Weihnachtliches Wien

Im Dezember 2005 flogen wir nach Wien und besuchten einige Wiener Weihnachtsmärkte und das Burgtheater

Autor: Klaus Donndorf


Der Donnerstag, 8. Dezember 2005, war wieder einer der Tage, die wir so lieben. Warum? - nun, unser Wecker stand auf 4.00 Uhr (!) und dieses frühe Aufstehen ist doch nun überhaupt nicht unser Hobby. Um 5.00 Uhr brachte Christiane uns nach Dortmund zum Flughafen, denn pünktlich um 6.20 Uhr war die Maschine der AIR BERLIN "ready for take off".

Beim Umsteigen in Nürnberg gab es einen Zwischenfall. Unser Koffer konnte vom Scanner nicht identifiziert werden und stand plötzlich ganz allein und im Regen auf dem Rollfeld neben der Maschine. Nur weil Christel noch ein Namensschild angebracht hatte, konnten wir ausgerufen werden und so eine Sprengung unseres guten Stückes "in letzter Minute" verhindern! Noch mal Glück gehabt - und ich verspreche hiermit, nie mehr die Vorsichtsmassnahmen meiner Frau zu kritisieren!!

Langsam wurde es hell (oben), aber beim Wiedereinstieg in Nürnberg (links) wäre beinahe unser Koffer stehen geblieben (she. oben).

Der Flug über den Wolken war ein Erlebnis, das wir bei einem kleinen Imbiss bis zu unserer Ankunft in Wien um 9.20 Uhr geniessen konnten.

Nach dem Auschecken ging es mit dem CAT (City-Air-Terminal) in die Stadt zum Bahnhof Wien-Mitte und von dort mit der U-Bahn weiter zur Haltestelle "Rathaus". Jetzt hatten wir nur noch wenige Meter bis zu unserem Hotel, wo wir um 11.15 Uhr eincheckten.

Das "Zipser Hotel" in der Lange Gasse 49, A-1080 Wien, 8. Bezirk liegt zentral, hat 3 - Sterne und ist für einen 4 - Tage Aufenthalt in Wien durchaus zu empfehlen. Diese beiden Bilder von unserem Zimmer (unten links) und dem Frühstücksraum (unten rechts) geben einen Eindruck von unserem Hotel.

Jetzt wird es aber Zeit für ein paar "Wien - Informationen":


Die österreichische Bundeshauptstadt mit ihren rund 1,6 Millionen Einwohnern liegt nicht nur am Schnittpunkt verschiedener Nationalitäten und Kulturen, sondern auch am Schnittpunkt zweier Klimazonen und mehrerer Landschaften.

Mit beinahe 8 Millionen "Nächtigungen" steht es ausserdem auf der Topliste der europäischen Metropolen bei den Touristen ganz oben.

Wien ist in 23 Stadtbezirke aufgeteilt, die mehr oder weniger "schneckenförmig" von innen (1-9) nach aussen (10-23) verlaufen.

Wien, die alte Kaiserstadt im Zentrum Europas, bietet neben zahlreichen Prunkbauten - allen voran die Hofburg und der Stephansdom -viele weitere Highlights, malerische Stadtviertel und Strassen und Plätze zum bummeln und schoppen und dazu:

  • 1800 Kaffeehäuser und 2600 Gaststätten
  • 150 Museen
  • 100 Theater
  • 80 Bibliotheken
  • 20 Varietés
  • 21 Lebensmittelmärkte; der bekannteste ist der Naschmarkt (zwischen rechter und linker "Wienzeile")
  • und nicht zuletzt 17 (!) Weihnachtsmärkte!
Es leuchtet ein, dass man in 4 Tagen nur einen Bruchteil all' dieser Einrichtungen sehen kann.

Georg Kreisler hat Wien sehr schön charakterisiert mit den Worten:

"Wien ist ein unbestimmter Gegenstand, der sich in einem Rucksack befindet. Der Rucksack ist immer voll, egal wieviel man herausnimmt. Und das ist eigentlich das Schöne, das zur Liebe Verleitende: Die Unerschöpflichkeit des Rucksacks".



Dann wollen wir doch mal diese Unerschöpflichkeit des "Rucksacks Wien" erproben und uns ins Volksgetümmel stürzen.

Der Himmel ist blau, es ist kalt, aber trocken und mit entsprechend wärmender Kleidung, die wir als erfahrene Stadttouristen natürlich anhaben, können wir unsere Stadterkundung angehen.

Gleich am Rathaus erwartet uns der erste Weihnachtsmarkt. Hier fallen uns die extrem großen Verkaufsbuden auf, kaum eine unter 10 Meter Länge. Das Angebot an Spielsachen, Weihnachtsschmuck und Süssigkeiten entspricht dem, das wir von unseren Weihnachtsmärkten kennen. Was wir aber schmerzlich vermissen, sind die von uns heiß geliebten Würstchen- und Reibekuchenstände. Dafür gibt es heiße Maronen, also Esskastanien in Mengen. So richtig romantisch bot sich dieser Weihnachtsmarkt dann bei Dunkelheit dar.


Der zweite Weihnachtsmarkt, den wir "schafften", war der "Altwiener Christkindlmarkt" auf der "Freyung", also dem Platz an der Schottenkirche. Nach unser beider Meinung war das der schönste der 4 Märkte, die wir gesehen haben.

Auch dieser Markt verzaubert besonders bei Dunkelheit im Schein der vielen Lichter...

Die Schottenkirche, die Basilika "Unsere liebe Frau", haben wir uns natürlich auch angesehen.

Seit die Kirche 1994 aufwendig restauriert wurde, wird Touristen der Zutritt durch ein Gitter verwehrt, so auch uns. Was schade war, da man sich z.B. vom Glasmosaik des Altars überhaupt keinen Eindruck machen kann. Einen kurzen Stehbesuch, speziell am frühen Nachmittag wegen des hübschen Lichteinfalls, war sie uns aber allemal wert.

Und im kleinen Lädchen nebenan bediente uns ein freundlicher Pater.

Hier einige Informationen zu ihrer Geschichte und wie sie zu ihrem Namen gekommen ist:


Irland nannte man im Mittelalter "scotia minore", wovon sich der Namen Schotten-Kirche und -Tor ableitet.

Heinrich II. Jasomirgott lernte als Herzog von Bayern in Regensburg die Benediktiner des Klosters St. Jakob kennen und berief die irischen Mönche nach seiner Rückkehr nach Österreich nach Wien. Er stellte den Mönchen ein Grundstück für einen Klosterbau außerhalb der Stadtmauern zur Verfügung. Die Klostergründung erfolgte vermutlich 1156, in jenem Jahr, als Österreich zum Herzogtum erhoben wurde.

Bei der um 1200 dem Heiligen St. Georg, dem ersten Benediktiner, geweihten Kirche handelt es sich um eine dreischiffige romansiche Pfeilerbasilika mit einem wenig vortretenden Querschiff und einer Apsis. Die Kirche ist ein großzügig entworfener barocker Saalbau mit dreijochigem Langhaus, Tonnengewölbe und Kapellen mit darüberliegenden Emporen.



Gleich neben der "Freyung" befindet sich ein sog. "Durchhaus" (drei Bilder oben), dessen Geschäfte auch weihnachtlich geschmückt waren.

Natürlich darf auf einem Bummel durch "Alt - Wien" ein Gang über Wiens ältesten Platz, den HOHEN MARKT mit dem "Vermählungsbrunnen" und der "Ankeruhr" nicht fehlen.

Dieser Brunnen verdankt seine Entstehung einem Gelübde Kaiser Leopolds I., der 1702 gelobt, hatte, eine Säule zu Ehren des hl. Josef zu errichten, wenn sein Sohn Josef I. nach der Bezwingung der Festung Landau glücklich aus dem Spanischen Erbfolgekrieg zurückkehren würde.

Der Entwurf stammt von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, die Figuren wurden von Antonio Corradini geschaffen. Das aus vier im Trapez angeordneten korinthischen Säulen und einem bronzenen Baldachin bestehende Monument überdacht die Trauung von Josef (kenntlich an dem erblühenden Stab) und Maria (die guter Hoffnung ist) durch den Hohepriester.

Auf dem Hohen Markt findet man auch die "Ankeruhr". Sie trägt ihren Namen nach der Versicherungsgesellschaft, der das Gebäude gehört.

Zu jeder vollen Stunde zeigt diese Uhr eine andere Figur:

Marc Aurel, Karl den Großen, Leopold den Glorreichen mit seiner Frau, Walther von der Vogelweide, Rudolf I. mit seiner Frau, Hans Puchsbaum, Maximilian I, Bürgermeister Liebenberg, Graf Starhemberg, Prinz Eugen, Maria Theresia mit ihrem Mann Franz Stephan.



Zu Mittag spazieren sie Alle zu Musik vorbei.

Der dritte Weihnachtsmarkt auf unserer Liste war der auf dem Platz AM HOF. Dieser, von Radio Wien unterstützte Weihnachtsmarkt, entwickelt sich zu einer der großen Publikumsattraktionen des Ersten Bezirkes. Übers Jahr findet hier ein regelmässiger "Kunst- und Handwerkmarkt" mit einem riesigen Angebot an Antiquitäten - aber auch viel Trödel - statt.



Neben dem "Feuerwehrmuseum" beherrscht die Barockfassade der Kirche "Zu den neun Chören der Engel" (links) eine Seite des Platzes "Am Hof".

Die Kirche "Zu den neun Chören der Engel" steht in Wien, an der Ostseite des Platzes Am Hof.

In den Jahren von 1386 - 1403 erbauten die Karmeliter anstelle der bisherigen romanischen Hofkapelle eine gotische Hallenkirche mit drei Schiffen. Um 1533 wurde die Kirche den Jesuiten übergeben. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens um 1773 wurde die Kirche am Hof zur Garnisonskirche.

Im 17. Jahrhundert erfolgte eine Barockisierung der Hauptfassade und Innenausstattung - der Chor (von der Steindlgasse aus zu sehen) ist allerdings weiterhin gotisch.

1782 erteilte Papst Pius VI. von der Fassadenaltane aus den Ostersegen.

Am 6. August 1806 verkündete ein Herold des Kaiserhauses das Ende des Heiligen Römischen Reiches, welches über 500 Jahre von den Habsburgern beherrscht worden war. Charakteristisch für diese Kirche ist, daß sie keinen Glockenturm trägt. Ihre Glocke ist an der Rückseite befestigt.

Jetzt bleiben noch die von uns besuchten Weihnachtsmärkte am Oberen Belvedere und an der Karlskirche zu zeigen.

Sicher, sie ähneln sich alle und doch hat jeder seine Besonderheiten, was das Waren- und Speisenangebot betrifft. Oft gibt es regionale Spezialitäten aus österreichischen Bundesländern: Käse und Schinken oder Wurst und Schnäpse. Du findest auf jedem Markt etwas Besonderes.



Und hier noch drei abendlich - romantische Motive: Am Café Sacher (links), Am Mozart - Denkmal (Mitte) und an der Albertina (rechts).
Am Café Sacher Mozart-Denkmal An der >Albertina<

So ein Stadt-bummel machte uns natürlich hungrig und im Restaurant
"Zum Basilisken"
in der Schönla-terngasse 5 haben wir vorzüglich gespeist. Und das bei freundlicher und aufmerksamer Bedienung.

Der Basilisk war ein Drache, der anno Domini 1212, hier in einem Brunnen lebte, und durch seine giftige Eigenschaft viele Menschen tötete. Dieses Untier ist bereits vor langer Zeit, als man ihm einen Spiegel vor die Nase hielt, aus Schreck über sein eigenes Aussehen zersprungen. So geht die Sage.

Was wäre ein Wien-Besuch ohne den "Steffel", den berühmten Stephansdom besucht zu haben? Der war also eines unserer Ziele und mit uns haben einige hundert, vielleicht auch tausende anderer Touristen den gleichen Gedanken gehabt. Es ist fast schon erstaunlich, dass man hier keinen Eintritt verlangt. In die Karlskirche kamen wir z.B. nur "um" - wie der Österreicher sagt - 10,- € Eintritt.

Im linken Bild sind die Süd- und die Westseite des Doms mit dem "Riesentor", den "Heidentürmen" und dem 136 m hohen Turm (1433 vollendet) zu sehen. In der Mitte ist ein Blick zum Chor mit dem Hochaltar und rechts der "Zahnweh-Herrgott", der an der Außenseite des Hauptchores steht, zu sehen.

Von diesem Dom könnte ich so viele Bilder zeigen, dass es den Rahmen meines Berichtes sprengen würde. Deshalb hier nur noch ein Bild des Grabmals Kaiser Friedrich III. (links), der hier 1493 begraben wurde, nachdem er nach der Amputation seines linken Beines in Linz verstorben war. Rechts zwei Bilder vom Erbauer der Domkanzel (links) und von Meister Anton Pilgram. Dies ein Selbstbildnis des Meisters unter dem Orgelfuß (rechts).

Wieviel Kirchen Wien genau hat, habe ich nicht recherchiert. Allein im 1. Bezirk sind es 15, dazu 5 in anderen Bezirken und ob das alle sind - wer weiß? Wir zeigen hier die, die wir uns angesehen haben. Die Schottenkirche (links) habe ich Ihnen bereits vorgestellt.

Die Piaristenkirche (rechts, lag gleich bei unserem Hotel) zählt zu den schönsten Wiens. 1697 wurde in der Josefstadt, damals vor den Toren Wiens, eine Piaristenorden - Niederlassung begründet.

Die Piaristen (Patres scholarum piarum) sind ein Schulorden, der von Joseph Calasanz gegründet und 1621 vom Papst bestätigt wurde. Wesentliche Elemente der Niederlassung in der Josefstadt waren das Kollegium, die Kirche und die Schule. Die Pfarre "Maria Treu" besteht seit 1719.

Die Rektoratskirche St. Peter (unten links), eine der schönsten Barockkirchen Wiens, wurde 1733 nach Plänen von Lukas von Hildebrand erbaut. Sie liegt versteckt in einer Nebenstrasse vom "Graben". An dieser Stelle stand im 4. Jahrhundert im Bereich des römischen Lagers Vindobona die erste Kirche Wiens. Seit damals wird hier Gottesdienst gefeiert.

Als in Wien die Pest wütete, gelobte Kaiser Karl VI. in Jahr 1713, dass er eine grosse Kirche errichten werde, wenn die Pest bald aus der Stadt verschwinde. Die Kirche sollte dem Pestheiligen Karl Borromäus geweiht werden.

Im Jahre 1716 legte man den Grundstein für die neue Kirche nach den Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach, ab 1723 übernahm sein Sohn Joseph Emmanuel die Bauführung. 1737 war das Bauwerk vollendet. Fischer band in die Karlskirche verschiedene Elemente ein. So stellt die Fassade in der Mitte, welche zur Vorhalle führt, einen griechischen Tempelportikus dar, während die beiden Säulen eine Art Repliken der Trajanssäule in Rom sind (unten).

Sowohl in der Karlskirche als auch in der Michaelerkirche fiel uns auf, das die dort aufgehängten Adventskränze jeweils 3 violette und eine rosa Kerze aufwiesen. Dahinter musste sich doch ein fester Brauch verbergen, denn ohne Grund wird so etwas wohl kaum - und auch noch in verschiedenen Kirchen - gemacht.

Aber welcher Brauch, welche Überlieferung steht dahinter? Wir bekamen zunächst keine richtige Antwort. Jetzt aber haben wir sie:
Das katholische Benediktionale enthält eine Segnung des Adventskranzes. Früher war es in katholischen Gegenden üblich, 3 violette und eine rosa gefärbte Kerze, die am 3. Adventsonntag, dem sogenannten Freudensonntag, entzündet wurde, zu benutzen.

Dieses Benediktionale oder Segensbuch ist eines der liturgischen Bücher der katholischen Kirche. Und in diesem Segensbuch werden nicht nur Menschen, sondern auch religiöse Zeichen aller Art sowie Gebrauchsgegenstände des Alltags - unter anderem der Adventskranz - unter den Segen Gottes gestellt. Und - wieder was gelernt!

Ein besonderer Höhepunkt unserer kurzen Wienreise sollte der Besuch im Burgtheater sein - und um es vorweg zu sagen, er wurde es auch! Obwohl wir den Spruch von Karl Kraus (1874-1936) noch nicht kannten:

In Österreich ist öfter schon alles drunter und drüber und schließlich doch ins Burgtheater gegangen.

Nun, drunter und drüber ging es bei uns nicht, aber ins Burgtheater ging es (mit dem Taxi) und dort erwartete uns das als "Dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen" bezeichnete Lessing-Stück "Nathan der Weise". Und diesen "Nathan" spielte kein Geringerer als Klaus Maria Brandauer, also ein "Schmankerl" erster Güte.

Hier eine kurze Inhaltsangabe der Geschichte:

Die Handlung spielt zur Zeit des dritten Kreuzzuges - während des Waffenstillstandes - in Jerusalem. Als der Jude Nathan von einer Geschäftsreise zurückkommt, erfährt er, dass seine (Pflege)Tochter Recha von einem christlichen Tempelherrn aus seinem brennenden Haus gerettet wurde.

Dieser Tempelherr verdankt sein Leben der Begnadigung durch den muslimischen Herrscher, Sultan Saladin. Dieser hatte ihn als Einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt, weil er seinem verstorbenen Bruder Assad ähnlich sah. Nathan überredet bzw. überzeugt den Tempelherrn zu einem Besuch, um den Dank seiner Tochter entgegenzunehmen.

Sultan Saladin hat Geldsorgen, deshalb plant er, Nathan eine Fangfrage zu stellen und dessen Antwort zu nutzen, um Geld von ihm zu bekommen. Saladin möchte ausserdem seine Schwester Sittah mit einem Bruder und seinen eigenen Bruder Melek mit einer Schwester des englischen Königs Richard Löwenherz verheiraten.

Er fragt Nathan nach der "wahren Religion" und dieser antwortet mit der "Ringparabel".Tief davon beeindruckt bittet der Sultan daraufhin, Nathans Freund sein zu dürfen.


Der Tempelherr hat sich unterdessen in Recha verliebt und möchte sie heiraten, obwohl sie die Tochter eines Juden ist. Als er aber herausfindet, dass Recha adoptiert ist und ihre leiblichen Eltern Christen waren, wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalem. Dieser versucht daraufhin, Nathan eine Falle zu stellen.

Am Ende stellt sich heraus, dass Recha und der Tempelherr Geschwister und die Kinder von Assad sind. Nathan, der kein leiblicher Verwandter ist, wird als Vater im Sinne der "Seelenverwandtschaft" anerkannt.


Was ist nun unter dieser "Ringparabel" zu verstehen:

Die Ringparabel gilt als ein Schlüsseltext der Aufklärung und als pointierte Formulierung der Toleranzidee. Dem zugrunde liegt die Analogie, dass der Vater für Gott, die drei Söhne für die drei monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum und Islam) und der Richter für Nathan selbst steht.

Die Aussage der Parabel wäre demnach, dass Gott die drei Religionen gleichermaßen liebe. Eine weitere Interpretation ist, dass Gott die Religion am meisten liebe, die von allen Menschen angenommen und respektiert wird und die alle Menschen eint.

Brandauer als >Nathan<

Das "Burgtheater" selbst ist schon ein Erlebnis. Und was uns und dem durchweg festlich gekleideten Publikum in den 3 1/2 Stunden der Aufführung geboten wurde, war Schauspiel der ersten Klasse!

Fast unnötig zu sagen, dass Klaus-Maria Brandauer in seinem Spiel und besonders in den Monologen brillierte und faszinierte. Aber man täte dem gesamten Ensemble Unrecht, wenn man dessen Leistung nicht ebenso betonte. Es stimmte einfach alles! Und der Applaus und die "Vorhänge" waren entsprechend.

Nach der Vorstellung gab es dann noch einen kleinen Abendimbiss im Restaurant "Fromme Helene" (frei nach Wilhelm Busch). Das war ein Tipp unseres Hotelportiers und dieser Tipp war gut!

Aber der wirkliche kulinarische Höhepunkt der Reise war dann unser Abendessen im "Griechenbeisl", einer historischen Altwiener Gaststätte (Fleischmarkt 11), die wir von einem früheren Besuch in Wien kannten. Dort hatten wir im "Zitherstüberl" (2 Bilder unten) reserviert.

Das imposante Gebäude der Wiener Hofburg (links) mit dem Reiterstandbild des Prinzen Eugen dominiert Wiens Stadtbild ebenso, wie der "Steffel". Eine nette Episode erzählt man sich zu dem Standbild: Als man es aufstellen wollte, stellte man fest, dass es nicht in der vorgesehenen Position stehen blieb, weil es zu mächtig war. Wie hat man sich geholfen - nun, man verlängerte den Schwanz des Pferdes so weit, dass man ihn im Denkmalsockel verankern konnte. Echt pfiffig!

Bevor wir zum Naschmarkt gingen, stand noch ein Besuch in der Nationalbibliothek auf unserem Programm. Die kannten wir nämlich noch gar nicht. Und auch dieser Besuch lohnt sich! Alleine der "Prunksaal" (rechts) mit seinen bis an die Decke reichenden Regalen voller alter Folianten ist sehenswert, genauso wie die Deckenfresken. Und die Reichsinsignien (unten links) in der nebenan liegenden Schatzkammer. Diese in der Wiener Hofburg untergebrachte Schatzkammer zählt zu den bedeutendsten Sammlungen herrschaftlicher Prunk- und Repräsentationsgegenstände.


Besonders sehenswert sind:

- die Reichsinsignien des Heiligen Römischen Reiches (um 962)
- die Hauskrone der Habsburger bzw. österreichische Kaiserkrone (1602)
- der Schatz des Ordens vom Goldenen Vlies und
- der Burgunderschatz (15. Jahrhundert)

So, nun aber schnell zum

Naschmarkt,
der wohl der sehenswerteste Wiener Lebensmittelmarkt sein dürfte. Ein internationales Menschen- und Stimmengewirr begrüsst uns. Und appetittlich aussehende Auslagen an Obst, Gemüse, Wein und vielen anderen süssen Leckereien. Wir nehmen nur etwas Wildschweinsalami mit - sind ja mit dem Flieger hier.

Jetzt muss ich aber nochmal vom Besuch im Schloß Oberes Belvedere berichten, wo ausser dem Weihnachtsmarkt gerade die Ausstellung gezeigt wurde:

Das Neue Österreich
Die Ausstellung zum Staatsvertragsjubiläum 1955/2005

Im Marmorsaal des Oberen Belvedere unterzeichneten am 15. Mai 1955 die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens, der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten von Amerika - also der vier Siegermächte des zweiten Weltkriegs - und des 1945 wiedererstandenen Österreich den "Österreichischen Staatsvertrag". Jetzt hieß es: "Österreich ist frei!"

Für uns als "Zeitzeugen" der 1940-er Jahre bis heute gab es viele Informationen und Bilder, die Erinnerungen weckten und viele "Weisst-Du-noch" - Fragen initiierten. Mich hat besonders eine Guillotine erschüttert, unter der noch in den 40-er Jahren Menschen von den Nazis hingerichtet worden sind.

Gut zwei Stunden haben wir uns hier aufgehalten, die Ausstellung war absolut interessant zusammengestellt. Da blieb echt wenig Zeit, die schönen Aussenanlagen zwischen Oberem- und Unterem Belvedere (unten rechts) angemessen zu würdigen. Aber das "Stiegenhaus" (unten links), wie in Österreich selbst solche pompösen Aufgänge heissen, haben wir ausreichend gewürdigt. Und in dem weissen Pullover steckt Christel.

Etwas fehlt noch in meinem Bericht und das ist unser Besuch des Naturhistorischen Museums (im Bild links der linke Komplex). Dieses Museum ist eines der größten Museen Österreichs und wurde 1891 gemeinsam mit dem gegenüberliegenden, äußerlich fast völlig gleich aussehenden Kunsthistorischen Museum (links rechter Komplex) eröffnet. Es wurde errichtet, um die riesigen Sammlungen von Naturalien der Habsburger unterzubringen. Dieses symmetrische vis-á-vis der beiden Museen an der Ringstraße verdeutlicht die völlige Gleichgewichtung von Natur und Kunst.

Es wäre ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, wollte ich hier die ausgestellten Exponate beschreiben - es sind viele Millionen. Ich kann nur die Empfehlung geben, sich dieses Museum anzusehen! Es bietet eine solche Fülle interessanter Informationen, dass wir auch hier wieder volle zwei Stunden für einen oberflächlichen Rundgang gebraucht haben. Und anschliessend reif für eine längere Pause waren.

Zwischen den beiden Museums-Gebäuden trohnt mächtig Maria Theresia (1717-80), die als "Schwiegermutter Europas" apostrophiert wurde, hatte sie doch 16 Kinder (11 Mädchen, 5 Knaben). Und diese versuchte sie möglichst vorteilhaft zu verheiraten und erhoffte sich von den Eheschließungen einen Machtzuwachs für das Haus Österreich. Ihre Devise war:


"Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube"
"Kriege mögen die anderen führen, du, glückliches Österreich, heirate"


Aber jetzt ist Gelegenheit für einen allgemeinen Rat: Als Rentner sollte man nie die "Wien-Karte" um 16.90 € kaufen, da es in allen Museen für "Pensionisten" Nachlässe in gleicher Höhe gibt und für die Metro kauft man ein preisgünstiges 3-Tage-Ticket.

Am "Dr.-Karl-Renner-Ring" - einem Teilstück der "Ringstrasse" - liegt zwischen dem Museumskomplex und dem Rathaus das Parlamentsgebäude mit dem Denkmal der Pallas Athene davor. Ich habe mal ein Panoramabild davon gemacht.

Aber es gab für uns nicht nur kräftezehrende Besichtigungen. Natürlich haben wir uns auch einige der legendären Wiener Café's von innen angesehen, relaxt und dabei "Einen Großen Braunen" getrunken. Einige dieser Cafés strahlten zwar die viel gerühmte "Wiener Kaffeehaus Atmosphäre" aus. Aber ehrlich - viel Besonderes haben wir ansonsten bei diesen Cafés nicht bemerkt. Höchstens, das sie immer "rappelvol" waren. Und das "Sacher" sowie das "Demel" haben wir uns diesmal ganz "geschenkt".

Alles geht einmal zuende und so auch unsere 4 Tage in Wien, der alten Kaiserstadt im Herzen Zentraleuropas. Wir kannten Wien ja schon von einigen Besuchen, u.a. hatten wir 1989 unsere Silberhochzeitsreise hierher gemacht. Und auch heuer haben wir wieder festgestellt, dass man eine solche Stadt als Tourist nie ganz "erreicht". So haben wir auch diesmal wieder sehr viel Bekanntes, aber auch sehr viel Neues gesehen und erlebt.

Und in der hektischen Vorweihnachtszeit mit den Scharen von Touristen wirst Du nie den raunzigen, aber herzlichen Charme der Wiener und ihre "hochinfektiöse Gemütlichkeit" kennenlernen. Obwohl es Beides noch geben soll! Und die Lipizaner, die Sängerknaben oder die Philharmoniker haben ihre Kapriolen, Koloraturen und Kadenzen sicher auch noch nicht verlernt.

Wir bummeln ein letztes mal über den "Graben", der sich in vorweihnachtlichem Lichterschmuck von seiner besten Seite zeigt und stellen gemeinsam fest:

Wien war wieder einmal eine Reise wert.