Neckar - Radweg

Von Schwenningen nach Heidelberg
Vom 14. - 19. September 2005

Autor: Klaus Donndorf





So ganz Unrecht hat Christel ja nicht, wenn Sie meint, ich übertreibe das mit meinen Radtouren. Bei meinen beiden Touren dieses Jahr habe ich schon 700 km zurückgelegt. Und doch war da nach den Tagen am "Lago Maggiore" so eine innere Unruhe, ausserdem stand mein neues GUDEREIT - Fahrrad in der Garage - kurz, ich "musste" nochmal auf's Rad.

Der "Donauradweg" war mir aber zu lang und so entschied ich mich für den "Neckarradweg" (bikeline-Buch "Neckar-Radweg / ISBN 3-85000-026-5). Der hatte mit theoretischen 370 km gerade die richtige Länge, immerhin ging es auf Mitte September zu und die Tage wurden kürzer und vor allem kühler!

Das "Neckarland" gehört - mit wenigen Ausnahmen - zu den wärmebegünstigten Gebieten in Deutschland. Ist bioklimatisch also als schonend zu bezeichnen. Und so sollte meine Reise während der Weinlese jetzt im Herbst, wo auch das Obst reif ist, zu einem besonderen Erlebnis werden.

Der Wetterbericht versprach einige schöne, regenfreie Tage und so hat mich Christiane, die gerade Urlaub hatte, am Mittwoch, dem 14. September mit dem BMW nach "Schwenningen" gebracht (die 10 Kilometer von Villingen hier rüber wollte ich mir sparen). Ein Stau am "Gambacher Kreuz" veranlasst uns, weiter auf der A 45 zu bleiben, kurz auf die A 3 und ab "Würzburg" dann die A 81 bis "Schwenningen". Wo ich im Hotel "Neckarquelle" (unten) ein Zimmer bestellt hatte.

Mein Rad stand sicher auf der Kegelbahn des Hotels und so konnte ich mir die Stadt ansehen. Und auch zur Neckarquelle laufen - die aber gar nicht so leicht zu finden war.

Der offizielle Beginnpunkt des 367 km langen Neckars ist seit 1981 wieder auf der Schwenninger "Möglinghöhe" zu finden, nachdem die Neckarquelle im 19. Jahrhundert in das "Schwenniger Moos", einen ehemaligen Torfstich verlegt worden war. Das "Schwenninger Moos" liegt auf der europäischen Wasserscheide von Rhein und Donau und gilt als Quellgebiet des Neckars. Das Moos dient als Wasserspeicher; das Wasser fließt verschiedenen Flüssen, aber auch der historischen Neckarquelle zu.

Auch die oben erwähnte Verlegung der Neckarquelle, welche im Jahre 1869 aufgrund des Baus der Eisenbahnlinie Rottweil-Villingen stattfand, hatte unangenehme Folgen: Der Quellzufluss wurde unterbrochen und der Grundwasserstand abgesenkt. So ist der später so mächtige Strom hier zunächst ein kleiner Bach (links).

Der Ort "Schwenningen" fand bis zum 19. Jahrhundert lediglich als "Ort am Neckarursprung" Erwähnung. Es lag an der "Schweizerstrasse", die schon Goethe bei seiner Reise nach Italien benutzte. Salz brachte dann Wohlstand, später der Anschluß an eine Eisenbahnlinie.

Für mich hieß es, am Vorabend wieder zu schauen, wie und wo der Radweg von meinem Hotel aus beginnt, damit ich morgens nicht erst suchen muss. War wieder ganz einfach, weil es keine 50 Meter bis zum Radweg waren und dieser gut ausgeschildert war - wie übrigens mit wenigen Ausnahmen auf der ganzen Tour.

Donnerstag, 15. September

Die Semmelknödel gestern Abend waren so gut gewürzt, daß ich nachts großen Durst hatte und meine Nachtruhe etwas gestört wurde. Aber nach einem guten Frühstück - bis auf die Raucher im Frühstücksraum - fuhr ich pünktlich um 8.00 Uhr los, mit Helm versteht sich. Kühl war's!

Gleich ausgangs von "Schwenningen" führt der Weg in einer Schleife unter der L 173 hindurch und ich unterschätze die Wirkung meiner hydraulischen Bremsen, als ich abrupt bremsen muß - der erste Sturz mit dem neuen Rad. Aber nix passiert und ich radle weiter am "Neckar" entlang, erst durch ein Waldgebiet, dann über freies Feld Richtung "Rottweil". In "Lauffen" (es gibt zwei davon auf meinem Weg) eine kleine Unsicherheit wegen der Wegführung. Kann ich aber meistern. Eine erste kurze Rast in "Rottweil"; ich sehe mir die "Kapellenkirche" an.

Zur Geschichte Rottweils informiert das Internet:

Wegen der guten Verkehrslage entstand hier ein alemannischer Herzogshof, aus dem der Königshof "Rotuvilla" wurde, der bereits im Jahre 771 n. Chr. erstmals in den Urkunden erscheint. Dieser Königshof erlangte unter den Karolingern große Bedeutung als Gerichtsort und Verwaltungszentrum. Das Rottweiler Hofgericht zählte lange danach im Spätmittelalter zu den bedeutendsten Gerichten des deutschen Reiches.

Das hochmittelalterliche Rottweil wurde in der Stauferzeit auf einem Felssporn oberhalb des Neckars etwa 2 Kilometer westlich der ehemaligen Römerstadt neu angelegt. Die Staufer errichteten die Stadt an ihrem heutigen Standort nach dem Zähringer Muster (Gliederung durch das Straßenkreuz in vier Teile). Aus dieser Zeit stammt der spätmittelalterliche Stadtkern mit seinen erkergeschmückten Bürgerhäusern, den geschmiedeten Stechschildern, die im 16. Jahrhundert vorgeschrieben waren, und den zahlreichen Rottweiler Kirchen.


Ausgangs "Rottweil" fragen mich zwei junge Radlerinnen nach dem Weg Richtung "Tübingen", also meine Route. Die Beiden haben natürlich kein bikeline-Büchlein, sondern nur eine ungenaue Landkarte. Wir fahren ein Stück gemeinsam und als sie auf dem richtigen Weg sind, lasse ich sie mit ihrem Schicksal allein und düse los. Es geht herrlich und lange bergab, die Autobahnbrücke über die A 81 (unten rechts) taucht vor mir auf. Der junge "Neckar" begleitet mich.

Bis ein mit Baumstämmen beladener LKW mich stoppt. Der ist aber gerade fertig mit Beladen und so gibt es für mich nur einen kurzen Aufentahlt.

Über "Epfendorf" und "Oberndorf" erreiche ich "Sulz am Neckar" (unten rechts). Den Namen verdankt die Stadt ihren Salzquellen, die Jahrhunderte lang die Geschichte der Stadt prägten.


Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 790 als "villa publica Sulza". Die ersten Besitzer der Saline waren im 11. Jahrhundert die Grafen von Sulz. Ab 1270 herrschten die Herren von Geroldseck über die Stadt und die Salinen, sie waren auch die Erbauer der Burg Albeck südwestlich der Stadt. 1284 verlieh König Rudolf von Habsburg Sulz das Stadtrecht.

1473 ging Sulz in württembergischen Besitz über und war damit lange Zeit die einzige Saline des Landes. Die Stadt brannte innerhalb der Stadtmauern zweimal (1581 und 1794) fast komplett nieder.


Das Wetter ist ideal, nicht zu warm und nicht zu kalt, dabei kaum Wind. Die Weste habe ich schon ausgezogen, später folgt der Helm. Denn es gibt doch einige Steigungen und mir wird mächtig warm. In "Horb" ist doch tatsächlich eine "Radweg-Umleitung" ausgeschildert - die auch noch stimmt! Unglaublich!

Nochmal geht es unter einer A 81 - Brücke (links) durch, über einen Golfplatz (Vorsicht - herumfliegende Golfbälle!) und dann grüßt die "Weitenburg" (unten) von hohem Berg herüber. Bis "Bieringen", meinem heutigen Ziel, sind es nur noch 4 Kilometer und um 15.15 Uhr bin ich an meinem Landgasthof "Kaiser".

Wo noch Mittagessen ausgegeben wird und mich ein mehr als einfaches Zimmer erwartet - 3 Treppen hoch, kein Telefon und alles etwas "musselig". Aber ich bin groggy von der Tages(tor)tour. Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort - der aber auch Geschichte hat - und einem leckeren Abendessen geht's früh ins Bett. Aber ein Anruf bei Christel ist schon noch drin.

Ein paar Bilder aus "Bieringen"



Im "Bieringer Geschichtsgarten" stehen die Wappensteine verschiedener Ortsherren. So auch derer "von Eicher" (oben rechts), die von 1454 bis 1476 Ortsherren waren. Für die Flößer vergangener Jahre steht am Neckar ein Gedenkstein (oben links), mit diesem Text:

Die Flößerei hatte auf dem 367 Kilometer langen Neckar über Jahrhunderte hinweg eine hohe Bedeutung. Wöchentlich passierten rund 8 Flöße, die mit "Wieden" zusammengebunden jeweils eine Länge bis zu 300 Meter hatten, Bieringen. Sie beförderten vor allem zum Bauen bestimmtes Stammholz aus dem nahen Schwarzwald in die Rheinebene, das von dort auch nach Holland gelangte.

In Bieringen befand sich eine der 13 Floß-Einbindestätten im Bereich des oberen Neckar. 1899 trieb das letzte Floß flußabwärts und beendete damit eine bedeutsame Zeitepoche.


Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 88 km Fahrzeit 5:19 Std. Durchschnitt 17 km/h Max 49 km/h



Freitag, 16. September

Ich wollte heute früh starten, denn es könnte Regen geben. Wecken war deshalb schon um 6.30 Uhr, ein schnelles Frühstück (ein belegtes Brötchen darf ich mir - nach Rückfrage - mitnehmen) und die Wirtin schenkt mir für unterwegs noch 2 Williams-Christbirnen - man hat nämlich auch noch eine eigene kleine Schnapsbrennerei. Fand ich eine nette Geste. Und gleichzeitig beruhigt sie mich: so, wie die Wolken trotz sehr bedecktem Himmel stehen, gibt es heute keinen Regen. Alte Leute wissen schon...

Gleich in "Obernau" gibt es eine Umleitung, aber mir kommt genau hier ein Radler entgegen und so fahre auch ich weiter auf der Strasse. Und siehe, es hat geklappt, habe ich mir also einige unnötige Kilometer erspart. Der Weg verlässt die Strasse wieder und am Wald entlang geht es nach "Rottenburg" hinein. Kurzer Fotostopp am Dom "St. Martin" (oben rechts), einer Kathedralkirche aus dem 15. Jahrhundert. Mit einem schlanken, durchbrochenen Turmhelm, Maßwerk und zwei Kreuzblumen. Ist seit 1828 Bischofssitz.

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Städte mit dem Namen "Rottenburg". Meistens bedeutet dieser Name "rote Burg" bzw. "rote Stadt" (ahd. burg = "ummauerte" Stadt). Mit zwei "t" geschrieben kann dieser Name aber auch "zerstörte, verfallene Stadt" bedeuten, was im Falle von Rottenburg am Neckar für die mutmaßliche Entstehungszeit des Namens im frühen Mittelalter durchaus passt.

Im 12. und 13. Jahrhundert erlangte "Rottenburg" durch die Herren "von Hohenberg" erneut Bedeutung. Bis es 1805 an Württemberg fiel, war "Rottenburg" vorderösterreichische Oberamtsstadt.


Ich fahre weiter und komme nach "Tübingen". Es ist heute zwar nicht so kalt, wie gestern und ich komme ohne meinen Pullover aus, die Weste genügt. Dafür fängt es in "Tübingen" aber leicht zu regnen an. Bin etwas unsicher bzgl. der Streckenführung und sehe im Tourenbuch nach. Das sieht ein netter Herr und er erklärt mir sofort den besten Weg, über die Brücke und linksseitig am "Neckar" weiter. Ist auch Radfahrer und meint: "Das hier ist mein Run-Revier, hier kenne ich mich aus".

Das Stadtwappen von "Tübingen" trägt die dreilatzige Fahne der Pfalzgrafen 1514 wurden sie um die württembergischen Hirschgeweihstangen ergänzt.
Einige Daten zur Stadtgeschichte Tübingens

  • 1078 erste urkundliche Erwähnung von Tübingen während König Heinrich IV. die Burg Hohentübingen belagerte.

  • 1191 Erstes Auftreten von Kaufleuten. Beweise für einen Marktplatz

  • 1231 erste Erwähnung von Stadtrechten

  • 1477 Gründung der Eberhard-Karls-Universität

  • 1589 Johannes Kepler beginnt sein Studium in Tübingen

  • 1798 Johann Friedrich Cotta gründete die Allgemeine Zeitung in Tübingen

  • 19461952 Hauptstadt des Landes (ab 1949: Bundeslandes) Württemberg-Hohenzollern, bis dieses in Baden-Württemberg aufging.

Der weitere Weg ist zwar sehr gut beschildert, aber der Nieselregen mit Unterbrechungen nervt. Regencape an, Regencape wieder aus - ich beschließe, mir eine regendichte Jacke zu kaufen. Und zwar in "Nürtingen". Die Orte auf meinem Weg heißen "Neckartenzlingen", "Neckartailfingen" und "Neckarhausen", vorher nie gehört und der Regen hindert mich daran, mal anzuhalten und zu schauen.

Die 30 Kilometer von "Tübingen" nach "Nürtingen" sind schnell gefahren. Über die Stadt-
brücke geht's hinauf in die Altstadt. In einem Sportgeschäft kaufe ich mir eine Jacke und trinke dann in einem Strassencafé eine Tasse Kaffee. Danach schiebe ich mein Rad bei einem kleinen Stadtrundgang vorbei an der spätgotische Stadtkirche "St. Laurentius" (1506) und zum Marktbrunnen (rechts).

Auch hier wieder etwas Stadtgeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde "Nürtingen" im Jahre 1046 ("Niuritingin") und erhielt 1335 die Stadtrechte. Schon damals gehörte "Nürtingen" zu Württemberg und wurde Sitz eines Amtes. Der hier geschlossene "Nürtinger Vertrag" teilt Württemberg 1442 für 50 Jahre in eine Stuttgarter und eine Uracher Grafschaft.

1634 wird "Nürtingen" im Dreißigjährigen Krieg erobert und stark verwüstet. Der anschließenden Pest fällt die Hälfte der Einwohner zum Opfer. Einige Gemeinden im Umkreis verlieren in der Zeit nahezu ihre gesamte Bevölkerung oder sind zum Teil sogar völlig menschenleer.

1750 wurde die Stadt durch einen verheerenden Brand weitestgehend zerstört, jedoch wieder aufgebaut. Dieser alte Stadtkern ist in einigen Teilen bis heute erhalten geblieben. Das Nürtinger Schloss diente vom 15. bis zum 17. Jahrhundert den Witwen der Württemberger Fürsten als Alterssitz.

Die Nürtinger "Lateinschule" genoss seit alters her einen ausgezeichneten Ruf im "Ländle". Auch "Hölderlin" und "Schelling" haben dort die Schulbank gedrückt.

Der Regen hat natürlich jetzt, wo ich die Jacke habe, aufgehört! Dafür kommt der Wind mal wieder schön von vorne - woher denn auch sonst? Das kenne ich doch schon von meinen diversen Touren. Und bis "Esslingen" liegen weitere 30 Kilometer vor mir. In "Wendlingen" geht es wieder auf die andere Flußseite und zwar über die historische "Köngener Brücke" (rechts).

Wilhelm Hauff (1802-1827) hat in seinem Ritterroman "Lichtenstein" die Vergangenheit seiner schwäbischen Heimat in und während der Reformationszeit verherrlicht. Mit reicher Phantasie und erlaubter dichterischer Freiheit erzählt er, wie Herzog "Ulrich von Württemberg", von Feinden umringt, nach dem Tod seiner letzten Getreuen mit seinem Pferd von der "Köngener Brücke" in die Fluten des Neckars springt und entkommt.

Bald ist "Plochingen" erreicht; hier führt der Weg durch das Gelände der Landesgartenschau von 1998, dann über eine futuristische Brücke (oben links) über Fluß und Eisenbahn. Vorbei am "Hundertwasser-Haus - Unterm Regenturm" (rechts), einem attraktiven Anziehungspunkt in der Stadt. Der "Regenturm" ragt weit sichtbar über das Bauwerk hinaus, gekrönt durch vier goldene Kugeln.

Genau so weit sichtbar ist eine große und sehr schwarze Regenwolke, die genau auf mich zuzieht. Gleich wird es was von oben geben und so bleibe ich an einer Bus-Haltestelle (links) stehen und warte den Schauer ab.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis "Esslingen", wo ich um 15.00 Uhr am Bahnhof ankomme. Ein Anruf in meinem "Hotel Kelter" und der Wirt holt mich mit seinem Auto ab, liegt das Hotel doch hoch oben in den Weinbergen über "Esslingen - Mettingen". Ein schönes, helles Zimmer mit weitem Blick über die Weinberge und das Mercedes-Werk bis Stuttgart. Da es aber stark zu regnen anfängt, sehe ich nur graue Nebelschwaden.

Duschen, umziehen und mit dem Bus runter nach "Esslingen". Stadtbummel, eine Tasse Kaffee bei Karstadt und der Regenschirm, den ich dort kaufe gibt seinen Geist schon auf, kaum daß ich ihn aufspanne. Also habe ich ihn sofort wieder umgetauscht.

Zur Esslinger Stadtgeschichte wieder ein paar Informationen

Zum ersten Mal wurde Esslingen 777 urkundlich erwähnt, als Abt "Fulrad von Saint-Denis" die "Cella nomine Ezelinga" dem Reichskloster Saint Denis bei Paris vermachte.

Im 12. Jahrhundert war das Gebiet in der Hand der Staufer. Friedrich I. Barbarossa übertrug im Jahr 1181 seinem Stellvertreter in Esslingen politische und rechtliche Aufgaben die das Umland betrafen und machte spätestens damit Esslingen zur Reichslandstadt.

1213 schenkte Kaiser Friedrich II. die Esslinger Stadtkirche dem Domkapitel Speyer.
1229 wurde in einer Schenkung an das Kloster Salem erstmals das Esslinger Stadtrecht und das Amt des Schultheiß genannt.
Im 13. Jahrhundert wurde in Esslingen mit dem Bau vieler großer Gebäude begonnen. Klöster wurden gebaut, die Brücke über den Neckar stammt aus dieser Zeit und die Kirche St. Vitalis wurde ausgebaut.

Vom 13. Jahrhundert bis zum 16. Jahrhundert kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen der freien Reichsstadt Esslingen und den Württembergern.

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 kam etwa die Hälfte der Bevölkerung durch Hunger und Seuchen um.
Der 6. September 1802 besiegelte das Ende der Unabhängigkeit Esslingens, als die Stadt im Zuge mehrerer Friedensschlüsse von württembergischem Militär in Besitz genommen wurde.

Das Abendessen (Geschnetzeltes vom Hirsch und Hand-geschabte Spätzle) und auch die Württemberger Weinschorle schmeckten köstlich und so stand einer ruhigen Nacht nichts mehr im Wege.


Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 81 km Fahrzeit 5:21 Std. Durchschnitt 17 km/h Max 49 km/h


Samstag, 17. September

Heute bin ich doch tatsächlich erst um 8.00 Uhr aufgestanden, um diese Zeit saß ich gestern schon eine halbe Stunde im Sattel. Ich wollte mir einfach "die Ruhe antun", ausserdem waren heute nur 71 Kilometer geplant.

Nachdem es gestern abend noch ausgiebig geregnet hatte, war es heute morgen verdammt frisch. Ich also erst um 9.15 Uhr los, nachdem mir beim Frühstück seltsame Gedanken kamen, weil ich nur Männer im Gastraum und in der Küche wirtschaften sah. War aber wohl doch kein "Schwulenhaus!

Mit meiner neuen Jacke schön warm versorgt, fuhr ich in Serpentinen, weil sehr steil, hinunter durch einen Weinberg. Weiter entlang einer verkehrsreichen Strasse durch "Mettingen", "Ober- und Untertürkheim" - dann über den "Neckar" und an der sehr stark befahrenen "B 10" an "Stuttgart" vorbei Richtung "Bad Cannstatt".

"Stuttgart" blieb also links liegen, deshalb wenigstens ein Bild vom "Schloß Solitude" (links). Schloss Solitude in den Wäldern westlich von Stuttgart verdankt seine Entstehung dem baufreudigen Herzog Carl Eugen. Er schätzte den Platz "Bei den fünf Eichen" »fern vom Getümmel und den Enttäuschungen der Welt«, wenn er während der Jagd ausruhen wollte. Das Rokokoschloss Solitude, das seine Verwandtschaft mit dem Potsdamer Sanssouci nicht leugnen kann, wurde in den Jahren 1764 bis 1775 erbaut.

Rechts sah ich das große Riesenrad auf dem "Cannstätter Wasen", an einem Freibad führte die Route wieder auf die rechte Flußseite, an "Bad Cannstatt" vorbei. Es wurde wieder etwas ruhiger an der Strasse, Weinberge säumten den Weg zur Rechten (unten rechts). Ich bin jetzt an der "Schwäbischen Weinstrasse"

In "Neckarrems" geht es über eine sehr originelle "Radfahrerbrücke" wieder auf das linke Neckarufer (unten links).

Der Himmel ist zwar bewölkt, aber es regnet nicht. Der Gegenwind hält sich in Grenzen und ab und zu kommt sogar die Sonne durch - eigentlich ein schöner "Radltag". Bis auf meine Sitzbeschwerden, die trotz neuer Hose nicht aufhören. Richtig wund gesessen habe ich mich! Hilft aber alles nichts, ich muß und will weiter, "Marbach" ist mein nächstes Ziel.

Vorbei an Hochberg, Poppenweiler, Hoheneck und Neckarweihingen und immer wieder auf der rechten Flußseite die Weinberge - nach Süden ausgerichtet - erreiche ich gegen Mittag "Marbach".

Wo ich natürlich vom Weg abweiche, in die Stadt hinauf fahre und mir Schiller's Geburtshaus (links) ansehe. In dem schmucken Städtchen mit vielen mit Blumen geschmückten Fachwerkhäusern und engen Strassen sind mehrere Besuchergruppen unterwegs. Steile Strassen, ich muß schieben und kann mein Fahrrad kaum irgendwo abstellen zum fotographieren - sofort rollt es los.

Und dann sollte noch eine böse Überraschung auf mich warten und zwar bei "Kleiningersheim". Da geht es auf höchstens 2 - 3 Kilomter vom Flußniveau auf lockere 295 Meter hoch. Das schaffte ich nur, indem ich schob und auch das war schon anstrengend genug!

Aber so hatte ich Zeit, diesen Schnappschuß (links) zu machen. Denn die Weinstöcke hingen voller weißer und blauer Trauben - eigentlich müsste es heuer eine ertragreiche Ernte geben.

Dann sind aber auch diese Steigungen geschafft und es geht wieder schön bergab nach "Besigheim". Und dort ist jetzt am Wochenende ein Stadtfest, Buden und Stände sind aufgebaut und viel Volk ist unterwegs. Aber meine Hinweisschilder sind auch wieder zugestellt und so habe ich hier richtige Orientierungsprobleme.

Solche Blicke wie unten rechts zu sehen entschädigen dich natürlich für jede Steigung und das sind dann auch für mich die Momente, die mich für die Anstrengungen meiner Radtouren belohnen. Und manchmal gibt es auch etwas Ausgefallenes - wie z.B. das Schild mit dem Hinweis auf "Die Kinderstube" des Württemberger Weines. Hier werden ganz einfach neue Rebstöcke gezogen.


Irgendwie finde ich den Weg durch und aus "Besigheim" hinaus, fahre wieder teils eben, teils mit leichten, kurzen Steigungen über Walheim, Gemmrigheim und "Kirchheim am Neckar" und dann taucht rechts von mir das AKW Neckarwestheim auf. Unscheinbar und kaum zu sehen liegt es in einer Senke und strahlt so vor sich hin.

Ich strahle auch, aber aus einem anderen Grund. Ich bin nämlich an meinem heutigen Tagesziel - in "Lauffen". Lautes Motorengeknatter empfängt mich. Was mag los sein? Den Grund erkenne ich schnell - auf dem angestauten "Neckar" findet ein Speedbootrennen statt. 5 oder 6 Boote machen einen Höllenlärm und auch hier herrscht am Ufer wieder Volksfeststimmung.

Wo liegt mein Hotel, das "Gästehaus Kraft" ? Ein Anruf und ich weiß, ich muss zum Tagesausklang nochmal in die Pedale treten und hinauf in die Weinberge. Also nochmal mächtig schwitzen, aber dann tut die Dusche besonders gut.

Allerdings muss ich zu meinem Schweinenacken-Steak mit Bratkartoffeln weit hinunter in die Stadt zum "DÄCHLE" laufen. Dabei geht es über eine steile Treppe, die später natürlich wieder hinauf zu bewältigen ist. Mir bleibt aber auch nichts erspart!!
Und die Rechnung bekomme ich auf meinem Bierdeckel!

Auch zu Lauffen wieder einige Informationen

Der Name Lauffen wird zum ersten Mal im Jahr 823 erwähnt, 1234 wird es zur Stadt "Lauffen am Neckar". Der Name kommt vermutlich daher, dass der Neckar bei "Lauffen" besonders schnell fließt (läuft). Die große Schleife, die er dabei vollzog, wurde durch die Erosionskräfte des Wassers irgendwann durchbrochen. Das ringförmige ehemalige Flussbett liegt nun trocken bzw. wird durch einen kleinen See ausgefüllt.

Entlang des alten Flussbettes hat sich ein ringförmiger Hügel gebildet, an dessen Hang der Kaywald wächst, an anderen Stellen wird Wein angebaut. Im 13. Jahrhundert wird die "Regiswindiskirche" und die "Regiswindiskapelle" gebaut. Im Jahr 1530 entsteht die Neckarbrücke.
Das Schloss auf der Neckarinsel ist heute das Rathaus.

Friedrich Hölderlin, ein Zeitgenosse Goethes und Schillers und ein Freund Hegels und Schellings, wird am 20. März 1770 geboren. Sein berühmtestes Werk ist der Briefwechsel Hyperion.


Auf meinem Weg in die Stadt komme ich an einem Kreisverkehr an einer Skulptur vorbei, die ganz eindeutig von dem Künstler Peter Lenk stammt. Unverkennbar sind die Ähnlichkeiten mit dem Brunnen in Überlingen oder der "Imperia" in Konstanz.

Die Grundkonstruktion des Kunstwerks besteht aus einem geschwungenen "H" für "Hölderlin". Den Mittelpunkt des Kunstwerks bildet eine waagrecht liegende Schreibfeder, auf der an beiden Enden eine Figur sitzt: ein kleines Kind

im Alter von etwa zwei bis drei Jahren in Kleidung und Frisur des ausgehenden 18. Jahrhunderts und der Dichter Friedrich Hölderlin als gereifter, etwa 30jähriger Mann.

Zwischen den beiden ist die Doppelfigur Schiller/Goethe angesiedelt: Die Literatur steht also gleichsam im Zentrum des Geschehens. Um dieses Zentrum herum erschließen sich mit Hilfe der anderen Figuren weitere Aspekte Hölderlins, die den Blick des Betrachters auf den Dichter und sein Werk weiten.

Und morgen soll das Wetter wieder schön werden - schaun wir mal.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 77 km Fahrzeit 5:21 Std. Durchschnitt 15 km/h Max 47 km/h



Sonntag, 18. September

Heute ist unser Hochzeitstag, den ich doch wieder vergesse, obwohl ich so daran denken wollte. Ich bin auf der Tour wieder total ohne Datumsorientierung, muss immer nach dem Datum fragen. Christel erinnert mich aber später an den Tag! Na prima!

Gestern habe ich noch das "Hölderlin-Denkmal" fotographiert. Johann Christian Friedrich Hölderlin wird am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar geboren und stirbt am 7. Juni 1843 in Tübingen. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Sein Werk verbindet die Klassik und Romantik.

Im Frühstücksraum sitzen heute, am Sonntagmorgen, jede Menge Leute. Die teils zu Fuß, teils mit dem Rad unterwegs sind. Entsprechend lebhaft geht es zu, bei dem Dialekt besonders amüsant! Aber die Sonne scheint, es ist zwar kalt und mit meiner neuen Jacke bin ich gut gerüstet.

Los geht's um 8.15 Uhr , durch die Weinberge (links) mal rauf, mal runter - es schlaucht schon auf den ersten Metern ganz schön.

Richtung "Nordheim" lerne ich ein neues Hinweisschild kennen: "Zabergäu" (rechts).

Das "Zabergäu" mit seinen Ortschaften Brackenheim, Cleebronn, Güglingen, Nordheim, Pfaffenhofen und Zaberfeld liegt entlang des Flüsschens "Zaber", rund 40 km nördlich von Stuttgart in Baden-Württemberg. Die Zaber mündet bei Lauffen in den Neckar. Im Zabergäu wird intensiver Weinbau betrieben. Wahrzeichen des Zabergäus ist der 394 m hohe Michaelsberg in Cleebronn. Wieder was gelernt!

Hinter "Nordheim" wird es wieder eben, aber es herrscht ein so höllischer Gegen-
wind, dass ich regelrecht dagegen ankämpfen muss. Und nur wenig von der Landschaft sehe. Was tut man da?- man flucht vor sich hin. Was zwar nichts ändert, aber etwas erleichtert. Ich erreiche "Heilbronn" und gut beschildert fahre ich an der Stadt vorbei. Eine Besichtigung muß warten, bis Christel und ich die Tour mit dem Auto nachfahren.

Es folgt "Neckarsulm", die ehemalige NSU - Stadt. In den früheren Werksanlagen auf der gegenüber liegenden Flußseite ist heute das "Deutsche Zweiradmuseum" untergebracht. Für mich verläuft die Route jetzt am "Neckar-Kanal" entlang. Der alte Fluß verläuft weiter westlich. Endlich taucht vor mir die Eisenbahnbrücke von "Bad Friedrichshall" nach "Bad Wimpfen" auf, über die ich auf meiner "Kocher-Jagst-Tour" 2003 gefahren bin.
Heilbronn verdient aber auch ein paar Informationen

  • 741 wird Heilbronn als villa Helibrunna sowie eine Michaelsbasilika in einer Schenkungsurkunde des Bistums Würzburg erstmals urkundlich erwähnt. König Ludwig der Deutsche hielt im Jahr 841 hier Hof. Der Name Heilbrunna deutet auf einen unweit der Basilika gelegenen Brunnen hin.

  • Um das Jahr 1050 wird eine bedeutende Ansiedlung von Juden urkundlich erwähnt. Im Hirsauer Codex wird 1146 die Markt- und Münzgerechtigkeit festgehalten, ebenso ist darin die Existenz eines Hafens sowie der Weinbau in Heilbronn nachweisbar.

  • 1225 wird Heilbronn als oppidum Heilecbrunnen Teil des Stauferreichs. "Oppidum" bezeichnet eine von Mauern und Gräben befestigte Stadt. Das älteste Stadtsiegel datiert aus dem Jahr 1265

  • 1281 verleiht König Rudolf I. nach dem Untergang der Staufer Heilbronn ein neues Stadtrecht und setzt einen königlichen Vogt als Herrscher ein.

  • 1519 wird Götz von Berlichingen für 3 Jahre in Heilbronn in "ritterliche Haft" genommen und verbringt auch eine Nacht im Bollwerkturm.

  • Während des Dreißigjährigen Kriegs leiden die Stadt und ihre Dörfer stark.

  • Heilbronn ist bekannt als Stadt des Weins sowie als "Käthchenstadt". Letztere Bezeichnung bekam die Stadt durch das Schauspiel Das Käthchen von Heilbronn des Dichters Heinrich von Kleist

Und dann auch Deutschlands angeblich schönste Stadtsilhouette - die von "Bad Wimpfen" (links). Ich bin froh, daß ich nicht wieder den steilen Berg zum Bahnhof und zur Stadt hinauf muss, sondern gemächlich unten am Fluß weiterradeln kann. War damals nämlich eine ganz schöne Schinderei - und so etwas passiert dir natürlich immer am Ende eines langen Radfahrtages.

Hinter "Gundelsheim" sehe ich links vom Wege die
"Burg Guttenberg"
(rechts), die noch Teile aus staufischer Zeit aufweist. Die gut erhaltene Burg bietet ein lückenloses Beispiel spätmittelalterlicher Wohn- und Befestigungskunst. Ausserdem beherbergt sie heute eine "Greifenwarte".

Kaum bin ich an "Haßmersheim" vorbei, was taucht vor mir auf? Na klar - der weithin sichtbare Bergfried von "Burg Homberg" (unten).

Hier in "Neckarzimmern" werde ich mich in einem Monat mit meinen Kameraden aus der Bundeswehrzeit treffen, um ein unterirdisches BW - Depot zu besichtigen. Heute wartet eine andere Überraschung auf mich. Nach einem Linksknick des Weges komme ich an eine Schleuse und über die muss ich, weil die Route ab hier wieder am rechten Flußufer verläuft. Zur Schleuse hinauf führt eine steile Treppe und wenn du dein Fahrrad vorne stark anheben musst, hat dein Gepäck hinten das Bestreben, nach unten weg zu rutschen. Und genau das passiert, ich habe Mühe, alles wieder zu richten und erst das Rad, dann meine Packtaschen nach oben zu bringen. Spass muss sein!

Nach Neckarelz und Diedesheim wechseln wir wieder die Flußseite und kommen nach "Obrigheim". Gleich hinter dem Ort fahre ich dann am nächsten AKW vorbei. Der "Neckar" macht hier eine große Schleife, meine Route führt durch die "Neckarhalden" und bald erreiche ich "Neckargerach". Zeit für einen Besuch bei meinem Neffen Udo bleibt nicht, ich habe auch nicht vorher angerufen. Bei so einer Radtour weiß man nie, ob alles planmässig läuft.

In "Zwingenberg" gibt es nicht nur ein Schloß (unten), sondern auch eine Fähre. Und die bringt mich für 1,- € über den Fluß (rechts).

Zwingenberg am Neckar entstand im 14. Jahrhundert vermutlich aus einer Fischersiedlung am Fuße der "Veste Twingeberg". In der Geschichte wird der Name Zwingenberg erstmals 1326 erwähnt. Die bewohnte und gut erhaltene Burg - heute Schloß Zwingenberg - wurde im 13. Jahrhundert erbaut, im Jahre 1364 geschleift und später wieder aufgebaut. Sie gehörte ursprünglich den "Edlen von Twingeberg", später dem Geschlecht der "Ritter von Hirschhorn".

Nach dem Aussterben dieses Geschlechts am 22.09.1632 kam es wegen des Besitzes zu einem Erbfolgerechtsstreit zwischen den Familien von Wieser und von Goeler, der am 8.02.1746 zugunsten der Familie Goeler endete. Anschließend kam der Besitz an den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, der ihn am 15.08.1778 seinem Sohn, dem Fürsten Carl August von Bretzenheim, übertrug.


Einmal muß ich die idyllische Landschaft (oben links), durch die nun die ganze Zeit fahre, auch zeigen. Aber dann erinnert so ein technisches "Meisterwerk" (oben rechts) daran, daß der Mensch die Natur manchmal beherrscht - oder soll ich sagen: vergewaltigt?

Ab der "Schleuse Rothenbach" - ein Schild warnt:

VORSICHT !
In Fahrtrichtung verlaufende Schienen !

- sind es nur noch 5 km bis "Eberbach". Und dort wartet mein Zimmer im Hotel "Zum Karpfen" auf mich. Ich erreiche es um 14.30 Uhr, mitten in der Hektik des Mittagsgeschäftes. Entsprechend knurrig war die Chefin, als ich verschwitzt und mit meinen Packtaschen im Gastraum erscheine.

Nach dem üblichen Ausruhen, Duschen und Umziehen sehe ich mir das adrette Städtchen an. Heute am Sonntag sind viele Menschen in den Strassen unterwegs und die Strassencafè's sind "rappelvoll". Ist aber auch wieder ein Traumwetter!

An einigen Häusern unten am "Neckar" sind Hochwassermarken angebracht. Wenn man sich einige dieser Wasserstände vorstellt....! Aber es gibt auch noch die 4 Stadttürme der einstigen Befestigungsanlagen. Oben rechts ist der "Pulverturm" zu sehen. Aber auch den "Rosenturm", den "Haspelturm" und den "Blauen Hut" (unten links) gibt es noch.

Also, "Eberbach" gefiel mir ausnehmend gut und das nicht nur, weil ich abends ein ausgezeichnetes Hirschragout mit Spätzle gegessen habe. Und am 13. Oktober, wenn wir von unserer Besichtigung in "Neckarzimmern" wieder nach Hause fahren, werden wir hier ebenso gut speisen - die Jungs waren "gut zufrieden"!! Hanno hat sogar "seinen" Wein entdeckt - einen "Grauburgunder".

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 71 km Fahrzeit 4:50 Std. Durchschnitt 15,0 km/h Max 45 km/h


Montag, 19. September

So - jetzt kommt also die letzte und auch kürzeste Etappe, denn ich habe mich ja entschieden, nur bis "Heidelberg" zu fahren. Ein 5 Minuten Frühstücksei serviert man mir innerhalb von unglaublichen 2 Minuten und auch sonst war das Frühstück wieder ausreichend. Ich komme mit einem etwa gleichaltrigen Radler aus Karlsruhe in ein kurzes Gespräch. Er wird heute bis "Mannheim" fahren und von dort mit dem Zug nach Hause.

Ich möchte hier mal zeigen, daß auf dem "Neckar" auch noch Schifffahrt (oben links) betrieben wird. Die Lastkähne drängeln sich nicht, aber immerhin, einige sind schon noch unterwegs. Und mein Weg verläuft bis "Hirschhorn" schön schattig durch einen Laubwald (oben rechts).

Vorher komme ich an der "Ersheimer Kapelle" vorbei. Das berühmte gotische Kirchlein geht auf einen Vorgängerbau von 773 zurück und ist damit die älteste Kirche im gesamten Neckartal.

Auch zwei mittelalterliche Fresken (unten) sind zu sehen. Der über 4 Meter hohe "Elendstein" (rechts) auf dem ummauerten Friedhof, ist eine Totenleuchte aus dem Jahr 1412.

Mittelalterliche Epitaphe (Grabplatten) der Herren von Hirschhorn (unten links) bedecken im Innern die Wände.

Das Dorf Ersheim wird erstmalig 773 im Lorscher Codex in der Urkunde width="" 2624[1]) erwähnt und ist somit deutlich älter als Hirschhorn selbst. Laut dieser Urkunde überlassen Liutfried und Liutprand ihre umfangreichen Besitztümer im Dorf Ersheim (= Erasham) dem Kloster Lorsch.

Die erste urkundliche Erwähnung der Ersheimer Kapelle selbst erfolgt 1345. Aus etwa dieser Zeit stammt mit dem Vorchor auch der älteste noch erhaltene Gebäudeteil. Es wird aber davon ausgegangen, dass es deutlich ältere Vorgängerbauten gegeben hat. Das Langhaus in seiner jetzigen Form entstammt einem Umbau des Jahres 1464.

Zahlreiche Stiftungen der Herren von Hirschhorn und anderer regionaler Adeliger dürften für einen gewissen Wohlstand der Pfarrkirche gesorgt haben. Noch 1517 wurde die Kirche um einen größeren Chorbau erweitert, aber schon im Laufe des 16. Jahrhunderts löste sich das Dorf Ersheim allmählich auf.

Nach der Flußschlinge fällt mein Blick auf "Hirschhorn", mit seiner vielfach verschachtelten Altstadt, der Burg und den fast senkrecht abfallenden Mauern. Keine der Ortsansichten am "Neckar" - ausser Heidelberg - kann sich mit diesem großartigen Bild vergleichen.

Eben geht es weiter, durch ein Waldgebiet und immer ganz nah am Fluss entlang. Hinter "Neckarsteinach" raste ich auf einer Bank in der warmen Sonne. Vor mir sehe ich vier Burgen. Erst das "Schwalbennest", dann die drei Ruinen der Burg "Hinterburg". Das Panoramafoto unten erfasst sie alle vier.

Ein allein fahrender Radler kommt des Weges, wir unterhalten uns über unsere Touren. Er will ab "Bad Wimpfen" das "Jagsttal" hinauf fahren. Da konnte ich ihm einiges zu sagen.

Ab "Neckargemünd" bzw. "Kleingemünd" muss ich auf einem Radweg neben einer viel befahrenen Strasse radeln. Ist aber halb so schlimm, weil der Radweg breit genug ist. Und nachdem ich "Ziegelhausen" und gleich dahinter die "Abtei Neuburg" passiert habe, ist "Heidelberg" erreicht. Und bald kommen auch das Schloss und die "Alte Brücke" ins Blickfeld.

Ich schiebe mein Rad über die Brücke und genau da ruft Christel an. Die Beiden sind schon ganz nah bei Heidelberg und da ich zu sehr "dremmele", muss ich mich am Ende noch beeilen, damit sie nicht zu lange am Bahnhof warten müssen.

Meine heutige Tagesbilanz

Gefahren 35 km Fahrzeit 2:24 Std. Durchschnitt 15,1 km/h Max 35 km/h

Es ist noch Zeit für einen kleinen Stadtbummel und einen "Kaiserschmarrn" (rechts) auf dem Marktplatz. Ein freundlicher Japaner fotografiert uns dabei.

Dann geht's zum Auto und der letzte Teil der Reise beginnt. Ohne Probleme gelangen wir gegen 20.00 Uhr zuhause an und natürlich bin ich froh, dass diese schöne Radtour - die letzte in diesem Jahr - so reibungslos und erlebnisreich verlaufen ist.

Es sind übrigens 351 Kilometer geworden.