmerksam war, an einer für mich grünen Ampel angefahren. Bremsen quietschen, ich bekomme einen gehörigen Schreck und "Alles ist gut".

Mein Hotel, der "Weingasthof Rose", Oberer Markt 7 ( Tel. 09381 - 8400 / unten rechts ) macht einen ausgesprochen gepflegten Eindruck. Und der bestätigt sich auch, als ich auf mein Zimmer komme. Nachdem mein Rad in der Garage des Chefs seinen Platz gefunden hat.

Es ist erst 15.00 Uhr, als ich ankomme und so bleibt nach der Dusche reichlich Zeit für einen Stadtbummel zum Rathaus, einem Renaissancebau von 1544, einen Kaffee und den obligaten Wassereinkauf. Ja - und das Päckchen muss zur Post. Und eine Karte an das AKTIV - Team ( meine "Muckibude" ) wird geschrieben. Abends kann ich draussen essen, so mild ist es.

Volkach an der Mainschleife
Volkach und die Mainschleife liegen mitten im Herzen des Fränkischen Weinlandes, einer der schönsten und interessantesten Regionen am Mainlauf. Volkach ist eine Schatztruhe voller Freizeit- und Ferienerlebnisse - meint der Bürgermeister.

Etwas Volkacher Geschichte in Stichpunkten
  • 906 Erste urkundliche Erwähnung Volkachs

  • 950 Der fränkische König schenkt die Siedlung dem Kloster Fulda

  • 11 Jh. Die Grafen zu Castell erhalten die Vogteirechte

  • 1258 Volkach wird als Stadt urkundlich erwähnt

  • 1328 Das Hochstift Würzburg erwirbt Teile der Stadt Volkach

  • 1398 Volkach erhält das Münzrecht 1406 Volkach erhält das Marktrecht

  • 1432 Volkach erhält die Blutgerichtsbarkeit

  • 1520 Volkach ganz im Besitz des Hochstifts Würzburg

  • 1525 Bauernkrieg

  • 1631 Schwedische Truppen besetzen Volkach


Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 63 km Fahrzeit 3:35 Std. Durchschnitt 17,6 km/h Max 32,2 km/h


Dienstag, 25. April

Ein herrlicher, sonniger Morgen, ein frugales Frühstück mit einem 5-Minuten Ei - Herz, was willst Du mehr? Gut gelaunt und froh gestimmt schwinge ich mich um 8.00 Uhr auf mein Rad. Und da ich gestern auch noch erkundet hatte, wie und wo der Weg Richtung Süden verläuft, bin sofort auf dem Weg am Mainkanal (rechts) entlang Richtung "Schwarzach" mit seiner "Benediktiner Abtei".

Der Weg am "Mainkanal" lang ist 4,5 Kilometer, der entlang der Mainschleife um den "Kreuzberg" über "Nordheim" und "Sommerach" dagegen 10,5 Kilometer lang. Was ich nicht wissen konnte war, dass unterwegs Bauarbeiten stattfanden und der Weg gesperrt war. Aber ein freundlicher "Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes", also ein städtischer Strassenbauarbeiter, nannte mir eine Ausweichstrecke. Und schon vor "Münsterschwarzach" war ich wieder auf dem "Mainradweg" (unten).

Die Benediktiner Abtei Münsterschwarzach
  • Die Abtei Münsterschwarzach liegt an der Mündung der Schwarzach in den Main und gehört zu den wichtigsten Klöstern der Benediktiner in Deutschland.
  • Das St. Salvator, der Heiligen Maria und St. Felicitas geweihte Kloster wurde vor 788 als Nonnenkloster gegründet. Es war ein Eigenkloster des karolingischen Herrscherhauses.

  • Die Äbtissinnen waren Töchter der kaiserlichen Familie, z.B. Theodrada (†844/853), eine Tochter Karls des Großen. Als die letzte karolingische Äbtissin Bertha 877 starb, gaben die Nonnen die Abtei auf und es wurde von den Benediktinern von Megingaudshausen übernommen.

  • Im 11. Jahrhundert erlebte Münsterschwarzach eine Blütezeit unter Abt Walter.

  • Im 18. Jahrhundert errichtete Balthasar Neumann eine barocke Basilika, die Kuppelfresken stammen von Holzer. 1743 erfolgte die Einweihung durch Bischof Friedrich Karl von Schönborn.
  • Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Klostergebäude wurden versteigert. 1805 wurde die Klosterkirche verkauft und profaniert. Nach einem Blitzeinschlag und Brand 1810 kam es 1821 bis 1827 zum vollständigen Abbruch der Kirche und von Teilen des Klosters.

  • Von 1941 bis 1945 war das Kloster von den Nationalsozialisten enteignet. Nach 1945 wurde das Kloster wieder eröffnet.
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  • Im Pausenhof des Egbert-Gymnasiums in Münsterschwarzach gibt es ein Labyrith (rechts), welches dem von Chartres nachempfunden ist und Ausdruck als Weg der Pädagogik, nach Außen und Innen zu gehen, sein soll.

Beim Schreiben dieses Textes werde ich immer wieder an die Worte vom Anfang meines Berichtes erinnert - diese Tour ist wirklich eine spannende Fahrt durch die Geschichte Frankens. Zu der in heutiger Zeit natürlich auch moderne Verkehrswege gehören. Wie z.B. die A 3 (links schwach zu erkennen), unter der ich kurz hinter "Dettelbach" hindurch fahre. Heute geht es wieder schön eben am Main entlang, ganz entspannt bei Sonne und wenig Gegenwind.

Viele "Nordic Walker" - meist Frauen jeden Alters - begegnen mir. Einmal machte eine Gruppe älterer Sportler sich gerade warm und versperrte mir den Weg. Als man mich sah, bildete man eine Gasse und ich fuhr - huldvoll winkend - hindurch. Ein "Danke" war natürlich auch drin, aber einer der Männer dieser Gruppe rief hinter mir her: "Das kostet aber was". Ja - gibt's denn auch ein wenig Freundlichkeit nicht mehr umsonst?

An "Mainstockheim" ging's vorbei und kurz vor "Kitzingen" sah ich diese schöne Hausfassade (rechts). Aber nicht etwa ein stolzer Hausbesitzer hat sich das einfallen lassen - nein, ein Schild wies das Haus als "Wasserwerk" aus. Franken eben!

In "Kitzingen" halte ich mich nicht nur auf, weil meine Kette abspringt. Gut, dass ich ein Paar Latex-U-Handschuhe (der Fachmannn weiss, was gemeint ist) dabei habe. Eine Fahrradkette ist halt immer ölig.

Ich habe es nicht eilig, heute habe ich nur etwa 66 Kilometer "vor der Brust". So frische ich die Erinnerung auf an einen Aufenthalt hier vor ein paar Jahren, als wir "Kitzingen" zum Standquartier für Ausflüge in die Umgebung ausgesucht hatten.

Über die "Alte Mainbrücke" geht es jetzt auf die andere Flusseite und an einem Campingplatz vorbei Richtung "Marktbreit". Vorher "schiesse" ich noch ein Foto von der schönen Stadtsilhouette von "Kitzingen" (oben). Der erste urkundliche Nachweis der "Alten Mainbrücke" stammt übrigens aus dem Jahr 1300, als die Brücke an die Stelle einer Fähre trat. Die ursprüngliche Konstruktion mit 12 Bögen musste 1955 einer schifffahrtsgerechten Lösung weichen.

Aus Kitzingens Geschichte

Rechts ist zunächst das Wappen der Stadt Kitzingen mit der Mauerkrone zu sehen. Es zeigt die drei Bogen einer Brücke über den Main, gekrönt von einer die Stadt und ihre Befestigung symbolisierenden Zinnenmauer.

  • Der Sage nach stand am Anfang der Geschichte Kitzingens - etwa im Jahre 740 - eine Klostergründung. Hadeloga, die Tochter Pippins des Kurzen, ließ einen Schleier im Winde fliegen. Wo er hängen bliebe, sollte ein Kloster erbaut werden.

  • Zuerst wurde es von Benediktinerinnen , später von Ursulinerinnen bewohnt. An seiner Stelle steht heute das Rathaus.

  • Aus der frühen Geschichte des Klosters ist folgende Geschichte überliefert: Elisabeth von Thüringen, wurde nach ihrem "Rosenwunder" auf der Wartburg und dem Kreuzfahrertod Ihres Gemahls, von dessen Bruder verstoßen, weil sie den Armen geholfen hatte. Bei ihrer Tante, der Äbtissin des Ursulinerinnenklosters, fand sie Aufnahme.

  • Der Name der Stadt kann aber älter sein. Ein alemannischer Sippenältester namens "Chizzo" könnte dort gewohnt haben; "-ingen" deutet auf alemannische Wohnstadt. Von keltischer Besiedlung bis zur Zeitenwende legen noch Reste von Befestigungen auf dem Schwanberg Zeugnis ab.

  • Zuerst war das Kloster "reichsunmittelbar", also nur dem Kaiser unterstellt. Schon damals begann hier der Weinbau. 1007 kam Kitzingen kam zum Bistum Bamberg.

  • 1200 gehörte die Stadt den Grafen von Hohenlohe-Brauneck, die sie im 14. Jahrhundert an die Fürstbischöfe von Würzburg verkauften. Stückweise verpfändeten diese sie im 15. Jahrhundert an die Markgrafen von Brandenburg und Ansbach.

  • Der verlorene Bauernkrieg im 16. Jahrhundert kostete vielen Kitzinger Bürgern das Augenlicht. Weil sie Anhänger von Florian Geyer waren, ließ sie Markgraf Casimir blenden. Danach wurde Kitzingen evangelisch.

  • 1814 kam das Fürstbistum Würzburg mit Kitzingen an Bayern. Damals wurde das Ursulinerinnen-Kloster geschlossen.

Nach "Marktbreit" fahre ich natürlich hinein, auch hier kann ich ein paar Erinnerungen auffrischen. Alte, spitzgiebelige Fachwerkhäuser flankieren prachtvolle barocke Handelshäuser. Sie stellen wahre Prunkstücke fränkischer Architektur dar (links). Marktbreit besitzt in der Reihe der malerischen Städte am Main einen hohen Stellenwert. Weit berühmt ist das Ensemble "Malerwinkel" (unten), mit dem "Maintor" am Breitbach als eines der schönsten in Franken anerkannt.

Für mich geht es weiter und nach 7 Kilometern erreiche ich "Ochsenfurt", wo ich ein längere Rast einlege und eine grosse Apfelschorle trinke - nein: "zu mir nehme", so erfrischend wie sie schmeckt und wirkt.

Auch an "Ochsenfurt" habe ich gute Erinnerungen. Zum ersten mal war es 1957, auf der Radtour durch Deutschland, vom Gardasee kommend und über München quer durch die Republik. Mit meinem alten Schulfreund Dietmar. Und dann haben wir vor einigen Jahren hier ganz köstlich "auf Fränkisch" gespeist.

Auch wieder über eine alte Mainbrücke muss ich jetzt auf die rechte Mainseite, um nach "Sommerhausen" und nicht zum gegenüber liegenden "Winterhausen" zu gelangen. Und kaum ist "Sommerhausen" passiert, stehe ich an dem alten "Maintor" von "Eibelstadt". An dem nicht nur Hochwassermarken von früheren Hochwassern mit beängstigend hohen Wasserständen zu sehen sind, sondern auch noch ein "Lumpentürchen". Das Tor gehört zu der mittelalterlichen Wehrmauer, die insgesamt 3 solcher Tore und 8 Wehrtürme aufweist. Die Stadt wurde deshalb als "wehrhafter Zwerg am Main" bezeichnet.
vDer in Dreieckform angelegte Marktplatz wird heute noch von der vergoldten "Mariensäule" und dem barocken Rathaus, einst Amtshaus des Domkapitels (links), geschmückt.

Noch runde 10 Kilometer radeln und ich erreiche "Würzburg", wo mich das "Käppele" (unten) als erstes begrüsst. Du wirst gut beschildert am Main entlang in die Stadt geleitet. Ich habe auf meinen Touren da schon schlechtere Ausschilderungen erlebt. Dumm ist es, wenn bei Abzweigungen die Schilder fehlen un du nicht weisst, ob rechts oder links herum oder gerade aus oder wie?

Zunächst führt der Weg über die "Ludwigstrasse", dann am "Willy-Brandt-Kai" entlang, ein Schlenker nach rechts und einer nach links und schon stehe ich am "Vierröhrenbrunnen". Und damit praktisch vor meinem Hotel "Zum Winzermännle", Domstrasse 32 (Tel 0931 - 54156).

Ein typisches Stadthotel, Rezeption in der ersten Etage, sehr schmales Treppenhaus - bloss keinen Platz verschenken! Aber eine nette ältere Dame an der Rezeption sorgt dafür, dass mein Rad im Keller einen sicheren Platz und ich ein ruhiges Zimmer "nach hinten raus" bekomme. Vorne brodelt nämlich der Verkehr einschliesslich Strassenbahn.

Bei meiner Ankunft ist es gerade mal 13.15 Uhr, also habe ich wieder reichlich Zeit für diese schöne Stadt. Denn obwohl ich sie ganz gut kenne - wenn es auch zum Stadtführer noch nicht reicht - ist es jedesmal wieder ein schönes Erlebnis, den "Dom" (unten links) oder das "Juliusspital", die "Alte Mainbrücke" mit ihren Heiligenfiguren und dem Blick hinauf zur Festung, den "Kranen" (unten rechts) oder gar die "Residenz" zu sehen. Und das "Haus zum Falken" musste ich auch fotographieren, es fasziniert mich immer wieder.

Über das "Juliusspital" informiert das Internet:

Am 12. März 1576 legte der große Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn den Grundstein zu einer Stiftung, die die Jahrhunderte trotz aller Schicksalsschläge überdauerte.

Über 425 Jahre Geschichte, heute ein modernes Dienstleistungsunternehmen mit humanitärem Auftrag in Krankenhaus und Seniorenpflege, landwirtschaftliche Güter, Forsten, renommiertes Weingut - all das ist die "Stiftung Juliusspital" in Würzburg.




Die Würzburger Residenz

1720 wurde das Werk im Auftrage des Fürstbischofs von Würzburg, Johann Philipp von Schönborn (1719 – 24) begonnen. Die Bauleitung lag in den Händen des Architekten Balthasar Neumann (1687 – 1753).

Das Treppenhaus (oben rechts) ist mit korinthischen Kolossalpilastern und einem mächtigen Gesims gegliedert, über dem das 19 x 32 m weite Muldengewölbe ruht – eine technische Meisterleistung, die dem Besucher, nach dem niedrigen Vestibül und dem Treppenschacht, ein atemberaubendes Raumerlebnis beschert.

Das Gewölbe wurde 1752-53 kongenial von Giovanni Battista Tiepolo mit dem größten zusammenhängenden Deckenfresko überhaupt geschmückt.

In dem Strassencafé am "Haus zum Falken" (rechts) gab es ein leckeres Eis, denn so ein Stadtbummel bei den heutigen sommerlichen Temperaturen macht müde und ein wenig hungrig. Und bei dem herrlichen Wetter heute nachmittag zieht es die Menschen an die Luft. Vor jedem Strassencafé, vor jeder Bäckerei, vor jedem Restaurant stehen Tische und Stühle und alle, alle sind besetzt.

Wenn man all diese herrlichen Bauten heute sieht, kann man kaum glauben, das die Innenstadt von Würzburg im letzten Krieg zu 90 % zerstört worden ist - eine enorme Aufbauleistung. Bei dem 17 Minuten dauernden Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 kamen über 5000 Menschen ums Leben!

Ich sehe mir noch die Stelle an, an der sich das Grab des Minnesängers Walther von der Vogelweide befunden haben soll - im "Lusamgärtchen".

Das Lusam - Gärtchen

Das Lusamgärtchen ist ein kleiner ummauerter Innenhof mit Resten eines Kreuzganges (links) an der Nordseite der Neumünsterkirche in Würzburg. Innerhalb des Gartens befindet sich das Grabmal für den Minnesänger Walther von der Vogelweide.

Das Grab wurde vermutlich erst Mitte des 18. Jahrhunderts bei der Umgestaltung der Neumünsterkirche aufgehoben. An der Oberseite eines Gedenksteins von 1930 sind in den vier Ecken kreisrunde Vertiefungen eingehauen als Näpfe für Körner und Wasser.

Die Legende besagt, dass Walther von der Vogelweide verfügt haben soll, dass an seinem Grab täglich die Vögel zu füttern seien.

Nach dem Abendessen - draussen vor dem "Ratskeller" - sehe ich mir die Abendnachrichten an und der Wetterbericht für morgen lässt nichts Gutes erwarten. Regenwolken sind vom Atlantik her im Anmarsch und ich überlege, die Tour hier in Würzburg abzubrechen. Endgültig werde ich mich morgen früh entscheiden.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 63 km Fahrzeit 3:54 Std. Durchschnitt 16,5 km/h Max 33,3 km/h


Mittwoch, 26. April

Der Blick zum Himmel um 7.30 Uhr lässt nur ein Entscheidung zu - Abbruch! So schwer mir diese Entscheidung auch fällt, sie ist ganz einfach vernünftig (schliesslich muss ich ja auch mal vernünftig sein). Von keinem der anderen vorgesehenen Tageszielorte komme ich besser mit dem Zug nach Bayreuth zu meinem Auto, wie von Würzburg.

Ich geniesse also in aller Ruhe ein reichhaltiges Frühstück, bitte an der Rezeption, Gepäck und Fahrrad bis zum Nachmittag stehen lassen zu dürfen - eine nette "Studentin der Chemie im Hauptstudium" sagt es zu - und um 8.40 Uhr setzt sich mein Zug Richtung Bayreuth in Bewegung. Da nur einige Wagen nach Bayreuth, andere nach Hof fahren, muss ich auf den "Zugzielanzeiger" (tolles Wort!) über der Abteiltür achten, um nicht in Hof zu landen.

In Bayreuth erste Regentropfen, auf der Fahrt nach Würzburg werden es ausgewachsene Schauer und ich habe Mühe, mein Fahrrad auf dem Ständer festzustellen, so regnet es. Und auf der Fahrt nach "Marktheidenfeld" gehen Wolkenbrüche runter, als seien "alle Schleusen des Himmels geöffnet". Dazu Blitz und Donner - war also wohl die richtige Entscheidung.

Kurze Aufenthalte in "Gemünden" und in "Lohr am Main" (oben) und gegen 17.00 Uhr erreiche ich mein Hotel "Zum Löwen" in Marktheidenfeld, Marktplatz 3 (Tel 09391 - 1571). Da heute Ruhetag ist, liegt mein Zimmerschlüssel rechts neben der Tür hinter einem Blumenkasten! Hier scheint die Welt noch in Ordnung.

Und das denke ich auch beim leckeren "Hirschbraten mit Apfelrotkohl und Klössen", den ich mir nach einer "Flädlesuppe" schmecken lasse. Nachdem ein Anruf von Siegfried mich auf einem kleinen Stadtbummel überraschte.

So habe ich zwar mein vorgesehenes Ziel, nämlich Seligenstadt, nicht erreicht und bin nur 312 Kilometer gefahren. Aber schön war sie doch, meine Main - Radtour!