5 Cornwallreise

Studienreise durch Cornwall

Vom 1. bis 10. September 2004

Autor: Klaus Donndorf

Cornwall, die Landschaft aus Granithügeln und Felsenküste zwischen dem River Tamar und Land's End im äußersten Westen Südenglands bedeutet eine Zeitreise durch viele Epochen. Aber schon die Städte auf dem Weg dorthin, von Dover aus, wo man normalerweise - vom Festland kommend - englischen Boden betritt, atmen Geschichte.

So sind die Domstädte Canterbury, Salisbury oder Exeter mittelalterlich geprägt. Und die keltische Festung Tintagel, der legendäre Geburtsort von König Artus, sowie die geheimnisvolle Kultstätte Stonehenge entführen den Besucher in das Reich der Mythen. Es ist aber auch die Region, die wir modernen, fernsehgebildeten Zeitgenossen durch die Rosamunde - Pilcher - Romanverfilmungen kennen. Und genau diese Eindrücke hatten uns auf Cornwall neugierig gemacht.

Als dann die Diakonie Unna eine Reise hierher anbot, stand unser Entschluß schnell fest - die machen wir mit! Selbst wenn wir mit einem Bus reisen mussten.

Die obige Karte zeigt unser Reisegebiet in Südengland, von Dover über Winchester und Plymouth bis zum "Lands End", der südwestlichsten Stelle Englands.


Mittwoch, 01. September

Um 4.30 Uhr Sommerzeit hieß es für uns aufstehen, denn schon um 5.45 fuhr Heiner, unser Busfahrer, in Unna los. Im Bus saßen nur 25 Personen, obwohl dieser für 50 Fahrgäste ausgelegt war. Wir hatten also reichlich Platz - und "das war auch gut so". Etwas Bewegungsfreiheit tut auf einer längeren Busreise schon Not.

Es ging über die A 2 und A 40 , über Holland und Belgien nach Calais, wo wir pünktlich um 13.30 Uhr - nach nur einer Pause an der Autobahn (unten), diese aber mit Kaffee und Kuchen - von Jutta, unserer Reiseleiterin selbst gebacken - ankamen.

Ziemlich umständliche Passkontrolle der Engländer in Calais - sind wir nicht alle in der EU ? - aber dann verschwand unser Bus doch noch im Bauch der Fähre und eine stürmische, 75 - minütige Überfahrt begann. Doch schon bald tauchen die berühmten White Cliffs of Dover (rechts) am Horizont auf und kommen schnell näher.


In Dover steigt Geoffrey, unser englischer Reisebegleiter, zu. Wirkt gleich "very british" in Habitus, Gestik und Ausdrucksweise, an die wir uns etwas gewöhnen müssen. Er spricht aber sehr gut deutsch, was sich im Verlauf der Reise als großes Plus herausstellen wird. Hat ausserdem Ahnung und einen trockenen, aber liebenswerten englischen Humor.

Ein erster Photostop an der Burg von Dover, dem "Dover Castle". Die Burg kann auf eine fast 2.000 - jährige, gut dokumentierte Geschichte zurückblicken. Und wenn ein Engländer nur noch ein einziges Geschichtsdatum aus seiner Schulzeit im Gedächtnis behalten hat, dann ist das der 14. Oktober 1066. Das Datum der Schlacht von Hastings, in der der Normanne Wilhelm der Eroberer (1066 - 87) den englischen König Harold II. (1066) besiegte.

Soviel zur Geschichte der Burg Dover Castle:

Die Burg Dover Castle liegt bei der Stadt Dover und wurde dank ihrer historischen verteidigungstechnischen Bedeutung als »Schlüssel zu England« beschrieben. Die Burg gilt als eine der interessantesten Festungsanlagen Großbritanniens. Die Wehranlage wurde immer wieder aus- und umgebaut. So erweiterte sie zuerst Wilhelm der Eroberer 1066.

Wilhelm der Eroberer (William the Conqueror) wurde 1027/28 in Falaise (Normandie/Frankreich) geboren; er starb am 9. September 1087 im Kloster Saint-Gervais bei Rouen Frankreich). Er war ab 1035 als Wilhelm II. Herzog der Normandie und regierte ab 1066 als Wilhelm I. das Königreich England.

Gleich nach der Schlacht von Hastings baute er einen mächtigen Wohnturm innerhalb der Burganlage. Dieser heutige Mittelpunkt ist ein Turm mit einer quadratischen Grundfläche von 30 x 30 m und 29 m Höhe. Die Wände sind bis zu 6,40 m stark.

Heinrich II. Plantagenet wurde 1133 in Le Mans geboren; er starb am 6. Juli 1189 in Chinon. Heinrich war Herzog der Normandie und von Aquitanien, Graf von Anjou sowie von 11541189 König von England und beherrschte zeitweise auch Wales, Schottland, das östliche Irland und das westliche Frankreich.

Er erbaute zwischen 1168 und 1188 den inneren Burgwall und begann auch den Bau des äußeren Burgwalls, der heute eine Länge von fast anderthalb Kilometern hat. Durch die Weiterentwicklung der Artillerie wurden noch zwei Mal größere Umbauten notwendig. Das erste Mal zur Zeit der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege (1792-1815) und danach im Zweiten Weltkrieg.

Unser nächstes Ziel war Canterbury und hier die, das Stadtbild bestimmende, Kathedrale (rechts). Sie ist für die Anglikaner das, was der Petersdom in Rom für die Katholiken ist.

Dieses üppig ornamentierte Gotteshaus entstand in mehreren Bauphasen zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert. Und so mischen sich hier - aussen deutlich zu unterscheiden - romanische und gotische Stilelemente. Der Innenraum weist mit seinen hohen Bündelpfeilern, den Gewölbeformen sowie Unter- und Obergaden mit Triforium die für die Gotik typischen Stilmerkmale auf.

Innen zeigt eine schlichte Kerze die Stelle, wo Thomas Becket 1170 auf Befehl Heinrichs II. ermordet wurde. Sein Grab wurde 1538 auf Geheiß Heinrich's VIII. zerstört. Und wir sehen das Grab des "Schwarzen Prinzen" - Edward, Prince of Wales (1330-76). Er wurde wegen seiner schwarzen Rüstung so genannt.
Portal Buttermarket Gotisches Gewölbe

Hier sei ein kleiner Ausflug in die Kunstgeschichte erlaubt:

Die englische Gotik beginnt etwa mit dem Bau des Chores von Canterbury 1175 - 84 durch Meister Wilhelm von Sens. Und sie "endet" - weil sie eigentlich nie ganz aufgehört hat - nach 375 Jahren um 1550.

Ihre zeitliche Einteilung in Phasen wurde schon 1817 durch Thomas Rickman initiiert. Was unter Kunsthistorikern zu regelrechten "Glaubenskriegen" geführt haben soll.

Nach Rickman gibt es drei Stilepochen: Early English ( 1200-1300 ), Decorated ( 1300-1380 ) und Perpendicular Style ( 1380-1500 ). Danach folgt derTudor Stil bis 1550.

Genug der Kunstgeschichte.



Donnerstag, 02. September

Übernachtet haben wir in Ashford - nein, nicht das "on Avon" - und da ich die 1 - stündige Zeitverschiebung (nach hinten) bei meinem Handy nicht berücksichtigt habe, stehen wir schon um 7.00 statt erst um 8.00 Uhr vor dem Frühstücksraum. Der natürlich noch verschlossen war. Dann gab es aber ein "Englisches Frühstück", mit Rühr- oder Spiegelei und Schinken, Würstchen und gegrillten Tomaten und Bohnen. Gewöhnungsbedürftig für uns.

Erstes Ziel ist heute Salisbury, mit seiner Kathedrale (links), die eine der schönsten in England ist. Ihr 123 m hoher Vierungsturm (oben) ist der höchste Kirchturm Englands. Ungewöhnlich ist die kurze Bauzeit von nur 38 Jahren, von 1220 bis 1258. Dadurch wurde sie aber im reinsten "Early English - Stil" erbaut.

Im Kapitelsaal sehen wir eines der drei noch erhaltenen Exemplare der "Magna Charta" (hinter Glas), jenen Freibrief, der von Johann Ohneland (1199 - 1216) am 19. Juni 1215 unterzeichnet worden ist. Er verbriefte grundlegende politische Freiheiten des Adels gegenüber dem englischen König.

Im Kapitelsaal gibt es außerdem noch einen beeindruckenden, umlaufenden steinernen Wandfries (oben). Auf ihm sind Skulpturen dargestellt, die Geschichten aus dem ersten und zweiten Buch Mose erzählen - von Adam und Eva, dem Brudermord, der Arche Noah bis hin zum Turmbau von Babel.

Wunderschön ist auch der Kreuzgang (links) aus dem 13. Jahrhundert - und das, obwohl es hier nie Mönche gab.

Der Bereich rings um die Kathedrale wird The Close genannt. Hier stehen urige alte Häuser und es gibt schöne, gepflegte Rasenflächen. Sehenswert davon - für uns aber nur von aussen - ist noch Mompesson House (rechts).

Und weiter ging es zum absoluten Höhepunkt des heutigen Tages - nach Stonehenge (Kasten unten), dieser uralten Kultstätte.

Soviel zur Mystik von Stonehenge:

Ihr Ursprung wird rund 3000 (!) Jahre vor Christus angenommen. Sie ist in drei Bauphasen in der Zeit von etwa 3000 bis 1500 v.Chr. entstanden.

Über den Zweck der Anlage gibt es einige Vermutungen. Ich halte mich mal zurück mit Spekulationen und nenne sie "kultisch". Sie hat in irgendeiner Weise mit der Sonne zu tun. Die Ausrichtung entspricht jedenfalls der Bahn der Sonne zur Sommersonnenwende. Vielleicht handelt es sich um eine Art Kalender. Letztlich wissen wir es einfach nicht.

Und die Zahl der Spekulationen hat sich durch merkwürdige Skelettfunde in letzter Zeit nicht eben verringert.


Wir fuhren weiter nach Glastonbury und dort zu den Resten der mit 177 m Länge einst größten Kathedrale Englands - Glastonbury Abbey. Die Marienkapelle - Ladys Chapel - ist noch recht gut erhalten (links unten). Das Bild unten rechts zeigt einen Blick zu den Resten des ehemaligen Mittelschiffes.

Links ist Abbott's Kitchen - die Küche des Abtes - mit ihrem mächtigen Rauchabzug zu sehen. Eine ähnlich groß dimensionierte Küche mit ebensolchem Rauchabzug haben wir voriges Jahr in Avignon beim Papstpalast gesehen.

Rechts ein Bild von der Stelle in der ehemaligen Vierung, wo sich angeblich die Gräber von König Artus und seiner Gemahlin Guinevere befinden sollen.
Zur Geschichte des Klosters Glastonbury:

Glastonbury Abbey ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner bei Glastonbury in der Grafschaft Somerset. Über die Gründung des Klosters gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Im früheren Mittelschiff - etwa in Höhe der Vierung - befindet sich das Grab von König Artus und seiner Gemahlin Guinevere (rechts).

Joseph von Arimathaea und einige Jünger sollen das Kloster nicht lange nach der Kreuzigung anno Domini 37 gegründet haben. Zum Zeitpunkt seiner Ankunft war Glastonbury aber schon ein lange etablierter Hort der Gelehrsamkeit, eine Schule der Druiden. Die Druiden kannten Joseph offenbar und respektierten ihn, denn sie gaben ihm Land, die "Twelve Hides" (zwölf Häute), um seine Kirche darauf zu erbauen."

Das Kloster Glastonbury war das letzte Kloster, das von Heinrich III. geschlossen wurde, als er die Engländer gewaltsam zur Anglikanischen Kirche konvertierte.


Freitag, 03. September

Übernachtet wurde in Street, einer kleinen Stadt, die einen gewissen Bekanntheitsgrad dadurch bekommen hat, das hier früher die CLARK - Schuhe hergestellt wurden (bis man die Produktion in Billiglohnländer verlegte!). Für uns stand heute zunächst die Besichtigung einer Cidre - Farm auf dem Programm. "Cidre" ist ein Apfelwein, der in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen hergestellt wird. Er ist eine Besonderheit der hiesigen Region.

Hoch auf dem "grünen Wagen" (unten links) ging es durch die Apfelbaum - Plantage. Aber die hier geernteten Äpfel sind ausschließlich zur "Cidre"-Herstellung geeignet und man sollte sie besser nicht essen, weil viel zu sauer. Anschließend ging's zur obligaten Verkostung. Jutta, Christel und Klaus probierten selbstverständlich auch (unten rechts), Heiner war eisern - Respekt!

Das Wetter macht uns etwas Angst, der Himmel bezieht sich mit dunklen Wolken. Aber im weiteren Tagesverlauf verziehen sich diese wieder und die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel. Während wir weiter fahren nach Exeter, dieser alten Stadt an der Exe.

Im letzten Krieg wurde die Stadt von deutschen Bomben stark zerstört, aber die Kathedrale St. Peter wurde zum Glück verschont. Und so präsentiert sie sich uns im reinen "Decorated Stil", wurde sie doch zwischen 1270 und 1369 erbaut.

Ist die mit unzähligen Skulpturen geschmückte Westfassade (rechts) auch leider stark verwittert, so entschädigt uns das Innere von St. Peter (unten links).

Ein heller, weiter Raum mit dem längsten ununterbrochenen gotischen Gewölbe der Welt! Es wurde 1369 fertiggestellt und weist alles auf, was gotische Gewölbebaukunst zu bieten hat: Längs- und Querrippen, Tierceronrippen und Liernen - überwältigend !

Eimalig sind auch die vielen farbigen Schlußsteine. Einer von Ihnen zeigt die Ermordung Thomas Beckets (unten).

Das bunte Fenster der Westseite mit der großen Rosette wirkt besonders, wenn die Sonne die Farben zum Leuchten bringt (links).

Der Lettner (rechts) zeigt 13 Bilder mit Szenen aus dem Alten Testament. Darüber sieht man die gewaltige Orgel.

Nach einem Stadtbummel - bei der Hitze nur bedingt angenehm - einem Kaffee und einem Eis ging es wieder zum Bus und dann direkt nach Plymouth. Der Name der Stadt ist abgeleitet von der Bezeichnung: »Mouth of the river Plym«, also »Mund des Flusses Plym«.

In Plymouth wird unser Standquartier für die nächsten Tage sein.

Samstag, 04. September

Ziemlich laut war's heute Nacht, lag unser Hotel doch an einem Verkehrsknoten, ausserhalb von Plymouth. Mit reichlich Verkehr - zu laut draußen bei offenem, zu warm drinnen bei geschlossenem Fenster. Gewöhnt haben wir uns nicht daran in den paar Tagen. Aber wir sind ja nicht zum schlafen hierher gekommen, sondern um was zu sehen und zu erleben. Und das sollten heute die Ortschaften Tavistock, Princetown und zunächst Dartmoor - Edgar Wallace lässt grüßen von wegen dem berüchtigten Zuchthaus - sein.

Vorher zeigte Geoffrey uns aber noch eine uralte Steinbrücke aus keltischer Zeit (oben links). Wie haben die Menschen damals nur diese gewaltigen Gewichte bewegt?

Und dann die Ponies auf Dartmoor (oben rechts). Sie laufen zwar den ganzen Sommer über frei herum - auch auf der schmalen Straße und sind so eine natürliche "Geschwindigkeitsbegrenzung" - gehören aber einzelnen Bauern in der Region.

Das Dartmoor ist ein beliebtes Wandergebiet, auch wir sehen einige kleinere und grössere Gruppen. Und in einem kleinen Shop in Princetown gibt es entsprechende Ausrüstungsgegenstände, wie Windjacken, Wanderstöcke, Karten usw.

Nächstes Ziel für uns ist Torquay (links), das an der sog. "Englischen Riviera" liegt. Und tatsächlich hat der Ort ein Flair, das an die Riviera in Südfrankreich erinnert.

Wir "genießen" zum ersten und einzigen mal auf dieser Reise die berühmten ( ? ) "Fish and Chips" und sind uns einig: Ein eher zweifelhafter Genuß.

Auf der Rückreise nach Plymouth legen wir noch einen kurzen Stop bei Torcros ein. Weil der Strand dem in der Normandie sehr ähnlich ist, haben die alliierten Truppen hier die Landemanöver für die Invasion 1944 geübt. Das wußte unser Geoffrey!
Sonntag, 05. September


Heute haben wir wieder ein umfangreiches Programm "vor der Brust". Zunächst geht es über Bodmin Moor (oben links) - auch hier gibt es Steinkreise, wie Geoffrey uns erklärt - weiter Richtung St. Ives. Unterwegs sehen wir die Reste früherer Kupferminen (oben rechts). Noch im 19. Jahrhundert stammten 2/3. der Kupferproduktion der Welt aus Cornwall!

In Höhe St. Austell sehen wir die Abraumhalden der Kaolingewinnung, dem Grundstoff für die hier heute noch ansässige Porzellanindustrie.

In St. Ives machen wir eine längere Rast und essen eine sehr süße cornische Spezialität, die sehr stark an das "pane" aus Siena erinnert. Der Ort mit seinem malerischen Fischerhafen beherbergt in vielen seiner kleinen Granithäuschen Künstlerateliers und schicke Lokale.

Über wahnsinnig schmale Strassen und enge Ortsdurchfahrten - wir bewundern immer wieder unseren Heiner (Heinrich, wie Geoffrey sagt) - erreichen wir bald Lands End, den westlichsten Punkt Englands.

Wir gehen gleich zu den Klippen - natürlich nur über die sicheren Wege, die gefahrvollen sind sowieso gesperrt - und genießen den imposanten Anblick. Ich schätze einmal mehr meine Hose mit den "abreißbaren Beinen" (oben), denn die Sonne meint es richtig gut mit uns. Und wir können uns sogar noch etwas bräunen lassen.

Aber das Tagesprogramm ist noch nicht zuende. Gegen 15.00 Uhr geht's weiter über Penzance zum St. Michael's Mount. Da Ebbe ist, können wir die Insel (rechts) mit dem ehemaligen Benediktinerkloster - ab dem 15. Jahrhundert war es eine Festung - zu Fuß über den Damm erreichen. Eine Blaskapelle empfängt uns mit schmissiger Musik.

Und dann probiert Christel zum erstenmal den berühmten "Cream Tea". Und der ist nun - anders als "Fish and Chips" - wirklich zu empfehlen, wenn auch ziemlich teuer.

Aber zum Tee gibt es 2 frisch gebackene "Scones" - das sind kleine runde Kuchen - , dazu eine großzügige Portion "Clotted Cream" (Sahne) und "Erdbeermarmelade". Das schmeckt - und geht auf die Hüften!
Montag, 06. September

Heute ist für Heiner / Heinrich ein Ruhetag vorgeschrieben und die Gruppe - die sich im übrigen prima versteht! - plant einen Stadtbesuch in Plymouth. Dabei soll es ein Picknick am Hafen geben, wofür jeder im nahen "Sainsbury - Supermarkt" besorgen soll, was er beisteuern will.

Mit dem Linienbus geht es in rasanter Fahrt in die Stadt (Haltestelle merken für die Heimfahrt!) und dann gleich zum Denkmal für "Sir Francis Drake ", diesen englischen Seehelden. Sein populärer Ruhm beruht in der Hauptsache auf seiner Rolle bei der Vernichtung der spanischen Invasionsflotte, der Armada, im Jahre 1588. Der Platz heißt "The Hoe" und dort gibt es auch noch das "Armada - Denkmal" und einen Leuchtturm. Der aber nur noch eine touristische Attraktion ist.

Nach dem Picknick, bei dem es sehr lustig und laut zuging, stand eine Hafenrundfahrt auf dem Programm (links). Und das war bei den wirklich hochsommerlichen Temperaturen heute eine Wohltat, denn auch auf dem kleinsten Schiff weht immer eine frische Brise.

Der Tamar ist nicht nur irgendein Fluß, nein - er bildet die natürliche Grenze zwischen den Grafschaften Devon und Cornwall und galt in früheren Zeiten als Grenze zwischen England und einem eigenen keltischen Reich. Heute kann man diese Grenze ohne Papiere überqueren, muß bei der Rückfahrt über die "Tamarbrücke" (rechts) aber eine Maut - Gebühr bezahlen.

Nach der Hafenrundfahrt machten wir noch einen kleinen Stadtbummel, aber nur, um festzustellen, daß es nichts Aufregendes in Plymouth zu sehen gab. Ausser einigen malerischen Pubs am Hafen. Ich habe unten mal zwei davon abgebildet.

Sehenswert sind dagegen die Engländer, wie sie absolut diszipliniert in einer Reihe an jeder Bushaltestelle warten. Da gibt es kein Vordrängeln oder Schubsen - einfach vorbildlich!


Dienstag, 07. September

Wieder soll es ein schöner Tag werden, wie uns der Wetterbericht verspricht. Und er wird sein Versprechen halten, soviel sei schon verraten. Abfahrt in Richtung Launceston. Von unserer erhöhten Sitzposition im Bus aus können wir über die Hecken schauen, die hier überall die Strassen säumen. Und sehen eine regelrechte "Patchwork -Landschaft" mit den durch Hecken eingezäunten Wiesen. Auf denen schwarz-bunte und rot-bunte Kühe weiden.

Und dann Schafe ! - Schafe ohne Ende. Und eine andere cornische Besonderheit - Schweineweiden, auf denen diese Tiere den ganzen Sommer über draußen leben. Das milde Golfstrom - Klima macht's möglich.

In Launceston schauen wir uns die Kirche "St. Maria Magdalena (unten links) an. Mit ihrer reich skulptierten Granitfassade und einem aus Holz geschnitzten Lettner im tonnengewölbten Innenraum.

Und auch die Reste der Burg (unten rechts), die zurückgeht auf das 11. Jahrhundert und vom ersten normannischen Grafen von Cornwall - Brian de Bretagne - erbaut wurde.

Ein weiterer Höhepunkt heute wird - ausser einer kleinen Sekteinlage auf dem Parkplatz wg. gestrigem Geburtstag - Tintagel sein, diese eng mit der Artus - Sage verbundene Stadt. Ein ziemlich beschwerlicher Aufstieg wird belohnt mit vielen alten Steinen - aber auch grandiosen Blicken entlang der Felsenküste. Genauso imponierend sind die Reste der Festung, wenn die ursprünglichen Formen auch nur noch andeutungsweise zu erkennen sind.

Aber z.B. ein Hinweis bei einem Steingeviert, daß hier The Garden war, wo die Damen des Hofes der Musik gelauscht haben, ist beeindruckend.

In Tintagel ist das "Alte Postamt" (links) sehenswert, ein Landhaus aus dem 14. Jahrhundert.

In der kleinen Hafenstadt Padstow, unserem nächsten Ziel, erwartet uns Prideaux Place (oben rechts), ein 400 Jahre alter Herrensitz. Der noch bewohnt wird - wir konten die privaten Räume der Besitzer besichtigen - und auch schon mal Kulisse von Pilcher - Filmen war.

"An international television and film location" -
wie der Hausprospekt aussagt.

Mittwoch, 08. September

Auch am letzten Tag in Plymouth meint es die Sonne gut mit uns, wenn es auch windig, ja - fast stürmisch ist. Wir fahren heute Richtung Norden und Yelverton ist unser erstes Ziel. Und dort ein schöner Landschaftsgarten namens "The Garden House" (unten links). Wir werden zu einem Gruppenfoto animiert: Christel, Hetty und Ulla mit Eberhard, Horst und Klaus.

Polperro ist zwar ein ganz niedliches, aber überlaufenes Fischerdorf. Pferde - Taxis bringen die Menschenmassen vom abseits gelegenen Parkplatz in den Ort. Wir bevorzugen es, zu laufen. Dabei können wir die oft recht malerischen und sehr gepflegten Häuser bewundern (links).

Und heute probiere auch ich mal "Cream Tea" - und bin begeistert!

Ein kurzer Abstecher nach Looe und zum letzten Mal fahren wir nach Plymouth. Denn heute heißt es "Koffer packen" - morgen geht's Richtung Heimat.

Und heute erst erfahren wir von der schrecklichen Geiselnahme in einer russischen Schule mit so vielen Toten Kindern und von dem verheerenden Brand in der "Anna - Amalia - Bibliothek" in Weimar.

Donnerstag, 09. September

Pünktlich wie jeden Tag bisher setzt sich die Karawane in Bewegung. Erstes Ziel ist Lyme Regis, eine kleine Hafenstadt ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten. Fossilien soll man hier erstehen können; aber wo, sagt uns keiner. Schade eigentlich, wäre vielleicht ein schönes Mitbringsel geworden.

Für unseren letzten Tag hatte Jutta sich noch etwas Besonderes ausgedacht. Auf der Fahrt nach Winchester, der letzten Besichtigungsstation, sollte es im New Forrest ein zünftiges Picknick geben.

Dabei ist "NEU" hier ein relativer Begriff. New Forrest heißt die Wald- und Heidelandschaft westlich von Southhampton schon seit 1079, als Wilhelm I. ( der Eroberer ) das Gebiet zu seinem Jagdrevier erklärte, viele Bewohner vertrieb und drakonische Strafen auf das Wildern verhängte.

Auf 300 qkm wechseln sich Eichen- und Buchenwälder mit Ginster- und Heidekrautflächen ab. Die Landschaft erinnert sehr stark an unsere Lüneburger Heide. Unser Picknick aber mit selbstgeschmierten Broten, Kaffee und / oder Wein - je nach Geschmack - war "Spitze".

In Winchester schauen wir - nein, nicht nach dem berühmten Gewehr, der Karl - May'schen "Winchester Büchse" - sondern nach der Kathedrale (links). Wie könnte es anders sein !?!

Auf Grund der langen Bauzeit von um 1100 bis 1530 weist sie natürlich verschiedene Stile der englischen Gotik auf. Sehenswert ist auch hier wieder das Gewölbe, aber auch die vielen bunten Fenster, die vielen Kapellen und die Krypta. An den Aussenwänden beherrschen die mächtigen Strebebögen und viele Fialen ihr Bild.(unten)

Ein kleiner Stadtrundgang führt uns u.a. noch zum Denkmal Alfred des Großen (871 - 899), König von Wessex (unten links), der die Dänen besiegte und sich schon damals als Gesetzgeber hervortat.

Und hier in Winchester verabschiedet sich unser Geoffrey von uns, um mit dem Zug heimzufahren. Etwas wehmütig sind wir schon alle, haben uns gut aneinander gewöhnt in dieser Woche.

Folgt die vorletzte Etappe zum heutigen Tagesziel, unserem Landhotel "Potters Heron" in Hampshire (unten).

Heute ist das Abendessen ungewöhnlich gut, vor allem, weil man bei Bedarf nachnehmen kann. Das gab es ja in Plymouth nicht! Anschließend sitzen wir noch mit Ulla und Hetty, Eberhard und Horst in der Lobby zusammen, unterhalten uns und lassen dabei diese letzten Tage in Cornwall nochmal "Revue passieren".

Freitag, 10. September

Was sehen wir, als wir morgens aufwachen? - es regnet. Haben wir ein Glück gehabt mit dem Wetter. Die Sonne hat buchstäblich bis zum letzten Tag geschienen.

Koffer rein in den Bus, ab nach Dover, wo wir eine frühere Fähre erwischen, als geplant. Nützt uns aber auch nicht viel, denn ein Stau auf der Autobahn in Belgien (wohl ein Unfall) wirft uns in der Zeit mächtig zurück. Und so wird es 23.00 Uhr, bis wir endlich in Unna ankommen. Ziemlich angeschlagen für den Moment, aber mit sehr vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen.

Es war halt eine Studienreise und keine Kaffeefahrt.