Unsere Reise nach Dresden und Prag

Vom 17. bis 21. September 2004

Autor: Klaus Donndorf

Für diese Reise gab es für uns eigentlich mehrere Anlässe. Zum einen interessierte uns, wieweit die Wiederaufbauarbeiten an der "Dresdner Frauenkirche" gediehen waren und schon lange wollte Christel mir unbedingt einmal "die Goldene Stadt" zeigen, wie Prag immer apostrophiert wird.

Und dann stellten wir mit nicht geringem Erstaunen eines Tages fest, daß wir ja am 18. September 1964 geheiratet haben, wir also heuer unseren 40. Hochzeitstag feiern konnten.

Und da wir drittens immer schon mal in die "Semperoper" gehen wollten, reifte der Plan, dies alles miteinander zu verbinden. Das bedeutete, daß wir uns rechtzeitig um Karten für die Semperoper bemühen mussten, da gefragte Vorstellungen schon immer sehr früh ausverkauft sind. Die Karten haben wir also schon Anfang März bestellt und so konnten wir die weitere Planung mit Routenverlauf und Hotelbestellungen in Ruhe angehen.

Für uns war das Datum wichtiger, als die Frage, was wir wohl sehen ( und hören ) würden. Als es dann ein Balett war, waren wir zunächst etwas skeptisch, hatten wir so etwas doch bisher noch nicht gesehen. Also: Schaun mer mal...!

"Die Schöpfung" hat nicht nur Haydn zu seinem Oratorium inspiriert, sondern auch Marc Chagall zu dem Bild (oben rechts), dass unverkennbar seine "Handschrift" trägt.

Auf dem Kartenbild (oben) sieht man, daß wir praktisch eine Rundreise Kamen - Dresden - Prag - Dechsendorf - Kamen gemacht haben, denn wir sind auf dem Heimweg noch bei Conny und Frank vorbeigefahren.

Zuerst aber ging es nach Dresden, wo wir im "art'otel" - das ganz nah bei Zwinger und Semperoper liegt - gebucht hatten. So konnten wir abends zu Fuß in die Vorstellung gehen.

Wir hatten reichlich Zeit für einen Stadtbummel und dabei haben wir uns die wiedererstandene und zumindest von aussen schon fertige "Frauenkirche" (links) angesehen. Schließlich noch ein "Capu" auf der (beheizten) "Brühl'schen Terasse" - es war doch ziemlich frisch - und nach einem kleinen Abendimbiss wurde es Zeit zurück in's Hotel zu gehen, wo wir uns für den Abend schick gemacht haben.

Die "Semperoper" (rechts) ist wirklich eine Reise wert mit den wunderschönen bunten und sehr phantasiereichen Chinoiserien an den Decken der Wandelgänge und dem prächtigen Innenraum mit einem riesigen Leuchter.

Und dann natürlich die Aufführung, die uns beeindruckt hat! Das von je einer Sopran-, Tenor- und Bass-Stimme gesungene Hayden`sche Oratorium

"Die Schöpfung"

wurde in einzelnen Figuren vom Balett quasi "nachgetanzt".

Das war eine neue Erfahrung, die uns ganz einfach gut gefallen hat. Und nach diesem schönen Theaterabend genossen wir noch ein leckeres Abendessen im....

Am nächsten Morgen ging es im Frühstücksraum des Hotels schon sehr lebhaft zu - das Hotel war sicher gut ausgebucht. Wir starten gegen 10.00 Uhr, weil heute ja nur rund 150 km zu bewältigen sind. Bis zur Grenze nach Tschechien führt uns noch unser Navi, dann geht es per Karte weiter. Die B 170 / E 55 führt genau nach Süden über Dippoldiswalde, Schmiedeberg und Altenberg zur Grenze bei Zinnwald.

Die Grenze passieren wir ohne Aufenthalt - man ist ja schließlich in der EU - und die Strasse in Tschechien ist gut ausgebaut, wird später sogar Autobahn. Aber die Mädels, die am Strassenrand auf Kundschaft warten, müssen ohne uns auskommen. Genau wie die Heerscharen von Plastik-Gartenzwergen, die überall unterwegs angeboten werden. Auch der Verkehr ist heute am Samstag nur mässig.

Die Hotelsuche in Prag gestaltet sich dann allerdings recht schwierig - so ganz ohne Navi - aber schließlich finden wir das "Carlton" doch und sind mit unserer Suite sehr zufrieden. Auch das Auto bekommt eine Einzelgarage, was für uns sehr beruhigend ist.

Es zieht uns in die Stadt, die vom "Veitsdom" hoch oben auf dem "Hradschin" (oben links) überragt ist und so fahren wir nach kurzem Frischmachen mit der Tram in die Stadt. Achten dabei genau auf die Haltestelle, um ja am Abend an der richtigen wieder auszusteigen. Für unseren ersten Stadtrundgang hatte ich einige markante Punkte nach dem Motto "Prag in einem Tag" ausgesucht und eine solche Vorbereitung kann ich nur empfehlen.

Vom "Wenzelsplatz" aus - das Reiterstandbild Kaiser Wenzel`s war leider verhangen - gehen wir durch die Straße "Graben" zum "Repräsentativen Haus" (oben rechts). Dessen Giebel ziert das halbrunde Mosaik " Huldigung Prags ". Erbaut wurde es 1911.

Gleich daneben der "Pulverturm" (links). Am "Graben" stehen viele Jugendstilhäuser, die frisch renoviert sind und der Straße ihren Stempel aufdrücken. Durch die Straße "Celetnà" gelangen wir zum "Altstädter Ring" ( der eigentlich ein Platz ist) mit dem "Jan-Hus-Denkmal" (oben rechts), der "Teynkirche" (unten links), dem "Altstädter Rathaus" mit der berühmten "Astronomischen Uhr" aus dem 15. Jahrhundert (unten mitte) und dem "Haus zur Steinernen Glocke (unten rechts).

Durch die Altstadt, in der es von Menschen wimmelte - sicher viele davon Touristen wie wir - gelangten wir zur "Karlsbrücke" (unten links), dem zweiten Prager Wahrzeichen. Ihr Grundstein wurde schon 1357 gelegt und sie bildete jahrhundertelang den einzigen befestigten Moldau - Übergang. Als Architekten hatte Karl V. auch hier wieder den Baumeister "Peter Parler" verpflichtet, der ja auch den "Veitsdom" (mit-) erbaut hat. 30 Heiligenfiguren (unten rechts) schmücken die Brücke.

Am westlichen Ende kommt man zur Kleinseite und sieht (unten rechts) die idyllische "Halbinsel Kampa" mit ihren Wasserrädern.

Wer dieses Zeichen (links), welches in die Brückenbrüstung einge-lassen ist, berührt, der kommt nach Prag zurück. Wir haben es berührt und nun werden wir irgendwann sehen, ob es stimmt.

Auf der Karlsbrücke spielen eigentlich ständig Jazzkapellen, ist doch der tschechiche Dixie berühmt. Auch wir hatten Gelegenheit, eine solche Formation zu hören und es stimmt - die Musik war vom Feinsten.

Nach der Fahrt und dem Stadtrundgang bei hochsommerlichen Temperaturen waren wir ganz schön geschafft und haben neben der "Astronomischen Uhr" in einem Straßencafè Rast gemacht (oben rechts). Mit Blick auf die reich mit Scrafitti verzierte Fassade des "Haus zur Minute" (unten rechts).

Die erwähnte "Astronomische Uhr" befindet sich an der Fassade des Altstädter Rathauses. Die Geschichte dieses Gebäudes beginnt 1338, als König Johann von Luxemburg dem erstarkten städtischen Bürgertum die Erlaubnis gegeben hatte, ein Rathaus zu errichten. Nach und nach wurden dem ursprünglichen Eckhaus weitere Gebäude angegliedert, u.a. auch das "Haus zur Minute". Das Innere des Rathauses kann man besichtigen und der Rathausturm mit seinen 138 Stufen erlaubt einen herrlichen Rundblick über die Stadt.

Abends haben wir dann in einem Restaurant in einem idyllischen Innenhof gut und durchaus preiswert gegessen und getrunken. Und alles bei Live-Dixie-Musik. Das war ein wirklich schöner Tagesausklang, bevor uns dann die Strassenbahn wieder gut zu unserem Hotel gebracht hat.

Am Sonntag, dem 19. September war vor 40 Jahren der Tag unserer kirchlichen Trauung. Der Tag unserer kirchlichen Trauung war für uns immer unser eigentlicher Hochzeitstag. Heute haben wir uns die "Kleinseite" mit dem "Veitsdom" und dem "Hradschin" vorgenommen. Ein Taxi bringt uns hinauf zur Burg. Wir lesen, daß sie teilweise über 1000 Jahre alt ist.

Ganz so alt ist das "Matthias-Tor " (oben links) mit den flankierenden "Gigantenfiguren" zwar noch nicht, aber imposant ist es schon.

Im Inneren der Burg empfängt uns dann der gotische "Veitsdom" (rechts), erbaut u.a. von Peter Parler, der 1330 in Gmünd geboren wurde und am 13.Juli 1399 in Prag verstarb. Er gehörte zur berühmten Baumeisterdynastie der Familie Parler.

Der "Veitsdom" wurde errichtet, als Prag im 14. Jahrhundert zum Erzbistum wurde. Begonnen hat seine Baugeschichte schon im 10. Jahrhundert mit dem Bau einer romanischen Rotunde; das ist ein überkuppelter Rundbau. Karl V. ließ dann ab 1344 die heutige prächtige Kathedrale im gotischen Stil errichten.

Die Bauarbeiten dauerten schließlich bis 1929, also fast 600 Jahre! Der Kölner Dom lässt grüßen. Im Veitsdom wurden viele Könige gekrönt und hier befindet sich auch die Gruft der böhmischen Herrscher.

Am Platz vor dem Hradschin stehen u.a. das "Erzbischöfliche Palais", das früher der Sitz der Prager Bischöfe war und das "Toskana Palais" (erbaut zwischen 1689 und 1691).

Beim Bummel durch das weitläufige Gelände der Prager Burg kommen wir an der "St. Georgs - Basilika" vorbei und gelangen schließlich zum berühmten "Goldenen Gässchen" (unten) - nicht, ohne vorher hierfür Eintritt bezahlt zu haben.

Auch den "Singenden Brunnen" (oben) schauen wir uns an, hören aber, um ehrlich zu sein, nichts von seinem angeblichen Gesang.

Weiter führt uns unser Weg vorbei an den Fenstern der Burg, wo es 1618 zum "Prager Fenstersturz" kam und in dessen Folge zum "Dreißigjährigen Krieg".

Vorbei am "Haus zu den drei Geigen" (rechts) gelangen wir zur "St. Niklas Kirche". Sie wurde von dem Baumeister Christoph Dientzenhofer und seinem Sohn Kilian Ignaz ab 1702 im barocken Stil erbaut. Ein überkuppelter Zentralbau mit kurzen Kreuzarmen. Sehenswert ist die Kuppel mit reicher Freskenmalerei (unten).

Weiter vorbei am "Waldsteinpalais", einem barocken Monumentalbau. Hier wohnte Albrecht von Waldstein, heute besser bekannt unter dem Namen Wallenstein (1583 - 1634). Er war bis zu seiner Ermordung 1634 General der katholischen Seite im "Dreißigjährigen Krieg".

Das Bild unten links habe ich etwas größer eingefügt, als alle anderen, zeigt es doch Christel und mich exakt 40 Jahre, nachdem wir uns das Ja - Wort gegeben haben. So bescheiden mit einem Sandwich feiern wir diesen denkwürdigen Tag!


Auf dem linken Bild sind zwei Uhren zu sehen, oben eine "normale" und darunter eine "jüdische" - wir sind nämlich im "Judenviertel" - deren Zeiger wie in Ostfriesland rückwärts laufen. Und das Franz Kafka in Prag gelebt hat, beweist das rechte Foto mit einem Café, das nach ihm benannt ist.

Alles geht einmal zuende, so auch dieser Sonntag bei strahlendem Sonnenschein. Zu berichten wäre noch vom " Smetana - Denkmal " an der Moldau, nahe der Karlsbrücke und den vielen Häusern, Denkmälern und Brunnen, die auf einem Stadtrundgang zu sehen sind. Aber alles kann ich hier nicht wiedergeben, es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Für uns hieß es Abschied nehmen von Prag, wieder mit der Tram ins Hotel und dort genehmigten wir uns eine Flasche Sekt "zur Feier des Tages".

Am nächsten Morgen ging es dann über Karlsbad ( links ) mit Stadtbummel und Mittagessen weiter über Marienbad Richtung Erlangen / Dechsendorf.

In "Marienbad" machte unser Auto Bekanntschaft mit einer polizeilich verordneten "Kralle", weil lt. Polizeiprotokoll der "Fahrzeugführer" (wer das wohl war?) im Parkverbot geparkt hatte. Mit 25,- € konnten wir uns auslösen und weiterfahren.

Gibt es einen Ort im Europa des 18./19. Jahrhunderts, wo ER nicht war. Ich glaube, es wird schwer, einen solchen zu finden! Und so war Goethe auch in "Karlsbad" und in "Marienbad" (unten).

In Amberg - unten der "Hochzeitsbrunnen", erstellt zur Erinnerung an die Hochzeit des pfälzischen Kurprinzen Philipp mit Margarete, der Tochter des Herzogs Ludwig IX. im Jahre 1474 - übernachteten wir noch einmal im "Hotel Brunner". Unten das Rathaus von "Lauf an der Pegnitz"; es stammt schon aus dem Mittelalter.

Für uns gab es dann am Abend ein deftiges Abendessen im "Kartoffelhaus", einer richtig "urigen" Gaststätte.

Die Rückreise am Dienstag, dem 21. September führte uns dann noch bei Conny und Frank in Dechsendorf vorbei und dann ging es endgültig wieder nach Hause.