Nach Burgund und an die Loire
Eine Studienreise

Vom 7. bis 31. Mai 2005

Eigentlich sind Christel und ich ja Italien - Freaks. Aber unsere "Kommilitonen" beim Altersstudium in Münster, die Ehepaare Duibjohann und Koch (rechts), hatten uns schon voriges Jahr auf Frankreich neugierig gemacht. Weshalb wir im Mai 2004 in die Provence gefahren sind und sich wunderschöne Erinnerungen mit dieser Reise verbinden.

Auch unsere Gespräche während des Wintersemesters 2004 / 05 drehten sich immer wieder um Frankreich. Und als wir von unserem Vorhaben erzählten, Burgund und die Loire besuchen zu wollen, bekamen wir von beiden Paaren viel Zuspruch und eine Fülle von Informationen und Adressen. Was uns in unserem Vorhaben natürlich bestärkte. Und so machten wir diese Reise dann vom 7. bis 31. Mai 2005.

Die nebenstehende Karte zeigt das Gebiet, das wir bereist und erkundet haben, von Sens bis Macon und von Nevers bis Auxonne.

Über's Internet fanden wir ein Ferienhaus (unten) in Chatellenot, einem kleinen Ort westlich von Dijon. Da wir möglichst viele Orte und Sehenswürdigkeiten der Region besuchen wollten, lag Chatellenot sehr verkehrsgünstig bei Pouilly-en-Auxois, mit Autobahn- bzw. Nationalstraßen-Anschluß. Und unser Häuschen entsprach dann auch unseren Vorstellungen und erst recht unsere Vermieter, Madame und Monsieur Mathis. Die uns jeden Abend vor dem Haus erwarteten und nach dem Verlauf des Tages fragten. Und natürlich manch guten Rat für weitere Unternehmungen gaben.

Auf der Fahrt über Köln - Trier - Luxemburg - Nancy und Dijon regnete es fast ununterbrochen. Wie war das mit dem Regen voriges Jahr in der Provence? Wir hoffen, daß wir diesmal besseres Wetter erwischen.

Aber erstmal erreichen wir ohne Probleme Chatellenot, werden schon erwartet und herzlich begrüßt. Und richten uns gleich in unserem Ferienhäuschen ein. Um 19.00 Uhr ist alles passiert und unser Urlaub kann beginnen.

Und gleich am Sonntag, dem 8. Mai geht es los, zuerst nach Commarin und dort zum Schloß (oben und rechts), welches seit Jahrhunderten von der gleichen Familie bewohnt wird. Die Anfänge dieses Château's gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es zu einem klassizistischen Wasserschloß umgestaltet. Ein bemerkenswerter Spion

Eine Führung gab es leider nur in französicher Sprache, wenn auch mit schriftlichen Erklärungen in deutsch. Aber die Salons mit kostbaren Tapisserien und Möbeln waren auch so interessant für uns.

Weiter ging's nach Châteauneuf-en-Auxois. Der äußerste Zipfel des Auxois wurde im Mittelalter durch die Festung von Châteauneuf gesichert, in deren Schutz und Schatten sich ein kleines aber quirliges Städtchen entwickelte.

Die Burg (rechts ein Blick vom Canal-de-Bourgogne aus), ein schönes Beispiel der Militärarchitektur des 15. Jhdts. in Burgund, wacht nicht nur über das heutige Städtchen Châteauneuf (unten), sondern auch über seine kleine Kirche aus dem 16. Jahrhundert und deren Kunstgegenstände.

Besichtigen war nicht, weil gerade Mittagspause - also weiter zu einem besonders idyllischen Fleckchen Erde, der Abtei la Bussière-sur-Ouche inmitten einer üppigen Vegetation gelegen. (War ein besonderer Tipp von Herrn Koch!)Wir rasten kurz am Canal de Bourgogne (rechts), den eine steinerne Bogenbrücke überspannt.

Diese ehemalige Zisterzienser-Abtei (2 Bilder unten) wurde schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet.

Wir fahren weiter durch das Tal der Ouche und erleben eine Landschaft in den Farben grün von den Weiden und gelb von den vielen Rapsfeldern.

Ein Keltenkreuz an der St-Seine-l'Abbaye fällt uns auf (links)...

...und Christel schafft es, aus einem alten Brunnen Wasser zu pumpen (rechts).

Ob das Waschhaus, das wir in Salmaise (unten links) sehen, noch genutzt wird ?

Wir fahren zurück nach Chatellenot und hier sehen wir uns noch die kleine romanische Kirche (unten rechts) an, was uns ein "gruslig's Hündlein" verwehren will. Aber der gibt bald auf und trollt sich!


St.Thibault / St. Theobald (unten links) hat eine ungewöhnliche Form - hoher Chor, niedriges Langhaus und Turm. Aber ein sehr gut erhaltenes Portal (unten rechts) mit Gewändefiguren und Tympanon-Skulpturen.

Semur-en-Auxois heißt unser nächstes Ziel am Montag. Der Name der Stadt am Armancon erscheint erstmals im 8. Jahrhundert und ist auf das lateinische "senes muros - alte Mauern" zurückzuführen. Durch ein altes Stadttor kommt man ins Zentrum mit alten Häusern, die sich gegenseitig stützen (unten links). Und in vielen sind kleine Bistros mit Tischen und Stühlen davor - Ausdruck französischer Lebensart, aber sicher auch ein Indiz dafür, dass es hier viele Touristen gibt.


Ein Stadtbummel führt uns zur Kathedrale "Notre Dame", einem Hauptwerk burgundischer Gotik. Am Nordportal finden wir nach längerem Suchen im Tympanon die Skulpturen "Das Gastmahl des Heiligen Thomas am Hof eines indischen Königs" mit der Darstellung einer akrobatischen Tänzerin (oben rechts).

Die "Promenade des Remparts", also die Stadtmauer sehen wir uns an und den "Tour de la Géhenne" (Folterturm), gehen eine lange Treppe hinunter zum Armancon (oben) und fahren schließlich weiter zum Zisterzienserkloster Abbaye de Fontenay.

Die Abtei wurde 1118 von Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) gegründet und erlebte eine wechselvolle Geschichte. Trotzdem ist die Klosteranlage bemerkenswert gut, ja fast komplett erhalten. Und wirkt mit ihren Strukturen und Proportionen, romanisch schlicht nach Art der Zisterzienser erbaut, sehr harmonisch.

Unten der Kreuzgang (links) mit den schlichten romanischen Würfelkapitellen, die ohne schmückende Figuren auskommen und das Dormitorium (rechts) mit der Holzdecke in Form eines umgekehrten Schiffsrumpfes.

Dann stand ein Besuch in Dijon auf unserem Plan, es war Markt und den wollten wir (?) - also eigentlich nur ich, sehen. War dann auch nichts Besonderes, aber die Stadt bietet natürlich viel Sehenswertes. Und volle Parkhäuser an solch einem Tag.

Zunächst besuchten wir die Kirche "St. Benigne", eine Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert, mit einer Krypta aus dem 11. Jahrhundert. Und in dieser findet man das Märtyrergrab des Heiligen Benignus (gest. 179 n. Chr.) und bemerkenswerte Säulenkapitelle mit Vogel- und Vogelmenschen Darstellungen (links und unten).

Wir sehen "Les Halles", die Markthalle mit ihrem hektischen Betrieb und kommen zur Kathedrale "Notre Dame", mit der sehenswerten, aber falschen (!) "Wasserspeier-Fassade" (unten links) und der "Jacquemart-Familie" (unten rechts), die stündlich die Glocke anschlägt.

Unser Stadtrundgang führt uns weiter zum "Maison Millière" (1. unten links), das schon 1483 für den Kaufmann Guillaume Millière und seine Ehefrau Guillemette Durand erbaut wurde.


Weiter zum "Maison des Cariatides" (unten rechts) und zum "Hotel Chambellan" mit seinem spätgotischen Innenhof mit einem Treppenturm, der als oberen Abschluß einen originellen Gartenträger (2. unten rechts) aufweist. Auf dessen Korb stützen sich die Bogenrippen des Gewölbes. Am "Place Francois-Rude" mit dem Bareuzai (Traubentreter-) Brunnen gab es dann eine kurze Erholungspause (unten links).


Natürlich sehen wir uns auch das "Musée des Beaux - Arts" an und dort besonders die beiden Grabmäler von Philipp dem Kühnen (rechts) und Johann Ohnefurcht und seiner Gemahlin Margarete von Bayern . Beide wurden um 1400 von Claus Sluter (um 1355/60-1405/06) geschaffen. Eindrucksvoll ist auch die Reihe der portraithaft gestalteten Reihe der Trauernden an den Sockeln, sog. Pleurons; diese stellen Bischöfe, Mönche und Laien dar als Teilnehmer am Trauerzuge.

Die Chartreuse von Champmol finden wir auf dem Gelände eines "Krankenhauses am Rande der Stadt" und dort den berühmten Mosesbrunnen (links) und das Eingangsportal mit den Stifterfiguren (unten rechts). Beide auch von Sluter.


Beaune bezaubert - meint der ADAC-Reiseführer und so mussten wir natürlich hin. Die Stadt leitet ihren Namen von Quellheiligtümern der keltischen Gottheit BELENES, was latinisiert BELENUS heißt, her. Die Gründung soll schon im 1. Jahrhundert v.Chr. erfolgt sein.

Heute ist das Hôtel-Dieu, ein ehemaliges Hospiz, die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, gilt es doch als das "berühmteste mittelalterliche Krankenhaus Europas"! Das Hôtel-Dieu war ursprünglich ein Armenhospital, Stiftung des damaligen Kanzlers Philipp des Guten von Burgund, Nicholas Rolin (1376-1461), und einiger anderer Reicher, die noch hofften, sich mit milden Gaben das Himmelreich sichern zu können. Die ärmsten Kranken von Beaune und Umgebung durften sich damit an einer wirklich prächtigen Umgebung erfreuen.

Im Innenhof erhält man einen ersten Eindruck und hier dominieren die farbigen Dachziegel das Bild (unten links). Die eigentliche Besichtigung können wir "auf eigene Faust" vornehmen, ausführliche Beschreibungen in deutscher Sprache machen alles gut verständlich. Der Krankensaal - Salle des Pôvres - mit den hintereinander liegenden Betten an den Wänden erinnert uns sehr an das "Heilig-Geist-Hospital" in Lübeck (unten rechts).

Auch eine kleinere "Privatstation" (links) gab es schon für die "adligen Seelen". Diesen Raum schmücken an der Stirnwand herrliche Bilder. Das Polyptychon von Rogier van der Weyden , "Das Jüngste Gericht" (um 1450), hier ein Ausschnitt (unten), ist im "Sale Saint Louis" zu sehen.

Weiter geht unser Rundgang durch den "Sale Saint Nicolas", der dazu bestimmt war, die "armen, in Lebensgefahr schwebenden Kranken" aufzunehmen. Hier kann man, von einer Glasscheibe bedeckt, im Boden die Bouzaise fliessen sehen. Dieser Wasserlauf sicherte flussabwärts die Entsorgung von Abfällen - was vom Streben nach Hygenie schon damals zeugt.

Durch die "Apotheke" sowie die "Küche" mit den ausgefallenen Wasserhähnen in Form von Schwanenhälsen (unten links) und dem lustigen "Bratenwender" (unten rechts) und den "Sale Saint-Louis" gelangen wir wieder nach draußen.

Es gäbe noch viel zu berichten von diesem Rundgang - am besten, man sieht sich das direkt vor Ort an. Sonst würde es den Rahmen dieses Reiseberichtes absolut sprengen!

Unser Besuch der Abbaye Citeaux, den wir auf der Rückfahrt noch "dranhängen", ist etwas enttäuschend, weshalb hier auch nur kurz erwähnt. Citeaux, die Urzelle des Zisterzienserordens, besteht heute nur noch aus Mauerwerk. Erhalten ist u.a. das Gebäude des Skriptoriums (rechts). Die Abtei wurde im Jahr 1098 durch Robert von Molesme gegründet. Im 12. Jahrhundert standen hier zwei steinerne Kirchen. Es waren, gemäß den strengen Zisterzienserregeln, kreuzförmige Pfeilerbasiliken mit rechteckigem Chor und Querhaus.

Ein unbedibgtes "MUSS" ist bei einer Reise nach Burgund der Besuch des ehemaligen Klosters Cluny. Auch in Cluny sind nur noch Reste der einstmals größten Kirche der katholischen Christenheit - bis zur Erbauung des Petersdomes - erhalten.

Ein frommer Laie, der Herzog Wilhelm von Aquitanien, hatte 909 das Kloster Cluny gegründet und verfügt, dass "keine weltliche oder geistliche Macht auf die Geschäfte des Klosters Einfluss nehmen könne". Die Mönche von Cluny lebten unter Verordnung des strengen Abts Berno nach der Regel "arbeite, bete und lerne zu schweigen".

1088 legte der Abt Hugo den Grundstein für die dritte Kirche, 1130 wurde Cluny III von Papst Innozenz II. geweiht.

Der langsame Fall von Cluny setzte schon drei Jahrhunderte nach seinem Bau ein. Im Zuge der französischen Revolution wurde das Kloster 1790 schließlich aufgelöst und wenig später als Steinbruch an einen Privatunternehmer verkauft. Damit endete die Geschichte des stolzen Bauwerks.

Überlebt haben von Cluny III bis heute nur Reste von zwei Querschiffen und einige schöne Kapitelle, die zu den Meisterleistungen der romanischen Bildhauerkunst zu rechnen sind.

Von unserem Ausflug heute ist noch zu berichten, daß wir erstmals ohne Pullover laufen konnten, so warm war es geworden. Und so genossen wir auch die Autofahrt durch "das grüne Herz Frankreichs", wie wir Burgund für uns genannt haben. Viel Grün wechselt sich mit dem Gelb der Rapsfelder ab, Hügel mit Ebenen, Felder mit Wäldern voller weißer Charolais-Rinder (rechts).

Wir machen noch einen Abstecher zum 11 km von Cluny entfernten Taizé. Hier hat der Schweizer Theologe Roger Schutz vor über 50 Jahren ein Zentrum der Ökumenischen Bewegung gegründet; der Ort entwickelte sich zu einem Pilgerziel von Jugendlichen aus aller Welt.

Abends gab es dann ein gutes Essen im Restaurant de l'Auxois in Vandenesse (rechts), das von einem deutschen Ehepaar geführt wird. Sie haben uns gebeten, ihren Namen nicht zu nennen, aber daß das Essen und der Service vorzüglich waren, dürfen wir erwähnen. So gut, daß wir Pfingstsonntag wieder hingegangen sind!

Heute gab es Ragout fin mit Pastetchen bzw. gegrillten Lachs als Vorspeise, dann eine Kaninchenkeule, ein Dessert und eine Käseplatte. Dazu je eine Flasche Rot- und Weißwein. Und einen Spitzenservice! Bon Appetit!

Es regnet und ist stürmisch, als wir uns auf den Weg nach Vézelay machen, im burgundischen Hügelland, dem Morvan, gelegen. Und auch mit langer Geschichte, die schon Mitte des 9. Jahrhunderts beginnt. Benediktinermönche gründen ein Kloster, dessen Kirche 878 von Papst Johannes III. geweiht wird. Der Name von Vézelay, Rastort auf dem Jakobsweg, wird so berühmt wie Rom oder Jerusalem.

Uns interessiert heute die Basilika Sainte-Marie-Madeleine, die schon 1104 geweiht wurde. Die Erzählung sagt, daß die Einwohner Vézelay's damals so von Steuern überlastet waren, daß sie den Erbauer, Abt Artraud, ermordeten. (Sollten sich Steuererhöher heutiger Tage gut merken!)

Spass beiseite - die gewaltige Basilika ist ein Schmuckstück romanischer Kirchenbaukunst. Mit einer Vor- oder Pilgerkirche - dem sog. Narthex - , die auf dem untenstehenden Bild gut zu erkennen ist und in ihren Maßen dem ungeheuren Pilgerstrom damaliger Zeit angepasst war. Die Kapitelle sind ihrer architektonischen Funktion weitgehend entkleidet und zum Träger erzählerischer Reliefs geworden.

Das gewaltige Hauptportal (rechts) wird auch "Das Wunder von Vézelay" genannt. Die Szene auf dem Giebelfeld des Tympanon zeigt Pfingsten (Pentecoste) oder "Die Ausschüttung des Heiligen Geistes". Aber auch das Nord- und das Südportal haben sehenswerte Tympana.

Das Langhaus (links) besteht aus 10 Jochen und weist ein Tonnengewölbe auf, wie es für die Romanik typisch ist. Große Fenster im Geschoß über den Arkaden geben dem Raum Licht.

Der Chor (rechts) aus dem 12. Jhdt. wurde im 13. Jhdt. restauriert und ist mit seinen Spitzgewölben und Lanzettbögen stilistisch der frühen Gotik zuzuordnen.

Das Querschiff (Anfang 13. Jhdt.) und die Krypta aus karolingischer Zeit vervollständigen das Erlebnis dieser Kirche!

Auf dem Heimweg machen wir noch eine kurze Rast in Salieu und sehen uns die rein romanische und entsprechen düstere Kirche "St-Andoche" an. Und das Hotel, in dem Napoleon mal übernachtet hat.

Pfingstsonntag ist es heiß und wir fahren heute nach einem späten Frühstück mit Ei - schließlich ist ja Sonntag - entlang der Côte d'Or, auch "Route der Grand Cru-Weine" genannt. Sie erstreckt sich von Dijon in südlicher Richtung bis etwa Nuits St.-Georges, wo es später für uns den obligaten "Café au lait" gibt. Und die Kirche "St.-Symphorien". Mit einem Friedhof mit ausgefallenen Grabsteinen und -platten, auch Sarkophage sind zu sehen.

In Fixin gibt es ein Napoleon-Denkmal im Wald (Warum setzt man diesem Menschen, der doch soviel Zerstörung, Elend und Tod über Europa gebracht hat, nur überall Denkmäler ?). Da sehen wir uns lieber die älteste romanische Kirche der Region im Nachbarort Fixey an, die schon aus dem 10. Jhdt. stammt (rechts).

Zuhause ist dann für mich "Jour de Lavage" angesagt!

Beeindruckend fanden wir auch die Kathedrale "St. Lazaire" / "St. Lazarus" von Autun (unten links). Sie wurde im 12. Jahrhundert zu Ehren der Reliquien des "Heiligen Lazarus" im romanischen Stil errichtet. Im 15. und 16. Jahrhundert kamen gotische Stilelemente dazu.

Das Tympanon (rechts) vom Meister Gislebertus aus Vézelay zeigt Bilder des Jüngsten Gerichts. In der Mitte Jesus, neben sich die vier Jahreszeiten und die Tierkreiszeichen.


Da sieht man die Krallen des Teufels, der einen Verdammten ergreift, die Auserwählten auf dem Weg nach Jerusalem und Santiago-de-Compostela und daneben die Verdammten - den Geiz und die Unzucht.

Im Innern wieder Geschichten-erzählende Säulenkapitelle ohne Ende, ich kann sie hier unmöglich alle aufzählen. Zwei davon als Beispiele.

Links: "Der vierte Ton der Musik" oder "der Musikunterricht".

Rechts: "Moses und das goldene Kalb".

Autun besitzt auch noch zwei Stadttore aus römischer Zeit. Erstaunlich gut hat die Porte St.André (links) die Zeiten überdauert. Die Porte d'Arroux (rechts) hat ihren Namen nach dem gleichnamigen Fluß, der in der Nähe fließt.

Was fehlt uns denn jetzt noch auf unserem Besichtigungsprogramm? Richtig - Auxonne, diese "freundlich-provinzielle Kleinstadt" an der Saône östlich von Dijon. Ein heißer Tag ist heute, am 17. Mai, als wir uns dorthin auf den Weg machen.

Viel Interessantes bietet Auxonne nicht, einige gut erhaltene Befestigungsanlagen aus der Zeit Ludwig XIV. und das "Arsenal". Beide erbaut von Sebastian Le Pentre de Vauban (1633-1707), dem bedeutendsten Militärarchitekten unter Ludwig XIV. Im "Arsenal" (unten rechts) wurden damals Kanonenlafetten gebaut.

Die Pfarrkirche Notre-Dame (unten links) ist in ihrem heutigen Erscheinungsbild das Ergebnis einer mehr als drei Jahrhunderte umfassenden Baugeschichte. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts begann man mit dem Bau des Langhauses, dem im 14. und 15. Jahrhundert schmale Seitenkapellen angefügt wurden. An die schlichte Doppelturmfassade fügte ab 1516 Antoine le Rupt eine Vorhalle an, deren reiche Dekoration trotz der späten Entstehungszeit noch gänzlich dem Formenrepertoire der Spätgotik verpflichtet bleibt. Notre Dame in Auxonne

Jetzt müssen wir schon etwas längere Anfahrtsstrecken einplanen, um noch "Neuland" zu erkunden. So fahren wir heute über die A6 über Chalon-sur-Saône - früher ein Hafen der Gallier - und Tournus (sprich:Türnü, ohne "s") nach Mâcon.

In Chalon-sur-Saône ist es zwar sonnig, aber noch sehr kalt, ein etwa 1-stündiger Stadtrundgang reicht uns. Ausser einigen schönen Fachwerkhäusern (unten links) gibt es auch wenig zu sehen, die Kathedrale St. Vincent gibt auch nicht viel her, zumal innen gerade Bauarbeiten erfolgen und alles zugehängt ist.

Der Höhepunkt des heutigen Tages ist aber ganz klar die Stiftskirche St. Philibert in Tournus (unten rechts), die schönste romanische Kirche, die Christel und ich bisher überhaupt gesehen haben! Sie wurde schon Ende des 10. Jahrhunderts erbaut!


Zwischen zwei wuchtigen Rundtürmen der alten Befestigung tritt man vor die klar gegliederte, schlanke Fassade, die ganz ohne Figurenschmuck auskommt. Im Inneren, das man durch eine Vorkirche - den Narthex - betritt, dominiert die ruhige Kraft der aus behauenen Natursteinen aufgemauerten Säulen. Über den Säulen wölben sich einfache Gurtbänder und Quertonnen. Es gibt kaum Bauskulptur und nur noch ganz wenig bildnerischer Schmuck ist vorhanden.

Unser letztes Ziel heute - Mâcon - hat zwar (auch) eine keltische und römische Vergangenheit. Für uns waren nur zwei Dinge interessant: die Tonne (unten links) an der Résidence Soufflot, in die man früher unerwünschte Neugeborene legte (also eine frühe Babyklappe) und das Maison de Bois (unten rechts), das "Haus aus Holz", mit interessanten Schnitzereien an der Fassade.


Unsere Tage im Burgund neigen sich dem Ende zu. Für die letzten beiden Tage haben wir kein Ausflugsprogramm mehr gemacht. Lediglich ein Ausflug zum Canal de Bourgogne bei Velars-sur-Ouche und ein Spaziergang an dessen Ufer entlang. Begleitet von Skatern und Radfahrern, auch eine Segelyacht kommt "des Weges" und muss - per Handbetrieb - durch eine Schleuse. Gab also sogar noch etwas zu sehen.

Auf dem Heimweg dann, der uns nochmal durch das reizvolle Tal der Ouche führt, begegnen uns einige Radler-Gruppen. Es sind meist Kinder und Jugendliche, dazu Begleitpersonen und Polizei, die an gefährlichen Punkten den Verkehr regelt. Wir schätzen die Gruppe auf mindestens 1.000 Personen und staunen, weil die Schlange nicht aufzuhören scheint.

In Chatellenot, an unserem Häuschen angekommen, können wir dann in der prallen Sonne Kaffe trinken. Und am nächsten Tag, Freitag, dem 20. Mai, packen wir unsere Koffer, machen "klar Schiff" im Haus und rechnen mit Monsieur ab (für das Kaminholz berechnet er 9,66 €). Ein letzter Einkauf, noch einmal billig tanken und dann kommt unsere letzte Nacht in Chatellenot.

Nach einer herzlichen Verabschiedung von Madame und Monsieur und Austausch unserer e-mail-Adressen fahren wir bei bedecktem Himmel (es sieht nach Regen aus) - immer über die N6 - los Richtung Auxerre und Sens, wo wir auf dem Weg zur Loire Station machen wollen. Es sind die beiden letzten lohnenden Ziele im Burgund.

Erster Halt also in Auxerre, Parkplatz suchen und dann auf zum Stadtbummel. Historisch wurde die Stadt als römische Befestigung unter dem Namen Oppidum Autessiodorum gegründet. Die Siedlung war im Mittelalter merowingisches Besitztum und erst spät - 1223 - erhielt sie die Stadtrechte.

Die Kathedrale St. Étienne (links) ist fast ganz eingerüstet, ausserdem sind die Figuren an der Fassade stark beschädigt. Napoleons Truppen haben auch hier ganze Arbeit geleistet!

Schön sind die kanellierten Strebepfeiler im Innern, die sich "steinernen Halmen gleich" in die Kreuzgewölbe verzweigen (oben). Und auch die Glasmalereien im Chorumgang verdienen besondere Beachtung.

Den Höhepunkt aber bildet ein Fresko (links / rechts ein Ausschnitt) in der Krypta, welches Christus auf einem Schimmel reitend zeigt, von vier Engeln der Apokalypse - gleichfalls zu Pferde - begleitet. Eine zumindest in Frankreich einzigartige Komposition!

Auf unserem weiteren Stadtrundgang bei kühler Witterung und Wind kommen wir an malerischen Fachwerkhäusern (unten Mitte), dem kleinen Denkmal der Schriftstellerin Marie Noèl (1883-1967), dem Tour d'Horloge (Uhrturm, unten rechts) und dem munterbunten Denkmal für Cadet Roussel (1743-1807 / unten links) vorbei, der zu Lebzeiten für seine Streiche als Gerichtsdiener berühmt war.

Schwierig wird es dann für uns, wieder zu unserem Auto zu finden. Schließlich gelingt es aber doch und wir steuern unser nächstes Ziel an - Sens.

War Sens im Mittelalter als Sitz des Erzbistums sogar Paris übergeordnet, empfiehlt es sich heute seinen Besuchern damit, nur eine Stunde von Paris entfernt zu liegen. Ziel für uns war die Kathedrale St.-Étienne.

Den Auftrag zum Bau der Kathedrale gab Henri Sanglier, der damalige Erzbischof von Sens, um 1140. Dies sollte als Zeichen von Anspruch und Selbstgefühl gewertet werden. St. Etienne gehört neben St.-Denis in Paris zu den ersten frühgotischen Kirchenbauten Frankreichs. Auch an dieser Fassade hat der Bildersturm der Revolution schwere Schäden angerichtet.

Wir hingegen bauen nach einem kurzen Stadtbummel bei einem "Café au lait" auf dem windigen Platz vor der Kathedrale wieder auf und fahren ohne weiteren Aufenthalt über Orleans nach Beaugency, unserem Standort für die nächste Woche. Die Stadt liegt einige Kilometer südwestlich von Orleans an der Loire.

Es ist Samstag und somit Markttag in Beaugency. Wenn es auch schon 18.00 Uhr ist, so stehen doch noch alle Stände in den Strassen und auf dem Marktplatz in der Innenstadt. Und es gibt für uns keine Chance, zu unserem Hôtel de la Sologne (links) zu kommen. Also parken wir den Wagen, steigen aus und suchen es zu Fuß. Zum Glück ist uns ein baldiger Erfolg beschieden, wir holen das Auto, checken ein und beziehen unser Zimmer Nr. 10.

Das 2-Sterne Hotel hatte uns Familie Koch empfohlen und wir können Ihnen sagen, liebe Familie Koch, daß wir uns hier sehr wohlgefühlt haben - nach dem Motto: klein, aber fein! Und sauber, dazu ein ausreichendes "petit-déjeuner" am Morgen. Nur für einen Parkplatz mussten wir jeden Abend selbst sorgen. Aber da man es hier mit irgendwelchen Parkverboten sehr locker sieht, war das nie ein Problem.

Die Loire ist mit 1012 km Frankreichs längster Fluss. Sie entspringt im Zentralmassiv und mündet bei St. Nazaire in den Atlantik. Ihr ungezähmtes Flussbett mit den zahlreichen Sandbänken hat seine Ursprünglichkeit bewahrt.

Kulturhistorisch besonders interessant ist der Abschnitt zwischen Orléans und Nantes - und hier haben wir uns getummelt - mit einer Vielzahl prächtiger Schlösser und histo-rischer Städte.

Die liebliche Landschaft des Loiretales mit ihrem milden Klima wird zu Recht als "Garten Frankreichs" bezeichnet. Und wir haben uns vorgenommen, diesen "Garten" und seine Schlösser eine Woche lang zu erkunden. Christel kennt die meisten Schlösser schon von einer Studienreise, die Sie vor einigen Jahren gemacht hat und so habe ich einen kundigen Reiseführer "bei der Hand".

Zunächst aber einige Informationen über Beaugency. Jeanne d'Arc befreite die kleine Stadt 1429 von den Engländern. Die Protestanten steckten sie 1567 in Brand, 1944 wurde sie bombardiert. Heute nennt man sie "la ville fleurie du bord de Loire", die "Die Blumenstadt an der Loire".

Direkt vor unserem Hotel hat Jean d'Arc ein Denkmal bekommen (rechts). Stolz hält sie die Trikolore empor, ahnt sicher noch nichts von ihrem Ende auf dem Scheiterhaufen.

Das Beaugency eine Stadt mit langer Geschichte ist, merkt der moderne Auto-Tourist an den wahnsinnig engen Straßen der Innenstadt, die wiederum meist "Einbahnstraßen" und oft noch halb zugeparkt sind. Bei 30° eine oft schweißtreibende Angelegenheit, trotz Navi! Aber gerade durch diese engen Strassen mit ihrem Kopfsteinpflaster und den schönen alten Gebäuden bekommt die Stadt "Charme" und "Flair". Das Bild links unten zeigt einen malerischen Teil der Altstadt.

Und dann ist da natürlich die Loire, dieser mächtige, naturbelassene Strom, dessen Wasser fast träge dahinfließen. Oben rechts ist die mächtige Brücke über die Loire zu sehen, die mit ihren 22 Bogen die immense Breite des Stromes deutlich macht. Sie stammt schon aus dem 11. Jahrhundert !

Rechts ist der Tour César zu sehen. Dieser "Cäsar Turm" ist ein Wehrturm aus dem 11. Jahrhundert und war ein wichtiges Element der Festung von Beaugency. Heute überragt er majestätisch die Stadt und ist schon aus grosser Entfernung als Wahrzeichen zu erkennen.

Aber wir wollen uns ja einige der Loire-Schlösser ansehen, die es in dieser - in der Welt einmaligen - "Schloßlandschaft" zu bestaunen gibt. Unser erster Besuch gleich am 22. Mai, einem sonnigen Sonntag, gilt dem Schloß Chaumont (unten), das mit seinen Wehrtürmen am Eingang hoch über dem Loiretal und der Stadt thront.

Seine Anfänge reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück, die heutige Form erhielt es zwischen 1465 und 1475. Interessanter aber ist, das Katharina von Medici das Schloß 1560 erwarb und nach dem Tod ihres Gemahls, König Henri II. dessen Mätresse Diana de Poitiers zwang, sich von Chenonceau hierher zurück zu ziehen.

Dianas Initiale und Wappenschilder (rechts) sind allgegenwärtig.

Im Inneren des Schlosses, das wir auf eigene Faust besichtigen können, fallen große Kamine und herrliche Tapisserien an den Wänden auf. Diese Erfahrung sollten wir übrigens in den meisten anderen Schlössern auch machen.

Man betritt zunächst die Räume des Ostflügels und kommt dann - über den Hof - in den Westflügel mit dem "Großen Salon", dem "Billardsaal" ( hier wird auf flämischen Tapisserien aus dem 16. Jahrhundert. die Geschichte Hannibals dargestellt ), durch die "Bibliothek" zum "Speisezimmer" mit einem neugotischen Kamin. Auf dem die Wappen Karl's I. und Karl's II. prangen.

Die oberen Räume erreicht man über eine Wendeltreppe und kommt zunächst in den "Wachsaal", der oberhalb der Zugbrücke liegt und eine Sammlung von sog. "Blankwaffen" aus dem 16. - 18. Jahrhundert zeigt. Weiter geht es zu "Dianas Zimmer" und schließlich gelangt man durch den "Ratssaal" zum "Zimmer der Katharina von Medici". Die Kapelle und das "Ruggieri-Zimmer" beschliessen den Rundgang. Ruggieri, dem ständigen Astrologen der Katharina, stand die Turmspitze zur Beobachtung der Sterne zur Verfügung.

Geradezu berühmt sind auch die Pferdeställe von Chaumont (oben links der Raum für das Zaumzeug), die "ein Wunder an Luxus und perfekter Organisation" waren. Ich denke, viele Menschen haben damals nicht so komfortabel gewohnt! Erwähnen muss ich auch noch die gewaltigen Buchen, Kastanien und Zedernbäume im Park (oben rechts), die einige hundert Jahre alt sein dürften und die uns mächtig beeindruckt haben !

Und so voller erster Eindrücke fahren wir weiter nach Amboise. Wo wir uns das Schloß (rechts) nur von aussen ansehen, dafür aber durch das reizvolle Städtchen mit seinen engen Gassen bummeln. Es ist sonnig warm und wir setzen uns in ein Straßencafé zum "au lait".

Geschichtlich markiert Amboise, die Lieblingsresidenz von Charles VIII. (1470-98) die Geburtsstunde der "Renaissance" in Frankreich. Der König lernte diese neue Stilrichtung bei seinem Italienfeldzug 1494/95 kennen und brachte die ersten Künstler und Architekten mit in seine Heimat. Er starb zwar jung mit nur 28 Jahren, aber sein Sohn, Francois I., führte die Bauarbeiten zu Ende.

Unten gibt es einen Blick in die königlichen Gemächer. Links der "Ständesaal" im Stil der Spätgotik, rechts das sog. "Renaissancezimmer".


Danach schauen wir uns noch Leonardo da Vincis letzten Aufenthaltsort, das Schlösschen Le Clos Lucé (rechts), an. Franz I. hatte es ihm zur Verfügung gestellt, nachdem er dieses große Genie des 16. Jahrhunderts davon überzeugt hatte, seinen Lebensabend am französischen Hof zu verbringen.

Zwei seiner für die damalige Zeit ungewöhnlichen Erfindungen sind unten zu sehen: links "Das Maschinengewehr" und rechts "Das radbetriebene Schiff".

Den Höhepunkt unseres heutigen ersten Tages an der Loire stellte ohne Zweifel der Besuch des Schlosses Chenonceau, auch das "Damenschloß" genannt, dar. Zunächst hatte König Henri II. es seiner offiziellen Geliebten, Diana von Poitiers geschenkt. Aber nach seinem Tod verlangte es seine Gemahlin, Katharina von Medici von dieser zurück und bewohnte es bis zu ihrem Tode.

Das Schloß liegt am ruhigen Lauf der Cher inmitten eines großen Waldes. Dieser Lage, aber auch dem Zusammenspiel von Architektur, natürlicher und Kulturlandschaft mit ihren Terassen, auf optische Effekte ausgerichteten Gartengestaltung mit Wasserspielen und Zierpflanzen, verdankt es seinen Zauber.

Eine große Menschenmenge wälzt sich durch die Platanenallee vom Eingang zum Schloß und dann auch drinnen in den Räumen ziemliche Enge. Und ein babylonisches Sprachengewirr, dazu die Blitze der Kameras. Wir müssen uns unseren Weg regelrecht "erkämpfen".

Aber die Mühe lohnt sich, die Einrichtung der Zimmer mit flämischen Gobelins an den Wänden, mächtigen Kaminen - man hatte es wohl gerne warm - und gemütlichen (?) Himmelbetten ist sehenswert. Auch Katharinas Sterbezimmer mit seiner schwarzen Tapete (rechts) und dann natürlich die "Große Galerie", die die Cher überspannt.

Und immer wieder Dianas Initiale und die Wappentiere der französischen Könige: Salamander und Hermelin (rechts). Links die "Italienische Treppe".

Es gäbe noch viel zu berichten und in Bildern zu zeigen, aber der Bericht soll ja auch noch unsere anderen Ziele nennen. Für heute also nur noch soviel, daß wir auf dem Rückweg einen riesigen Salatteller in Amboise gegessen und dann von Frank per SMS erfahren haben, daß NRW ab heute "schwarz" regiert wird. Die Leute werden nicht klug!!

Wir spulen unser Programm weiter ab und fahren am nächsten Tag Richtung Tours. Erstes Ziel ist Langeais mit seinem wehrhaften Schloß (unten rechts) aus grauen Quadern, das von 1465 bis 1467 erbaut wurde. Hier wurde 1491 die Hochzeit von Charles VIII. mit Anne de Bretagne gefeiert. Die Zeremonie ist im Obergeschoß des Schlosses mit Figuren nachgestellt und wird - leider nur in französischer Sprache - erklärt.

Die festesfrohe Renaissance der Innenräume mit ihren Wandbehängen, Tapisserien und Kaminen, die einen guten Eindruck vom Schloßleben des 15. Jahrhunderts vermittelt, stellt einen deutlichen Kontrast zum militärisch wirkenden Äusseren des Schlosses dar.

Vom Wehrgang, der die gesamte Aussenfront umzieht, bietet sich ein schöner Blick auf die Dächer von Langeais. Ein kleiner Garten (unten links) stellt die Verbindung zu den Resten der ersten Burg aus dem 10. Jahrhundert her.

Warm ist es heute Mittag, richtig heiß. Wir wollten eigentlich über die Loirebrücke bei Langeais, um nach Villandry zu gelangen. Aber die ist wegen Bauarbeiten gesperrt und mit den Umleitungen ist das in Frankreich so eine Sache. Die Beschilderung ist mit dem, was wir in Deutschland gewohnt sind, nicht zu vergleichen.

Schließlich kommen wir aber doch in Villandry, diesem "Schloß der Gärten im Garten Frankreichs" an. Zu bestaunen gibt es hier den Ziergarten, den Wassergarten, den Heilkräutergarten und den Gemüsegarten.

Im Ziergarten sind in den Quadraten (links) vier Spielarten der Liebe symbolisiert. Von links oben im Uhrzeigersinn:

  • Die zärtliche Liebe
  • Die leidenschaftliche Liebe
  • Die unbeständige Liebe
  • Die tragische Liebe



  • Nach dem Rundgang durch die einzelnen Gärten, wobei wir immer wieder bewunderten, wie exakt die Hecken beschnitten und wie gepflegt und unkrautfrei die Beete waren, ging es am Schloß vorbei (rechts) wieder hinaus. Im Ort sahen wir uns noch die kleine romanische Kirche an und da sich der Himmel verdunkelt und es nach Regen aussieht, sehen wir zu, das wir zur letzten Station für heute kommen, nach Tours.

    Die Parkplatzsuche gestaltet sich hier richtig abenteuerlich, weil aber auch jedes Fleckchen Strassenrand zugeparkt ist. Schließlich finden wir ein Parkhaus und können unseren Stadtrundgang beginnen. Zunächst zur Touristinfo, Stadtplan holen (Christel ist schneller als ich), dann zur gotischen Kathedrale St. Gatien (links), mit ihren je 70 m hohen Türmen.

    Der Bau der Kathedrale hat fast vier Jahrhunderte gedauert, vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Meisterwerk der gotischen Architektur. Trotz der unterschiedlichen Baustile, die die lange Bauzeit mit sich gebracht hat, präsentiert sich die Kathedrale als ein in sich geschlossener Baukörper.

    Berühmt sind die herrlichen Glasfenster im Chor und in den Fensterrosen. In der ersten rechten Chorkapelle liegt das Renaissance-Grabmal der Kinder von Charles VIII. und Anne de Bretagne (unten rechts).

    Die Krypta schauen wir uns noch an - nichts Besonderes, nur dunkel und kalt - und der Kreuzgang ist eine einzige Baustelle. So entschließen wir uns, gleich weiter zu gehen zum Place Plumereau (unten links), dem Mittelpunkt von ALT-Tours.

    Ein Platz voller Leben, viele junge Menschen - wir tippen auf Studenten. Auch wir relaxen und geniessen die warmen Sonnenstrahlen. Ein Restaurant neben dem anderen, aber zum Glück auch ein Geldautomat, ich muss "Geld fassen". Nur eine Bäckerei, um ein "Brioche" zu erstehen, müssen wir lange suchen. Bis zum Abendessen ist es noch lange hin.

    Bei der Ausfahrt aus dem Parkhaus etwas Probleme mit dem Bezahlen, schließlich gelingt es aber doch und wir fahren nach Blois, finden dort ein nettes Restaurant unter Platanen und das Menü zu 18,- € mit Lachs-Rilette, Steak mit Pommes und süßer Nachspeise versöhnt uns mit den Anstrengungen des Tages.

    Schloß Cheverny (obne rechts), welches wir am nächsten Tag ansehen, ist ein reines Wohnschloß, inmitten eines schönen Parks gelegen. Die Stileinheit und Harmonie dieses "Herrensitzes" ist eine Folge der kurzen Bauzeit von 1626 bis 1634. Und da das Schloß ununterbrochen in Familienbesitz blieb, fehlt ihm jedwede museale Sterilität. In den Einrichtungen der Räume könnten wir uns sofort heimisch fühlen und darin leben. Die beiden Bilder unten geben einen kleinen Eindruck davon. Der HB-Atlas meint dazu: "Mit der gepflegten Innenausstattung könnte man ganze Auktionen sprengen" - wohl wahr!

    Natürlich schauen wir uns noch die Meute der 80 Jagdhunde in ihrem Zwinger an, die den heutigen Schloßbesitzer als begeisterten Jäger ausweisen.

    Auf unserem Weg nach Blois, unserem zweiten Ziel heute, wollen wir uns Schloß Beauregard ansehen, ging aber nicht, weil alles abgeriegelt war. Also gleich weiter nach Blois und dort zuerst zum Schloß (unten).

    Die Front des Schlosses von der "Place du Château" ist 1498-1503 im Stil der späten Gotik erbaut worden. Über dem Portal ein Reiterstandbild von Ludwig XII. (links), der diesen Flügel erbauen ließ. Beim Betreten des Innenhofes imponiert auf der rechten Seite das vorspringende Treppenhaus - eine der schönsten Nachempfindungen der italienischen Renaissance in Frankreich (oben rechts).

    Unser Rundgang führte uns dann erst in den "Ständesaal" im nordwestlichen, unter Franz I. entstandenen Flügel. In diesem befanden sich auch die Gemächer der Katharina von Medici. In ihrem Arbeitszimmer (rechts) geben die hinter geschnitzten Täfelungen erhaltenen Geheimschränke die Frage auf: Hat sie hier auch Gift aufbewahrt?

    Und immer wieder sind die Wappentiere der Königshäuser zu sehen; der Salamander von Ludwig XII. und das Hermelin der Anne de Bretagne. Dazu die drei Lilien als die Wappenblume Frankreichs (unten links).

    Uns fallen hier wie auch in anderen von uns besuchten Schlössern die vielen Gruppen oft kleiner Schulkinder auf, wie sie fast andächtig den Erklärungen ihrer Lehrerinnen und Lehrer lauschen. Wir denken, sie werden so schon früh an die Geschichte ihres Vaterlandes herangeführt.

    Schließlich rundet der Blick auf die stadtseitige, etwas abweisend wirkende Loggienwand (oben rechts) unseren Besuch ab. Wir sehen uns dann noch die Kathedrale Saint-Louis aus dem 17. Jahrhundert und das Denkmal des Erfinders des Druckkochtopfes, des Mathematikers Denis Papin (1647-1712) an, bevor wir im Restaurant "Zu den drei Schlüsseln" unser abendliches 3-Gänge Menü bestellen.

    Und dann ist für uns "Bergfest" in Beaugency, Halbzeit dieser letzten Woche in Frankreich. Für heute haben wir uns einen besonderen "Leckerbissen" vorgenommen, Schloß Chambord.

    Eingebettet in ein Waldgebiet von 6.500 ha (!) und umgeben von einer 32 km langen Mauer wurde dieses Schloß von Franz I. und seinen Nachfolgern mit riesigem Aufwand an den Rand der "Sologne" gestellt. Und obwohl es nie ganz fertig wurde, stellt es eine überwältigende Sehenswürdigkeit dar!

    "Chambord ist zweifellos das imposanteste der Loire-Schlösser, kein anderes übertrifft es an Größe, Phantasie und Extravaganz. Mit seinen zahllosen Türmen und Türmchen, Aufbauten, Dachluken und Kaminen gleicht es einem steingewordenen Traum" - dem Polyglott-Reiseführer können wir voll und ganz zustimmen.

    Tausende von Besuchern aus -zig Nationen, eine Armada von Bussen, Caravans und PKW auf dem Parkplatz - die 27° heute halten die Leute - wie auch uns - nicht von einem Besuch ab. Und ein Heer von Schulklassen. Trotzdem kommt in dem riesigen Gebäude kein Gefühl der Enge auf.

    Für den Rundgang nehmen wir uns viel Zeit, erst außen, dann innen. Es öffnen sich immer wieder neue Blicke - kein Wunder bei 84 Treppen und 440 Räumen. Gleich im Eingangsbereich bewundern wir die doppelläufige Treppe - von Leonardo da Vinci entworfen - deren Doppelspirale ( unten links ) so konzipiert ist, daß Hinauf- und Heruntersteigende einander nicht begegnen müssen. Einfach genial!

    Aber auch ein wunderschöner Kachelofen aus "Saxen" (rechts), wieder flämische Gobelins und einige Himmelbetten - die Einrichtung der Räume ist eher karg zu nennen, aber doch sehenswert. Auch eine, zwar gänzlich schmucklose, Kapelle fehlt nicht.

    Und auch hier hat sich Napoleon unrühmlich hervorgetan - er hat das ursprüngliche Blei des Daches zu Musketenkugeln gießen lassen.

    Lasset ihn hochleben!

    Nach 2 Stunden haben wir uns unseren Kaffee verdient, ein "Biergarten" lädt dazu ein. Und danach machen wir noch einen Spaziergang um das Schloß herum, durch ein Wäldchen. Und stellen fest, daß das Gebäude auch von der Rückseite genauso imposant wirkt, wie von vorne.

    Auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher zu dem kleinen Wasserschloß Villesavin (links), das der königliche Rat und Bauaufseher von Chambord, Jean le Breton 1537 für sich erbauen ließ.

    Jetzt haben wir die meisten westlich gelegenen Orte und Schlösser gesehen. Richten wir also unseren Blick nach Osten und da bietet sich Sully-sur-Loire (rechts) mit seinem Schloß an. Also nix wie hin, auch wenn heute stramme 30° zu erwarten sind - und heute auch erreicht werden. Eine mittelalterliche Festung, ein Wasserschloß vom Ende des 14. Jahrhuderts erwartet uns. Einst Wohnsitz der Herzöge von Sully

    Der Rundgang bietet nicht viel, die meisten Räume werden erst hergerichtet. Interessant aber die "Große Bodenkammer", mit einem in Schiffsrumpfform gewölbten Gebälk aus Eichenholz (andere Quellen sprechen von Kastanienholz). Vor 600 Jahren mit dem Holz aus den Wäldern von Cerdon und Orleans errichtet. Ein wahres Meisterwerk der Zimmerleute von damals, ist doch die Decke bis heute in ihrem Urzustand erhalten!

    Nach einer Pause und einem Salatteller fahren wir weiter zu der kleinen Klosterkirche St.-Benoit-sur-Loire (links), die zwischen 1067 und 1218 erbaut wurde. In der Krypta ruhten (früher) seit 672 die Gebeine des Benedikt von Nursia (Benoit), dem Verfasser der "Benediktregel". Eine schöne, gepflegte romanische Kirche, mit einzigartigem Portalturm und Bibelgeschichten erzählenden Kapitellen (unten).

    Um 14.00 Uhr hören wir den gedämpften Gesang der Mönche zur "None", leider nur aus der Krypta. Mönche gibt es hier wieder seit 1944.

    In Germigny-des-Pres schließlich besuchen wir noch die älteste Kirche der Region (unten links) aus der Zeit Karl's des Großen. Natürlich eine romanische Kirche, erbaut um 806 für Theodulf, Bischof von Orleans und Abt von Saint-Benoit. In der Kalotte der Apsis ist ein kostbares Mosaik zu bewundern, welches die "Weltordnung" darstellt (rechts).

    So - diese Fahrt nach Sully-sur-Loire war nun unwiderruflich unser letzter Ausflug hier an der Loire. Am letzten Tag in Beaugency gibt es kein Programm mehr, wir relaxen und packen natürlich unsere Koffer. Paris haben wir schon vor einigen Tagen "gecanzelt" - Christiane hat das für uns erledigt - denn bei 30° wollen wir uns diese Großstadt nicht mehr antun.

    Nach Einkauf und Tanken bei "Intermarché" machen wir einen ausgedehnten Spaziergang an der Loire entlang. Staunen immer wieder, wie gewaltig breit dieser Strom ist. Und an diesem letzten Abend hier finden wir doch tatsächlich ein Restaurant, wo wir wirklich gut und durchaus preiswert gegessen und getrunken haben. Und nach dem Motto. "Ende gut, alles gut" versöhnt uns das mit den schlechten Erfahrungen der letzten Tage - was Essen-gehen in Beaugency betrifft. Notre Dame de Reims

    Nach einem letzten petit-déjeuner fahren wir pünktlich um 9.00 Uhr los. Zunächst über die A 10 Richtung Paris, dort auf die N 104 - was auf der ADAC-Karte einfach aussieht, in der Realität aber trotz Navi Nerven kostet. Die haben wir nach 3 Wochen Urlaub und schwupp sind wir auf der A 4 Richtung Reims. Und da sehen wir uns natürlich erst noch die Kathedrale an.

    Die Kathedrale Notre-Dame de Reims (rechts) gilt als eine der architektonisch bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs und Reims blieb vom 12. bis zum 19. Jahrhundert die Stadt, in der die französischen Könige gekrönt wurden, insgesamt 25; von Ludwig dem Löwen im Jahre 1223 bis Karl X. 1825. Die Kathedrale zählt seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe.

    Reims hat eine Jahrhunderte lange, bewegte Geschichte. Die Stadt hieß während der Keltenzeit zunächst Durocortorum, nach der Eroberung durch die Römer wurde es in Civitas Remorum umbenannt. Reims stand über Jahrhunderte im Zentrum europäischer Geschichte. Um 401 wurde von Saint Nicasus eine Kirche erbaut, in der um 498 Chlodwig I. getauft wurde. Der Chor

    Im 8. Jahrhundert traf sich der fränkische König Pippin der Jüngere in Reims mit Papst Stephan III. und später Papst Leo III. mit Karl dem Großen.

    816 fand die erste Krönung in Reims statt, als der Franke Ludwig der Fromme von seinem Vater Karl dem Großen schon zu dessen Lebzeiten zum Mitkaiser ernannt, nach Karls Tod von Papst Stephan IV. dort noch einmal zum Kaiser gekrönt wurde.

    Im 10. Jahrhundert war der Erzbischof Adalberon maßgeblich daran beteiligt, dass die französische Regentschaft vom Haus der Karolinger auf die Kapetinger überging.

    Wir hätten uns gerne länger in Reims aufgehalten, mussten aber schon ziemlich lange warten, um überhaupt in die Kathedrale reinzukommen. Es war heute Firmung und einige hundert Menschen strömten aus dem Portal hinaus. Für uns hieß das also warten und so blieb nur noch wenig Zeit für die Stadt.

    Denn wir mussten ja weiter, über Verdun und Metz, an Saarbrücken vorbei nach Bad Dürkheim. Hier haben wir im MERCURE-Hotel übernachtet - mit Vorkasse!!

    Es war über 30° warm und so konnten wir uns abends in einem lauschigen Weinlokal zu netten Leuten aus Mannheim an den Tisch setzen. Und endlich wieder in unserer Muttersprache ein Abendessen und den Wein bestellen. Tat das Gut !

    Es wurde ein richtig schöner und langer Abend, mit unseren Tischnachbarn verstanden wir uns auf Anhieb, sozusagen "gleiche Wellenlänge". Und mit Erzählen und einigen derben Witzen verging die Zeit wie im Fluge.

    Am nächsten Morgen gab es ein phantastisches Frühstück im Hotel, die Auswahl war riesig und wir mussten uns regelrecht zurückhalten.

    Wir sehen uns noch das Bad Dürkheimer Riesenfass an, kaufen 4 Flaschen Pfälzer Wein und dann geht's über die A 6 nach Dechsendorf zu Conny und Frank. Mit den Beiden ging's dann abends ins Biergärtle und dort gab es ein "Steak vom heißen Stein" mit Folienkartoffel und eine gehaltvolle Weinschorle. Und es wurde wieder ein langer, abwechslungsreicher Abend. Bis wir gegen Mitternacht in unser Hotel nach Adelsdorf fuhren.

    Montags erkundeten wir dann noch Erlangen und die drei Outlet-Center (Adidas, Puma und ein freies Center) in Herzogenaurach. Kauften natürlich auch etwas und abends sind Conny und Frank dann zu uns ins Hotel zum Abendessen gekommen. Und da wir alle vom Vortag noch etwas müde waren, wurde es heute nicht mehr so spät.

    Die Heimfahrt am Dienstag, dem 31. Mai war problemlos. Christiane hatte sich zur Begrüßung Königsberger Klopse gewünscht, die es dann auch gab. Und dazu viel zu erzählen von unserer

    Reise nach Burgund und an die Loire.