Studienreise an den Lago Maggiore

Vom 1. bis 10. September 2005

Autor: Klaus Donndorf

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin möcht' ich mit dir, O mein Geliebter, ziehn."

Ganz so theatralisch, wie Goethe seinerzeit dichtete, hat Christel mich nicht gefragt, ob wir die von der Diakonie angebotene Reise nach Stresa an den Lago Maggiore mitmachen sollten. Das war aber auch nicht nötig, denn erstens war das Programm mit vielen Besichtigungen und einem Mailand-Besuch vielversprechend und zweitens wussten wir, daß wieder liebe Bekannte diese Reise auch mitmachen würden. Und so war der Entschluß schon frühzeitig gefasst: auch wir fahren mit.

Das Bild links zeigt unser Reisegebiet rund um den "Lago Maggiore" mit den anderen, auch sehr sehenswerten Seen und Orten.

Mit Toni - der hier rechts stolz seinen Bus zeigt - hatten wir einen erfahrenen und hilfsbereiten Fahrer, der uns zu jeder Zeit ein sicheres Gefühl gab. Mit Bestürzung mussten wir später erfahren, dass er - viel zu früh - plötzlich verstorben ist.

Vorab einige allgemeine Informationen zum "Lago Maggiore":


Der "Lago Maggiore" oder Langensee (ital. auch Lago Verbano / vom lateinischen Lacus Verbanus) ist ein in den italienischen Regionen Piemont und Lombardei und im Schweizer Kanton Tessin gelegener 212.5 km² grosser See.

80.1% der Fläche entfallen auf Italien, 19.9% auf die Schweiz.

Wie die anderen oberitalienischen Seen entstand er beim Abschmelzen eiszeitlicher Gletscher.

Der Seespiegel liegt im Mittel bei 193 m ü.M.. Der See ist 66 km lang und bis zu 10 km breit. Er ist nach dem "Gardasee" der zweitgröste See Italiens. Die grösste Tiefe beträgt 372 m. Der Seegrund liegt also über 170 m unter dem Meeresspiegel.


Jutta hatte mit Ihrer Erfahrung als Leiterin solcher Studienreisen alles fest im Griff - einschließlich der morgendlichen Besinnung im Bus. Beide haben zum guten Gelingen dieser Fahrt entscheidend beigetragen und Ihnen gebührt ein großes "DANKESCHÖN" !!

Und noch Jemand war - um mit Jutta's Worten zu sprechen - ein wahrer "Glücksfall" für uns auf dieser Reise. Und das war Claudia, unsere "vor-Ort"-Reiseführerin. Sie komme aus Mönchengladbach, erfahren wir und lebe jetzt seit 19 Jahren mit Ihrem italienischen Mann in "Belgirate" am Lago Maggiore. Hier arbeitet Sie seit 1996 als selbständige und staatlich geprüfte Fremdenführerin und Reiseleiterin.

Ihr verdanken wir eine Fülle an Informationen über Land und Leute; Informationen, die Sie uns in erfrischend lockerer und dabei verständlicher Form näher brachte. DANKE auch Ihnen, Claudia !!

Aber nun zu unserer Reise:

Donnerstag, 1. September

Warum tun wir uns das eigentlich an? Ja was denn, werden Sie fragen - nun Wecken um 4.30 Uhr ist nicht gerade unser Hobby, aber unser Bus wird pünktlich um 6.00 Uhr in Unna starten. Christiane bringt uns schlaftrunken nach Unna, natürlich ist es noch dunkel. Hetty und Horst sehen wir aber schon, wie die Beiden in Königsborn stehen, um dort zuzusteigen.

Da wieder nur 28 Personen mitfahren, ist reichlich Platz im Bus und Christel und ich haben jeder eine ganze Sitzbank für uns. So wird die Fahrt für uns nicht so anstrengend - auch, weil reichlich Pausen (unten) eingeplant waren.

Die Strecke über die "Sauerlandlinie (die A 45) und weiter über die A 5 an Frankfurt vorbei, können wir schon als unsere "Hausstrecke" bezeichnen, so oft sind wir die in den letzten Jahren gefahren. Auf der A 5 werden hinter Frankfurt aber einige Staus gemeldet und so entscheidet Toni sich ab Darmstadt für die A 67. So lernen wir diese Strecke auch mal kennen.

Und bei der zweiten Rast (unten) gibt es wieder Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, ein kleiner Tisch ist schnell aufgebaut - es ist einfach prima organisiert, das Ganze. Bei soviel Kaffee, Kuchen und die heißen Würstchen nicht zu vergessen, wird selbst eine so lange Busfahrt erträglich.

Am Grenzübergang Basel halten wir unsere Ausweise vorsorglich bereit, brauchen sie aber nicht. Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter Richtung "Gotthardtunnel". Da müssen wir nun leider durch, etwas mulmig ist Christel und mir schon.

Zum Tunnel ein paar Informationen:

Der "Gotthard-Strassentunnel" wurde von 1970 bis 1980 gebaut und verbindet Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Kanton Tessin. Eröffnet wurde er am 5. September 1980, er ist 16,3 km lang und pro Jahr benutzen ihn rund 6 Mio. Fahrzeuge, davon 1,2 Mio. LKW. Der Tunnel ist das Herzstück der Schweizer Nationalstraße A2 von Basel nach Chiasso und damit die kürzeste europäische Autobahnverbindung zwischen Hamburg und Sizilien.

Pro Fahrtrichtung steht nur eine Spur zur Verfügung, die Höchstgeschwindigkeit ist 80 km/h. Lastwagen müssen im Tunnel einen Sicherheitsabstand von 150 m einhalten. Um dies sicherzustellen werden sie im sogenannten "Tropfenzählersystem" in den Tunnel eingelassen. Da der Tunnel natürlich nicht so leer war, wie auf dem rechten Bild zu sehen, bedeutete das 15 bange Minuten für uns. Dichter Verkehr in beiden Richtungen und die erlaubten 80 km/h wurden voll ausgenutzt.

Aber wir kommen heil durch den Tunnel, in "Chiasso" nochmal schweizerisch/italienische Grenzformalitäten. Und dann hat Toni ab "Como" etwas Probleme mit der Routenfindung. Ich setze mich, mit einer Strassenkarte bewaffnet, neben ihn und gemeinsam finden wir den Weg. Südlich um den "Lago Maggiore" herum, sodass wir "Stresa" von Süden aus anfahren. Da wir viel über Landstrassen fahren, erreichen wir unser Hotel erst gegen 20.00 Uhr.

Die Enttäuschung über das Hotel BOSTON was Sauberkeit und Größe der Zimmer betrifft, will ich hier nicht weiter ausführen - sie war jedenfalls allgemein. Und die Stimmung wurde auch nicht besser, als wir erfuhren, daß wir unsere Abendessen im 10 Minuten entfernten Hotel MEETING bekamen. Wenigstens war hier das Essen schmackhaft, abwechs-lungsreich und aus-reichend (nicht wie voriges Jahr in Plymouth) und die Kellner von ausgesuchter Höflichkeit.

Freitag, 2. September

Heute steht ein ganztägiger Ausflug zu zwei der vier "Borromäischen Inseln" auf unserem Programm. Und bei gutem Wetter - 30° werden es heute - ein schönes Erlebnis.

Beim Frühstück heute Morgen kommt Heiterkeit auf, wenn die Bedienung fragt: Kaffää? ; ansonsten das übliche, etwas karge italienische Frühstück. Und als wir losfahren, lernen wir Claudia kennen, die sich gleich mit ein paar lockeren Sprüchen einführt.

Die berühmten "Borromäischen Inseln" liegen im gleichnamigen Golf des "Lago Maggiore" zwischen "Verbania-Pallanza" und "Stresa". Es sind dies: die "Isola Bella", die "Isola Madre", die "Isola dei Pescatori" und die "Isola San Giovanni" (in Privatbesitz). Die "Isola Bella" gleicht einem Schiffsrumpf: der Palast ist die Kommandobrücke, die Gärten bilden das Deck und den Bug.

Im Luftbild wird die ganze Schönheit der "Isola Bella" deutlich! Die Bilder unten sollen ansonsten für sich sprechen.




Die obigen Bilder zeigen Motive aus den Gärten des Palastes, u.a. das "Einhorn" als Wappentier der Familie Borromeo.

Nach einer Palastbesichtigung und einem ausführlichen Besuch der Gärten ging es dann per Boot weiter zur "Isola Madre", der "Mutterinsel" (rechts). Die "Isola Madre" ist die größte unter den "Borromäischen Inseln."

Sie wird überragt von dem "Borromeo-Palast" aus dem 16./17. Jahrhundert, der heute als Museum dient. Die alte und kostbare Ausstattung der Räume beeindruckt den Besucher und zeigt den Palast, als wäre er noch von der Fürstenfamilie bewohnt. Aber auch die Puppen-, Keramik- und Gemäldesammlung, sowie die Zusammenstellung von Bühnenbildern und Kulissen der Mailänder Scala sind einen Besuch wert.

Die ganze Insel ist von Menschenhand gestaltete Natur. Vor dem Palast steht eine jahrhundertealte riesige Himalaya-Zeder, ganz selten in Mitteleuropa, dazu zauberhaft angelegte botanische Gärten mit zahmen Pfauen, Fasanen und anderen Vögeln. Ein Meer von Blüten und Wasserrosen lässt uns ein über das andere Mal staunen. Auch hier sollen die herrlichen Bilder für sich sprechen:




Samstag, 3. September

Heute steht ein "Mailand" - Besuch auf unserem Programm. Wir werden die "Scala", die berühmte Galerie "Vittorio Emmanuele II." - auch "Mailands Salon" genannt - und natürlich den "Dom" sehen. Vor dem "Castello Sforzesco" (rechts) steigt unsere Mailand-Reiseführerin zu, Claudia darf hier nicht führen!

Zunächst geht es am "Arco della Pace" (links), dem "Friedensbogen" vorbei. Der wurde 1807 für Napoleon nach dessen "Waterloo" eigentlich hinfällig, aber auf Befehl "Franz I. von Österreich" doch vollendet. Als Mahnmal für den Frieden in Europa.

Der Bus bringt uns zum Hauptfriedhof der Stadt, wo wir monumentale Grabmäler bestaunen (manche sind aber auch einfach nur scheußlich). 18.ooo € kostet 1 qm Grabfläche; das können sich also nur reiche Familien leisten. Toscanini hat sein Grab auch hier gefunden (rechts). Auf einem Grabmal steht der Name VOGEL - sollten Ulla und Eberhard hier "gebucht" haben ?

Durch die "Via Dante" gehts "per pedes" an der unscheinbaren Fassade der "Scala" (links) vorbei. Und weiter durch die Galerie "Vittorio Emmanuele II." (unten rechts) zur "Piazza Duomo" und dem Dom (unten Mitte). Dessen Fassade natürlich zugehängt war, weshal ich ein Bild aus dem Internet "gedownloadet" habe.

In weißem Marmor erstreckt sich über 157 m Länge und 11.400 qm Grundfläche das majestätische Bauwerk des "Mailänder Doms" mit seinen 5 Schiffen. Das Licht fällt durch wunderschön gestaltete farbige Glasfenster in das Innere, das wir erst nach peinlich genauer Gepäckkontrolle durch die "Polizia" betreten durften.

Der Mailänder Dom ist das bedeutendste Werk der gotischen Baukunst in Italien. Im Jahr 1386 wurde das Werk unter der Herrschaft von "Gian Galeazzo Visconti" begonnen und erlebte während seines Entstehens über 5 Jahrhunderte zahlreiche Baumeister. Die ab dem Jahr 1567 begonnene Fassade ist im klassisch-barocken Stil erbaut. Durch die lange Bauzeit sind vielfältige Stilformen in den Bau eingeflossen.

Insgesamt thronen 3.400 Statuen auf den Spitzen des Domes. Den höchsten Punkt des Domes nimmt die "Madonnina" - wie die Mailänder diese 4 m große goldene Statue in 108,50 m Höhe liebevoll nennen - ein und glänzt weithin sichtbar in der Sonne (rechts).

Gleich am Eingang befindet sich ein in den Boden eingelassenes Messingband mit den Tierkreiszeichen an den Seiten (2 Bilder oben). Ein Lichtstrahl, der durch eine kaum sichtbare Öffnung im Dach fällt, wandert im Laufe des Kalenderjahres auf diesem Messingband entlang, bis er am Ende eines Jahres die gegenüber liegende Wand erreicht. Fand ich interessant.

Interessant ist auch ein Aufstieg auf das Dach des Domes, den wir aber mit dem Fahrstuhl gemacht haben, war es doch wieder sehr heiß heute. Und von hier oben hat man einen schönen Blick über die Stadt. Und den haben Frau Marwick, Ingeborg, Herbert und wir (unten links) ausgiebig genossen!

Frau Marwick wollte es sich nicht nehmen lassen, dieser menschlichen "Statue" einen Obulus zu geben. Ich denke, den hatte der Mann sich bei den heutigen Temperaturen und in seiner "Verkleidung" auch verdient.

Ab 13.30 Uhr öffnet die "Scala" ihre Pforten zur Besichtigung und so wurde es für uns Zeit, dorthin zu gehen. Eintritt? - na klar. Aber dann stellten Christel und ich (für uns) fest, daß uns die "Semperoper" doch besser gefallen hat. Obwohl natürlich auch die "Scala"....!

Leider schafften wir es nicht mehr bis zur Kirche "Santa Maria delle Grazie" (1466-90 erbaut) , um da Vinci's berühmtes "Abendmahl"-Fresco (1494-98) im Refektorium des alten Dominikanerklosters anzusehen. Wäre aber wohl sowieso nicht gelungen, weil man sich zu einer Besichtigung vorher anmelden muß. Deshalb sei auch hier das Internet bemüht.

Dann hieß es, schnell zum "Castello Sforzesco" zu eilen, um unseren Bus nicht zu verpassen. Links ein Blick in den riesigen Innenhof des "Castellos".

Abends gab es dann ein lustiges "sit in" auf der Piazza in Stresa.

Sonntag, 4. September

Heutegeht es nach "Locarno" und anschliessend wollen wir eine Fahrt mit der "Centovallibahn", der "Bahn der 100 Täler", machen. Auf der Fahrt nach "Locarno" machen wir in "Cannobio" halt und sehen uns den typisch italienischen Markt (rechts) an: riesig und laut! Und das ist hier kein Markt für uns Touristen, sondern der findet das ganze Jahr über statt und bedeutet für die Einheimischen die Einkaufsmöglichkeit für alle Dinge des täglichen Bedarfs.

Dann ging es weiter nach "Locarno", wo etwas Zeit für eigene Unternehmungen blieb. Zuerst sahen wir uns die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika "San Vittore" (unten links) an, einer der bedeutendsten Sakralbauten des oberen Lago Maggiore.

Das Zentrum Locarnos lag in römischer Zeit im heutigen "Muralto" und dort, wo die Kirche "San Vittore" steht, stand ein römisches Heiligtum des Bacchus. Die Kirche ist - bis auf den Glockenturm aus dem 16. Jahrhundert - bereits um 1100 entstanden. Im Innern der barockisierten Kirche konnten bedeutende romanische und spätgotische Fresken (unten rechts) freigelegt werden. Unter dem Chor liegt eine romanische Hallenkrypta mit einer einmaligen ornamentalen und figürlichen Kapitellplastik ihrer zierlichen Säulen (rechts).

Die Fahrt mit der "Centovallibahn" (unten) war eher unspektakulär. Irgendwie hatten wir sie uns aufregender vorgestellt. Aber von den filigranen Viadukten bekommt man in den Waggons ja nichts mit und so waren wir erstaunt, als wir in "Domodossola" ankamen und die Fahrt - schon - zuende war. Aber schöne Landschaften haben wir dabei gesehen.
Montag, 5. September

Drei Seen werden wir heute sehen. Ausser unserem "Lago Maggiore" noch den "Luganer"- und den "Comer-See" und Isabella wird uns führen. Die Fahrt geht zunächst am "Maggiore" entlang nach "Cannero". Dieser Ort ist genau nach Süden ausgerichtet und hat dadurch ein besonders mildes Klima. In den geschützten Gärten gedeiht eine ungewöhnliche Vegetation: Zedern, Zitronen, Orangen, Oliven, Bougainvileen und sogar Bananen.

"Cannero" war im ausgehenden Mittelalter lange Jahrzehnte Streitobjekt zwischen den Mailänder Familien "Sforza" und "Visconti". Auch die drei kleinen vorgelagerten Inselchen - die "Castelli di Cannero" bzw. die "Castelli di Malpaga" (oben) - sind Teil dieser Geschichte. Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert bedrohte die ghibellinische Familie der "Mazzarditi" von diesen Inseln aus mit Raubzügen und Piraterie die gesamte Region. Im Jahr 1414 zerstörte "Filippo Visconti" die Bauten und im 16. Jahrhundert ließ "Lodovico Borromeo" die Burg "La Vitaliano" errichten, jetzt als Bollwerk gegen die Expansion der Schweizer Eidgenossen.

Vorbei an den "Brissago-Inseln" (oben), die wahrscheinlich schon zur Zeit der Römer bewohnt waren. Auf der kleineren Insel wurde im 12. Jahrhundert eine dem heiligen "Apollinaris" geweihte Kirche errichtet. Auf der grösseren Insel, der "Isola Grande", bezaubert der um 1885 angelegte Botanische Garten des Kantons Tessin, mit einer einzigartigen subtropischen und exotischen Vegetation.

Links ein Schnappschuß bei einer "PP" kurz vor "Lugano".

Schließlich erreichen wir "Lugano" und schlendern zunächst durch den Park der "Villa Ciani" mit seiner üppigen Vegetation (unten links) Richtung Innenstadt. Weiter am See entlang mit dem Blick auf den "Monte San Salvatore" (unten rechts). Und dann haben wir 2 Stunden Zeit, um auf eigene Faust "Lugano" zu erforschen.


Nach einem Bummel durch den Ort und einem "Cappu" zur Erfrischung, trafen wir uns mit Isabella an der Kirche "S. Maria degli Angeli". Ursprünglich gehörte diese Kirche zu einem Minoritenkloster. Sie birgt das berühmteste Renaissancewandbild der Schweiz(oben)!

Das Kloster wurde 1490 gegründet; der Kirchenbau begann jedoch erst 1499, während die Kirchweihe im Jahre 1515 erfolgte. Das Freskengemälde von der Passion und Kreuzigung Christi ist ein Meisterwerk von "Bernardino Luini" (1480/85-1532). Die figurenreiche Freske nimmt einen Grossteil der Wand ein. Thema des Gemäldes ist die Passion Christi.

Unser Bus bringt uns weiter nach "Como", das Wetter sieht nicht sehr berauschend aus (rechts), wird sich aber im Laufe des Tages bessern. Leider haben wir in "Como" nur 11/2 Stunden Zeit, können so nur wenig von der Stadt sehen.

Die Geschichte "Comos" beginnt früh. Bereits im Jahre 196 vor Christus eroberten die Römer die keltisch-gallische Siedlung mit ihrer verkehrsgünstigen Lage. Zu Reichtum gelangte die Region durch die Gründung verschiedener Seidenmanufakturen im 16. Jahrhundert. Noch heute gilt "Como" als Zentrum der Seidenindustrie und besitzt ein sehenswertes Seidenmuseum.

Das Herz "Comos" ist sicherlich die "Piazza del Duomo" (links). Die Geschichte des Doms beginnt schon im 9. Jahrhundert und Überreste der Basilika "Santa Maria Maggiore" aus dieser Zeit finden sich noch heute in der südlichen Mauer. Der Grundstein der heutigen Kathedrale wurde schon 1396 gelegt und durch die lange Bauzeit bis ins 18. Jahrhundert finden sich gotische-,Renaissance- und spätbarocke Bauteile wieder.

Die Figuren in den Lünetten und auf den Lisenen der Fassade erzählen Geschichten aus der Bibel, geginnend mit der Geburt Christi. Im Innern des Doms fallen die von der Decke hängenden Gobelins auf - ungewöhnlich für eine Kirche (unten).


Wir sehen uns die romanische Kirche "San Fedele" (links) an. Sie stammt aus dem 9. - 12. Jahrhundert. Auf dem Weg zum Bus kommen wir dann noch an dem Mausoleum (rechts) eines berühmten Sohnes der Stadt vorbei - "Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Graf von Volta" (1745-1827), dem Erfinder der Batterie. Zusammen mit "Luigi Aloisi Galvani" gilt er als der Begründer des Zeitalters der Elektrizität.

Abends sollte es dann richtig Stimmung geben - Jutta hatte zum gemeinsamen "Lustigen Abend" gebeten - und Alle, Alle kamen! Und viele beteiligten sich mit amüsanten Sketchen, es wurde viel gelacht und gesungen. Besonders der "Holzmichel" musste dran glauben, aber auch Seemanns- und Volkslieder waren im Repertoire. Und danach legte Toni einen "Riemen auf die Orgel". Erst um Mitternacht kamen wir ins Bett.

Dienstag, 6. September

Der heutige Tag steht "zur freien Verfügung", heute bestimmen wir selber unser Programm. Und das sieht eine Fahrt auf den "Monte Mottarone" vor, den Hausberg von "Stresa".

Ulla und Eberhard, Ingeborg und Herbert, Hetti und Horst und wir "zwei Beide" marschieren also um 9.00 Uhr los, laufen erst noch an der Talstation der Gondelbahn vorbei, so im Schwange sind wir. Erwischen dann aber eine Gondel und ab geht es auf fast 1500 m Höhe. Die Sicht ist zwar nicht berauschend, wir haben aber einen imposanten Blick auf die drei Inseln im See.

Oben angekommen stellen wir fest, daß wir hier nicht nur schon in den Wolken sind, es ist auch empfindlich kalt. Unsere "Sylt-Jacken" bewähren sich einmal mehr, als wir die letzten Meter zum Gipfelkreuz hoch steigen (unten rechts).

Hier oben sehen wir einige Lifte, im Winter kann man also Ski fahren! Wir halten uns aber nicht lange auf, sondern sehen zu, daß wir in die Gaststätte an der Bergstation kommen, wo Ulla und Eberhard treu gewartet haben. Und zur Belohnung gibt's für jeden einen "Cappu". c

Abfahrt zur Mittelstation, um den "Alpina-Gebirgsgarten" anzusehen. Hetti und Christel fachsimpeln sofort, Hobbygärtnerinnen unter sich. Wir finden dann eine Bank mit einem herrlichen Blick auf den "Lago Maggiore" und da sich die Sicht deutlich gebessert hat, genießen wir dieses Panorama ausgiebig, bevor wir weiter abfahren und am See entlang zum Hotel schlendern. Abends gibts dann ein Glas Wein unter Weinlaub und echten KIWI-Früchten.


Mittwoch, 7. September

Der größte "Botanische Garten" am "Lago Maggiore befindet sich in "Verbania" - es ist die "Villa Taranto". Und obwohl es heute ziemlich oft und stark regnet, erleben wir hier etwas Einzigartiges!

“Ein schöner Garten braucht nicht groß zu sein, aber er muss die Verwirklichung eines Traumes sein, auch wenn er nur wenige Quadratmeter misst und sich auf einem Balkon befindet.” - so erklärte Capt. Neil McEacharn.

Viele tausend verschiedene Pflanzen wurden aus allen Ländern importiert, darunter einige seltene Sammlungen, die in ganz Europa einmalig sind. Sie wurden langsam akklimatisiert und mit großem künstlerischem Einfühlungsvermögen in den Rahmen dieser schönen Landschaft zwischen See und Bergen eingefügt.

Im Internet finde ich dazu diese Worte:

"Wer die Schönheit des Verbano gründlich kennen möchte, der muss unbedingt die Gärten der Villa Taranto besuchen.

Berühmt in der ganzen Welt, wird auch der eiligste Besucher dort ein paar Stunden verbringen.

Das Gelände der Gärten war nicht immer so, das heutige Aussehen ist das Ergebnis der Arbeit von Captain McEacharn, der 1931 mit ihrer Gestaltung begann.

Ein Besuch der Gärten der Villa Taranto, ist wie eine Reise durch ferne Länder."



Vorbei an "Farnbäumen", "Affenschwanzbäumen" (Auracania auracana) und einem wie gemalt aussehenden Rasen kommen wir bei unserem Rundgang zu einem "Dahliengarten". Die Blüten- und Farbpracht ist einfach überwältigend und die Bilder (oben) können nur einen kleinen Eindruck davon vermitteln.


Claudia, die uns heute wieder betreut, informiert uns über die Bedeutung der Kastanien für die Ernährung der Menschen hier in der Vergangenheit. Sie waren lange Zeit ein Grundnahrungsmittel, wurden u.a. zu Mehl und das wiederum zu Brot verarbeitet. Die Ernte im Oktober wird überall mit Festen gefeiert. Eigentlich ist hier am See das ganze Jahr über was los.



Der Ort "Verbania", so erfahren wir, besteht aus drei Ortsteilen: Intra, Pallanza und Fondotoce. Für uns geht es am "Mergozzosee", der früher ein Teil des "Lago Maggiore" war und durch Versandung abgetrennt wurde, vorbei nach "Orta" am "Ortasee". Der wie alle Seen hier zwei Namen hat, den heutigen und einen aus der Römerzeit - "Cosiosee" hieß er damals.

Die kleine Insel "San Giulio" (oben links) ist fast vollständig bebaut, sie ist das religiöse Herz des "Cusio-Gebietes" und war schon immer Ziel für Reisende in den Süden und für Wallfahrer. Beherrscht wird die Inselsilhouette von dem ehemaligen Bischofspalast, der heute als Priesterseminar dient. Dort befindet sich die "Schwarze Kanzel" (11. Jhdt., unten links) in der Domkirche.

Wir gehen vom Parkplatz bei der "Villa Crespi", die im orientalischen Stil erbaut wurde, zu Fuß hinunter in den Ort. Toni kann da mit seinem Bus nicht hinfahren. Bummeln durch enge, dunkle Gassen und als es ziemlich heftig anfängt zu regnen, flüchten wir unter eine Markise in ein Restaurant. Dort warten wir bei einem "Cappu", bis uns gegen 15.00 Uhr eine kleine Stadtbahn wieder zu unserem Bus bringt.

Um dann weiter zu fahren nach "Arona", der südlichsten Stadt am "Lago Maggiore", die eine Siedlungsgeschichte über Jahrhunderte hat. Im "Museo Civico" reichen die ersten Exponate aus "Arona" und seiner Umgebung bis ins 12. Jahrhundert v.Chr. in die Zeit der "Golasecca-Kultur", einem Kulturkreis der Bronzezeit, zurück.

Im Mittelalter gehörte die Stadt mit ihrer Burg auf der "Rocca di Arona" wechselweise den Erzbischöfen von Mailand und dem Adelsgeschlecht der "Visconti". Als 1493 Stadt und Burg in die Hände der "Borromäer" kamen, wurde die Burg wieder befestigt und erst von Napoleon geschleift.

Auf dieser Burg wurde 1538 "Carlo Borromeo" geboren, der berühmteste Sproß dieser Mailänder Adelsfamilie. "Carlo Borromeo", deutsch Karl Borromäus, war ab 1560 bis zu seinem Tod 1584 Kardinal und Erzbischof von Mailand.

Er wirkte zwar innerhalb der katholischen Reformbewegung, war aber zugleich ein entschiedener Gegner der Reformation und mitverantwortlich, daß es auf dem Konzil zu Trient (1545-1563) zu keiner Überwindung der Glaubensspaltung kam.

Sein - wie die "Freiheitsstatue" begehbares - Denkmal ragt 24 Meter hoch am Rande der Stadt empor und erregt bei allen Besuchern grösstes Erstaunen ob seiner Mächtigkeit (rechts).

Donnerstag, 8. September

Trübes Wetter auch heute, als wir um 8.00 Uhr nach "Asti" losfahren. Auf der über 1-stündigen Fahrt informiert uns Claudia über das "Piemont", das "Land zu Füßen der Berge". Im Norden begrenzt das "Monte Rosa-Massiv" die Region, im Osten die Lombardei, im Süden Ligurien mit Genua/Genova und im Westen Frankreich und die französischen Alpen. Es gibt praktisch keinen Geländeübergang von der Ebene zu den Bergen, diese steigen abrupt in die Höhe. Das "Piemont" ist über Jahrhunderte ein "Durchreiseland" gewesen, die Menschen hier sind deshalb nicht so "offen", wie die Italiener sonst.

Wir erfahren auch, daß die Nummern an den Brücken der Autobahn zur Standortbestimmung dienen. Steinewerfer, durch die eine junge Frau zu Tode gekommen ist, waren der Anlass - eine gute Idee, wie ich finde - wenn man die Tat schon nicht ungeschehen machen kann.

"Asti", das antike Zentrum des ”Palio“ (Pferderennen), der Trüffel und des Weins liegt im Herzen der "Monferrato-Hügel" am Ufer des "Tanaro". Von den Ligurern gegründet und mit dem Namen "Hasta" unter die Herrschaft der Römer gelangt, erlebte die Stadt im Mittelalter eine Blüte von ausserordentlicher Macht und Reichtum, die sich noch heute in den Gebäuden und Palazzi des Zentrums widerspiegelt.

Asti ist eine der schönsten Kunststädte der Region. In seinem mittelalterlichen Kern wechseln sich die alten befestigten Wohntürme mit den Palästen des Adels aus dem 18. und 19. Jh. ab. So steht hier der Palazzo Alfieri, in dem 1749 der Tragödiendichter Vittorio Alfieri geboren wurde. Die gotische Kirche S. Secondo mit ihrer majestätischen Anlage konkurriert mit der Kathedrale und der romanischen Pracht der Rotunde von S. Pietro.

In "Asti" gibt's wieder eine neue Führerin, die zunächst mit uns in die Kirche "San Secondo" und dann weiter zur und in die Kathedrale "dell' Assunta" geht. Erbaut wurde sie von 1324 bis 54, der Glockenturm stammt schon aus dem Jahr 1266 und ein gotisches Atrium aus 1450.

Innen sucht man die sonst für die Gotik typischen Stilmerkmale wie Ober- und Untergaden, sowie Triforium vergebens. Die lombardische Gotik hat ihre eigenen Gesetze. So ist auch der Innenraum ganz bemalt und es gibt sogar barocke Stilelemente.

Nächstes Ziel ist die Krypta im Museum "St. Anastasius" (Museo di Sant' Anastasio). Hier wurden Reste einer Kirche aus dem Jahr 793 gefunden, ein zugehöriges Nonnenkloster wird in einem Dokument aus dem Jahr 1008 erwähnt.

Den heutigen Höhepunkt stellte dann aber wohl der Besuch eines Weingutes dar, das "Castello di Razzano" (unten) war unser Ziel.

Der Chef des Hauses führte uns persönlich durch seinen sehr gepflegten Betrieb (unten links), wo man auch ein kleines "Museum" mit alten Gerätschaften (unten rechts) eingerichtet hat.


Die Weinprobe

Freitag, 9. September

Heute, am letzten Tag vor unserer Abreise, ist "Markt" in Stresa und da müssen wir natürlch hin. Und es hat sich auch gelohnt, wir haben Wildschweinsalami und Pecorino-Käse für zuhause eingekauft und dabei richtig Spass gehabt. Von wegen "reden mit Händen und Füssen" - wir kein italienisch, der Händler kein deutsch. Aber es hat geklappt, wir haben Alle bekommen, was wir wollten.

Dann folgt noch eine stürmische Überfahrt zur "Isola Pescatori", wo wir so richtig schön nass werden (links). Aber was soll's, wofür gibt es Regenschirme und in einer Gaststätte bekommen wir einen "Cappu" für ganze 1,7o €. (Vom "Gesparten" kauft Christel sich - endlich - eine neue Tasche und Hetti gleich auch. Natürlich wird gehandelt!).

Bis 15.00 Uhr erkunden wir das Inselchen, eine kleine Kirche mit 4 silbernen Papstbüsten (unten rechts) und einige schmale, malerische Gassen. Und die Inselkatzen werden Ingeborg vermissen, so wie Sie sich um sie gekümmert hat!!


Der letzte Abend in Stresa

Samstag, 10. September

Gestern hat es noch ausgiebig geregnet, weshalb wir Zeit zum Koffer packen hatten, denn heute morgen geht es pünktlich um 8.00 Uhr Richtung Heimat. Die Stimmung am See steht auf "Abschied", die Sonne hat sich verabschiedet.

Ein letztes Frühstück mit "Kaffää" und schon um 9.00 Uhr passieren wir die schweizer Grenze, um 10.00 folgen gestoppte 13 Minuten "mulmiges Gefühl" durch den "Gotthardtunnel", kurze Rast in "Altdorf" (unten links), 13.00 Uhr Basel und wir sind wieder in Deutschland.

Folgt noch ein Picknick auf einem AB-Rastplatz, von Jutta wieder hervorragebd organisiert. Ja, das kann Sie!

Toni bekommt zum Dank von uns eine Schürze und verspricht, die jetzt immer mitzuführen. Und nach noch einer Rast bei Darmstadt erreichen wir um 20.30 Unna-Königsborn.

Und so geht wieder mal eine schöne und interessante Reise zuende, von der wir viele neue Eindrücke und Erlebnisse mitgebracht haben.